Twin Sector
Eine düstere Zukunft, die uns Twin Sector da vorsetzt: In ferner, postapokalyptischer Zukunft steht das Schicksal der Menschheit unter keinem guten Stern. Eine Katastrophe hat dafür gesorgt, dass die Erdoberfläche eine ganze Zeit lang nicht mehr bewohnbar sein wird. Daher wurden Menschen in kryogene Kammern gesteckt, um die Zeit solange im Kälteschlaf zu überbrücken. Dumm nur, dass in den unterirdischen Kammern etwas nicht stimmt und das Überleben der gesamten Menschheit an zwei fähigen Handschuhen liegt - oh, und natürlich an einer Frau. Ist da ein Debakel vorprogrammiert? Unsere Vorschau zu Twin Sector verrät es Euch.
Kommt irgendwie bekannt vor...
"Hm, sieht aus wie Portal". Das ist wohl das Erste, was man direkt nach Spielstart über Twin Sector denkt. Und die Vermutung kommt nicht von ungefähr: Sowohl das an GlaDOS erinnernde Sicherheitssystem O.S.C.A.R. als auch das stark aufs Rätseln getrimmte Gameplay und nicht zuletzt die tristen, sterilen Korridore erinnern verdammt stark an Portal.
Wohingegen Ihr Euch beim Knobel-Shooter aus dem Hause Valve aber noch den Kopf darüber zerbrochen habt, wie Ihr am Besten Portale erzeugen könnt, um weder draufzugehen, noch fest zu sitzen, geht der Titel von Publisher Headup Games - für die Entwicklung zeichnete sich das Bremer Studio DnS Development verantwortlich - vor allem physikbasierte Wege.
Doch statt der Portalkanone greift Ihr dabei wortwörtlich auf zwei besondere Handschühe zurück: Mit dem linken, rötlich leuchtendem Handschuh zieht Ihr Gegenstände an Euch heran, haltet sie in der Schwebe oder könnt Euch zu höher gelegenen Ebenen "heranziehen". Mit dem rechten, bläulich schimmernden Handschuh stoßt Ihr Objekte von Euch weg. Die Grundvoraussetzung für alle erdenklichen Physikrätsel ist damit also gegeben. Und so dauert es auch nicht lange, bis Eure Handschuhe erstmals zum Einsatz kommen. Ein Lasertor versperrt uns den Weg - durchqueren wir es, werden wir in fachgerechte Scheiben geschnitten. Eine Lösung muss also her.
Wir schnappen uns daher ein paar Kisten, versperren den Strahlen somit den Weg und treffen auf eine Tür, deren elektronisches Sicherheitsschloss defekt ist. Hier muss also etwas Wuchtiges her, um das Ganze aufzusprengen. Wir verschieben also die Laserstrahlen mit Knöpfen bis hin zu Tür, greifen uns eine Gasflasche, halten sie mit dem linken Handschuh in der Schwebe und schleudern das gute Stück direkt in die Laserschranken. Kawumm! Der Eingang ist offen. Wer jetzt denkt, dass hier das Ende der Anspruchs-Fahnenstange erreicht wäre, irrt gewaltig. Twin Sector ist schwer, verdammt schwer sogar und die Checkpoints wurden nicht immer fair gesetzt.
Gebt Euch nicht die Schuld!
Doch es ist nicht immer die eigene Dummheit, an der man bisher scheitert, es sind teilweise auch unverständliche Designentscheidungen - Sprichwort Fallhöhe. Wo auch immer unsere gute Ashley Simms herunterspringt, es sei gut überlegt.
Denn teilweise wird der Figur selbst bei kleinsten Abgründen Schaden hinzugefügt und auch bei eher moderaten Höhen "winkt" gar das sofortige Ableben. Zwar gibt das Spiel den Tipp, sich kurz vor dem Aufprall mithilfe des rechten Handschuhs abzustoßen, um die Wucht zu reduzieren, aber das klappt eher schlecht als recht. Manche Herausforderungen werden damit zur reinen Qual: Um an späterer Stelle eine Tür aufbrechen zu können, reicht dieses Mal keine Lasersperre oder irgendwelche schweren Kisten. Stattdessen lotsen wir einen Müllball durch Gänge, setzen wir in einem Areal die Gravitation auf ein Minimum, ziehen uns in Schneckentempo zu einer höher angesiedelten Ebene heran, packen das rollende Übel auf einen Lastzug und müssen dann wieder nach unten, um selbigen raufzuziehen. Und vor allem muss man dabei aufpassen, nicht irgendwo - und scheint es noch so harmlos - herunterzufallen oder die Kugel beim Raufziehen nach unten klatschen zu lassen, damit das Spiel wieder von vorn beginnt. Ist die Kugel auf einer passenden Ebene, muss wieder aufs Peinlichste sensibel manövriert, herangezogen und weggestoßen werden.
Und nein, frei speichern dürft Ihr hierbei nicht, sondern alles brav nochmal machen, wenn Ihr das Zeitliche segnet oder der Müllball wieder nach unten fällt. Man kann es Herausforderung nennen, aber in Twin Sector kann das Ganze schon einmal zur regelrechten Tortur ausarten, zumal sich das Spiel - bisher - teilweise selbst die Beine stellt. Ob das nur an der Previewfassung liegt, können wir leider noch nicht sagen, erscheinen soll der Titel immerhin schon am 17. September dieses Jahres. Vor allem aber optisch und akustisch macht Twin Sector noch einen unausgegorenen und höchstens zweckmäßigen Eindruck.
Es besitzt weder den sterilen Charme und Glanz eines Portal, noch eine gute Synchronisation. Stattdessen sind die Ladezeiten bisher noch recht lang, die Umgebungen einen Tick zu trostlos und farbarm und Twin Sector läuft zudem noch mit aktuell nicht immer überzeugender Performance. Die Dialoge zwischen Ashley und O.S.C.A.R. wirken dagegen mau vorgelesen und ohne richtige Betonung. Wo GlaDOS noch beachtliche Sympathiepunkte mit witzigen, teils bitterbösen Sprüchen sammeln konnte, ist O.S.C.A.R. einfach nur witzlos - sowohl auf deutsch als auch auf englisch. Und wenn man sich schon an Portal orientiert, darf man schließlich auch mit dem mehr als offensichtlichen Vorbild verglichen werden.
Ersteindruck
Fest steht: Twin Sector wird Portal mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit qualitativ nicht überflügeln. Dafür ist O.S.C.A.R. zu langweilig, das Spieldesign nicht immer ausgeklügelt und die Herausforderungen in Verbindung mit den eher spärlich gesetzten Checkpoints einfach noch zu schwer. Auch technisch kann der Titel aus deutschen Landen dem Valve'schen Pendant nicht das Wasser reichen.
Das heißt, aber nicht, dass sich Fans physikbasierter Knobeleien komplett von Twin Sector abwenden sollten. Immerhin sahen wir uns in unserer Preview-Version schon einer breitgefächerten Palette an recht abwechslungsreichen Aufgaben konfrontiert. Und trotz des hohen Schwierigkeitsgrades und Bissabdrücken in der Tastatur macht das Spiel oftmals einfach einen Heidenspaß. Wer sich also für Portal begeistern konnte, sollte Twin Sector dennoch im Auge behalten.
Ersteindruck: Befriedigend






