Velvet Assassin

Preview
Plattform
PC
Vertrieb
Gamecock Media Group
Entwickler
Replay Studios
Erscheinungsdatum
N/A
Genre
Andere
Velvet Assassin [PC , looki.de]

Velvet Assassin

In den Hamburger Räumen der Replay Studios wird zur Zeit an einem Titel gewerkelt, den wohl keiner kennen dürfte, der die letzten Monate Informationssperre hatte oder unter den bösen Tentakeln der eigenen Freundin leiden musste, weil die Spiele doof findet: Velvet Assassin.

Kennt Ihr nicht? Und wie wäre es mit Sabotage? Na, klingelt es allmählich? Das Spiel wurde vor einiger Zeit umbenannt. Ob das sinnvoll war und wie sich Velvet Assassin bisher sonst so schlägt, erfahrt Ihr in unseren First Facts.

Frauen sind also doch gefährlich...

Das Schicksal der Widerstandskämpferin Violette Szabo war von Anfang an besiegelt: Mit 19 Jahren lernte sie unter ihrem Mutternamen Bushell den Captain der Fremdenlegion, Etienne Szabo kennen und trat wohl aus Gründen der Liebe in die weibliche Fraktion der Britischen Armee ein. Der Krieg sollte die später perfekt ausgebildete Agentin und Widerstandskämpferin bis aufs Stärkste beuteln.

Nicht nur, dass ihr Mann in den Wirren von El Alamein zu Tode kam, nein, Violette Szabo wurden ihre Einsätze kurz nach dem D-Day ihr zum Verhängnis.

Szabo wurde gefangen genommen, brutal gefoltert und später hingerichtet. Dem Drama nahmen sich die Crashday-Macher von Replay Studios in ihrem neuesten Werk an und lehnten ihre Figur Violette Summer an die frühere Widerstandskämpferin an. Mit Wohlwollen betrachtet dies der anspruchsvolle Konsument, spricht die Anlehnung an Szabo doch für ein gehöriges Potenzial hinsichtlich Story, Atmosphäre und Glaubwürdigkeit. Und der Otto-Normal-Spieler, der dem reinen Gameplay mehr Beachtung schenkt, als einer tiefgründigen Geschichte?

Der dürfte ebenfalls bedient werden, denn Velvet Assassin verspricht etwas Großes zu werden. Und das, obwohl man die weibliche Heldin unnötigerweise für den US-Markt attraktiver gestaltet hat.

Eine ungeschminkte, von Anspannung und Anstrengung gezeichnete Violette wäre uns lieber gewesen als größere Titten und ein hübscheres Gesicht, hätte erstere Variante doch besser in das Schema der gefallenen – und noch tiefer fallenden – Heldin gepasst, schade eigentlich.

Velvet Assassin versteht sich als ein gewöhnlicher Schleich-Shooter, würzt dieses Prinzip, welches auf umgängliche Morde und den dicken Mantel der Ästhetik setzt, aber mit bizarren, surreal-wirkenden Stealth-Kills, die für überraschend unbequeme Tötungen auf dem Screen sorgen.

Dabei spielt das Spiel ein kleines Ballett vor unseren Augen ab, sorgt für unecht erscheinende Farbverzerrungen und zahm dahin wehendes Blätterwerk im Hintergrund, während im Vordergrund ein Nazi um sein Leben kämpft und ihm Violette kompromisslos, aber vor allem gefühlskalt die schmerzhaftesten und auch letzten Minuten seines Lebens beschert.

Unterlegt wird das Ganze mit subtiler Klimpermusik, die das Geschehen wie einen Traum wirken lässt. Und das nicht umsonst, befindet sich die gute Violette doch im Koma...

Ob auch der Umfang stimmen wird?

Sämtliche zwölf Abschnitte, die man spielen wird, basieren auf der Erinnerung der schwer verwundeten Titelheldin, die ihr Dasein im Lazarett fristet – hier hören die Parallelen zur echten Violette aber auch schon auf. Auch das Thema „Liebe macht blind“ wird bei der gewieften Einzelgängerin wohl kaum eine Rolle spielen. Aber wer weiß, vielleicht haben sich die Entwickler ja noch die ein oder andere dramatische Spitze für die fertige Version aufgehoben.

Zu wünschen wäre es, denn das kommt dem spannenden Ansatz der lautlosen, tragischen und von ihrer eigenen Kälte überraschten Killerin nur zu Gute.

Und hoffentlich merzt die bisher vielversprechende Heldin – in Hinblick auf erzählerisches Potenzial - und eine adäquate Umsetzung unsere größte Befürchtung bezüglich der letztlichen Qualität von Velvet Assassin aus: Die Spielzeit.

Zwölf angekündigte Aufträge klingen nicht gerade nach viel, bleibt nur zu hoffen, dass sich die Replay Studios darüber bewusst sind und Violette auf keinen kurzen Trip schicken. Im besetzten Frankreich darf sich die Heldin dabei mit dem üblichen Repertoire an bekannten Waffen eindecken, Rambo-Allüren werden schnell mit dem virtuellen Tod bestraft.

In den coolen Stealth-Kills kommt vorwiegend das Messer zum blutigen Einsatz. Ähnlich wie in Splinter Cell ist der Schatten dabei Euer stärkster Freund: In einer Mission brechen wir nachts in ein bewachtes Gefängnis ein, dessen Stromzufuhr wir im Auftrag davor gekappt haben.

Schießereien sind aufgrund der eng begrenzten Räume nicht wirklich zu empfehlen, stattdessen haben wir eine Pistole und das Messer im abwartenden Anschlag. Eine Taschenlampe zeigt uns relevante Objekt und, sobald die Luft frei ist, wohin wir gehen müssen, um die Mission zu einem befriedigenden Abschluss zu bringen. Die Kamera befindet dabei stets in typischer 3rd-Person-Manier hinter Violette, so dass es auch in engen Problemen keine Orientierungsprobleme geben dürfte.

Optisch begeistert der Titel bereits jetzt mit überzeugenden Schattenwürfen und einer angemessenen Ausleuchtung, Violette bewegt sich geschmeidig animiert durch die bisher noch ein klein wenig enttäuschenden Umgebungen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, schließlich wird fieberhaft an Velvet Assassin gearbeitet und Verzögerungen hatte der Titel schließlich schon mehr als genug. Das Spiel soll diesen Herbst für PC, PS3 und Xbox 360 erscheinen.

Ersteindruck

Das Potenzial der Story in Anlehnung an eine echte Person hat mir gleich im ersten Moment die Augen geöffnet: Das Ding muss was werden! Im zweiten kamen dann die ästhetischen Stealth-Kills, wobei ich nicht genau weiß, ob das Wort Ästhetik hier die korrekte Verwendung findet. Vor allem möchte ich eins nicht: Dass die Inszenierung unter einem drögen Geballere und eklatanten KI-Schwächen zu Grunde geht. Für die Entwicklung von Velvet Assassin drücke ich den Replay Studios daher beide Daumen (und Zehen). Denn eine Sache bleibt zusätzlich noch abzuwarten: Zwölf Missionen versprechen nicht unbedingt die größte Langzeitmotivation, die man sich vorstellen könnte. Und wenn das Produkt letztlich doch kurz geraten ist, möchte ich wenigsten knackig unterhalten werden. Die Ansätze sind definitiv da, jetzt liegt es nur noch an der finalen Umsetzung.

Velvet Assassin [PC , looki.de]

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