World of Warcraft
Tage und Nächte sind wir durch die Weiten von Blizzards World of WarCraft gereist, haben gegen Monster gekämpft und sind in die tiefsten Dungeons vorgedrungen. Aber wie spielt sich das erste MMORPG von Blizzard? Erfahrt es in unserer Vorschau.
Seit Dark Age of Camelot sind MMORPGs auch in unseren Breiten immer beliebter geworden. Der Kampf Mensch gegen Mensch (PvP), die Möglichkeit eine fantastische Welt zu erkunden und Abenteuer zu erleben zogen immer mehr Spieler in den Bann der MMORPGs. Seit Oktober läuft in Europa nun die Closed Beta von Blizzards World of WarCraft und hier könnt sehr ihr nun unseren kleinen Reisebericht.
Der Anfang einer langen Reise
Auf unserer ersten Reise haben wir uns auf der Seite der Horde als Ork Krieger, Untoten Diebin und Tauren Schamane durch Kalimdor und den östlichen Kontinent geschlagen. Auf der Hordenseite stehen euch die vier Rassen Ork, Troll, Taure und Untote zur Verfügung.
Hierbei haben aber nur drei der Rassen eigene Startgebiete. Die Orks und Trolle haben das gleiche Startgebiet, sowie auf Seiten der Allianz die Zwerge und Gnome. Zusätzlich gibt es noch die Nachtelfen und Menschen auf der Allianz Seite, mit eigenen Gebieten.
Der Charakteraufbau ist denkbar einfach und ist nach wenigen Momenten erledigt. Denn hier wählt ihr einfach einen Namen aus, Frisur, Haarfarbe, Hautfarbe, Piercings (Ohrringe) und das Gesicht eures Alter Egos. Schmerzlich vermissten wir an der Stelle die Möglichkeit verschiedenen Körpergrößen einzustellen. Denn so hat jeder Troll, jeder Ork, jeder Zwerg, jeder Mensch usw. die gleiche Körpergröße.
Als letztes wählen wir dann noch die Klasse aus. Hier stehen auf Seite der Allianz der Krieger, Paladin, Dieb, Warlock, Priester, Jäger, Magier und Druide zur Verfügung. Auf der Seite der Horde gibt es alle Klassen bis auf den Paladin, dieser hat hier den Counterpart des Schamanen.
Erste Schritte
Ist der Charakter erstellt kann es auch direkt losgehen. In einem schönen kleinen Ingame Intro wird euch kurz etwas über den Hintergrund eures Charakters erzählt, während die Kamera über die Spielwelt fliegt. Sehr schön dabei ist, dass dies live geschieht, sprich ihr seht schon im Rassen-Intro die ersten anderen Spieler umherlaufen.
Direkt am Startpunkt gibt es dann auch die ersten Aufträge. Diese sind zum Einstieg angenehm leicht gehalten und so steigt man in kürzester Zeit bis Level 5, bzw. Level 6 auf, wo es dann spätestens aus dem ersten kleinen Startgebiet herausgeht.
Wann der richtige Moment kommt erfährt man aber schon durch das Spiel. Denn sind alle Missionen im Startgebiet erledigt wird man von den NPCs weitergeschickt. Dies Prinzip wird auch das spätere Spiel über oft wieder auftauchen, wodurch man spielerisch neue Gebiete kennerlernt.
Die Quests in World of WarCraft sind wirklich eine Besonderheit. Zwar nicht so sehr von ihrer Aufgabenstellung, ist es doch meist auch nur Haue Monster X bis Gegenstand Z fällt und bring es zum NPC Y oder Bringe Gegenstand D von Punkt A nach Punkt B, dafür aber von ihrer Masse her.
War es bisher in MMORPGs oftmals normal das man stundenlang an einem Fleck stand und immer nur die gleichen Monster umgehauen hat um endlich einen Level Up zu bekommen, gehört dies in World of WarCraft der Vergangenheit an, aber auch nur wenn man es möchte.
Dabei ist es insgesamt sehr schön, das man wirklich rein mit Quests leveln kann und das auch Solo. Das Gruppenspiel macht natürlich mehr Spaß auf Dauer, aber man kann auch mal gut alleine Spaß haben in World of WarCraft.
Denn man hat die Freiheit sich entweder durch Quests massig Erfahrung reinzuholen und gerade am Anfang eigentlich nur durch das Erfüllen der Quests zu leveln, oder man kann auch einfach Monster umhauen um eine neue Erfahrungsstufe zu erreichen. Die Qual der Wahl liegt hier beim Spieler.
Eine ähnliche Wahl müsst ihr bei den Berufen treffen. Hier könnt ihr zwei Hauptberufe und einen sekundären Beruf auswählen. An Berufen gibt es Schneider, Kürschner, Schmied und vieles mehr. Sekundäre Berufe sind Angeln, Erste Hilfe und Kochen.
Während ihr eure Erfahrung ansammelt und im Level aufsteigt könnt ihr bei euren Klassentrainern auch immer wieder neue Skills kaufen. Dies sind je nach Klasse Zaubersprüche, Spezialschläge und andere Eigenschaften.
Aber auch hier geht Blizzard einen anderen Weg. Denn anstatt wie gewohnt Punkte per Level Up zu vergeben, die man auf Skills verteilen kann, steigern sich die Eigenschaften wie Stärke, Geschicklichkeit und Co. von alleine und für die anwendbaren Skills wie die Spezialschläge zahlt man Geld und keine Punkte.
Talente machen den Unterschied
Bis Level 10 sind alle Charaktere einer Klasse irgendwie gleich. Meistens haben sie alle die gleichen Skills, kämpfen auf die gleiche Art und Weise mit denselben Skills und sehen sich durch die ersten Drop Rüstungen oftmals noch alle sehr ähnlich.
Ab Level 10 aber kommt endlich der Punkt wo ein wenig eigener Stil in den Charakter mit einfließt.
Denn nun geht es daran den ersten Talentpunkt zu verteilen. Bei den Talenten gibt es aktive und passive Talente. Erstere sind meist besonders mächtige Schläge oder Zauber, die auch eine sogenannte Cool Down Phase haben, sprich für zum Beispiel zwei Minuten kann das Talent danach nicht noch mal eingesetzt werden. Passive Talente verbessern bestimmte Eigenschaften wie das Ausweichen, Parrieren, den Schaden eines Angriffs und ähnliches.
Ab Level 10 bekommt man bei jedem Level Up nur einen einzigen Talentpunkt. Die Verteilung der Talentpunkte bestimmt ab dann in welcher Richtung man mit seinem Charakter geht. Bei dem Dieb kann man zum Beispiel auf Kampf-Talente gehen, die den Schaden erhöhen sowie die Verteidigung, oder man geht bei ihm auf die Diebestalente, wodurch die speziellen Diebesangriffe aus dem Stealth heraus mehr Schaden machen.
Nachdem die ersten Monster also erlegt sind, die ersten Aufgaben gelöst, Talentpunkte verteilt und die ersten Skills gekauft wurden geht es daran die Welt zu erkunden. Je nach eurer Serverwahl beginnt sich nun langsam das Spiel zu verändern. Auf dem PvP Server (Player vs. Player) kommt ihr ab Level 20 langsam in die sogenannten Contested Territories.
Dies sind Gebiete, in denen ihr jederzeit angegriffen werden könnt. Auf dem PvE Server müsst ihr erst ein PvP Flag aktivieren bevor man euch angreifen kann. Sobald ihr allerdings einen Gegner attackiert ist das PvP Flag bei euch aktiviert, egal in welchem Gebiet ihr euch aufhaltet.Spätestens ab Level 20 trefft ihr dann auch auf die ersten Elite Gegner. Dies sind Monster, die mit einem besonderen Symbol gekennzeichnet und sehr viel stärker als normale Monster auf dem Level sind.
Elite Gegner tauchen zuerst noch alleine auf oder in kleineren Gruppen. Aber es gibt auch die sogenannten Instances, die meist voll sind von Elite Monstern. In diese Instances kann man nur als Gruppe hinein. Instances sind für die einen Spieler ein Riesenspaß und für die anderen ein Fluch. Denn ein Instance Run, also einmal durch alle Gegner durch, kann gerade bei den höheren Instances schon leicht mehrere Stunden dauern. Für all diese Instances gibt es meist auch Quests, wobei die Belohnungen für eine Elite Quest meist sehr viel besser sind als jeder Drop auf dem gleichen Level oder andere Questbelohnungen.
Player vs. Player
Ein großer Punkt für viele Spieler ist immer der Player vs. Player Part, wo man alleine, zu zweit oder in einer Gruppe oder Raid Armee den Gegner mal so richtig schön verhauen kann.
Derzeit ist der Player vs. Player Part in World of WarCraft zwar schon ganz gut, aber vieles fehlt noch.
Die vor einer Weile angekündigten Battlegrounds sollen mit den nächsten Patches kommen und das Dishonor/Honor System wurde über den Haufen geworfen. Derzeit sieht es so aus, dass man den Gegner zwar angreifen und immer wieder umhauen kann, mehr aber auch nicht. Denn da es aber momentan keinerlei Titel zu erringen gibt und man auch nichts erobern kann wird der PvP recht schnell fad. Besiegt ihr einen Gegner in einer Stadt, die einen Friedhof besitzt, ist euer erledigter Gegner in Windeseile wieder beim Kampf dabei und macht fröhlich weiter. So kann man sich derzeit stundenlang bekämpfen, es wird aber niemals wirklich einen Sieger geben.
Das ist insgesamt sehr schade, da das Balancing der verschiedenen Klassen derzeit recht gut ist. Hier und da mag die eine Klasse mal besser oder schlechter sein, aber im Großen und Ganzen passt das Balancing schon sehr gut.
Für einen der nächsten Patches ist aber inzwischen schon das Titelsystem mit Belohnungen, wie spezielle Rüstungen, angekündigt. Außerdem sollen bei einem der nächsten Patches auch die Battlegrounds kommen, sowie Städte und Friedhöfe in umkämpften Gebieten die erobert werden können. Erst dann wird das Player vs. Player System auch wirklich beginnen zu existieren, da es dann einen Sinn bekommt.
Grafik und Sound
Grafisch ist World of WarCraft auf keinen Fall der Spitzenreiter des Genres. Aber das ist in diesem Fall auch gar nicht negativ. Denn die Grafik sieht immer noch gut aus und hat den Vorteil, dass auch auf älteren Systemen das Spiel sehr gut läuft. An Effekten gibt es Schatten, Reflektionen auf Metal, schönes Wasser und natürlich massig große und kleine Zaubereffekte.
Die Charaktere sehen insgesamt auch gut aus und sind von der Animation sehr stimmig. So macht euer Charakter immer kleine Bewegungen wenn ihr etwas sagt.
Die Welt ist sehr liebevoll gestaltet. Überall gibt es etwas Neues zu entdecken, und wer auch einfach mal abseits der Quest- und Level-Wege die Welt erforscht wird vielleicht sogar noch auf was gänzlich Neues stoßen. Die verschiedenen Monster und menschlichen Gegner sind auch gut geworden.
Je weiter man allerdings kommt desto häufiger sieht man auch hier den gleichen Gegner nur etwas größer und mit veränderten Namen noch einmal. Die Wiederholung ist eh ein Problem des Spieles. Denn so gut wie jedes Farmhaus, viele der Höhlen, Schlösser und so weiter sind exakt gleich. Vielleicht haben sie hier und da mal andere Texturen, aber innen drin sind die Gänge exakt gleich angelegt. Sogar Schatztruhen sind in Höhlen immer nur an bestimmten Plätzen untergebracht- wie auch die Questgegner. Und leider muss man nicht oft spielen um das zu erkennen.
Der Sound kann insgesamt auch überzeugen. In der jetzt frisch aufgespielten deutschen Version des Spieles sind auch endlich die deutschen Sprecher dabei. Diese klingen zwar teilweise noch etwas ungewohnt, aber zum Beispiel die Sprecherin bei den Menschen kann durchaus überzeugen. Die Kampf- und Umgebungsgeräusche sind sehr gut geworden.
Vögel zwitschern, Klingen singen und das dumpfe Dröhnen der Hämmer und die Freudenfeuer sorgen überall für die nötige Atmosphäre. Der Soundtrack ist aber ein anderes Thema, denn dieser ist richtig schön geworden, ein orchestraler Ohrenschmaus über den sich Collectors Edition Besitzer dann auch freuen können, wenn er aus den Boxen der heimischen Anlage dröhnt.
Ersteindruck
World of WarCraft begeistert, aber schickt einen auch mehr als einmal durch ein Wechselbad der Gefühle. Die Welt ist liebevoll gestaltet und glänzt immer mal wieder mit kleinen und feinen Details. Die Charaktere und Klassen sind gut und auch das Balancing passt im Großen und Ganzen. Das Spiel fasziniert zudem durch seine leichte Zugänglichkeit. Hier erklärt sich fast alles von selber und man kommt auch mal alleine ohne Probleme weiter, ist also nicht immer auf Gruppen angewiesen.Aber was ist mit dem Player vs. Player passiert? Dieses Feature ist quasi nicht vorhanden, jedenfalls nicht in der Art wie es angekündigt wurde. Denn man kann nichts erobern, man kann keine Titel erwerben, Gegner stehen innerhalb von ein bis zwei Minuten wieder vor einem, das sogenannte Gray Ganking wird nicht bestraft, da das Dishonor System weggefallen ist. Damit hat hier derzeit Dark Age of Camelot sogar wirklich noch den Vorteil auf seiner Seite.
Ein Punkt, bei dem sich auch die Geister scheiden sind die Instancen. Für Spieler mit viel Zeit sind diese ein schönes Erlebnis. Für Spieler, die aber nur mal ein oder zwei Stunden spielen wollen, sind sie nicht zu gebrauchen. Gerade in den hohen Leveln kommt so oft auch mal ein wenig Langeweile auf.
Derzeit befindet sich World of WarCraft noch immer in der Closed Beta und die deutsche Version ging diese Tage erst an den Start. Insofern dürfte sich bis zum Start des Spieles Anfang 2005 noch bestimmt einiges ändern.
VIDEO
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