Und dabei hat es so schön angefangen: 2003 wurden die 10tacle Studios gegründet und schon nach relativ kurzer Zeit durch die Vermarktung erfolgreicher Spiele sowohl deutschlandweit als auch international als Überflieger der Branche bekannt. Mit Spielen wie Neocron 2, der hoch gelobten GTR-Rennspielserie, dem Bestseller-Adventure Jack Keane oder dem Echtzeitstrategiespiel Warfront: Turning Point war 10tacle in fast allen Genres zu Hause und machte aus seinem Erfolg kein Geheimnis. Ob nun mit großen Ständen und massig knapp bekleideten Mädels auf der Games Convention oder ambitionierten Spieleankündigungen - man hatte das Gefühl, dass der Höhenflug kein Ende haben wird.
Nach der Enthüllung von Elveon im Sommer 2005 und dem Börsengang im Jahr darauf sah es nach einer blühenden Zukunft für die deutsche Aktiengesellschaft aus. Und obwohl der Kurs der Firmenaktien im Jahr 2007 von einem kurzzeitigen 14 Euro-Hoch bis Ende November 2007 auf etwas unter acht Euro pro Aktie herabfiel, zeigte sich 10tacle nach außen hin stabil. 'Unser Ziel ist die Marktführerschaft im Bereich der unabhängigen Entwicklungsstudios erklärte der damalige 10tacle-Geschäftsführer Michel Pes Mitte 2007 in einer Pressemitteilung.
Nach dem Kauf der Codename Panzers-Entwickler von Stormregion und deren Umbenennung zu 10tacle Budapest, kündigte das Unternehmen im Dezember 2007 die Übernahme der Berliner Spieleschmiede The Games Company (Goin Downtown) an.
Der Anfang vom Ende
Doch dann kam 2008 und hinter der bröckelnden Fassade des einstigen Überraschungs-Newcomers kamen langsam aber sicher zahlreiche während der Jahre angestaute Probleme zum Vorschein. Der Aktienkurs fiel gleich im Verlauf des ersten Jahresmonats auf unter sechs Euro, die erste Folge waren großangelegte Entlassungen - gut 25 Prozent der Mitarbeiter, die nicht direkt mit der Spieleentwicklung beschäftigt waren, mussten ihre Plätze räumen.
Auch die Führungsetage des Darmstädter Unternehmens bekam die Auswirkungen der Krise zu spüren. Neben Managern wurden im Verlauf mehrerer Monate sowohl der Vorstand als auch der komplette Aufsichtsrat von 10tacle ausgetauscht. Die Hoffnung war, dass die neuen Verantwortlichen unter Führung des ebenfalls neu eingesetzten CEOs Joachim Magin Ordnung ins entstandene Chaos und die Firma wieder auf Erfolgskurs bringen. Der abgelöste 10tacle-Chef Michele Pes zeigte sich im Mai nach seinem Weggang ebenfalls zuversichtlich, was die neue Unternehmensführung angeht: 'In den kommenden 18 Monaten strukturieren wir 10tacle um. Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft als hochwertiger Video-Spiele-Entwickler meinte er in einem Interview. Doch trotz der vielen schönen Worte musste 10tacle die Ende 2007 beschlossene Übernahme von The Games Company revidieren - die Zeit der Expansion war zu Ende.
Das Schnappen nach Luft
Und obwohl sich der Aktienkurs auch weiterhin im Tiefflug befand, die Gewinnprognosen des Unternehmens alles andere als rosig aussahen und Aktionäre vergeblich auf die Veröffentlichung der Geschäftszahlen von 2007 warteten, bemühte man sich kontinuierlich um Schadensbegrenzung. Mit Hilfe von Wandelschuldverschreibungen und Kapitalerhöhungen, die für insgesamt fast 6,2 Millionen Euro sorgen sollten, wollte der neue Vorstandsvorsitzende Magin Ende Juli diesen Jahres das entstandene Finanzloch stopfen: Wir freuen uns, durch die erfolgreichen Kapitalmaßnahmen eine solide Basis für die Neuausrichtung des Unternehmens geschaffen zu haben. Die vollständige Zeichnung der Kapitalmaßnahmen verstehen wir als Vertrauensbeweis der Investoren in die Zukunft der neuen 10tacle Studios.
Doch der Vertrauensbeweis blieb wahrscheinlich aufgrund mangelnden Vertrauens in den bereits abgelösten Vorstand zusammen mit dem ersehnten und dringend benötigten Geld aus, wodurch der Traum von einem Neuanfang ausgeträumt war, bevor er überhaupt richtig anfangen konnte. Nur wenige Tage nach den optimistischen Aussagen des CEOs wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, die Gesellschaft war zahlungsunfähig. Am 13. August verkündete der Insolvenzverwalter Olaf Sührer schließlich, dass die Geschäftstätigkeiten der 10tacle Studios AG im Wesentlichen eingestellt wurden. Der Wert der Aktie befindet sich zur Zeit bei 0,24 Euro.
Die Gründe der Pleite
Doch wieso ist es überhaupt soweit gekommen? Als Hauptgrund für die Achterbahnfahrt Richtung Zahlungsunfähigkeit wurden Verzögerungen bei der Entwicklung und Produktion anstehender Toptitel genannt. Und von denen hatte 10tacle mehr als nur einen im Ofen. Immerhin hatte das Unternehmen ganze sieben Entwicklungsstudios in verschiedenen Ländern der Welt - unter anderem in Budapest, London, Singapur und Bratislava.
Und genau in letzterer Stadt befand sich seit mehreren Jahren das als episches Elben-Abenteuer angepriesene Actionspiel Elveon auf Basis der Unreal Engine 3 in Entwicklung. Von der Fachpresse und Spielergemeinde mit Spannung erwartet, legte 10tacle große Hoffnung in das NextGen-Spiel, dessen Fertigstellung ursprünglich für Mitte 2007 geplant war.
Letztendlich konnten die gesetzten Entwicklungsmaßstäbe sowie das Budget jedoch nicht eingehalten werden, woraufhin man sich dazu entschloss, das Studio in der slowakischen Hauptstadt zu schließen und die Entwicklung von Elveon nach Budapest zu verlagern. Die Folgen der Umstrukturierungen waren in den Wind geschossenes Geld und vergeudete Entwicklungszeit, die man nicht mehr einholen konnte. Zusammen mit ähnlichen Verzögerungen beim Konsolentitel Totems sowie zahlreichen generellen Management-Fehltritten war der Weg für den Abstieg vom erfolgreichen Publisher zum insolventen Unternehmen geebnet. Was nach der Pleite aus den Spielen wird, die sich noch in Entwicklung befanden, ist nicht bekannt. Neben Elveon und Totems standen nämlich auch noch das vielversprechende Weltraumspiel Black Prophecy sowie der Codename Panzers-Nachfolger Cold War auf der Releaseliste von 10tacle. Im Optimalfall werden andere Publisher einspringen und die fast fertigen Produkte an Stelle von 10tacle veröffentlichten.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
10tacle Studios im Test.
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