Gesamtwertung87 %/10 |
Grafik7 Sound9 |
Lanzeitspaß8 Spieleinstieg7 |
Bedienung9 |
"Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden!" mahnte der griechische Philosoph Sokrates und Mona de Laffite, die bissige Heldin des Point&Click-Adventures A Vampyre Story, sollte sich diesen Spruch wahrlich zu kalten Herzen nehmen. So glaubt die Gute trotz leichenblasser Haut, vampirischen Beißerchen und der Möglichkeit, sich in eine Fledermaus zu verwandeln, doch ernsthaft eine ganze Weile, dass sie menschlichen Blutes wäre. Selbst wenn man ihr vor dem Monitor im Stummen immer wieder das Gegenteilige zurufen möchte und auch ihr schulterschmückender Begleiter, die Fledermaus Froderick, es ihr immer wieder einzubläuen versucht: Sie hält an ihrem Glauben fest.
Nun gut, im wahren Leben nervt dies garantiert jeden zweiten Mann, dessen Freundin mit brutalster Gewalt den eigenen Dickkopf durchzusetzen versucht - bei A Vampyre Story wandelt sich die Genervtheit jedoch nach den ersten Zeilen rasch in Erheiterung. Nur eine der großen Leistungen dieses Spiels.
Bevor wir jedoch zu diesen kommen: Ein bisschen Story muss sein. Mona ist eine äußerst begabte Opernsängerin und ist durch den garstigen und von ihr besessenen Shrowdy zuerst zur Vampirin geworden und in das von Kerzenschein durchleuchtete Schloss Warg eingesperrt worden. Shrowdy ist nämlich fanatisch auf unsere Heldin konzentriert und erledigt für sie selbst die Wege, die Vampire nun mal gehen müssen. Eben die Suche nach frischem Menschenblut - Mona irrt derweil weiter im Glauben, die rote Flüssigkeit sei Tomatensaft. Doch bei einer Sache ist sie klaren Verstandes: Sie hält es in den kalten Gängen und Räumen des Schlosses nicht mehr aus. Zusammen mit Froderick will sie ausbrechen. Überblende: Shrowdy hat zwei Jäger entdeckt und sieht die Durststrecke bereits als beendet an. Dummerweise stellen diese ihm einen Streich und pfählen ihn.
Wohingegen dies in anderen Spielen bereits das langersehnte Happy-End ist, geht der wortwörtliche Spaß hier erst einmal los: Der Giftzwerg ist nun zwar kein leibhaftiger Vampir mehr, hindert Mona aber immer noch am Ausbrechen. Des Rätsels Lösung muss her - oder gleich alle. Was wir meinen? Da wird ein sprechender Rabe dazu bewegt, einem sturen Gargoyle auf den Kopf zu schei..., an anderer Stelle müssen wir knoblauchgesicherte Türen mit einem speziellen Bumerang "entwaffnen" oder für die Herstellung eines Lebenselixiers dem abgetrennten Kopf einer Steinstatue eine Wäscheklammer auf die Nase zwacken, damit dieser gezwungen ist, durch den Mund zu atmen und uns mit dem widerlichen Gestank seines Atems eine weitere Zutat zu liefern. Das ist Skurrilität in Reinkultur liebe Adventure-Hasen! A Vampyre Story kann so locker an vielen "rätsel(be)haft(et)en" Stellen an den teils abstrusen Ideenreichtum eines Discworld 2 anschließen - dementsprechend nicht zu verachten ist auch der Schwierigkeitsgrad einiger Knobeleien.
Wer hätte beispielsweise gedacht, dass uns eine Gruppe von Mafiosi-Ratten bei der Befragung eines unverständlich nuschelndem Wasserspeiers namens Ozzy - wir verwetten unseren Allerwertesten: DAS ist ein Seitenhieb auf Mr. Osbourne! - helfen könnte? Wir sprachen eingangs von großen Leistungen: Der Humor ist einfach köstlich, und damit sind längst nicht nur die Rätsel gemeint.
Vor allem Monas sprechende Fledermaus Froderick gibt zuweilen Sprüche von sich, die locker einen blauen Sticker rechtfertigen könnten. Wenn Euch interessiert, welchen Vergleich Froderick mit dem Geruch eines Stückes Fleisch aus einer mühselig geöffneten Grube herstellt, dann müsst Ihr den Titel aber schon selber spielen. Überhaupt liefert der Winzling in manchen Momenten aber nicht nur eine astreine One-Man-Show ab, sondern sorgt auch für die Wortgefechte, die das Adventureleben lebenswert machen. Protagonistin Mona allein wäre ohne den geschulterten Fellhaufen nur halb so interessant.
Große Leistungen, Teil drei: Das Erinnerungsfeature - und nicht zuletzt auch das Interaktionskreuz - ist eine willkommene Abwechslung zum üblichen "Sammel alles ein, egal wo du es dir hinsteckst" anderer Genrevertreter. Größere Gegenstände wie beispielsweise Streitkolben werden daher als bläulich schimmernde Erinnerung in Monas stilechten Inventar-Sarg gepackt und können später ganz normal verwendet werden. Wird das Objekt gebraucht, verwandelt sich Mona flugs in eine Fledermaus, holt das Item ab und benutzt es an der gewünschten Stelle - die Rätseleien liegen daher in Sachen Entfernung nicht gigantisch weit auseinander. Aaaaaber... und gerade das nervt in der ersten Zeit: Ständig werden die immergleichen Lokalitäten des Schlosses Warg als Schauplätze neuer Gegenstände, Ereignisse oder Rätsel ausgekramt. Der Einstieg flutscht somit längst nicht so wie ein x-beliebiger Spruch von Froderick - oder die Grubentür im Folterkeller, nachdem wir ihre Scharniere mit Monas Bodylotion und gepressten öligen Nüssen eingeschmiert haben.
Um es mit den Worten eines Leo Tolstoi zu formulieren: "Alles nimmt ein gutes Ende, für den, der warten kann." Und so auch in A Vampyre Story, das abseits der Burgmauern mit weiß Gott besseren Orten punkten kann. Glücklicherweise ist eine derartige Differenzierung beim Rätseldesign überflüssig - denn das punktet sowohl innerhalb als auch außerhalb von Warg. Statt aber auf integrierte Komplettlösungen á la Goin Downtown oder Teillösungen zu setzen, könnt Ihr Euch hier lediglich auf eine Hotspot-Anzeige verlassen, die alle mehr oder minder relevanten Stellen des Bildschirms mit einem Fledermaus-Symbol markiert.
Abgesehen von diesem kleinen Schnickschnack steht also echtes Old School-Rätselraten auf der draxylvanischen Speisekarte. Alte Schule wird auch in Sachen Optik präsentiert: Vor allem die detaillierten, aber teils etwas verwaschen wirkenden Hintergründe zaubern ein nettes Comic-Ambiente auf den heimischen Bildschirm. Merkwürdig sind nur einige Animationen ausgefallen, bei denen Hände Objekte nicht richtig greifen und diese in der Luft zu hängen scheinen. Die deutsche Sprachausgabe ist hingegen über jeden Zweifel erhaben - beispielsweise sind die Komiker Tetje Mierendorf als Froderick und Hennes Bender als Shrowdy zu hören.
Vor Jahren sprach man doch ernsthaft vom Aussterben des Adventure-Genres: Ha! Viele gute Knobelabenteuer haben uns seitdem das Gegenteil bewiesen und Titel wie A Vampyre Story setzen da noch einen drauf. Sie zeigen, dass das Genre lebendiger ist als je zuvor. Jetzt liegt es nur noch an der Unterstützung der Fans - das Budget war hier nicht das größte, Nachfolger sind aber in Planung. Damit diese auch in Erfüllung gehen, kann ich jedem Adventure-Fan nur ans Herz legen, sich diesen Titel nicht entgehen lassen: Witzige Sprüche am Fließband, skurrile Rätsel im Stile eines Disworld 2 und der nötige Charme rechtfertigen einen Kauf allemal. Nur etwas anfängerfreundlicher sollte man A Vampyre Story beim zweiten Anlauf gestalten: In manchen Szenen sind die Interaktionsmöglichkeiten doch etwas zuviel des Guten. Nichtsdestotrotz: Eines der besten Adventures, die dieses Jahr hervorgebracht hat!
In Seafight erforschst Du die abenteuerliche Karibik auf der Suche nach versteckten Schätzen und leicher Beute. 10.000 € auf den besten Spieler! zum Spiel...
A Vampyre Story im Test.
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