Act of War

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Atari
Entwickler
Atari
Erscheinungsdatum
-
Genre
Strategie
USK
16
Act of War [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

85%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Act of War

Command & Conquer: Generals war gestern? Heute kommt Act of War! Kann es Eugen Systems als unbekanntes Entwicklerteam wirklich schaffen, den Genreprimus vom Thron zu stoßen? Wir haben die Welt vom Bösen befreit, den wieder einmal guten Amerikanern zum Sieg verholfen und verraten euch, ob die Echtzeitstrategieszene einen adäquaten Ersatz gefunden hat.

Erst heute, auf der Fahrt ins Büro, musste ich an der Tankstelle schmerzhaft feststellen, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil des Monatslohns für die tägliche Autofahrt geopfert wird. Wer kennt die Problematik nicht. Nur warum gibt es dazu, außer vielleicht Oil Tycoon 2 von East Entertainment, kein aktuelles Computerspiel? Das dachte sich auch die junge Entwicklerschmiede Eugene Systems und entwickelte Act of War, das jetzt unter dem Atari Label erschienen ist. Die Hintergrundgeschichte war dementsprechend schnell gefunden. Die Geschichte von US-Autor Dale Brown verquickt dabei eine Ölkrise, böse Supergauner aus Russland, die in den USA im Moment so beliebten Terroristen und – natürlich – eine heroische US-Spezialeinheit, die die Welt vor der Katastrophe rettet, nicht mehr unter der Kontrolle der USA zu stehen.

Allen Unkenrufen zum Trotz macht Act of War bereits während der Installationen einen guten Eindruck und vermittelt in der Zeit, in der die Daten von der DVD auf die Festplatte geschaufelt werden, bereits einiges an Spannung. Warum? Während der Zeit läuft in knapp sechs Minuten das erste Video mit echten Schauspielern. Im Laufe der Einzelspielerkampagne wird sich die Spielzeit aller Videos auf über 45 Minuten addieren. Immerhin etwas, das wir seit den ersten Command & Conquer -Titeln eigentlich nicht mehr in einem Echtzeitstrategiespiel erleben durften.

Mein Cholesterin! Hilfe!

Der Blutdruck ist also oben, die Chipstüte aufgerissen, der Kasten Cola steht bereit. Nachdem ich die Unheil bringende Waage aus meinem Blickfeld verbannt habe, kann die Einzelspielerpartie losgehen. Und sie beginnt genauso fulminant, wie das Intro aufhörte. Während der ersten Mission findet man sich bereits mit seiner Spezialeinheit in Mitten von ausgedehnten Stadtgebieten wieder, die fast jedes Level in Act of War dominieren. Schon bald führt uns das Spiel aber in den Nahen Osten, nach Russland und schließlich zurück in die USA, um das „Vaterland“ zu verteidigen. Bei den Terroristen in Act of War handelt es sich nämlich nicht um bösartige Islamisten mit ein paar Kalaschnikows, sondern vielmehr um eine gut ausgerüstete Truppe, die im weiteren Spielverlauf nicht nur Panzer, Flugzeuge und Hubschrauber aus aller Welt zusammenrafft, sondern sogar mit Selbstmordlastwagen versucht, die bösen Imperialisten zu zerstören und die Weltherrschaft um das knappe Öl zu erlangen. Aber sind es wirklich Terroristen? Welche Rolle spielt das Öl wirklich? Verschwörungstheoretiker kommen vollkommen auf ihre Kosten.

Money, Money, Money

Rund um das knappe Öl dreht es sich zum Teil auch bei der Rohstoffbeschaffung in jeder der Missionen. Geld regiert die Welt und so ist auch Geld die einzige Ressource in Act of War. Beschafft werden kann es auf drei verschiedenen Weisen. Durch Ölquellen, die es anzuzapfen gilt, durch Banken, die es zu besetzen und zu verteidigen gilt und durch Kriegsgefangene. Kriegsgefangene? Richtig! Die Entwickler haben in den Abendnachrichten wohl einmal zuviel die Wörter „Unlawful Combatant“ und „Guantanamo Bay“ gehört und daraus ein schon fast witziges Spielfeature entwickelt. Nimmt man feindliche Fußsoldaten gefangen, anstatt diese aus Versehen zu erschießen, erhält man für diese einen einmaligen Geldbetrag. Kerkert man die Gefangenen während der Mission auch noch ein – wohl mit einem Folterknecht, denn Geheimdienstinformationen lassen sich auch erpressen – gibt es sogar regelmäßig Bares.

Dass dieses Gefängnis eine Ausbaustufe des Krankenhauses ist, beinhaltet zudem eine größere Portion Ironie. Ach, Kriegshelden gibt es auch. Führt man ein Mitglied eines zerstörten Fahrzeuges zurück ins Hauptquartier, gibt es ebenfalls Bares – macht man diese Aktion der Weltöffentlichkeit bekannt, sogar das Doppelte.

Ja, es ist, hmmm, ein Echtzeitstrategiespiel

Was man Act of War nach dem Durchspielen der etwas kurz geratenen Kampagne durchaus vorwerfen kann, ist, dass es eben nur ein Echtzeitstrategiespiel ist und nicht mehr. Großartig innovative Ideen findet man im Spiel nicht. Häuser besetzen, Einheiten produzieren, Stein-Schere-Papier Prinzip, Basenbau und alles was aus dem Genre und insbesondere Command & Conquer: Generals bekannt ist, gibt es in Act of War. Da ich mich aber gar nicht auf die Diskussion einlassen will, ob ein gutes Spiel großartiger Innovationen bedarf, gebe ich einfach einmal zum Besten: das was Act of War zu bieten hat, präsentiert es solide.

Kurz und knapp: Act of War bietet Spielspaß, eine KURZweilige Kampagne und bekanntes Gameplay. Erfreulich ist, dass die Missionen allesamt recht abwechslungsreich sind. Die insgesamt 33 Missionen können vollkommen überzeugen, bringen die Story voran und werden, wie schon erwähnt, jede durch ein Video mit echten Schauspielern eingeleitet und beendet. Durch die oftmals vorhandene Häuserkampfsituation ist vorsichtiges Vorrücken nötig sowie das strategische Besetzen von Häuserblocks, das mitunter auch durch SWAT-Einheiten der örtlichen Polizei erfolgt. Langeweile kam während der Kampagne jedenfalls kaum auf.

Die Einheiten erinnern dabei an das US Militär, denn sowohl Apache als auch bekannte Panzertypen sind mit von der Party. Auf der Seite der Terroristen finden sich eine Mischung aus russischen, französischen und futuristischen Fahrzeugen. Der Spieler, in der Figur der Task Force Talon besitzt futuristische Drohnen, Tarntechnologie, schickt eine Reihe an Elitesoldaten in den Kampf gegen die böse Fraktion und kann Fahrzeuge mit Strahlentechnik reparieren. Schiffe haben sich die Entwickler aber wohl für ein Addon aufgehoben und Flugzeuge können nur indirekt gesteuert werden, indem man ihnen ein Ziel zum Angreifen vorgibt.

Die Taktik beschränkt sich auch eher auf Standardsituationen, wobei aber von den Eigenheiten des Spielfeldes durchaus Gebrauch gemacht wird und Hinterhalte, die Tarntechnologie, das Ausnutzen der Häuserschluchten in der Strategie des Spielers genauso vorkommen sollten. Dazu gehören auch das Verarzten und Abtransportieren von Infanterie und Fahrzeugen, um den Erfahrungsbonus jeder Einheit ausnutzen zu können. Selbst die Probleme anderer Echtzeitstrategiespiele findet man in Act of War, weswegen beispielsweise die KI – im Einzelspielermodus – oft auf Masse statt Intelligenz angewiesen ist und das Pathfinding, insbesondere bei größeren Gruppen von Einheiten, nicht wirklich überzeugen kann. Im Multiplayermodus ist die KI aber durchaus anspruchsvoll und passt man nicht auf, sind schnell alle Rohstoffquellen durch den Gegner besetzt und die Skirmish-Partie fast verloren.

Das leidige Thema, die Technik

Mir kommt das Grauen. Kein Spieleredakteur liebt es über Grafik und Sound zu schreiben. Drumherum kommt man aber nicht. Zum Glück muss man bei Act of War nicht groß ausholen, dann das Spiel kann auch hier durchaus überzeugen. Es sieht, naturgemäß, besser aus als das inzwischen zwei Jahre alte Command & Conquer: Generals und kann mit zahlreichen Effekten bei den Explosionen und Kämpfen überzeugen. Der Levelaufbau ist abwechslungsreich gelungen und stellt viele Details auch bei Monumenten da. Die Städte, die im Zuge der Kampfhandlungen auch einiges an Schaden nehmen sind realistisch aufgebaut und besitzen, für USA-Kenner, durchaus Wiedererkennungswert. Auch wenn die Grafik beim Heranzoomen Mängel erkennen lässt, so ist die Qualität durchaus ausreichend.

Fazit

Act of War macht Spaß. Nicht mehr und nicht weniger. Act of War ist ein solider Titel im Echtzeitstrategiegenre und kann insbesondere durch die Videopräsentationen überzeugen und für ein spaßiges Wochenende sorgen. Act of War ist beileibe aber auch kein Meilenstein oder ein Titel, der das Genre voranbringen wird. Zudem wird es der Titel, insbesondere durch den noch fehlenden Editor, schwer haben, sich gegen Command & Conquer: Generals im Multiplayerbereich durchzusetzen: zu gefestigt ist inzwischen die Fangemeinde und zu groß das eSport-Engagement.

Wer Echtzeitstrategie mag und Lust auf einen frischen Titel mit gelungener Präsentation hat, macht mit Act of War nichts falsch. Ich jedenfalls bin auf weitere Spiele des Entwicklers gespannt.

Act of War [PC , Justgamers]

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