Gesamtwertung90%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Wir schreiben das Jahr 1500 n. Chr. In Europa gibt es so gut wie nichts mehr zu entdecken, alles ist erforscht, jetzt sind alle Augen auf die neue Welt hinter dem atlantischen Ozean gerichtet. Auf der kleinen Mittelmeerinsel Malta tobt ein heftiger Schlagabtausch zwischen der englischen Bruderschaft der Ritter des heiligen Johannes und einer Streitmacht von Türken, die das kleine Eiland einnehmen wollen, eine Schlacht folgt der anderen. Doch dann passiert etwas Unerwartetes. In einer abgelegenen Höhle werden in Wände eingemeißelte aztekische Texte entdeckt. Sie handeln von einem Jungbrunnen, der ewiges Leben verleiht, - klingt doch verlockend oder? Unglücklicherweise ist dieser tief im amerikanischen Urwald verborgen und muss erst einmal gefunden werden. Und dann sind da auch noch die Türken, die scheinbar ebenfalls versuchen, sich die Fontäne unter den Nagel zu reisen. Das kann die ehrenvolle Bruderschaft natürlich nicht geschehen lassen und beauftragt euch mit der Verfolgung der Osmanen. Es beginnt eine aufregende Hatz über das Meer, durch die Karibik hindurch bis hin in die Neue Welt und ihre tiefsten Urwälder welche Gefahren und böse Überraschungen warten dort wohl auf euch?
Das ist die grobe Zusammenfassung des ersten von drei Akten der Kampagne von Age of Empires 3. Man sieht gleich, dass sich die Story, anders als in den Vorgängern nicht, bzw. im späteren Spielverlauf nur sehr wage an historischen Fakten stützt. Vielmehr haben sich die Entwickler diesmal um eine fiktive und spannendere Storyline bemüht. Sie dreht sich um die Familie Black und die Taten einzelner Familienmitglieder in der neuen Welt, angefangen mit der Erforschung eines unbekannten Kontinents über die Auseinandersetzung mit den Indianern bis hinein in die Zeiten von George Washington.
Das bewährte Spielprinzip von Age of Empires 3 ist fast so alt wie das Strategiegenre selbst. Erst werden Ressourcen gesammelt, danach Gebäude und Einheiten gebaut, kurz darauf wartet der Feind darauf besiegt zu werden. Das hat sich auch im neuesten Ableger nicht geändert.
Dem Spieler stehen drei Ressourcen zur Verfügung die abgebaut werden wollen Holz, Nahrung und Gold. Holz bekommt man logischerweise indem man Bäume fällt, Nahrung wird entweder von Feldern oder aus wilden Tieren gewonnen, Gold wird durch Muskelkraft aus in der Spielwelt verstreuten überirdischen Goldvorkommen gehackt. Ähnlich wie in Siedler 5 wandern die von den Dorfbewohnern eingesammelten Rohstoffe direkt auf das Konto des Spielers, sie müssen nicht mehr vom Abbauplatz ins Dorfzentrum oder nahegelegene Sammelstätten getragen werden.
Auch einheiten- und waffenmäßig hat sich Einiges getan. Bogenschützen und Trebúchets weichen nun mit Schießpulver ausgerüsteten Musketenschützen und durchschlagskräftigen Kanonen, die auch dickste Festungsmauern brüchig machen. Und wenn wir schon bei brüchig sind: Durch die ins Spiel implementierte Havok-Psysikengine zerbröckeln alle Gebäude spektakulär, um anschließend in ihre Einzelteile zu zerfallen. Auch die Einheiten verhalten sich bei ihrem Ableben oder Zerstören physikalisch korrekt. So brechen bei Schiffen zuerst reihenweise die Masten ab und große Löcher werden in den Buk gerissen bevor die Einheit ihr nasses Grab findet.
Spielerische Auswirkungen haben die Physikeffekte allerdings nicht. Soldaten werden von herumfliegenden Trümmern nicht beschädigt oder behindert, die Gebäudeteile verschwinden nämlich genauso schnell von der Spielfläche wie sie abgeschossen wurden. Das soll natürlich nicht heißen, dass die Effekte dadurch weniger spektakulär aussehen mehr Rumms bietet zurzeit kein anderes Strategiespiel. Was im Vergleich zum Vorgänger allerdings fehlt sind wählbare Formationen. Den Truppen werden diese während ihrer Fortbewegungs- und Angriffsmanöver automatisch zugeteilt, allerdings zerfallen sie bei Attacken einfach zu schnell und verlieren somit an Nutzen.
Aber zurück zu den Ressourcen. Wem ist es nicht schon mal passiert? Da stellt man mühevoll eine Streitmacht zusammen um den Feind zu überrollen und beim Aufeinandertreffen stellt sich heraus, dass ihr den Gegner unterschätzt habt. Nachdem eure Soldaten von der Landkarte gefegt worden sind, müsst ihr euch auf einen gnadenlosen Gegenangriff vorbereiten. Doch oh Schreck! Nahezu alle Rohstoffe wurden beim Aufbau des eigenen Angriffstrupps verbraucht, für den Aufbau eines effektiven Verteidigungsregiments fehlt es an allen Ecken und Enden und die vorher schnell hochgezogenen Wälle halten dem gegnerischen Ansturm auch nicht ewig stand. Wenn es sich hierbei um eine Situation aus Age of Empires 2 handeln würde könntet ihr die Hände hinter den Kopf legen und bei der Vernichtung eures mühevoll aufgebauten Dorfes zusehen.
Doch aufgepasst, wir reden hier ja über Age of Empires 3, da kann so etwas nämlich nicht mehr so leicht passieren. Wie das?, fragt sich der neugierige Strategiefan. Ganz einfach und zwar mit Hilfe der Heimatstadt, einem neuen Feature von Age of Empires 3. Heimatstadt? Die wird doch in der Kurzgeschichte zerstört, oder? Nicht die Heimatstadt, die Rede ist von der Heimatstadt auf dem alten Kontinent, in Europa. Da die Abenteurer und Eroberer der neuen Welt anfangs gänzlich auf sich alleine gestellt sind und für sich selbst sorgen müssen, haben sie die Möglichkeit, Unterstützung in Form von Rohstoffen und Einheiten aus ihrem Heimatland anzufordern. Mit einem Klick auf das Heimatstadt-Icon hat man in weniger als einer Sekunde den Atlantik überquert und sucht sich im übersichtlichen Menü die Sachen zusammen, die man momentan benötigt.
Dabei stehen dem Spieler in jedem der fünf Zeitalter von Age of Empires 3 neue Verstärkungen zur Verfügung. Doch natürlich kann man auf diesen Service nicht immer und ohne Einschränkungen zugreifen. Erstens sind einige Einheiten nur einmalig verfügbar, zweitens muss man, um überhaupt eine weitere Lieferung zu erhalten, Erfahrungspunkte sammeln. Die erhält man durch das Errichten von Gebäuden oder bergen von Schätzen. Schätze gibt es an mehreren Stellen auf der Spielkarte, wobei jeder von einem oder mehreren Wächtern beschützt wird. Dabei kann es sich z.B. um Eingeborene, Tiger oder Krokodile handeln.
Erst nachdem diese Wächter ausgeschaltet ist, darf ein Held den Schatz bergen und somit die Belohnung in Form von einer kleinen Menge Gratisressourcen oder ab und zu auch einer Eingeboreneneinheit kassieren. Außer der Fähigkeit Schätze zu bergen verfügen die Kampagnenhelden auch über andere Spezialfähigkeiten, mit denen sie gegnerischen Einheiten Feuer unter´m Hintern machen können..
Das Age of Empires 3 ein Grafikschmankerl wird, war von Anfang an klar. Die eigens für das Spiel entworfene Engine zaubert zusammen mit den Physikeffekten ein visuelles Spektakel auf den Bildschirm, das seines Gleichen sucht. Von den umwerfenden Wasserreflexionen bis zu den stimmigen Schatteneffekten stimmt einfach alles und dank der stimmigen Soundkulisse als i-Tüpfelchen darf Age of Empires 3 zurecht als bestaussehendstes- und klingendes Strategiespiel bezeichnet werden. Wer allerdings auch in der höchsten Detailstufe ein flüssiges Spielerlebnis erzielen will, sollte zuhause unbedingt einen High-End-PC haben. Die Steuerung ist genretypisch unkompliziert und erfordert somit auch für Einsteiger keine lange Eingewöhnungsphase.
Wer die Kampagne durch hat, oder sich einfach mal eine Abwechslung von der Story gönnen will, der ist wohl am besten im Multiplayermodus aufgehoben. Den dürfen bis zu acht Spieler gleichzeitig bestreiten. Zur Verfügung stehen ebenfalls acht spielbare Nationen, darunter Briten, Spanier, Deutsche, Russen und Franzosen. Im Vergleich zum Vorgänger ist der Multiplayermodus von Age of Empires 3 etwas spärlicher ausgefallen.
Es gibt lediglich zwei Modi, Vorherrschaft und Deathmatch. Hier hätte man mindestens einen weiteren Spielmodus bereitstellen können, wie z.B. den aus Age of Empires 2 bekannten Königsmord, der an der Multiplayerfront für etwas Abwechslung gesorgt hätte. Wem die Karten ausgehen, der kann zum kinderleichten Editor greifen, mit dem auch Einsteiger in kurzer Zeit eine eigene Karte erstellen können. Editor-erfahrenere User haben wiederum die Möglichkeit, ganze Szenarios einschließlich Ingame-Zwischensequenzen zu entwerfen.