Age of Mythology
Was war?
Vor dem Release von Age of Empires hätte wohl kaum jemand gedacht, dass uns mit dieser Serie ein Referenzprodukt für andere Echtzeitstrategiespiele erwarten würde. Das Spiel entwickelte sich aber zum Vorzeispiel, was nicht zuletzt dem exzellenten Mehrspielermodus zu verdanken ist. Noch heute zählt der Nachfolger Age of Kings in den Onlineligen zu einem der meistgespielten Echtzeitstrategiespielen.
Was ist?
Age of Mythology macht - zeitlich gesehen- einen Schritt rückwärts und versetzt den Spieler in die Zeit der alten Ägypter, Griechen, aber auch der Wikinger. Diese drei Völker sind auch zugleich die einzig spielbaren. Keine 20 anonymen Völker mehr, die sich nur marginal unterscheiden. Alle drei Völker spielen sich vollkommen unterschiedlich, benötigen eigene Strategien und haben verschiedene Stärken und Schwächen. Hinzu kommen die Einflüße der Götter. Jedes Volk hat 2 Hauptgötter und weitere untergeordnete Götter. Welche dieser Götter man als Oberhaupt seines Volkes verehren will, ist einem selbst überlassen. Die Wahl beeinflußt jedoch massiv den Fortgang des Spieles, denn jeder Gott stellt unterschiedliche Verbesserungen, mythische Einheiten und vor allem göttliche Zauber zur Verfügung.
Arkantos! Rette die Welt!
Der Einzelspielermodus besteht aus den Abenteuern des berühmten Helden Akantos aus Atlantis. Nach und nach wird er in die teuflischen Machenschaften des Bösewichtes Gargarensis hineingezogen. Dieser versucht, mit der Hilfe Poseidons, Kronos, den Urvater aller Götter, aus dem Tartarus zu befreien, in den Zeus ihn einst eingesperrt hat. Im Laufe von 32 Missionen muss Akantos, mit der Hilfe vieler weiterer Helden der Antike, wie Odysseus, die teuflichen Pläne verhindern. Dabei verschlägt es Eure Mannen u.a. in den Trojanischen Krieg, nach Agypten und zu den frostgestählten Wikingern. Die zu absolvierenden Missionen sind sehr abwechslungreich gestaltet und ähneln sich eigentlich zu keiner Zeit. Auch die Örtlichkeiten sind sehr vielfältig. Von Wüsten, grünen Inseln und schneedbedeckten Wäldern bis hin zu den Unterwelten Äqyptens, Griechenlands und der Wikinger ist alles vorhanden. Alle Missionen sind extrem detailiert designed und mit vielen Goodies, wie Pyramiden, tiefe Schluchten etc, ausgestattet. Eine Zwischensequenz - in der Spielgrafik dargestellt - findet sich immer am Anfang einer Mission und oft auch am Ende einer solchen, wodurch die Geschichte weiter erzählt wird. Allerdings ändern sich auch Missionsaufgaben mitten in einer Mission. Alle Dialoge wurde mittels gelungener Sprachausgabe vertont. Das ganze erinnert ein wenig an Warcraft III. Denn auch bei Age of Mythology gibt es zwar drei Kampagnen, diese werden aber zu einer Gesamthintergrundgeschichte zusammengefaßt und sind auch nur nacheinander spielbar. Diverse Helden begleiten Arkantos durch alle Missionen und man man trifft auch auf Griechen im Schnee und Wikinger in der Oase. Die Trennung der Kampagnen wurde nicht mit dem Rasiermesser durchgeführt, was durchaus positiv auffällt. Schließlich wird, ähnlich in Warcraft III, aus den Zwischensequenzen stufenlos herausgezoomt und direkt in das Spielgesehen gestartet.
Die Kampagne ist in vier Schwierigkeitsgraden spielbar, wobei der erste für Einsteiger ideal ist, denn er besitzt genau die richtige Herausforderung, um nicht frustrierend zu sein. Wer natürlich große Erfahrung mit Echtzeitstrategiespielen hat, kann auch den sehr fordernden 4. Schwierigkeitsgrad wählen oder Missionen noch einmal auf einem anderen Level wiederholen. Aber, so wird man nie erfahren, was mit einer berühmten sagenumwobenen Welt in Wirklichkeit passiert ist, denn hier hat sich Bruce Shelly sein eigene Theorie ausgedacht ;)
Mythisch gut
Das wirklich Neue am Spiel indiziert schon der Name. Alles dreht sich rund um die Götter der drei Völker. Diese stellen die verschiedensten mythischen Wesen, wie eine Hydra, Riesen, Mumien und vieles mehr zur Verfügung. Auf fliegende Einheiten und Wasserwesen, wie Kraken oder Riesenschildkröten, sind vorhanden. Alle diese Einheiten benötigen neben den drei Rohstoffen Holz, Nahrung und Gold auch 'Gunst'. Diese etwas schwer beschreibare Ressource ersetzt die Steine, die komplett weggefallen sind. 'Gunst' wird bei allen Völkern auf verschiedene Weise erlangt, grundsätzlich aber indem man den Göttern huldigt. Die mystischen Wesen sind extrem stark und besitzen diverse Spezialangriffe, die alle für verschiedene Zwecke einsetzbar sind - in anderen Bereichen aber nur wenig taugen.
Zusätzlich bieten die verehrten Götter unterschiedliche Verbesserungen für Gebäude und/oder Einheiten, die, genauso wie die mystischen Einheiten, in den Tempeln entwickelt werden. Als drittes erlangt man durch die Götter bis zu vier Zauber pro Mission (oder Mehrspielerpartie), die alle verschiedene Effekte auslösen, wie Meteoriteneinschläge oder auch das Herbeizaubern einer Goldmine. Der Nachteil: Jeder Zauber kann nur einmal benutzt werden. Gerade im Multiplayermodus muss man sich daher sehr genau überlegen, wann man ihn einsetzt.
Auch in Age of Mythology schreitet das eigene Volks durch die Zeitalter, wodurch neue Gebäude, Verbesserungen und reguläre Einheiten freigeschalten werden. Zusätzlich muss der Spieler sich in jedem Zeitalter für einen Nebengott (im Multiplayermodus nicht nur abhängig vom zu spielenden Volk, sondern auch vom gewählten Hauptgott) entscheiden. Nur einer von zwei wählbaren kann in Zukunft verehrt werden, wodurch dessen Vorteile, Zauber und mystische Einheiten zur Verfügung stehen. Die Wahl will also überlegt sein.
Von Nordmännern und Pharaonen
Die Völker spielen sich extrem unterschiedlich. Bevor man in eine Etappe der Kampagne einsteigt, gibt es auch die Möglichkeit, sich über die Spielweise des jeweiligen Volkes zu informieren. So ist es z.B. wichtig zu wissen, dass die Griechen 'Gunst' durch Beten am Tempel erreichen, die Äqypter hingegen müssen Monumente bauen, um die Aufmerksam ihrer Götter zu erlangen. Die Wikinger wiederum können Gunst nur durch den Kampf sammeln - sind halt harte und rauhe Barbaren und leben für den Kampf. Damit ist es für die Wikinger deutliche schwerer mystische Einheiten zu bauen, denn einfach ein 'Einbunkern und Gunst ansammeln' funktioniert nicht. Dementsprechend spielen die regulären Einheiten hier auch eine wichtigere Rolle, als bei den beiden anderen Völkern. Dies gilt auch deswegen, weil bei den Nordmännern die Gebäude durch die Kampfeinheiten gebaut werden. Sammler sind nur zum Nahrung produzieren und Holz fällen zu gebrauchen; Zwerge hingegen zum Gold schürfen. Dies mag für die Griechen ein großer Vorteil sein. Ist es auch. Ausgeglichen wird dies jedoch durch andere Nachteile. So haben diese, anders als die Ägypter und die Wikinger, keine Möglichkeit ihre Einheiten zu heilen (außer mit einem göttlichen Zauber).
Die Ägypter haben eine weitere Spezialeinheit, den Pharao. Dieser dient als starker Priester, kann aber auch die Produktion verbessern und wird, wie andere Helden, wiedergeboren. Die Unterschiede zeigen auch wunderbar, dass Bruce Shelly genau auf die Völker abgestimmte Spielweisen integriert hat, was unheimlich realistisch wirkt.
Das Wichtigste - das Gameplay
Ingesamt verwundert es, dass es Emsemble Studios trotz der Unterschiedlichkeit der Völker - nicht nur in der Spielweise, sondern auch bei den zahlreichen regulären und mystischen Einheiten - geschafft hat, die Einheiten fast perfekt in Balance zu halten. Dies gilt nicht nur bzgl. der unterschiedlichen Einheiten eines Volkes, sondern auch bzgl. der Völker untereinander. Jede Einheit erfüllt ihren Zweck, sei es stark gegen Gebäude oder bestimmte andere Einheitentypen zu sein.
Einzig die mystischen Einheiten sind etwas sehr stark. Dies verleitet dazu ausschließlich auf die Produktion von 'Gunst' zu setzen und Angriffe nur noch mit diesen sehr starken Einheitentypen durchzuführen. Da aber 'Gunst' nicht unbegrenzt vorhanden ist, sind reguläre Einheiten, insbesondere zu Verteidigung, sehr wichtig; die Verteidigunganlagen (gerade auch die Burgen) wurden nämlich abgeschwächt.
Das Spiel belohnt das Erforschen der Karte, denn versteckt sind oftmals Artefakte, die - einmal durch einen Helden in einen Tempel gebracht - bestimmte Vorteile bringen. Da aber auch Palisaden gebaut werden können, ist auch ein Basisbau und Verteidigen möglich.
Die KI ist wirklich gut gelungen. Zwar greifen die Feinde in der Kampagne oftmals berechenbar an den gleichen Stellen an, es passiert aber auch oft, dass die KI Schwachstellen ausnutzet. Jede eigene Einheit reagiert ebenfalls eigenständig und Einheitengruppen formieren sich selbständig. Sammler gehen, sofern möglich,
eigenständig Arbeiten nach und widem sich neuen Wäldern oder Goldminen, wenn alte aufgebraucht sind.
Es werde 3D
Der Sprung in die 3. Dimension ist extrem gut gelungen. Die Welt sieht sehr realistisch aus und ist teilweise wunderschön animiert. Als Beispiel ist der Wellenschlag des Meeres zu nennen: ein Augenschmauß. Die Landschaften der drei Völker, die Gebäude und die Einheiten sind wunderschön designed, animiert und wirken ebenfalls realistisch.
Besondern gefallen hat die Vielfalt der mystischen Einheiten, Helden und anderen Einheiten. Alle sind samt Spezialeffekten und Spezialangriffen perfekt animiert worden. Sogar Fußabdrücke im Sand oder Schnee hinterlasen die Einheiten. Inbesondere das Zusammenwirken der unterschiedlichen Animationen hinterläßt einen sehr positiven Eindruck. So können z.B. Kraken fremde Einheiten greifen und wild durch die Luft schleudern. Auch Helden können kräftige Schläge austeilen und die Feinde zu einem athletischen Salto verführen.
Auch die göttlichen Zauber sind gelungen: wenn 5 Meteoriten auf der gegnerischen Stadt einschlagen, sieht dies einfach fantastisch aus. Für jede Landschaft gibt es wieder diverse Tiere, die auch gejagt werden können. In Ägypten laufen Giraffen oder Büffel durch die Wüste, während man im hohen Norden Robben oder anderen einheimische Vögel findet.
Trotz der vielfältigen Effekte, Animation und der stellenweise großen Menge an Einheiten läuft Age of Mythology auf einem 1 Ghz System mit einer 32 MB Grafikarte recht flüssig. Einzig wenn viele Einheiten gleichzeitig sichtbar sind, kam das Testsystem ins Stocken. Auf kleineren Systemen müssen jedoch zum flüssigen Spielen einige Grafikoptionen abgestellt werden.
Es war ein lustiger Musikmann
Die Musik ist ebenfalls gelungen. Die Stücke sind dezent und passen sich der jeweiligen Spielumgebung an. Dabei rückt die Musik zwar in den Hintergrund und nervt nicht, schafft es aber leider auch nicht, ein 'Mitpfeif'-Lied zu vermitteln. Die zahlreichen Soundeffekte sind dafür ebenso gelungen, wie die exellente Sprachausgabe während der Kampagne.
Multiplayer
Schon bei den Vorgängern war der Multiplayermodus extrem wichtig und der entscheidene Faktor für die Langlebigkeit. Aufgrund des gelungenen Balancing sind hitzige Mehrspielerpartien auch im Nachfolger wieder spaßig und gut gelungen. Insbesondere im Mehrspielemodus sind der durchdachte Einsatz der göttlichen Zauber und Einheiten extrem wichtig. Wieder entbrennen heißen Schlachten um die wichtigen Goldvorkommen auf der Karte oder um Engpässe im Gebirge.
Fazit
Seit heute ist das Spiel in den Läden und wir können nur sagen: Kaufen, Kaufen, Kaufen. Zumindestens gilt dies für alle, die die Age of Empires Serie schon immer mochten und wohlmöglich immer noch ausgiebig spielen. Mit Age of Mythology kommt 100% mehr als nur ein Grafikupdate. Was Bruce Shelly an Neuerungen in das Spiel gesteckt hat, ist enorm.
Trotz aller Neuerungen schafft es Age of Mythology aber das bewährte Spielprinzip zu erhalten, bzw. konsequent zu erweitern und zu verbessern. Sicherlich gibt noch einige Unstimmigkeiten, aber der Spielspaß wird davon kaum beeinflußt.
Auf der technischen Seite brilliert Age of Mythology ebenfalls. Es gibt Massen an Einheiten und Kreaturen, die allesamt fantastisch animiert sind. Auch die Landschaften können überzeugen und sind sehr abwechslungsreich designed. Technisch und spielerisch ist Age of Mythology gelungen und noch lange Zeit werden sich Genreneulinge an dem Spiel messen lassen müssen.
Dadurch, dass auch der Mehrspielermodus spannend ist und mit guter KI ausgestattet wurde, sowie ein Editor vorhanden ist, ist auch dem neuesten Werk von Bruce Shelly Langlebigkeit garantiert. Das Spiel wirkt sehr ausgereift; Bugs sind mir eigentlich keine aufgefallen.
Ohne Bedenken können wir daher - sowohl für Anfänger, als auch für Profis - eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen und dabei noch Unmengen Spielspaß garantieren.
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