Gesamtwertung75%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungGut |
Im Jahre 1992 veröffentlichte Sierra mit dem Strategietitel Caesar eines der ersten Computerspiele vor dem Hintergrund des römischen Kaiserreiches und läutete damit die Geburtsstunde zahlreicher frischer Ideen, welche in den kommenden Jahren das Genre bereichern sollten, ein. Denn schnell wurde klar, dass Caesar mehr Potential hatte als anfänglich gedacht und ebenso rasch wurde den Entwicklern das Interesse der die Spielergemeinde an den Schlachten der Antike bewusst. Grund genug also für drei weitere Caesar-Teile sowie den Nebenserien Pharao und Zeus Herrscher des Olymps.
Heute jedoch, knapp fünfzehn Jahre nach dem Release des ersten Caesar-Titels, scheint sich das Thema angesichts zahlreicher Blockbuster wie Gladiator, Troja oder 300 eher auf die Großbildleinwand verlagert zu haben. Und dennoch glaubt Entwickler World Forge mit dem Strategietitel Sparta Ancient Wars dem Computerspielgenre neues Leben einzuhauchen. Ob dies gelungen ist, verraten wir euch im Looki Review.
Die mächtigen Drei
Zu Beginn stehen dem Spieler mit den Persern, den Spartanern und den Ägyptern drei Völker und somit drei unterschiedliche Kampagnen mit insgesamt 27 Missionen zur Auswahl. Die Ziele der Großmächte sind dabei jedoch von Anfang an klar ersichtlich und jedes Volk hat ein bestimmtes Feindbild. So versuchen sich die Ägypter aus dem Würgegriff der Perser, die zu ihrem vernichtenden Angriff gegen die Griechen sämtliche Einheiten mobilisieren, zu befreien; die Spartaner, welche von König Leonidas angeführt werden, hoffen ebenfalls den kampfeslustigen Persern zu trotzen und gleichzeitig ihr Volk zu schützen. Dabei ist jedoch zu bemerken, dass alle Storystränge unabhängig voneinander aufgebaut sind und in den einzelnen Missionen durch Zwischensequenzen weitergesponnen werden.
Schön zu sehen ist ebenfalls, dass trotz der eher linearen Ziele der Völker die einzelnen Missionen äußerst abwechslungsreich gehalten sind und von zusätzlichen Nebenaufgaben geradezu strotzen; so gilt es in einigen dieser Sidequests Dörfer zu befreien, eine bestimmte Anzahl an Rohstoffen zu erwirtschaften oder schlicht und einfach um den Bau eines Gebäudes. Nicht zuletzt dadurch wird die Spielzeit vor allen Dingen zu Beginn enorm verlängert. Weniger Zeit dürfte der Spieler indes für den Multiplayermodus des Titels aufbringen, der mit Standardmodi für 2-8 Kontrahenten und knapp 10 Karten mehr als dürftig daherkommt.
Als äußerst zeitintensiv erweist sich hingegen der Aufbau von Gebäuden, das Sammeln von Rohstoffen, die Weiterentwicklung von Waffen und Kriegsgerät sowie die Ausbildung der Soldaten. Zwar unterscheidet sich der Wirtschaftskreislauf mit den von Arbeitern einzusammelnden Rohstoffen Gold, Nahrung und Holz nicht von dem in Age of Empires, jedoch gibt es in Sachen Forschung und Rekrutierung einige Neuerungen. So werden beim Erforschen von neuen Waffensystemen ebenfalls Arbeiter benötigt, die dann in den dafür vorgesehen Gebäuden stationiert werden. Bei der Ausbildung der Armee wird weiterhin besonderen Wert auf die Individualisierung einzelner Soldaten gelegt.
Erstmals hat der Spieler so die Möglichkeit Einheiten nach seinen Wünschen mit Primär- und Sekundärwaffen sowie Schild und Rüstung auszustatten. Ähnlich einem Rollenspiel ändern sich dabei die Attribute der Soldaten. Auf einzelnen Slots können schließlich die erstellen Einheiten abgespeichert werden und so die Massenproduktion eingeleitet werden.
Neben dem taktischen ist dabei auch der wirtschaftliche Aspekt nicht außer Acht zu lassen, steigen doch die Kosten pro Rüstungsgegenstand kontinuierlich an, was bei der geringen Verteilung von Goldminen auf den Karten nicht gerade dem Spielfluss zu Gute kommt. Um diesem Problem entgegenzuwirken gibt es jedoch die Möglichkeit viele schwache Einheiten auszubilden oder die Ausrüstungsgegenstände gefallener Feinde aufzusammeln und in den Bauprozess der eigenen Armee zu integrieren.
Auch Pferde können beim Tod des Gegners eingefangen und in die eigene Kavallerie bereichern. Zusätzlich zu diesen Einheiten stehen dem Spieler noch verschiedene Arten von Belagerungswerkzeug, wie Katapult und Balliste sowie Schiffe bei Kämpfen auf hoher See zur Verfügung.
Auf in den Kampf, Kameraden!
Das Hauptaugenmerk liegt in Ancient Wars: Sparta jedoch zweifelsohne auf den Schlachten und der Kampfhandlung. Dabei kommen vor allen Dingen die Helden zur Geltung, die mit ihren Spezialfähigkeiten Moral, Angriff, sowie Verteidigung der ganzen Armee beeinflussen oder mit einer speziellen Attacke mehrere Schergen gleichzeitig niederstrecken können. Auch hier ist der Rollenspielaspekt wieder klar zu erkennen, steigen doch sowohl Helden als auch Soldaten ab einem gewissen Erfahrungswert um eine Stufe auf, werden stärker und erhalten mehr Lebenspunkte. Dennoch treten genau in diesem Bereich zum Leid vieler Spieler gravierende Fehler ans Tageslicht. So wirkt die KI der Truppen unausgereift und nicht selten läuft die Armee wie aufgescheuchte Hühner in die Gegnermassen ohne auch nur einen Gedanken an Angriff oder Verteidigung zu verschenken. Weiterhin haben die Einheiten erhebliche Probleme mit der Wegfindung, sodass sich Truppen scheinbar ohne Grund aufteilen, manche Soldaten sogar - trotz Befehl- einfach stehen bleiben und wieder andere gegen Hindernisse laufen und dort hängen bleiben. Dabei leidet vor allen Dingen der für RTS-Titel enorm wichtige taktische Aspekt.
Grobe Balancing-Fehler konnten wir indes nicht erkennen, auch wenn der Held in manchen Missionen ganze Gegnermassen ausschalten kann ohne auch nur ansatzweise dem Tode nahe zu sein. In Seeschlachten sind Schiffe darüber hinaus nach dem Kapern aufgrund ihres Zustandes nicht mehr zu gebrauchen, ein Problem, was den Spielfluss an sich nicht stört, jedoch mit einem Patch aus der Welt geschafft werden sollte. Insgesamt machen die Schlachten dennoch Spaß, auch wenn die heroische Atmosphäre von Troja oder 300 aufgrund von KI-, Balancing- und Wegfindungsproblemen gepaart mit einem hohen Zeitfaktor, dabei nicht erzeugt werden kann.
Spartanische Grafik oder heroische Präsentation?
In Sachen Grafik zeigt sich Sparta von seiner schönsten Seite und dennoch müssen trotz gelungener Animationen und märchenhafter Texturen im technischen Bereich einige Abstriche gemacht werden. So können die Ingame-Zwischensequenzen nicht wirklich überzeugen, wirken sogar oftmals schwammig und auch die Kameraführung ist vor allen Dingen bei hektischen Situationen katastrophal. Man verliert einfach zu schnell die Übersicht über seine Armee, die sich aufgrund der oben angesprochenen schwachen KI beim Kampf in alle Richtungen aufspaltet. Bonuspunkte sammelt Ancient Wars: Sparta hingegen in Sachen Realismus; hier sorgt eine ausgeklügelte Physikengine, realistische Blutspritzer und authentische Formationen für eine passende Kampfatmosphäre.
Soundtechnisch hat der Titel darüber hinaus Einiges zu bieten. Neben realistischen Soundeffekten und Umgebungsgeräuschen, sorgt vor allen Dingen die heroische Untermalung von Schlachten für Gänsehautatmosphäre. Leider sind auch in diesem Bereich Abstriche in Form von schwachen Synchronsprechern zu machen, da sich Stimmen von gestandenen Soldaten doch oftmals zu weich und sanft anhören.