Another World - 15th Anniversary Edition

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Frogster Interactive
Entwickler
Delphine Software (DSI)
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
12
Another World - 15th Anniversary Edition [PC , looki.de]

Gesamtwertung

85%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Another World - 15th Anniversary Edition

Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, da entwickelte ein talentierter, französischer Programmierer namens Eric Chahi, ein neuartiges Action-Adventure-Spiel mit dem Titel Another World für den Commodore Amiga. Dass Chahi damit im Dezember 1991 einen Megaerfolg und gleichzeitig einen Kult-Klassiker schaffen sollte, daran dachte damals noch keiner. Das Spiel nutzte die für die damalige Zeit bahnbrechende 2D-Vektorgrafik, welche die Fantasie vieler Spieler ansprach und wirklich erstaunlich gut aussah.

Inzwischen sind fünfzehn Jahre vergangen, aber Another World ist während der vielen Jahre, von denen, die das Spiel kennen, nie in Vergessenheit geraten. Das futuristische Action-Adventure, in dem man seltsamen Wesen aus einer anderen Welt entgegentreten musste, hatte sich einfach in die Hirne und Herzen der Spieler gebrannt. Umso schöner ist es, dass man sich dazu entschlossen hat, den Titel für den PC zu überarbeiten. Zwar erfüllt Another World in keiner Weise die heutigen grafischen Ansprüche, aber aus spielerischer Sicht heraus betrachtet, ist das Spiel nach wie vor ein echter Hammer und ein Klassiker der Videospielgeschichte. Da einige den Titel aufgrund ihres jungen Alters möglicherweise noch nicht kennen, fangen wir von vorne und mit der Geschichte des Spiels an.

Eine andere Welt

Nach einem missglückten Experiment mit seinem Teilchenbeschleuniger verschlägt es Lester Knight Chaykin mitsamt Stuhl und seinem Laborschreibtisch in eine andere, fremdartige Welt. Nachdem er unsanft in einem swimmingpoolähnlichen Becken gelandet ist, geht für ihn auch schon der Horror los. Es ist anscheinend noch nicht schlimm genug, dass er auf einem anderen Planeten gelandet ist, nein, zudem wollen ihm die dortigen Wesen auch noch an die Wäsche. Das beweist gleich zu Beginn eine im Wasser krakenähnliche Kreatur, die versucht ihn nach unten zu ziehen. Schnell schwimmt ihr mit ihm nach oben und entfernt euch vom Wasserbecken. Oben angekommen seht ihr, wo es euch hinverschlagen hat. Ihr befindet euch in einer trockenen und steinigen Gebirgslandschaft, die von mehreren Erdbeben im Minutentakt ordentlich durchgeschüttelt wird.

Die herabfallenden Steine sind dabei allerdings euer kleinstes Problem. Sorgen solltet ihr euch eher um die am Boden umherschlurfenden schwarzen Egel machen. Kommt ihr diesen zu nahe, greifen sie ohne zu zögern an und versuchen euch mit ihrem ausgefahrenen Giftstachel zu treffen. Nachdem ihr den Egeln ein paar gezielte Tritte verpasst habt und dabei hoffentlich nicht getroffen worden seid, setzt ihr euren Weg nach rechts fort. Doch plötzlich springt ein schwarzes Monster vor euch, das ihr zuvor zwar bereits im Hintergrund bemerkt, jedoch nicht als Gefahr betrachtet habt. Schnellen Fußes sprintet ihr zurück nach links, dabei ist euch das Monster immer dicht auf den Fersen. Im nächsten Bild angekommen, springt ihr über eine Klippe und haltet euch an einer Liane fest, welche euch genau in die entgegengesetzte Richtung zurück schwingt. Jetzt heißt es wieder nach rechts spurten, dumm nur, dass dieses blöde Vieh immer noch hinter euch ist und immer näher rankommt.

Im allerletzten Moment fegt plötzlich ein Laserstrahl an euch vorbei, der aus einem Blaster auf das Monster hinter euch abgefeuert wurde. Der nächste Schuss wird auf euch abgefeuert. Ihr sackt zusammen und verliert das Bewusstsein. Als ihr wieder zu euch kommt, stellt ihr fest, dass ihr euch in einem Käfig befindet und dort nicht alleine seid.

Das waren kurz zusammengefasst die ersten Spielminuten von Another World, die es wahrlich in sich haben. Wie ihr den Zeilen sicherlich entnommen habt, geht es in diesem Spiel darum, schnell zu handeln. In fast jedem der Levelabschnitte, die wie bei einem klassischen Adventure in einzelne Bilder unterteilt sind, wartet eine tödliche Gefahr auf euch. Diese lassen sich nur mit einer Kombination aus Geschick und logischem Denkvermögen überwinden. Seid ihr zu langsam, springt falsch ab oder beachtet die Umgebung nicht genau, hat das für Lester fatale folgen, die er mit seinem Leben bezahlt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ihr ab dem Gefängnislevel einen außerirdischen Freund an eurer Seite habt, den es ebenfalls zu beschützen gilt.

Glücklicherweise könnt ihr die Laserpistole der ersten erledigten Wache an euch nehmen und habt folglich dieselben Überlebenschancen wie eure Widersacher. Bewaffnet und mit eurem neuen Freund im Schlepptau gilt es dann, aus dem Gefängnis zu entkommen, eine kleine Stadt zu durchqueren, den Hindernissen und Gefahren einer Höhle zu trotzen, euch durch einen Palast zu kämpfen und letztlich dem Finale in der Arena entgegenzutreten.

Kurzer Spielspaß, aber trotzdem lohnenswert!

Das klingt alles zwar sehr umfangreich und fordernd, ist dabei allerdings nur Letzteres. Kenner des Spiels werden die Sonderedition genauso schnell durchgespielt haben, wie Spieler, die sich zum ersten Mal mit diesem Titel auseinandersetzen. Bereits nach knapp zwei Spielstunden schimmert der Abspann über den Bildschirm, was aber jetzt nicht gleich heißen soll, dass das Spiel schlecht ist. Im Gegenteil: Another World war schon vor fünfzehn Jahren so kurz. Die meisten der damaligen Spiele waren vom Aufwand und Umfang her nicht so riesig wie heutzutage, aber trotzdem machten sie einen gewaltigen Spaß. Bei der überarbeiteten Sonderausgabe des Spiels verhält es sich da nicht anders.

Wahlweise habt ihr die Möglichkeit, das Abenteuer mit der Auflösung der Originalversion, welche im 320 x 200-Modus dargestellt wird oder mit einer Auflösung von bis zu 2048 x 1536 Pixeln zu bestreiten. Zudem könnt ihr euch auch entscheiden, ob ihr mit den originalen Hintergründen der 16-Farben-Version oder doch lieber mit den verbesserten Hintergründen spielt. Auch beim Ton habt ihr Entscheidungsfreiheit und so könnt ihr euch zwischen dem Sound und der Musik des Originals und der für die Jubiläumsausgabe ebenfalls überarbeiteten Soundausgabe mit jeweils deutschen Untertiteln entscheiden. Die einzelnen Einstellungsmöglichkeiten sind hier wirklich sehr gut umgesetzt worden und bieten viele Varianten. Unter anderem kann man sich so einen Eindruck davon verschaffen, wie das Spiel damals ausgesehen hat und direkt im Anschluss die grafischen Variationen der Neuauflage erkunden.

Die Steuerung ist nach Angaben der Entwickler ebenfalls überarbeitet worden, neu hinzugekommen scheint hier allerdings nur die Sprungtaste am Joypad zu sein. Diese gab es vor fünfzehn Jahren nämlich noch nicht, da die damaligen Joysticks nur einen Button hatten, der beim Original zum Treten und Abfeuern der Waffe reserviert war. Die Steuerung ist dabei einfach gehalten und weist nur im Bezug auf das Schießen und Rennen kleinere Defizite auf. Das ist aber nicht weiter tragisch, da genügend automatische Speicherpunkte gesetzt wurden, die das Vorankommen etwas erleichtern. Erwähnenswert ist auch, dass ein neuer, kurzer Spielabschnitt mit in das Spiel integriert worden ist, über den wir an dieser Stelle allerdings nichts erzählen möchten, da ihr diesen selbst entdecken und genießen sollt.

Umfangreiche Sammleredition

Auch wenn das Spiel bereits nach knapp zwei Stunden durchgespielt ist, sollten Nostalgiker und solche, die es werden möchten, einen Blick auf Another World werfen. Nach dem durchdaddeln ist der Spaß nämlich noch nicht vorbei, denn es gibt noch mehr zu entdecken. Da wären zum einen der beiliegende und von Jean-Francois Freitags überarbeitete Original-Soundtrack zum Spiel, der auf eine zusätzliche Audio-CD gepresst wurde und zum anderen ein informatives Making-Of-Video, das diverse Hintergründe und Entstehungsprozesse von Another World näher beleuchtet. Abgeschlossen wird das Bonusmaterial mit einem Entwicklertagebuch, das mit Kommentaren und Design-Skizzen aufwartet sowie der Amiga-Version von 1991, die allerdings einen Amiga-Emulator und die Kickstart-ROM benötigt. Sammler- und Nostalgikerherz was willst du mehr!?

Fazit

Oh Mann, was habe ich den Tag herbeigesehnt, an dem endlich die Sonderedition zu Another World veröffentlicht wurde. Umso erfreuter war ich, als ich das Testexemplar zu diesem Amiga-Klassiker in meinem Postfach fand und so die Gelegenheit bekam, ein Stück meiner Jugenderinnerung etwas aufzufrischen. Als ich nämlich das letzte Mal in den Genuss kam, dieses Action-Adventure, das meiner Meinung nach seiner Zeit weit voraus war, zu spielen, war ich süße zwölf Jahre alt.

Nach all den Jahren muss ich eingestehen, dass der Titel nichts an seiner Faszination verloren hat, und noch immer einen gewaltigen Spielspaß bietet. Mehr sogar: Es ist schon toll zu sehen, mit wie viel Liebe zum Detail das Original restauriert und erweitert worden ist. Dass man wahlweise auch die Originalversion von 1991 und obendrein sogar einen neu hinzugekommenen Spielabschnitt spielen kann, wird die Herzen der Another World-Fans zudem deutlich höher schlagen lassen.

Meiner Meinung nach sollte sich jeder, der sich mit Videospielen auseinandersetzt, dieses klassische Stück Videospielgeschichte nach Hause holen und miterleben, wie herausragend und anspruchsvoll bereits vor fünfzehn Jahren die Videospiele gewesen sind. Damals ging es nämlich noch nicht nur darum, eine bombastische Grafik in High Definition und einen ohrenbetäubenden Sound im Zeichen von Dolby Digital oder THX zu haben, sondern vor allem eins zu bieten: Spielspaß! Und genau das bietet euch Another World. Da es sich bei diesem Titel lediglich um eine aufpolierte Version des Originals handelt, verzichten wir auf eine konkrete Wertung.

Another World - 15th Anniversary Edition [PC , looki.de]

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