Gesamtwertung60%/10 |
GrafikMangelhaft SoundBefriedigend |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Pleiten, Pech und Pannen wer unter diesem Spruch die gleichnamige Sendung bei den Öffentlich-Rechtlichen vermutet, die mit einem grausig animierten Raben aufartet, irrt. Diese drei Nomen passen nahezu identisch auf den vierten Teil der Anstoss Reihe von Ascaron zu. Welche Hindernisse dem neusten Fußball-Manager in den Weg gelegt wurden, könnt Ihr im folgenden Review selbst nachlesen.
Die Sache mit dem Leder...
Deutschlands erfolgreichster Fußballmanager geht in die vierte Saison Was nicht in Vergessenheit hätte geraten dürfen ging verloren. Geschichte wurde Legende. Legende wurde Mythos. Doch nach tausenden von Jahren (nun ja, es sind derer drei, aber egal) feiert der Fußball-Manager aus dem Hause Ascaron sein Comeback. Allerdings war es ein weiter und mühsamer Weg bis die DVD-Packung von Anstoss 4 endlich ihren Weg in die Spielregale fand. Eine Unterlassungsklage von EA Sports, die unter der Federführung des Anstoss-Vaters Gerald Köhler an dem Fußball Manager 2003 werkelten und etliche interne Produktionsfehler zwangen Ascaron dazu, den Releasetermin des vierten Teils der Manager Reihe etliche Male nach hinten zu verschieben.
Doch wie das nun einmal im Leben so ist, wenns einmal schief läuft, läuft`s immer schief. Die veröffentlichte Version von Anstoss 4 strotzt nämlich geradezu vor Bugs. Nachdenklich stimmt da der Fakt, dass Ascaron seit Release bereits drei recht umfangreiche Patches veröffentlich hat. Wir haben uns bewusst für den Test der Verkausfversion entschieden und werden die zahlreichen Bugs die im Spiel auftauchen auch weiter unten näher unter die Lupe nehmen. Sobald Ascaron das Spiel halbwegs geptachted hat, werden wir das Spiel einem Nachtest unterziehen.
Wer mit dem Spielprinzip der Vorgänger keinerlei Schwierigkeiten hatte, wird sich auch mit Anstoss 4 prima zurechtfinden. Doch auch Einsteigern wird dies aufgrund der vielen Hilfen, die das Spiel bietet, äußerst leicht gemacht. Der Taktikassistent beispielsweise ermöglicht es Euren Co-Trainer Euch vor jeder Partie die bestmögliche Taktik zu kreieren. Der Aufstellungsassistent befugt ihn hingegen dazu, euch Vorschläge zu unterbreiten ob ihr nun die konditionsstärksten oder frischesten Spieler auflaufen lassen wollt. Diese Hilfsfunktionen gab es zwar schon in den Vorgängern, allerdings wurden sie nach dem alten Vorbild in Anstoss 4 konsequent weitergestrickt und verbessert. Der Job als Trainer und Manager in Personalunion wird euch so ein wenig vereinfacht.
Doch trotz diverser Hilfsfunktionen seid Ihr nicht vor den Forderungen eures jeweiligen Arbeitsgebers gefeit. Wer denkt, er könne mit Manchester United locker und lässig im Mittelfeld herumkrebsen oder mit Bayern München lediglich um einen UEFA-Platz mitspielen, irrt. Je nach Standort und Verein werden euch unterschiedliche Ziele mit auf den Weg gegeben.
Der Geschäftsführer von Verein XY peilt z.B. den Klassenerhalt an, obwohl dies angesichts des Kaders äußerst schwer fallen dürfte. Während man früher nur in europäischen Ligen um Aufstieg, Meisterschaft oder Abstieg kämpfen dürfte, kann man dies nun auch in exotischeren Ländern wie Peru oder Uruguay tun. Ansonsten wurde jedoch nur wenig verändert, zumindest was den Spielumfang selbst angeht. Anstelle der alten Menüs tritt nun ein völlig neues. Zwar ist das Menü äußerst übersichtlich und macht es vor allem Einsteigern leicht das Licht am Ende des Tunnels zu sehen, allerdings versprüht das ganze in etwa so viel Charme wie eine Talkshow von und mit Arabella Kiesbauer. Hierbei wäre man auch schon bei dem Hauptkritikpunkt angelangt, der Anstoss 4 (sieht man mal von den zahlreichen Bugs ab) schnell langweilig werden lässt: Es passiert schlichtweg zu wenig auf dem Monitor! Lieblos werden grafisch triste Optionsmenüs hingeknallt, die ungefähr den Charme der englischen Fußball Manager Pendants versprühen, nämlich gar keinen.
Dass zugunsten der Übersichtlichkeit das ganze ziemlich mau aussieht, lässt sich noch ertragen. Wie sagt man so schön? Nur die Inneren Werte zählen. Am schlimmsten wiegt aber, dass das runderneuerte Team von Ascaron den so beliebten Humor der Anstoss-Reihe unter den Tisch fallen lassen hat, ein Unding.
Die lustigen Interviews von früher, in denen der Reporter herrlich schräge Sachen fragte? Weg! Nachrichten vom Schlage eines Ihre Mannschaft ist bei einem Flugzeugabsturz um`s Leben gekommen, unser Beileid? Weg! Die Schrei- und Kreischeinlagen die Ihr in den Halbzeitpausen von euch geben konntet? Weg!
Anstoss-Neulinge werden diese Features vielleicht nicht direkt vermissen, aber vor allem Vertreter der ersten Stunden verlieren somit an Identifikationsmaterial. Habt Ihr eure Mannschaft richtig aufgestellt und auf euren Gegner eingestellt, geht es auch schon los, das Spiel wird angepfiffen.
Die Darstellung des Spielgeschehens erweist sich dabei als äußerst vielseitig. Zu den beliebtesten Spieldarstellungen der alten Teile gehört hierbei der Textmodus, bei dem Ihr die spannendsten Torchancen wie im Newsticker beschrieben bekommt (Cole kommt unvermittelt an den Ball und gibt ihn mit einem Kurzpass auf die rechte Seite weiter). Einziges Ärgernis an dem ansonsten gut gelungen Textmodus ist seine Dauer, es können schon einmal mehrere Minuten vergehen, bis eine Partie endlich fertig ist. Eine andere Möglichkeit, sich das Spiel anzeigen zu lassen, ist der 3D-Simulation Modus.
Dieser ist jedoch völlig misslungen, denn während die Mannen von EA Sports auf die ein Jahr alte Fifa 2002 Engine zurückgreifen konnten, entwickelten die Jungs von Ascaron eine komplett Neue. Das wäre eigentlich nicht schlimm, wenn sie nicht so grottenschlecht aussehen würde. Selbst der Glöckner von Notre-Dame strahlt mehr Sex-Appeal aus, als die Kicker bei Anstoss 4. Das gleiche gilt auch für die Zuschauer, die nur mit zwei zugedrückten Augen als äußerst abstrakte Kunst bezeichnen werden können. Wer ein gutes Mittelding zwischen dem Text- und dem 3D-Simulation-Modus finden möchte, sollte den Videotextmodus anwählen, bei dem das Spiel gemütlich runter läuft, ihr jedoch trotzdem eingreifen könnt, wenns brennt, oder direkt die Darstellung ganz ausstellen. Die Menüs im Spiel selber sind wie gesagt ziemlich übersichtlich gelungen, wirken jedoch ein wenig tot. Animationen oder buntere Aufbereitungen sucht man vergebens. Die Anstoss-Reihe war noch nie für einen besonders ausgereiften Spielsoundtrack bekannt, Anstoss 4 schafft da auch keine Abhilfe. Die Musikstücke wiederholen sich andauernd und kommen über das typische 08/15 Keyboard Gedudel nicht hinaus. Auch ein Spielkommentator fehlt völlig, während Anno 1993 noch Marcel Reifs vorzügliche Spielkommentare durch die Boxen ertönten, bleibt das Spielgeschehen bei Anstoss 4 bis auf völlig lustlos grölende Fans unkommentiert.
Das tragischste an Anstoss 4 sind allerdings die Bugs. Ascaron hat anscheinend große Probleme damit, Spiele abzuliefern, die ohne Bugs auskommen. Anstoss 3, Anstoss Action und vor allem Port Royale sprechen eine Sprache für sich. Es spricht Bände, wenn Ascaron Probleme hat, das Spiel überhaupt auf die DVD zu pressen. Fehler beim Brennen, Fehler bei den Versionen und Missverständnisse bei der Entwicklung! Die Verkaufsversion strotzt mit vielen kleinen Bugs.
Der Textmodus dauert viel zu lange, Ergebnisse werden oft falsch angezeigt, die 3D Spielszenen sind praktisch gar nicht spielbar, da der Ball oft über 90 Minuten hin irgendwo verharrt. Spielernamen werden zudem in den Spieldarstellungen mit Prozentzahlen angegeben (Spieler %1). Statistiken oder wichtige Zahlen in den Menüs verschwinden ohne triftigen Grund und auch vor Abstürzen ist das Spiel nicht sicher. Bei manchen Menüs oder Ladepausen stürzt Anstoss 4 einfach ab!
Anstoss 4 im Test.
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