Armed and Dangerous

Review
Plattform
PC
Vertrieb
LucasArts
Entwickler
LucasArts
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
16
Armed and Dangerous [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

78%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Gut

Armed and Dangerous

Es war einmal…

LucasArts und die Planet Moon Studios entführen den Spieler in das friedliche Land Milola, bestehend aus vier Königreichen: Das auf Landwirtschaft basierende Reich Midden, Schottland mit seinen unterirdischen Gängen und Tunneln, die Insel Armortia und – einen Bösewicht muss es ja immer geben – das dunkle Land Forge, in dem Maschinen vorherrschen. Eines Tages begann der König von Forge damit, Eroberungspläne zu schmieden – eben ganz so, wie es sich für einen bösen Monarchen gehört: Er unterjochte die anderen Königreiche und gelangte durch einen Unfall an das mächtige Buch der Herrschaft, welches er jedoch nicht lesen konnte, da es verzaubert worden war. Hier kommen die Helden ins Spiel: Der für die Verzauberung verantwortliche Rexus war maßgebend an dem „Zwischenfall“ beteiligt, durch welchen das Buch in die Hände des bösen Königs fiel. Nach einem Schlag auf den Kopf konnte er sich jedoch nicht mehr an das Ereignis erinnern, durch welches er das Buch verloren hatte. Außerdem war ihm völlig schleierhaft, wie er zu dem kleinen Sprössling mit unbekannter Herkunft kam, dessen Namen irgendwie mit „Rom“ anfing. Also nannte er ihn künftig einfach „Rom“ oder auch „Römer“ – im weiteren Spielverlauf hat der Spieler die Rolle dieses Findelkinds inne.

Viererbande

In seinem späteren Leben lernt Rom seine beiden Mitstreiter, den Maulwurf Jonesy und den Roboter Q, kennen. Als kleiner Junge trifft er auf Jonesy, dessen gesamtes Volk vom bösen König ausgelöscht wurde – nicht weiter verwunderlich also, dass der kleine Kerl vor Sarkasmus und Bösartigkeit nur so strotzt. Während eines Gefängnisaufenthaltes lernt Rom schließlich den ausgemusterten Kampfroboter namens Q kennen. Er wurde den Mannen des Königs unheimlich, als er eines Tages seine Liebe zu Tee entdeckte und dadurch ein eigenes Bewusstsein entwickelte. Da Rom ihn vor der drohenden Exekution rettet, schließt er sich dem Duo an – seitdem sind die Drei unzertrennlich und kämpfen in bester Robin-Hood-Manier gegen König Forge und seine Untertanen. Eines Tages nehmen sich die drei Freunde, die der Bevölkerung nur unter dem Namen „Löwenherzen“ bekannt sind, vor, den ultimativen Diebstahl zu begehen. Ziel ist es, das mysteriöse Buch der Herrschaft zu klauen und damit dem König so richtig eins auszuwischen. Doch um das zu bewerkstelligen, muss erst einmal der inzwischen ergraute und erblindete Rexus gefunden werden, der vor den wütenden Bauern floh und sich irgendwo in den Bergen versteckt hält…

Klingt völlig bekloppt soweit? Ist es auch! Aber wer die bisherigen Spiele der Leute von den Planet Moon Studios, nämlich MDK und Giants: Citizen Kabuto, kennt, müsste wissen, worauf er sich einlässt, wenn er die drei CDs von Armed and Dangerous ins Laufwerk legt. Nachdem das vor schwarzem Humor nur so triefende Intro zeigt, wie der senile Rexus – kurz, nachdem er von den Löwenherzen gefunden wurde – von König Forges Schergen entführt wird, steigt Ihr ins Geschehen ein und ballert euch in Richtung Gefängnis durch. Die Planet Moon Studios machen dabei keinen Hehl daraus, dass Action bei Armed and Dangerous groß geschrieben wird. Der Spieler kann sich kaum fünf Schritte im Lande Milola bewegen, ohne irgendetwas ins virtuelle Nirwana zu schicken; Zeit für eine Verschnaufpause bleibt dabei kaum.

Abzüge in der B-Note

Leider Gottes ist das auch der größte Kritikpunkt am sonst recht soliden Armed and Dangerous: Nonstop ballert sich der Spieler stupide durch die insgesamt 21 Levels, der Spielablauf ändert sich kaum. Darüber können auch die Miniaufgaben nicht hinwegtäuschen, die man für jedes Level bekommt: So gilt es, bestimmte Gebäude in die Luft zu sprengen, einige Bauern zu retten oder auch nur von Punkt A nach Punkt B zu gelangen. Besonders spielspaßfördernd ist das nicht, spätestens ab dem zehnten Level erwartet den Spieler eine lange Durststrecke bis zum Ende. Kleiner Motivationsschub sind die in jedem Level verteilten Items, welche bestimmte Optionen oder Cheats frei schalten. Vom „Big Head“-Cheat bis hin zur Möglichkeit, schon gesehene Videos ein zweites Mal anschauen zu können, ist dabei alles vertreten – besonders lange hält jedoch auch dieses Feature nicht bei der Stange. Nach dem ersten Durchspielen wird der Shooter wohl in den meisten Fällen im Regal verstauben – und das ist schon nach rund zehn Stunden der Fall.

Trotzdem wird man ständig dazu animiert, weiterzuspielen. Woran das liegt? Ganz klar an den fabelhaften Zwischensequenzen, die so lustig sind wie schon lange in keinem Spiel mehr! Wenn der frierende Opa Rexus in Anlehnung an die berühmte Szene in „Star Wars: Das Imperium schlägt zurück“ in den Hintern eines vorbeilaufenden Rindes gesteckt wird, um ihn zu wärmen, oder der recht „neue“ Folterknecht des Königs einfach keinen Gefangenen zum Reden bringt, obwohl er dem einen doch die Zunge und dem anderen gleich den ganzen Kopf abgeschnitten hat, kann man sich ein Lachen kaum verkneifen. Sicherlich ist diese Art von schwarzem Humor nicht jedermanns Sache, doch wer schon den Witz in MDK und Giants gemocht hat, wird Armed and Dangerous lieben!

Beklopptestes Waffenarsenal der Spielgeschichte

Das Leveldesign fällt recht linear aus, alternative Reiserouten oder Umwege sucht man meist vergebens. Aufgelockert wird das Spiel lediglich durch eine Handvoll Basisverteidigungsmissionen, in denen sich Rom hinter ein stationäres Geschütz klemmt und sich Horden feindlicher Soldaten erwehren muss.

Dabei darf nur eine kleine Anzahl der Gegner durchkommen, die anderen müssen durch beständiges Dauerfeuer zur Strecke gebracht werden. In den restlichen Missionen pulverisiert das Dreiergespann – Rexus versteckt sich während den Kämpfen im Brustkorb des Roboters Q und bedient sich an seinen internen Teevorräten – mit dem beeindruckenden Waffenarsenal die Umgebung.

Bei den Waffen hat man sich wirklich etwas einfallen lassen: Neben „Klassikern“ wie dem Maschinengewehr, dem Raketenwerfer und dem Präzisionsgewehr findet sich beispielsweise auch eine Hai-End-Kanone oder das kleinste schwarze Loch der Welt.

Die Hai-End-Kanone verschießt einen weißen Hai, der anschließend für eine kurze Zeit durch den Boden pflügt und die Reihen der Gegner lichtet. Das kleinste schwarze Loch der Welt hingegen saugt eure Feinde einfach ein.

Die beiden Mitstreiter Q und Jonesy kann Rom übrigens mit einfachen Befehlen steuern. So kann man ihnen Anweisungen wie „Greife Ziel an“ oder „Verteidige diesen Bereich“ geben – man kommt allerdings die meiste Zeit ohne diese Funktion aus. Wenn einer der Beiden das Zeitliche segnet, ist er für den Rest der Mission außer Gefecht gesetzt und steht erst zum nächsten Auftrag wieder zur Verfügung.

Sollte die Munition oder die Energie einmal knapp werden, kann man einen der überall in den Leveln verteilten Pubs aufsuchen, die praktischerweise oft mit Extras und Waffen auftrumpfen können. Rom kann maximal drei der insgesamt sechs Schießprügel gleichzeitig tragen, sowie eine Auswahl an verschiedenen Bomben und Spezialwaffen.

Wir sind hier nicht im Kino!

Die Grafik des Spieles entspricht absolut dem momentanen Genrestandard. Die Charaktere und Gegner sind schön anzusehen, die Landschaftsgrafik ist ebenfalls in Ordnung – auch, wenn sich dem Spieler teils nur weitläufige, gelegentlich eine Nummer zu kahle Gebirgsareale darbieten.

Die Zwischensequenzen wurden liebevoll gerendert, auch wenn die Stimmen – zumindest in der deutschen Version – alles andere als lippensynchron aus den Lautsprechern tönen. Warum die Videos jedoch nicht den ganzen Bildschirm ausfüllen, sondern ein dicker, schwarzer Rand die Filme umrahmt, wissen wohl nur die Grafiker des Spiels. Auch die 16:9-Balken, die bei aktuellen Spielen in Mode gekommen zu sein scheinen, stören ein wenig. Jüngstes Beispiel hierfür ist das ansonsten brillante Beyond Good & Evil von UbiSoft. Liebe Entwickler, muss das wirklich sein? Es reicht doch schon, wenn man die Dinger als Normalsterblicher, der sich kein Gerät im Breitbildformat leisten kann, im Fernsehen ertragen muss!

Derbe Monologe

Der Sound darf getrost als solides Stück Arbeit bezeichnet werden und wurde sauber in das restliche Spiel eingearbeitet. Besonders erwähnenswert sind die Kommentare der Gegner. So kommt den virtuellen Kontrahenten beim Abgang noch der eine oder andere Kommentar über die Lippen, wie beispielsweise das bereits aus Giants bekannte „Auuu, meine Beine!“, oder, bei einem Schuss in den Unterleib „Meine Eier! Er hat mir meine Eier weggeschossen!“. Zwar etwas derb, passen die Monologe doch trotzdem in das herrlich böse Armed and Dangerous! Der Rest ist Genrestandard: Der Raketenwerfer macht ein lautes „Bumm“, das Maschinengewehr rattert, wie man es von der Konkurrenz gewohnt ist und die Sprecher haben gute Arbeit geleistet.

Die Planet Moon Studios haben damit das Klassenziel absolut erreicht. Wäre das Spiel jetzt noch eine gute Nummer spannender und die Wiederspielbarkeit höher, hätte LucasArts einen echten Blockbuster im Sortiment!

Fazit

Mit Armed and Dangerous haben die Planet Moon Studios einen soliden Action-Shooter produziert, nicht mehr und nicht weniger. Das Spiel ist insgesamt viel zu kurz, das Leveldesign zu linear und auf Dauer zu langweilig. Auch auf einen Multiplayermodus wurde verzichtet, wodurch auf den ersten Blick unter dem Strich nicht mehr viel bleibt. Warum also trotzdem kaufen? Hauptargumente sind eindeutig der herrlich schräge Humor, die kompromisslose Non-Stop-Action und die schöne Grafik des Spiels. Wer seinen Spaß bereits bei Giants: Citizen Kabuto oder MDK hatte, sollte bedenkenlos zugreifen. Alle anderen Spieler, die ein bisschen mehr von einem Actionshooter erwarten, müssen Wohl oder Übel Konkurrenzprodukte kaufen.

Armed and Dangerous [PC , Justgamers]

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