Arx Fatalis

Review
Plattform
PC
Vertrieb
JoWood
Entwickler
Arkane-Studios
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
16
Arx Fatalis [PC , looki.de]

Gesamtwertung

72%/10

Grafik

Gut

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Mangelhaft

Arx Fatalis

Wir schreiben das Jahr 1991. Origin hat gerade mit Ultima Underworld ein völlig neuartiges Rollenspiel entwickelt. Eine für damalige Verhältnisse hervorragende Grafik, eine so dichte Atmosphäre wie sie zuvor bei noch keinem Spiel entdeckt worden war und spannende Aufgaben unter Tage bescherten vielen Spielern einige schlaflose Nächte.

Genau 11 Jahre später schickt JoWood mit Arx Fatalis einen Titel ins Rennen, welcher nicht nur aufgrund der Thematik auf den ersten Blick an den alten Origin Klassiker erinnert. Nun heißt es wieder Stiefel geschnürt und mit einer Fackel in der Hand auf dem Weg das Böse zu vernichten.

Story

Arx war ursprünglich ein gewöhnliches Reich. Menschen, Trolle, Goblins und auch Drachen kämpften an der Erdoberfläche um Macht und Reichtum. Doch dann brach das Zeitalter der ewigen Dunkelheit an. Die Sonne hatte nicht mehr genug Energie und Kraft die Erde mit ihren schützenden Strahlen zu erwärmen, sie erlosch. Alle Überlebenden der Katastrophe flüchteten in alte, riesige Zwergenminen. Von dort aus arbeiteten die ehemals verfeindeten Rassen der Goblins, Menschen und Trolle Hand in Hand, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Nach Jahren der Schufterei war im Erdreich endlich die neue Heimat fertig gestellt worden und mit diesem Tage loderten vergangene Rivalitäten wieder auf. Jede Rasse zog sich in eine Ebene zurück und versuchte die alleinige Herrschaft des gesamten Reiches an sich zu ziehen. In diesen Zeiten der Not half ein Gerücht den Menschen einen Teil ihrer Qualen zu vergessen. Akbaa, der Gott des Chaos wird wohl die Macht haben die Sonne wieder zu beleben und somit die Menschen aus der ewigen Dunkelheit zu führen.

Dieser Glaube mündete sehr bald in einen blutigen Kult, deren Anhänger glauben durch Opfer Akbaa zu besänftigen und damit die Sonne wieder auflodern zu lassen. Eine von Morden, Kriegen und Betrug gekennzeichnete Rasse braucht dringend die Hilfe eines außergewöhnlichen Helden. Willkommen in Arx…

Doch noch vor dem ersten Griff zum Schwert muss erst einmal ein passender Charakter zusammengeschraubt werden und an dieser Stelle wird der verwöhnte Rollenspieler ein erstes mal enttäuscht, denn die Variablen und Möglichkeiten beim Generieren eines Helden sind stark begrenzt. So kann man zwar sehr viele Punkte auf die üblichen Fertigkeiten wie Stärke, Intelligenz und Ausdauer verteilen, aber eine Auswahl von Talenten oder Klassen sucht man vergebens. Als letztes darf kann man dann noch das Aussehen des eigenen Ego aus vorgefertigten Charakteren auswählen und schon steht der potentielle Retter bereit. Ganz klassisch beginnt die Handlung im Gefängnis. Unser Protagonist wurde von Goblins niedergestreckt und eingekerkert.

Leider wurde ihm nicht nur seine Freiheit, sondern auch sein Gedächtnis geraubt. Dennoch hat die Flucht aus diesem Malheur zunächst einmal oberste Priorität. Doch schon auf den ersten Schritten muss der Spieler bereits eine zweite Enttäuschung hinnehmen. Die Steuerung des Charakters ist denkbar ungünstig und gewöhnungsbedürftig ausgefallen. Grundsätzlich lässt sich der Held zwar, wie bei einem 3D-Rollenspiel üblich, mit Maus und Tastatur lenken, allerdings ist es mir auch nach einigen Spielstunden nicht gelungen, eine vernünftige Maussensitivität zu finden. Das Resultat erkennt man in jeder schnellen Bewegung, wenn man plötzlich nur noch eine graue Wand auf dem Bildschirm sieht. Ein nächstes Problem stellt die Karte dar. Gerade bei solch verwinkelten Gewölben ist eine übersichtliche Karte fast schon unumgänglich. Leider wird uns hier die denkbar schlechteste Lösung angeboten. Die eigentliche Orientierungshilfe bedeckt undurchsichtig den ganzen Bildschirm und verhindert so geschickt ein gezieltes Durchwandern der Ebenen. Dass zudem noch wichtige Wegmarkierungen eher zur Ausnahme gehören und dass so ein Luxus wie eigene Wegpunkte ganz gestrichen worden ist, verschlechtert das Bild weiterhin.

Leider waren das noch nicht alle Mängel der Bedienung. Ein weiteres Missgeschick leisteten sich die Entwickler bei dem Entwurf des Inventars. Dass dieses zunächst einmal grundsätzlich zu klein ausgefallen ist, lassen wir an dieser Stelle einmal wohlwollend ohne weiteren Kommentar stehen. Wirklich störend ist allerdings das Fehlenvon Quick-Slots oder anderer Annehmlichkeiten. Zum schnellen Benutzen von Tränken und der Fackel gibt es zwar einige Hotkeys und man kann auch 3 Zaubersprüche vorspeichern, um jedoch während eines Kampfes komfortabel handeln zu können, wurde man in anderen Spiele schon mehr verwöhnt.

Ein Lichtblick zeichnet sich bei der Handlungsfreiheit des Charakters ab. Fast jedes Objekt kann verschoben, kombiniert oder zerstört werden. Ein gelöschtes Feuer kann z.B. mit Hilfe des Entzündungszauber entflammt werden, woraufhin rohes Fleisch essbar zubereitet werden kann. Auch ansonsten legten die Entwickler viel Wert auf Realismus. Einkäufe können nur während bestimmter Öffnungszeiten getätigt werden und die Kirche ist auch nicht immer von denselben Bewohnern besucht. Unverständlich ist allerdings, warum der namenlose Krieger zwar hin und wieder Nahrung lautstark fordert, dennoch aber nie schlafen muss.

Zauberhaft

Der wohl interessanteste Part bei Arx Fatalis ist das Magiesystem. Die Basis besteht aus verschiedenen Runen und Zauberrollen. Die Runen zeigen bestimmte Mausbewegungen, welche immer mit einem magischen Spruch verbunden sind.

Von den Rollen lassen sich die Kombinationen der Sprüche und dessen Wirkungen, also die Zauber an sich, ablesen. Wem das System bekannt vorkommt, wird wahrscheinlich Peter Molineux’s Meisterwerk Black & White gespielt haben. Leider ist auch dieses wohlklingende Magiesystem bei weitem nicht perfekt. Sobald man beginnt einen Zauber aufzusagen, d.h. mit der Maus die Runen nachzeichnet, sind jegliche weitere Bewegungen zur Seite, Drehungen des Körpers etc. nicht mehr möglich. Das führt dazu, dass kombiniert mit dem Zeitfaktor, es in fast keiner Situation wirksam möglich ist, einen Angriffszauber zu sprechen. So beschränkt sich die Nützlichkeit vor allem auf Schutzzauber und Erkenntniszauber.

Atmosphäre

Schlüsseln wir zunächst einmal die Atmosphäre in die beiden Grundfaktoren Graphik und Sound auf. Graphisch gesehen erfüllt Arx Fatalis die Norm, ohne allerdings zu brillieren. Lediglich die Zaubereffekte können kritiklos gefallen. Abgesehen davon kommt ein leichtes Gefühl der Monotonie auf. Klar, dass Minen und Höhlen nicht gerade kunterbunt dargestellt werden können, aber ein gesamter Stollen, der aus fast nur einer Textur besteht, langweilet doch sehr. Die gleiche Mittelmäßigkeit findet sich auch in den Charaktermodellen wieder. Diese sind zwar grundlegend ganz nett gezeichnet, sind aber derart schlecht animiert, dass dieser kleine Bonus direkt wieder leichtfertig verspielt wird. Die größte Enttäuschung im bildtechnischen Bereich stellt sich allerdings mit Blick auf die Dimensionen der Spielwelt ein. Nahezu alle Gebäude und Festungen sind derart klein in den Ausmaßen, dass man bei einem günstigen Blickwinkel meint, man mit einem kleinen Hopps über ein komplettes Mauerwerk hüpfen zu können.

Noch unzufriedener darf man mit der Geräuschkulisse sein. Klangvolle Hintergrundmelodien sind fast nirgendwo zu belauschen und auch die sonstigen Soundeffekte verursachen keine Stimmungsbesserung. So lässt sich akustisch z.B. nicht unterscheiden, ob da gerade ein Troll oder ein Frosch in eine Pfütze gesprungen ist und der ewig gleiche Marscheffekt ist auf Dauer auch eher nervig.

Fassen wir nun die obigen beiden Abschnitte zusammen und werten diese aus. Eine äußerst flaue, nicht zufriedenstellende Atmosphäre, verleiht Arx Fatalis zu keiner Sekunde das passende Höhlengefühl.

Es ist schwer über eine künstliche Intelligenz zu schreiben, welche bei genauerer Betrachtung eigentlich gar nicht vorhanden ist. Ich habe selten zuvor derart dumme Gegner wie bei diesem Titel gesehen. Das drückt sich vor allem in deren Bewegungsabläufen aus. Ein Troll, der nicht nach zwei Metern an einem Balken hängen bleibt, ist schon etwas Besonderes.

Auch kommt es schon mal vor, dass ein Gegner zwar wie wild zum Angriff bläst, dass man aber dennoch völlig ungehindert um ihn rumtänzeln kann, bis ihm nach einer Minute wieder einfällt was er da eigentlich brüllt und dann tatsächlich angreift.

Die Frage nach dem Was?

Was ist Arx Fatalis eigentlich? Obwohl JoWood uns glauben machen will, dass es sich dabei um ein Rollenspiel handelt, schneidet das Spiel wesentlich besser ab, bewerten wir es als (Action)-Adventure. Da wäre zum einen die unglaubliche Fülle an Rätsel, welche teilweise Lucas-Arts Niveau erreichen. Da muss z.B. ein Teig mit Wein versüßt werden, den der Koch anschließend auf einer Feuerstelle backt und zum König bringt, welcher daraufhin krank den Thronsaal räumt und somit Platz für wissbegierige Besucher schafft.

Wenn man nun Arx Fatalis dem Adventure Genre zugeschoben hat, wiegen die langweiligen und schlecht zu kontrollierenden Kämpfe bei weitem nicht mehr so stark, wie bei einem Rollenspiel und auch die träge Steuerung würde etwas mehr an Verständnis wecken.

Fazit

Die ersten Stunden sind bei Arx Fatalis die schwersten. Ohne eine vernünftige Navigationshilfe gilt es erst einmal einige Ebenen auszukundschaften und die wichtigsten Wege auswendig zu lernen. Mit der Zeit hat man sich dann auch mit der Steuerung und der enormen Handlungsfreiheit vertraut gemacht und schon bringt auch dieser Titel ein wenig Freude vor den PC. Als Rollenspiel spielt Arx Fatalis allerdings hinter den derzeitigen Krachern Neverwinter Nights und Morrowind nur in der zweiten Liga. Für das Prädikat „Topspiel“ sind die Kämpfe zu langweilig, die Rätsel zu schwer und die Atmosphäre zu dünn.

So wird es wahrscheinlich nur zwei Gruppen geben, die sich mit diesem Spiel auch längerfristig vergnügen können. Da wären zum einen alte Ultima Underworld Spezialisten, die aufgrund der nicht von der Hand zu weisenden Ähnlichkeiten einen Trip in die Vergangenheit wagen und zum anderen die in den letzten Jahren nicht gerade verwöhnten Adventure Fans. Letztere dürften sich mit dieser Fülle an spannenden und knackigen Rätsel pudelwohl in der Welt von Arx fühlen.

Arx Fatalis [PC , looki.de]

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