Gesamtwertung66%/10 |
GrafikBefriedigend SoundGut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungBefriedigend |
Einer der wohl kreativsten Spieleentwickler meldet sich wieder zurück: Mastermind hinter diversen PC-Titeln wie Alice setzt mit Bad Day L.A. ein neues Ausrufezeichen im Genre. So zumindest die Versprechungen, welche im Vorfeld um den Titel kreisten. Wir haben für euch den Titel auf Herz und Nieren geprüft und liefern euch in unserem Test die Resultate.
What a f**ing day for L.A.!
Die Handlung von Bad Day L.A. spielt logischerweise in Los Angeles. Doch könnte der Ort auch ausgetauscht werden, denn L.A. steht hier lediglich als Synonym für jede x-beliebige Großstadt. Wichtig für American McGee war eigentlich lediglich eine Stadt, die durch Gewalt, Kriminalität, verrohte Sitten und korrupte Politiker hervorsticht. Ergo hätte er auch Buxtehude oder Berlin Lichterfelde nehmen können. Doch American McGee wäre nicht American McGee, wenn er das Gutmenschentum der Amerikaner nicht mit einer gehörigen Prise seines ganz eigenen Humors würzen würde. Und so versucht Bad Day L.A. vor allem durch Humor, Sarkasmus und Zynismus beim Publikum zu punkten.Wer Titel wie Undying oder Alice gespielt hat, der weiß, dass der Autor ein Herz für gesellschaftlich ausgegrenzte und unterprivilegierte Figuren besitzt. In Alice war es das arme, irre Mädchen, welches im Wahn sein Elternhaus samt Erziehungsberechtigten abfackelte. In Undying der vom Wahn verfolgte Geisterjäger. So verwundert es nicht, dass die Hauptfigur bei Bad Day L.A. ein farbiger Obdachloser ist. Dieser schiebt eines Tages mal wieder seinen Einkaufswagen durch die Botanik, als er urplötzlich Augenzeuge eines Anschlags wird. Französische (!) Terroristen jagen kurzerhand ein mit biologischen Waffen bestücktes Flugzeug während des Landeanflugs in die Luft.
Auf diese Weise verseuchen sie einen Großteil der Stadt. Das hat zur Folge, dass sich etliche Einwohner der Millionenmetropole in wild gewordene Zombies verwandeln, Mord, Raub, Erpressung und Diebstahl von nun an auf der Tagesordnung stehen. Eigentlich ein Tag wie jeder andere
Help I need somebody's help!
Eure Aufgabe liegt nun darin, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, den Verwundeten zu helfen und notfalls mit Waffengewalt, den ganzen Pöbel wieder aus der Stadt zu fegen und den noch kommenden Katastrophen zu entrinnen. Zahlreiche Missionen führen euch dabei durch die nicht wirklich interessant in Szene gesetzte Story. Von einem American Mc Gee hätte man wesentlich mehr erwarten können.
Doch vielleicht ist er mit seinen Gedanken schon bei der Xbox 360, für die er sein nächstes Projekt entwickelt. Dieses mit den Gedanken woanders sein, zieht sich nämlich wie ein roter Faden durchs ganze Spiel. Das beginnt schon bei der nervigen Steuerung, bei ungenauer Kollisionsabfrage, langweiligen Dialogen, endlos gleich ablaufenden Aktionen und einer zwar für Fans interessante, ansonsten allerdings absolut unspektakulären und langweiligen Grafik.
It's a long way
Doch Obacht: Wer auf seinem Weg, die bösen Buben zu erledigen, sinnlose Gewalt walten lässt, sprich: Lieber Zombies die Rübe wegpustet statt sie von ihrem Leid zu befreien, der bekommt Minuspunkte. Zu viele davon, und ihr seht genauso schnell den Game Over Bildschirm, wie beim virtuellen, meist recht schnell eintretenden, Heldentod. Begleitet werdet ihr ab und an von mehr oder minder abgedrehten Leidensgenossen. Was uns während des Spielens besonders nervte war die strunzdumme KI. Während wir beispielsweise einem Verwundeten halfen, griff dieser uns doch tatsächlich an.
Ein Terrorist hingegen, den wir mit Beil und Kettensäge attackierten, schaute uns bei diesem Prozedere tatenlos zu. Anklänge an Die Ritter der Kokosnuss sind wohl eher der launigen KI, denn beabsichtigter Entwicklereingriffe zuzuschreiben.
Don't panic!
Was das Spiel trotzdem ein klein wenig von der Masse abhebt, es aber dadurch nicht unbedingt interessanter macht, ist die Thematik und das Spielen mit der Angst. Gerade hurrikan- und terrorgeplagten Amerikanern dürfte bei American McGees Humor wohl das eine oder andere Lachen im Halse stecken bleiben. Natürlich überzeichnet er die Szenerie gnadenlos und möchte die zum Teil unnötige Panikmache seiner Landsleute karikieren. Doch in Zeiten einer weltweiten Bedrohung, ist es zweifelhaft, ob er mit Titeln wie Bad Day L.-A. nicht doch Gegenteiliges erreicht.
Ebenfalls schade ist, dass die Entwickler komplett auf einen Multiplayer verzichtet haben. Nicht einmal im Koopmodus, dürft ihr zu zweit antreten. Das ist nicht nur unzeitgemäß sondern es zieht auch den Spielspaß deutlich nach unten, da man das eigentliche Hauptspiel abgesehen von einigen Frustmomenten doch relativ schnell durchgespielt hat.
XIII light
Was in Zeiten eines XIII durchaus revolutionär in Sachen Grafik war und auch bei Killer 7 zog, wirkt Anno 2006 eher lächerlich und angestaubt. Nicht genug damit, dass Bad Day L.A. die Cel-Shading Grafik benutzt - Fans mögen die immer noch lieben. Die Details, die American McGee hier einbaut, gehören nicht in Kinderhände. Auch wenn die Thematik von Gewalt lebt, muss sie nicht unbedingt so exzessiv durchgehalten werden. Verblutende Menschen, die aus ihren Windschutzscheiben hängen mit Glassplittern im Kopf, sollten nicht unbedingt sein. Angenehm ist hingegen, dass Bad Day L.A. über recht moderate Hardwareanforderungen verfügt, sodass der Titel auch auf älteren Rechenknechten mit voller Detailstufe mühelos läuft. Wenn man den Humor des Spiels mag, wird einem einiges geboten, die englischen Sprecher leisten eine durchweg gute Arbeit und besitzen enorm viel Sarkasmus, schwarzen Humor und sparen auch nicht mit Gesellschaftskritik.
Die akustische Seite des Spiels bleibt auf mittelmäßigem Niveau. Für den deutschen Markt wurden lediglich Untertitel gewählt. Eine Wahl, die dank des Humors der Originalsprecher gut ist.