Gesamtwertung73%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungBefriedigend |
Adventure-Freunde kennen und lieben sie: die erfolgreiche Baphomets Fluch-Serie, die seit ihrem Anfang im Jahr 1996 als Inbegriff für spannend erzählte Geschichten und witzige Dialoge gilt. Das Duo George Stobbard und Nicole Collard wurden zur Ikone unter den Rätselfans. Ob auch Der Engel des Todes, der mittlerweile vierte Ableger der Serie, das vor allem von den Teilen eins und zwei getragene Qualitätsniveau fortführen kann, erfahrt Ihr in unserem Review.
Das weibliche Geschlecht macht nur Probleme!
Frauen bringen Männer immer wieder in gefährliche Situationen: Was hier wie ein Machospruch klingt, wird für den unter Adventurefreunden extrem beliebten George Stobbard zur bitteren Wahrheit. Eines Tages stürmt eine junge Blondine namens Anna Maria in sein Büro und fordert Georges Hilfe. Sie wird von ein paar bösen Jungs wegen eines Gegenstandes gejagt. Da George in den letzten Jahren schon so viel erlebt hat, dass das nach einem Auftrag wie jeder andere klingt, erklärt er sich bereit, ihr zu helfen. Dass er auch keine andere Wahl gehabt hätte, merkt er in der nächsten Minute, als seine Agentur von kriminellen Gestalten auseinander genommen wird und diese nun auch Jagd auf ihn machen.
Ab hier greift der Spieler ins Geschehen ein. Und anfangs siegt der Frust: Denn so hätte sich garantiert kein Adventure-Freund die Steuerung unseres Helden vorgestellt. Entweder nur mit Maus oder mit einer Kombination aus Tastatur und Maus bewegt man sich im vierten Teil der Serie. Schnell wird klar, dass eigentlich keine von beiden so richtig gut funktioniert.
Zudem reagiert die Maussteuerung auch noch recht träge und unpräzise, was vor allem in Schnelligkeitseinlagen den ein oder anderen Bildschirmtod verursachen kann. Was, Tod? Ja, anders als in vielen Adventures kann George auch sterben, wenn man nicht aufpasst.
Licht und Schatten...
Ärgerlich wird es aber erst, wenn der Spieler merkt, dass man die Dialoge über sich ergehen lassen muss. Richtig gehört, man kann die Gespräche nicht abbrechen oder überspringen. Das nervt vor allem dann, wenn man eine Person mehrmals wegen einer gewissen Sache befragen muss, man aber nie weiß, wann man das kann. So muss man sich die gleichen Phrasen wieder und wieder anhören. Mit der Zeit kann das zu Langeweile führen. Überhaupt weiß man nur selten, was eigentlich als Nächstes zu tun ist, da das Spiel einen oft im Dunkeln tappen lässt und sich mit Zielen mehr als bedeckt hält. Hinweise werden - wenn überhaupt - nur in Gesprächen gegeben und selbst dann sind diese nicht immer offensichtlich.
Löblich ist jedoch, dass zumindest Nicole Collard, von George auch liebevoll Nico genannt, wieder mit von der Partie ist. Da werden manche Gespräche regelrecht zum Kalauerwettlauf, vor allem dann, wenn Nico George wegen der mysteriösen Anna Maria vor Eifersucht strotzende Szenen macht.
In solchen Momenten sieht man gerne über die Designmängel von Baphomets Fluch 4 hinweg. Überhaupt ist die Story, die die Figuren um den ganzen Globus schickt, an sich sehr interessant erzählt und mit überraschenden Wendungen gespickt. Vor allem die Rolle Anna Marias ist von Anfang an nicht klar ersichtlich und die Dreiecksbeziehung zwischen ihr, George und Nico ist witzig und spannend zugleich in Szene gesetzt. Hier entfaltet das Spiel seine eigentlichen Stärken.
Der Engel des Todes ist wie schon der dritte Teil der Serie in dreidimensionaler Grafik gehalten, was wohl den Schritt in eine neue Richtung weisen sollte. Schade nur, dass der Charme, der die ersten beiden Teile ausmachte, leider nun gänzlich verloren gegangen ist. George Stobbard in 3D ist eben längst nicht so cool wie ein zweidimensionaler George. Weiterhin bringt die Entscheidung der Entwickler, eine 3D-Engine zu benutzen, noch weitere Probleme mit sich. Da wäre zum Beispiel die hanebüchene Kameraführung, die stets auf die Figur fokussiert. Daraus resultiert, dass man einfach oft wichtige Kleinigkeiten übersieht, was für ein Adventure den Todesstoß bedeutet. Denn es nervt mit der Zeit einfach, ständig die gleichen Lokalitäten zu durchsuchen, nur weil einem die schlecht positionierte Kamera einen Strich durch die Rechnung macht.
Mehr Charme bitte!
Zwar ist Baphomets Fluch 4 ein PC-only-Titel, dennoch hat es irgendwie den Anschein, als ob man Kompromisse bei der Optik gemacht hätte. Zwar können die polygonreichen und detaillierten Charaktere überzeugen, doch mehr Mühe hätte man sich lieber bei den einzelnen Szenarien geben sollen. Die sind leider Gottes oftmals farbarm und trist geraten und dazu noch recht geizig, was ihre Objektfülle angeht. Der Verdacht des zeitlichen Drucks, der auf den Entwicklern lastete, drängt sich hier auf. Auch die Animationen hätten mehr Feinschliff vertragen können.
Zumindest beim Sound gibt es nichts zu beanstanden: So dürfen wir uns auf die gleichen Synchronsprecher von George und Nico freuen, die auch schon in den letzten drei Teilen den Figuren ihre Stimme liehen und mittlerweile von jedem erkannt werden sollten, der sich auch nur im Entferntesten mit dem Genre der Adventures identifizieren kann.
Wie gewohnt machen diese ihre Arbeit hervorragend und verleihen den Charakteren zumindest akustisch den Charme, der ihnen gebührt. Die musikalische Untermalung ist hingegen ganz solide, hält sich aber dezent im Hintergrund, was hier nichts Schlechtes heißt