Battlefield 2

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Digital Illusions
Erscheinungsdatum
-
Genre
Shooter
USK
16
Battlefield 2 [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

93%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Battlefield 2

Seinerzeit hat der Taktik-Shooter Battlefield 1942 das Multiplayerspiel revolutioniert. Mit riesigen Landschaften, Massen an Fahr- und Flugzeugen sowie einem einfachen aber dennoch äußerst fesselndem Spielprinzip wurden Millionen von Spielern rund um den Globus in den Bann des Multiplayer-Shooters gezogen. Die wohl bekannteste und beliebteste Modifikation trug den Namen Desert Combat und verschlug die Spieler aus der Vergangenheit direkt in die Gegenwart der Kriegsführung. Die Beliebtheit der Modifikation hat Publisher Electronic Arts dazu geführt, die Entwickler der Mod für sich zu gewinnen, um zusammen mit den Mannen von Digital Illusions, den ursprünglichen Machern von Battlefield 1942, das zweite Sequel, Battlefield 2 zu entwickeln. Was das Spiel drauf hat, und ob es seine Vorgänger übertrumpfen kann, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test.

Aus alt mach neu

Am Prinzip der Battlefield-Reihe hat sich auch im neuesten Ableger nichts geändert. Anstatt von Alliierten und Achsenmächten bekriegen sich im neuen Teil jedoch die USA (United States Marine Corps), die Volksarmee der Republik China und die Koalition des nahen Ostens mit modernem High-Tech Kriegsgerät. Ziel der Teams ist es, so viele Flaggenpunkte wie möglich auf der Spielkarte einzunehmen. Wenn man mehr als die Hälfte der Punkte unter seiner Kontrolle hat, sinken die Tickets des gegnerischen Teams schneller in Richtung Null. Immer wenn ein Spieler ins Gras beist, verbraucht er ein Ticket zum Respawnen. Neu ist, dass man die stark umkämpften Flaggenpunkte nun auch im Fahrzeug sitzend erobern kann, in den Vorgängern musste man dazu noch aussteigen. Je mehr Mitglieder des eigenen Teams an der Flaggeneroberung beteiligt sind, desto schneller geht diese über die Bühne.

Klassenvielfalt

Wie langweilig wäre es doch, wenn auf einer Karte immer nur ein und derselbe Soldatentyp herumlaufen würde. Zum Glück gibt es in Battlefield 2 gleich sieben verschiedene Soldatenklassen. Die sind bei jeder der drei Fraktionen identisch, unterscheiden sich aber stark in der jeweiligen Bewaffnung. Special Forces Einheiten agieren schnell und verdeckt; sie verfügen über ein Maschinengewehr und eine schallgedämpfte Pistole sowie hochexplosiven C4-Sprengstoff. Scharfschützen sind die Aufklärer im Team, diesmal zwar ohne Fernglas dafür aber mit Ganzköpertarnung, die ihre Entdeckung durch den Feind im dichten Gebüsch und in Wäldern nahezu unmöglich macht. Die Sturmsoldaten gelten als Standardkämpfer und sind das A und O jeder Streitmacht. Ihre Bewaffnung besteht aus einem durchschlagskräftigen Maschinengewehr mit integriertem Granatwerfer, wodurch sie auch für Fahrzeuge aller Art eine Bedrohung darstellen. Wenn die Situation zu brenzlig wird, greifen sie zu ihrer handlichen Rauchgranate um sich möglichst unerkannt vom Acker zu machen.

Der vierte im Bunde ist der Versorgungssoldat und der Albtraum jedes gegnerischen Sturmangriffs. Wenn er sich liegend und gut gedeckt bei freiem Schussfeld mit seinem schweren Maschinengewehr in einer Ecke verkrochen hat, gehen anstürmende Gegner im Sekundentakt zu Boden. Er ist auch der Ansprechpartner jedes Teamkameraden bei akuter Munitionsknappheit. Nummer fünf ist der Pionier, der mit seinem Schweizer-Schraubenschlüssel alles wieder flott kriegt, egal ob Panzer, Düsenjet oder gar eine ganze Brücke. Außerdem ist er mit schweren Minen ausgestattet die auch dem größten Panzer ganz schnell den Garaus machen. Der Sanitäter spielt in Battlefield 2 eine viel größere Rolle als noch in den Vorgängern, in denen er sogar als die am wenigsten gespielte Klasse galt. Das hat sich nun geändert, denn eine neue Fähigkeit hat ihn für jedes Team unabdingbar gemacht – die Reanimation. Mit einem handlichen Defibrillator ausgestattet huscht er übers Schlachtfeld um verletzte Teammitglieder wieder ins Leben zurückzuschocken. Sollte euch keine der bisher vorgestellten Klassen so richtig reizen, dann werdet ihr wohl zum Panzerabwehrschützen greifen. Seine Rakete knackt nach einigen Treffern auch die dickste Panzerung und wenn man gut ist, holt man vielleicht sogar den ein oder anderen Helikopter vom Himmel.

Gib dein Bestes!

Anders als in den Vorgängern wird nun jeder dafür belohnt was er wirklich machen will und vor allem kann. Das heißt, dass wenn sich jemand auf Helikopterfliegen spezialisiert und seine Teammitglieder am stationären Heli-MG gekonnt über den Köpfen der Gegner schweben lässt, bekommt er für jeden Abschuss eines Feindes aus dem von ihm gesteuerten Hubschrauber Punkte gutgeschrieben. Dasselbe gilt auch für die bewaffneten Truppentransporter. Darüber hinaus erhalten zwei Klassen je nach ihrem Aufgabenbereich Erfahrungspunkte: der Sanitäter wenn er gefallene Teamkameraden wiederbelebt und der Pionier, wenn er etwas repariert, entweder aktiv oder passiv. Passiv werden Vehikel automatisch in Stand gehalten, wenn man in ihnen Platz nimmt. All diese Punkte werden, sofern man sie sich auf EAs offiziellen Ranked-Servern verdient hat, in den Statistikbildschirm jedes Spielers eingetragen. Mit jeder gewonnenen Erfahrung kommt man der nächsten Beförderung ein Stück näher und kann seinen Spielercharakter immer mehr individualisieren. Mit steigendem Dienstgrad und größerer Erfahrung werden mit der Zeit auch zusätzliche Waffenkits freigeschaltet, zwischen denen man dann im Spiel wählen kann. Statistikfetischisten werden sich auch über die Anzahl der Statistiken freuen. Egal ob man wissen will wie lange man in welchem Fahrzeug gefahren ist, wie viele Meter man zu Fuß zurückgelegt hat, welche Waffe man am meisten benutzt und mit welcher man am genauesten schießt usw., sogar die Kills pro Minute können abgelesen werden.

Apropos Fahrzeuge: von denen gibt es auch im neuesten Battlefield-Teil jede Menge. Ohne die mehr als 30 vorhandenen Vehikel wären die Fortbewegungsmöglichkeiten in den teils riesigen Levels nämlich mehr als eingeschränkt. Alle drei Fraktionen haben die Auswahl zwischen ähnlichen Fahrzeugtypen, jedes Team hat z.B. einen Panzer, einen Truppentransporter, ein Geländefahrzeug, einen oder mehrere Helikopter und Flugzeuge. In den stationären Geschützen der Panzer kann man sich neuerdings ducken, um nicht so leicht Opfer feindlicher Scharfschützen zu werden. Die Steuerung der Helikopter kann man als eine gelungene Mischung aus Desert Combat und Battlefield Vietnam bezeichnen die nichts zu wünschen übrig lässt, ebenso wie die von Anfang an intuitive Flugzeugsteuerung.

Befehlsgewalt

Viel wurde im Voraus über den Commander-Modus diskutiert und gemutmaßt, häufig wurde die Frage gestellt, ob den jemand überhaupt wird spielen wollen. Nach der Demo und den ersten Tagen der Vollversion kann man letztere Frage getrost mit einem „Ja“ beantworten. Aber bevor wir zum Commander selbst kommen erwähnen wir das Squadsystem. Jeder Spieler kann entweder eine eigene Squad erstellen in die sich dann andere Mitspieler einklinken können oder sich selbst einer bereits existierenden Gruppierung anschließen. Der Squad-Leader erteilt den Squad-Mitgliedern Befehle, z.B. kann er anordnen welcher Punkt auf der Karte angegriffen oder verteidigt werden soll. Außerdem kann er Unterstützung verschiedener Art von der höchsten Instanz auf der Karte, dem Commander anfordern. Der hat eigentlich im Großen und Ganzen dieselben Möglichkeiten wie der Squad-Leader und kann ebenfalls aktiv am Kampfgeschehen teilnehmen, nur sind ihm die kompletten Squads unterstellt, denen er in einem separaten Menü Befehle erteilt. Was ihn so interessant macht, sind aber seine vier Spezialfähigkeiten. Er kann von sich aus, oder auf Anfrage eines Squad-Leaders eine unbemannte Radar-Drohne, auch UAV genannt, an einen Kartenpunkt schicken um Feindbewegungen in einem bestimmten Radius aufzudecken. Eine andere Möglichkeit, Feinde sichtbar zu machen ist der Karten-Scan. Hier wird einmal die komplette Karte „durchleuchtet“ und für einige Sekunden sind alle Gegner als rote Punkte auszumachen.

Sollte es an hart umkämpften Stellen mit der Zeit zu Engpässen kommen, kann der Commander eine Nachschubskiste abwerfen lassen an der sich alle Teammitglieder, aber auch die Gegner mit Munition und Medikits eindecken können. Die stärkste Fähigkeit des Commanders ist der mächtige Artillerieschlag. Wenn dieser erst einmal unwiderruflich angeordnet ist, bleibt in einem Radius von ungefähr 100 Metern kein Stein auf dem anderen liegen. Wer es schafft, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, hat Glück, verbliebene Einheiten werden erbarmungslos von der Karte gefegt. Diese vier Fähigkeiten brauchen Zeit um sich vor der nächsten Benutzung wieder aufzuladen, können aber auch vom gegnerischen Team zerstört werden. Wie das geht? Ganz einfach, mit handlichen C4-Sprengladungen. Denn jede dieser Fähigkeiten verfügt über einen Platz von wo sie ausgeführt wird, der sich fast immer in der Hauptbasis des jeweiligen Teams befindet. Der Scan wird beispielsweise von einer Radarschüssel ausgeführt, der Artillerieschlag von drei großen Kanonen. Sollte es jedoch eine gegnerische Spezialeinheit schaffen, diese in die Luft zu jagen, werden sie eine Zeit lang nicht verfügbar sein.

Grafisch hat Battlefield 2 einiges zu bieten. Hochauflösende und detaillierte Texturen, realistische Animationen sowie tolle Licht- und Schatteneffekte fordern aber auch ihren Tribut. Besonders der RAM Hunger ist immens – unter 512 MB solltet ihr nicht mal an den Kauf denken. Weniger anspruchsvoll ist der Taktik-Shooter bei der CPU und Grafikkarte. Mit heruntergeschraubten Details kann man sich auch mit älteren Rechnern ins Schlachtgetümmel stürzen. Soundtechnisch gibt es nichts zu meckern – ohrenbetäubende Explosionen, Schüsse wo man nur hinhört, auf den Boden fallende Patronenhülsen, all das erzeugt abgerundet mit der EAX und „Voice over IP“ Soundunterstützung eine 1A-Schlachtfeldatmosphäre. Für die deutsche Version wurden alle Bildschirmtexte sowie Soundsamples tadellos übersetzt, wer will, kann aber auch mit den englischen Originalaufnahmen spielen. Sogar die Physik hat Einzug in die Welt von Battlefield 2 gehalten – vorbei sind die Zeiten, in denen sich faule Deserteure noch hinter Holz- oder Metallzäunen verkriechen konnten, denn die können nun mit Leichtigkeit durchschossen werden. Die integrierte Ragdoll-Engine der Charaktere sorgt zudem für lebensechte Fall- und Trefferanimationen, auch wenn man manchmal sogar ein komplettes Magazin aus nächster Nähe ausschießen muss bis der fiese Gegner das Zeitliche segnet.

Online hui, offline pfui!

Das Herzstück des Spiels ist bekanntlich der Multiplayermodus, in dem sich auf zwölf verschiedenen Karten bis zu 64 Spieler in Teams gegenseitig um Flaggenpunkte bekämpfen, auch bekannt als Conquest-Modus. Das war’s dann aber leider auch schon, andere Modi sucht man in Battlefield 2 vergeblich. Sehr traurig, zumal es auch für Solisten wieder keine echte Solokampagne gibt, sogar die aneinandergereihten Missionen der „Pseudo-Kampagne“ aus Battlefield 1942 wurden entfernt. Im Singleplayermodus können die zwölf vorhandenen Levels darüber hinaus lediglich in der Größe für 16 Spieler in Angriff genommen werden, die je nach maximaler Spieleranzahl für 32 und 64 Spieler zugeschnittenen größeren Maps bleiben Multiplayer-Partien vorenthalten. Dennoch gibt es auch für Einzelspieler einen kleinen aber dennoch feinen Lichtblick.

Battlefield 2 (29 Bilder)

Die KI der Bots ist zwar manchmal etwas „humorvoll“, d.h. es kann schon mal passieren, dass Bots mit dem Defibrillator auf einen losgehen, oder sich eine Massen-Messerstecherei liefern, dennoch sind sie ihren Kollegen aus Battlefield 1942 und Battlefield Vietnam um Längen überlegen. Das einzige wirkliche Problem, mit dem sich die Spieler herumplagen müssen, ist der schlampig programmierte Serverbrowser der nahezu pausenlos laggt und das Spiel manchmal sogar zum Absturz bringt. Hier, und bei einigen anderen kleinen Schönheitsfehlern sollte möglichst schnell per Patch nachgebessert werden.

Fazit

von Andreas Balazik

Schon die Demoversion hat mich tagelang an den Bildschirm gefesselt und einfach nicht losgelassen. Dasselbe ist mir jetzt mit der Vollversion passiert, meine Ohren sind durch das ununterbrochen aufgesetzte Headset schon ganz rot, meine Augen vertragen nur mit großen Schmerzen echtes Sonnenlicht. Als ich letztens den Müll rausgebracht habe, bin ich immer zuerst hinter jede Mülltonne in Deckung gesprungen und habe meine Freundin, die mich vom nahen Balkon aus beobachtete per Walkie-Talkie um weitere Instruktionen gebeten. Das phänomenale „Ich bin mitten drin“-Gefühl, das ich auch schon in Battlefield 1942 und Battlefield Vietnam verspürt habe, wurde hier noch weiter perfektioniert. Gepaart mit fesselndem Teamplay inklusive Commander-Modus und einer bombastischen aber leider ziemlich hardwarehungrigen Grafik ist Battlefield 2 ohne Frage ein mehr als würdiger Nachfolger der seine Vorgänger und den direkten Konkurrenten Joint Operations in vielen Punkten sogar noch übertrumpft. Schade ist allerdings, dass die Entwickler nicht so viel Wert auf die Käufer legen, die das Spiel nicht online spielen können. Die KI ist zwar lobenswert, macht jedoch das Fehlen einer echten Kampagne nicht wett. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass EA die noch vorhandenen Fehler mit Patches gnadenlos ausmerzt und uns vielleicht auch mit der ein oder anderen neuen Map oder gar einem weiteren Spielmodus beglückt. Des Weiteren stecke ich meine Hoffnungen auch in den bald erscheinenden Editor, der nebst anderen Werkzeugen für eine blühende Mod-Community sorgen wird. Ein Feature, das ich mir persönlich sehr erhofft hatte, fehlt aber leider – eine zerstörbare Spielwelt. Aber irgendwas Neues muss doch auch noch für Battlefield 3 übrig bleiben ...

Fazit

von Rouven Krause

Ich bin süchtig. Süchtig nach einem Computerspiel. Das mag für einen Hardcorezocker wie mich nichts Neues sein, doch es ist so. Seit langem hat mich kein Titel mehr so an den Bildschirm gefesselt, wie es Battlefield 2 tut. DICE hat es geschafft, dem Spiel einen gewissen Charme zu verleihen und dennoch auf knallhartes und actionreiches Gameplay zu setzen, wie wir es in Onlineshootern bisher noch nicht erleben konnten. Das altbewährte Battlefield-Prinzip – Flaggen einnehmen, Flaggen halten – wurde nicht neu erfunden. Von einem lieblosen Klon kann dennoch nicht die Rede sein, dafür sind die Veränderungen, die die neuen taktischen Möglichkeiten mit sich bringen, zu gravierend. Abgesehen von einigen Schönheitsfehlern ist Battlefield 2 meiner Meinung nach der Onlineshooter des Sommers, wenn nicht sogar des Jahres!

Battlefield 2 [PC , Justgamers]

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