Gesamtwertung90%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Die Eiszeit, 25.000 Jahre vor Christi Geburt: Die Polkappen frieren, Gletscher tun sich auf und das Meer erstarrt zu Eis. Mammuts, Faultiere und Säbelzahntiger ziehen Richtung Süden um ein letztes Plätzchen grüner Erde zu finden und erleben dabei lustige Abenteuer mit einem proppigen Menschensäugling, der zurück zu seiner Familie will und durch seine Knuddeligkeit eine Raubkatze auf den rechten Weg der Freundschaft führt. Soweit die romantische Version aus Hollywood. Die Version der Spieleschmiede Dice sieht da etwas anders aus.
2106 Die gefürchtete und lang diskutierte Eiszeit beginnt als Antwort auf die globale Erwärmung und somit die entbehrungsreichste Zeit der gesamten Erdbevölkerung seit Menschengedenken. Schneestürme verschlucken die letzten fruchtbaren Anbauflächen und dezimieren das Nahrungsangebot der Menschheit bis nichts mehr übrig ist. Milliarden fanden bereits den Hunger- und Kältetod. Amerika und Nordeuropa gibt es nicht mehr. Der Rest der Welt führt erbitterte und blutige Schlachten in denen es nur um eines geht: Ums Überleben. Die übrig gebliebenen, verzweifelten Nationen tun sich zusammen und erschaffen durch unüberwindbare Konflikte zwei neue Supermächte: die vereinigten EU-Truppen der Europäischen Union und die aus Russland, China und dem mittleren Osten bestehenden Gesamtasiatischen Koalition, der Pan Asian Coalition. In der Not wird der Mensch kreativ und erfindet immer grausamere und zerstörerische Wege um seinen Standpunkt zu festigen und da der Gegner nicht schläft, schaukelt sich im Jahre 2142 ein alles vernichtender Krieg hoch, in dem alle technischen Errungenschaften nur noch einem Zweck dienen: Der absoluten Ausrottung des Feindes.
Futur II
Wer hier jetzt Laserwaffen, Lichtschwerter, Photonentorpedos oder intergalaktische Kriege mit außerirdischer Partei erwartet, der befindet sich auf dem gefrorenen Holzweg. Entwickler Dice hat sich bei der Konzeption von Battlefield 2142 eher darauf beschränkt, was wohl in 100-150 Jahren wirklich möglich wäre und sich zum Großteil nach altbekannten Waffensystemen orientiert, um ein möglichst real wirkendes und brutales Setting zu erzeugen.
So kommen neben herkömmlichem Gerät wie Panzern, Maschinengewehren und Granaten auch Schwebepanzer, Heliktoper-Hybride, Infantrie-Tarnvorrichtungen und besonders mächtige Battlewalker ins Spiel. Die Spieler treten sich in zwei Parteien gegenüber, die sich optisch eher wenig unterscheiden.
Die Vehikel und Waffen unterscheiden sich eher marginal, wobei die PAC eher die durchschlagskräftigeren und die EU die zuverlässigeren und zielsichereren Waffen in ihrem Arsenal haben.
Das futuristische Ambiente in Battlefield 2142 wirkt oft beklemmend und auf eine interessante Art und Weise unnatürlich. Es kommt teilweise merklich das Gefühl auf, dass es in den Kämpfen um etwas mehr geht als um den Umsturz eines Regimes oder der Kontrolle von Ölfeldern. Maskierte, bewaffnete Soldaten ohne Gesicht stehen sich mit den verheerendsten Waffen gegenüber, die die Menschheit je hervorgebracht hat um für das Überleben ihrer Familien und der Erhaltung der Menschheit zu kämpfen. Unterstützt wird die finstere Atmosphäre durch das allgegenwärtige Eis, das die Welt in seinen Fängen hält, den zerstörten Städten und den befremdlichen Waffensystemen, die anstatt ein orange-glühendes ein blaues Mündungsfeuer haben oder blau-leuchtende EMP-Blitze ausstoßen, während der Rest der Welt grau in grau gehalten ist. All diese Kleinigkeiten sorgen für eine nie da gewesene, erbarmungslose Battlefield-Atmosphäre.
Titan
Titane sind die Vorfahren der Götter, allmächtige Wesen aus der griechischen Mythologie. Beinahe ebenso Respekt einflößend und unverwundbar wirken die gleichnamigen fliegenden Festungen aus Battlefield 2142, die es im Titan-Mode zu verteidigen und auf der anderen Seite zu zerstören gilt.
Der Titan-Mode spielt sich im Grunde genauso wie der altbekannte und fast schon ausgeleierte Conquest-Mode, mit einer entscheidenden Neuerung: Um das endgültige Ziel zu erreichen, muss der gegnerische Titan zerstört werden. Und da gibt es mehrere Möglichkeiten. Beide Parteien besitzen jeweils einen baugleichen Titanen, der Anfangs noch mit einem dicken Schutzschild umgeben ist. Eben dieses gilt es in der Anfangsphase auszuschalten.
Das geht nur mit den Boden-Luft Raketen die im Titan-Mode das Equivalent zu den herkömmlichen Flaggen bilden.
Je mehr Raketensilos man unter Kontrolle hat, desto schneller schwindet der Schild des Feindes. Die Kontrolle zu behalten ist aber mehr als schwer. Ist ein Silo eingenommen, dauert es keine zwei Minuten bis die erste Rakete abgefeuert wird und sich unaufhaltsam dem gegnerischen Titanen nähert. Die Maps sind größer und dynamischer und bieten viel mehr Wege ein Ziel zu erreichen oder Punkte zu verteidigen. Hier bietet es sich wirklich an, nicht gleich zum nächsten Silo zu stürmen, sondern auch mal einen Punkt zu verteidigen, zumindest so lange, bis nach zwei Minuten die erste Rakete abgeschossen wurde.
Ist einmal der Schild eines Titanen zerstört ist, geht es ans Eingemachte. Jetzt kann man verfahren wie gehabt und die Raketen die Arbeit machen lassen oder man entert das große Schlachtschliff mit seinem Team und zerstört die schicke Inneneinrichtung. In den Titan kommt man nur aus der Luft, entweder per Helikopter oder per Landepod eines Truppentransporters. Dieser fliegt automatisch in die richtige Richtung und ermöglicht es einem ganzen Squad gleichzeitig auf dem Titan zu landen und das Deck zu sichern. Ein guter Squad-Leader errichtet sofort einen Spawn-Punkt um einen nahtlosen Angriff zu garantieren und dann geht es los.
Um das Monsterschiff von innen zu zerstören, muss der Reaktorkern in die Luft gesprengt werden. Doch entpuppt sich dieses Unterfangen immer wieder als Himmelfahrtkommando, da die Verteidiger die weitaus bessere Position haben und sich immer wieder in Sicherheit zurückziehen können. Auf dem Weg zum Reaktorkern muss man außerdem vier weitere Gegenstände im Schiff zerstören, die je ein Kraftfeld deaktivieren um ein tieferes Eindringen ins Schiffsinnere zu ermöglichen. Ist der Kern zerstört, sollte so schnell wie möglich die Flucht angetreten werden. Wenn man es nicht schafft den Titan vor der großen Explosion zu verlassen, erntet man nämlich einen unschönen Todes-Punkt in seiner gehegten Soldatenstatistik. Im Titan-Mode wird Teamwork und Kommunikation groß geschrieben. So sollten auf keinen Fall mehr als ein vollständiges Squad gleichzeitig auf dem gegnerischen Titan sein, da die Verteidigung der Raketensilos und des eigenen Titans niemals vernachlässigt werden darf. Das Blatt kann sich von einer Minute auf die andere schlagartig ändern.
Und während sich 20 Leute des eigenen Teams im gegnerischen Titan vor die Füße laufen, ist das gegnerische Team mit einem gut eingespielten Squad bereits am schlecht verteidigten Reaktorkern und gewinnt die Runde mit einem überraschenden und großen Knall.
Ich bin was, was du nicht siehst
Battlefield 2142 schafft es endlich Infantrie und Kavallerie auf eine Ebene zu bringen. Auch die sehr mächtigen Titanen sind mit ein wenig Taktik relativ leicht zu besiegen. Was sofort auffällt, ist die Klassenauswahl, die auf gerade mal vier Grundtypen reduziert wurde. Vier? So wenig? Der Begriff Grundtyp beschreibt es eigentlich schon. Der auswählbare Soldat ist quasi ein Chassis für weitere Ausbaustufen. Jeder Grundtyp besitzt zwei Ausbaustufen, die beide komplett freigeschaltet werden können. Während der Sturmsoldat sich auch als Sanitäter durch den Dreck robben kann, ist der gute alte Ingenieur nicht mehr nur zum Reparieren und Minenlegen da, sondern besitzt außerdem eine schlagkräftige Panzerfaust und kann sich auf das Ausschalten von Fahrzeugen spezialisieren. Ganz besonders schick ist der Aufklärer. Mit seiner Tarnkappe und seinen Sprengutensilien ist er eine permanente und vor allem unsichtbare Gefahr. Allein der Supporter kann unsichtbare Aufklärer mit einem frei geschalteten Helm aufspüren und das Signal an sein Team weitergeben. Der Aufklärer kann sich als Scharfschütze oder Nahkampfspezialeinheit durchschlagen und ist wohl die Einheitenklasse mit den meisten verdienten Dogtags (Auszeichnungen, die man durch das Töten mit dem Messer erhält). Wie man seinen Soldaten ausrüstet ist jedem selbst überlassen. Man kann entweder die vorgegebenen Stile nehmen oder sich seinen persönlichen Mix selbst zusammenstellen.
Durch das erweiterte Beförderungssystem, kann man bis zur letzten Beförderung maximal 40 Features freischalten, sodass man alles in Ruhe ausprobieren kann, ohne großen Zwängen zu unterliegen. Man sollte aber auf jeden Fall die erweiterten Fähigkeiten (längere Sprint-Zeiten, bessere Ausdauer, erweiterte Magazine, Granaten) aufleveln, da diese eine Investition für die Ewigkeit sind und für jeden Einheitentyp gelten. Durch die besseren Grundeigenschaften des Soldaten, kann man einen enormen Vorteil im Infantriekampf erreichen.
Anders als in Battlefield 2 erhält man nicht nur Punkte für das Töten von Gegnern, das Einnehmen von Flaggenpunkten oder das Supporten mit Munition oder Verbandskästen, sondern es wird ein viel größerer Wert auf das Teamwork gelegt.
Der Spieler wird angehalten die Befehle des Squadleaders auszuführen, denn jeder erledigte Gegner im Befehlsbereich und das Einnehmen von Flaggen und Silos gibt Extrapunkte. Auch der Squadleader kriegt Punkte für erfolgreiche Befehle. Wenn sich das Squad besonders hervortut, werden sofort einsetzbare Features für das gesamte Squad freigeschaltet. Jeder, der keinem Squad beitritt, verschenkt also wertvolles Potential und schadet zudem dem Team. Auch erwirtschaftete Anstecker, wie der Combat Efficency Pin, den man für das töten Zahlreicher Gegner ohne selber zu sterben erlangt, bringen bis zu zehn Extrapunkte, Medaillen und Bänder bringen sogar bis zu 20 Punkte. Insgesamt kann ein Soldat bis zu 110 Orden durch das Erfüllen von speziellen Anforderungen, wie dem erfolgreichen Verteidigen des Titans, erhalten.
Battlefield on the rocks!
Battlefield 2142 beinhaltet 10 Maps. 10 Maps? Ist das nicht viel zu wenig für ein reines Multiplayerspiel? Keineswegs. Die Maps, die Dice uns da hingezaubert hat, sind allesamt vollkommen unterschiedlich und erfordern unterschiedlichste Vorgehensweisen. Egal ob bei den weitläufigen Titan-Maps oder den verwinkelten Städtekarten; jeder Zentimeter scheint genau berechnet zu sein und strotzt nur so vor taktischen Möglichkeiten. Es spielt keine Rolle, ob ma nun Infantrie oder Kavallerie bevorzugt, hier kommt jeder auf seine Kosten. Sehr positiv fällt auf, dass es auf jeder Karte besondere Schleich- und Tunnelwege, sowie Vorteilhafte Positionen für Soldaten gibt, um dem brachialen Feuer der Walker und Panzer ein wenig aus dem Wege gehen und Hinterhalte planen zu können. Auch wenn die Lernkurve ziemlich steil ist und das Beförderungssystem, noch stärker als in Battlefield 2, für die ein oder andere Schwierigkeit im Balancing sorgen kann, ist man, vor allem als Battlefield-Veteran, schnell im Spielgeschehen und wirkt nach einer Runde Einspielzeit ganz vorne mit.
Um sich mit den Karten, Waffen und Fahrzeugen besser vertraut zu machen, kann man sich vorher mit Bots im Singleplayermodus vergnügen, zu mehr ist dieser, wie erwartet, aber auch nicht wirklich zu gebrauchen. Wirklich sinnvoll ist da die kleine Buddy-Liste, die in das Hauptmenü eingebaut worden ist. Schnell ist da mal eine Nachricht geschrieben oder ein Server gejoint. Geradezu perfekt für schnelle Matches mit den Freunden ohne umständliches IP-Eingetippe oder verwirrendes Servergesuche in dem stark verbesserten Ingame-Browser.
Von der optischen Qualität her erinnert das Spiel, wie an vielen Stellen, stark an den Vorgänger. Dies soll aber nichts Schlechtes heißen. Detaillierte Texturen, wunderschöne Geometrie und vor allem funktionierende Architektur machen das Spiel zur wahren Freude. Der Stil hat sich grundlegend geändert. Vom eher organischen Battlefield 2 ist in Battlefield 2142 kaum noch was übrig geblieben. Hier herrscht Technologie, Zerstörung und durchdringende Kälte, die man überall, außer in den Wüstenkarten zu spüren bekommt. Jede Karte ist gespickt mit nützlichen und schönen Details, wie Trümmern und zerstörten Autos und vor allem die Stadtmaps mit den futuristischen Häusern und Wolkenkratzern sind einzigartig in der Battlefield-Geschichte. Auch die Soundkulisse ist Preisverdächtig. Atmosphärisch auf dem höchsten Level rattern die Gewehre und knallen die Geschosse durch die sonst gespenstisch stille Gegend.
Erstmals sorgen auch die Funksprüche für ein beklemmendes Flair, das sich gewaschen hat. Hier bleibt es oft nicht mehr nur bei einem simplen Medic!, hier merkt man, dass die Soldaten um ihr Leben schreien. Und auch sonst wirkt die Kommunikation viel stimmiger als in den Vorgängern. Man fühlt sich nicht nur dadurch in jeder Sekunde, als wäre man wirklich in der Schlacht. Ein nettes Feature ist zudem, dass jede Karte ihr eigenes Musikthema hat, was mehr zu der Stimmung beiträgt, als man es erwartet. Man stimmt sich während der relativ kurzen Ladenzeiten quasi auf den bevorstehenden Kampf ein.