Gesamtwertung85 %/10 |
Grafik7 Sound9 |
Lanzeitspaß9 Spieleinstieg7 |
Bedienung7 |
Die einen sammeln Kugelschreiber, spießen Käfer auf Stecknadeln oder bunkern Bierdeckel. Wiederum andere interessieren sich für Karten. Karten, auf denen für Außenstehende recht verwirrende Zahlen und Bezeichnungen stehen und die gemeinhin wenig mit normalen Spielkarten zu tun haben. Ihr habt es erraten: Es geht um Trading Card Games (TCG), quasi die papierhaltigen Vorläufer einiger Online-Spiele - zumindest in Anbetracht des Kosten- und Suchtfaktors. Früher wurde den TCGs ein hoher strategischer Moment zugeschrieben, heute dreht EA Phenomic den Spieß um: "BattleForge" ist vom Ursprung ein Strategiespiel, mischt den Sammelkarten-Ansatz in diesem ansprechenden Genre-Potpourri jedoch gekonnt unter.
Es beginnt, wie es meistens beginnt: Es gibt ein bis zwei Problemchen! Die Götter haben keine Lust mehr auf die Sterblichen gehabt und sind samt der Sonne verschwunden. Seitdem lag die Welt von Nyn in einem sonderbaren Zwielicht. Daraufhin boten die Riesen an, eine neue Sonne an den Himmel zu klatschen. Der geringe Preis dafür waren alle Schätze der Sterblichen. Die wurden aber gestohlen, die Riesen hintergangen.
Die Sterblichen haben nun also gleich zwei Probleme: Einerseits werden sie von den Riesen gejagt, die ihre Aufgabe erfüllt haben, andererseits hat das Zwielicht die Welt verändert und garstige Kreaturen erschaffen.
Auftritt: Wir! Der Spieler verkörpert einen Himmelsfürsten, Diener der alten Götter. Uns steht es nun zu, die Welt von den Zwielichtgestalten, zu befreien und den Sterblichen wieder Hoffnung in die Herzen zu pflanzen. Wer alles über die Hintergründe wissen möchte, sollte dafür ein wenig Zeit einplanen.
Die gesamte Story wird nach und nach durch unterschiedliche Szenarien freigeschaltet und steht letztendlich auf mehreren hundert Seiten eines Buches, welches Ihr auf dem einsehen könnt. Wie aber sollen die zwielichtigen Wesen von der Oberfläche getilgt werden? Genau hier kommen die Karten ins Spiel.
Uns steht die "BattleForge" - die Kriegsschmiede - zur Verfügung, mit dessen Hilfe wir aus virtuellen Karten, virtuelle Einheiten schaffen - beinahe also Gott spielen. Aber auch nur beinahe, denn wir können unsere Einheiten nicht einfach wahllos und endlos in die Prärie einer Karte setzen und warten, bis der Gegner die weiße Fahne schwenkt. Dazu benötigen wir die Ressource Energie sowie bestimmte Sphären-Monumente. Die Energie wird benötigt, um grundsätzlich Einheiten oder Gebäude entstehen zu lassen oder Zauber zu wirken, und kann an festgelegten Brunnen auf jeder Karte abgezapft werden. Die Brunnen sind zwar begrenzt und regenerieren nicht, doch bleibt zum Glück einer der physikalischen Grundsätze der Energie jedenfalls teilweise bestehen: Energie kann in einem geschlossenen Gesamtsystem nicht verloren gehen. Im Klartext heißt das: verliert eine Eurer Einheiten in "BattleForge" ihr Leben oder platziert Ihr einen Zauber, fließt ein gewisser Prozentsatz der eingesetzten Energie in den zweiten Pool, aus dem Ihr fortan schöpfen könnt. Dies wird als Leerenenergie bezeichnet.
Was ihr noch benötigt, um Einheiten zu beschwören, ist mindestens ein Sphären-Monument, das eine Eurer Kartenfraktionen unterstützt.
Sobald der Spieler einen auf der Karte definierten Platz für ein Monument gefunden hat, muss er wählen, welche Fraktion das Monument unterstützen soll. Frost, Feuer, Natur und Schatten lauten diese einzelnen Mächte, die jeweils unterschiedliche Attribute besitzen. Ihr könnt entweder ein Deck nur aus einer der Fraktionen erstellen, oder diese nach eigenem Belieben bunt mischen. Die Frost-Karten bieten vor allem Verteidigungskräfte, die Karten des Feuers sind gut für mächtige Angriffe, die Natur stellt indes Unterstützer und vor allem Heiler und der Schatten spendiert dunklen Verrat und List. Zusätzlich zu der Entscheidung, welche Karten ein Spieler grundsätzlich in seinem Deck sehen will, muss bedacht werden, wie teuer diese Einheiten sind. Einerseits kosten sie natürlich Energie, andererseits fordern bessere Karten auch mehr Monumente einer bestimmten Farbe bzw. Fraktion. Möchten wir beispielsweise einen einigermaßen mächtigen Feuerdrachen beschwören, benötigen wir insgesamt vier Monumente im eigenen Besitz, drei davon müssen der Feuer-Fraktion angehören. Das persönliche Deck muss diese Faktoren natürlich berücksichtigen, will man im nächsten Kampf nicht gänzlich ohne oder mit viel zu schwachen Einheiten dastehen.
Häuft sich bei Euch erst einmal die Energie an, kann es losgehen: Einheiten beschwören, Zauber wirken, Gebäude bauen und dem Zwielicht zeigen, wer die Trümpfe in der Hand hält. Zu Beginn des Spiels arbeitet Ihr mit einem Tutorial-Deck, während Euch eine attraktive Himmelsfürstin namens Mondschein das grundlegende Spielprinzip ans Herz legt. Weniger imposant fällt dagegen der erste optische Eindruck aus. "BattleForge" sieht auf den ersten Blick eher wie ein aufgebohrtes "WarCraft III", als ein Strategietitel aus dem Jahr 2009 aus.
Die Welt kommt knallbunt daher, der Zoom ist recht gering, die Einheiten einer Truppe gleichen sich absolut. Nachdem das verdaut ist, fallen jedoch die kleinen und großen Details und vor allem die wunderbaren Animationen auf, die den Eindruck insgesamt gehörig aufwerten. Wenn sich die Einheiten mit lautstarken Rufen über Nachschub freuen oder kämpfen, lohnt sich das Hineinzoomen in den Kampf. Das gilt vor allem auch, wenn Einheiten beschworen werden, die mit wundervollen Effekten überhaupt erst ins Spiel kommen. So taucht beim Erscheinen des Schlachtschiffes der Frost-Fraktion erst ein großer Nebel auf, aus dem das Schiff dann herausschwebt. Außerdem können die wundervollen und farbenfrohen Effekte überzeugen, die durch Zauber auf der Karte platziert werden.
Das erste Deck enthält immer Standard-Karten und ist noch nicht komplett ausgereizt. Hier erfahren wir in einer gelungenen Einführung, wie gelaufen, gekämpft, gebaut und Energie gesammelt wird. Über die Karten selbst hören wir anfangs relativ wenig. Ist die erste Schlacht geschlagen, sieht das Ganze aber schon anders aus. Sobald wir uns das erste Mal in der "Schmiede", dem Hauptmenü des Spiels, aufhalten, werden wir überhäuft mit Tooltips zum Chat, zu den Decks, der Missionskarte, den Sammelkarten, den Punkten und allem, was irgendwie zu sehen ist. Dank der Hinweise wissen wir zwar was fortan zu tun ist, doch wirkt die "Schmiede" insgesamt recht überladen. Von dieser Schaltzentrale aus strukturieren wir dann zukünftig unsere Decks, kaufen neue Karten hinzu oder machen uns auf den Weg zu den Missionen. Dabei bietet es sich für jeden an, die ersten sechs Aufträge anzugehen, die alleine gemeistert werden können. In den Missionen treiben wir die Kampagne weiter und erhalten im Falle eines siegreichen Vorgehens Upgrade-Karten, Gold und Erfahrungspunkte. Was zu Beginn noch recht verwirrend ausseht, fühlt sich spätestens nach den Singleplayer-Karten jedoch richtig rund an.
Bald weiß jeder, wo was zu suchen ist und was wo zu tun ist. Langsam beginnt man, seine Taktiken zu überarbeiten, sein Deck zu sortieren und sich - vorausgesetzt man stimmt dem Spielprinzip zu - erste Booster zu holen.
Booster werden bei Trading Card Games kleine, käufliche Pakete genannt, die Nachschub an Spielkarten bringen. Insgesamt beinhalten sie jeweils acht neue Karten, die zufällig aus allen vier Fraktionen zusammengestellt sind. Ein Booster enthält immer fünf gewöhnliche, zwei ungewöhnliche und eine seltene oder mit Glück sehr seltene Karte. Ein Booster Pack kostet dabei 250 "BattleForge"-Punkte. Genau an diesem Punkt könnten einige Spieler ein Problem mit dem Titel bekommen. Zwar zahlen viele Kunden diverser Online-Spiele jeden Monat Geld, doch ist das Verkaufssystem von "BattleForge" hier offener, direkter. Bedenkt man, dass es bei Sammelkartenspielen üblich ist, dass neue Editionen meist bessere Karten enthalten, werden Spieler mit den ersten Karten aus der "Twilight"-Edition wohl nicht immer oben mitspielen können.
Schließlich gibt es viele Taktiker, die durch Können und bessere Deckzusammenstellungen und weniger durch die besseren, gekauften Karten überzeugen wollen.
Gerade beim Zusammenstellen der Decks, also den 16 Karten, die ein Spieler mit in eine Schlacht nimmt, hilft die Spielerfahrung von TCGs ungemein. Immerhin besitzt der Spieler anfangs rund 160 Karten der bisher 200 veröffentlichten Sammelkarten. Dazu haben bestimmte Einheiten nicht nur unterschiedliche Angriffs-, Verteidigungs- und Vitalwerte, sondern auch besondere Fähigkeiten.
So gibt es Armeen, die während einer aktivierbaren Abwehrstellung besonders gute Verteidigungswerte besitzen, oder solche, die dank Rundumschlägen mehrere Feinde auf einmal treffen und auch umwerfen können. Nützlich sind beispielsweise bei den Natureinheiten besonders Fähigkeiten wie "Anwurzeln" oder "Heilen".
Da sich die Deck-Fraktionen schon in der ersten, so genannten "Twilight"-Edition recht gut unterscheiden, müssen Spieler besonders bedächtig die Beschwörungskosten, die Werte und die Sonderfähigkeiten vergleichen. Dies lernt man in keinem Tutorial, weshalb der Spieler gerade anfangs von dem Kartenpool nahezu erschlagen wird. Hier hilft Ausprobieren, das Blättern in diversen Foren oder natürlich die bereits angesprochene "Schmiede". Denn dort dürfen sämtliche eigenen und gegnerischen Einheiten einander gegenüber gestellt werden. Wie im Sandkasten können Spieler eine Einheit nach der nächsten aus dem Ärmel zaubern und schauen, wie sich bestimmte Fähigkeiten auswirken oder wir stark einige Armeen wirklich sind. Denn die Beschreibungen auf den Karten selbst geben nicht immer Aufschluss auf den wahren Nutzen einer bestimmten Einheit in einem Deck. Haben wir uns aber erst einmal für ein Deck entschieden und wollen uns von dessen Stärken bzw. Schwächen im Gesamtbild überzeugen, müssen wir dringend an die Front.
Gerade bei den Missionen zeigt "BattleForge" seine Stärken. Zwar sind schon die sechs Einzelmissionen, die weniger durch die Hintergrundhandlung als vielmehr die dynamische Spielweise überzeugen können, recht spannend. Hier spielt vor allem die Zeitbegrenzung in einigen Szenarien eine elementare Rolle. Richtiger Spielspaß kommt jedoch erst im Multiplayer-Teil des Spiels auf. Grundsätzlich ist "BattleForge" kein Solotitel, sondern ein Multiplayer-Spiel, das mit Einzelmissionen aufwarten kann. Wer die Kampagne komplett erleben möchte, benötigt Mitspieler und gute Abstimmung.
Auf der Weltkarte sind alle erreichbaren Szenarien eingezeichnet und dort kann sich der Spieler überlegen, welche er besuchen möchte. Dabei ist sofort ersichtlich, wie viele Spieler für eine Karte benötigt werden.
Dies können bis zu 12 sein und es sollte bedacht werden, dass leer gelassene Slots nicht durch KI-Spieler aufgefüllt werden. Sind also nur drei Spieler auf einer Map für vier, stehen die Chancen schlecht. Dabei ist es bislang recht einfach, Spielpartner zu finden. Zum einen wollen viele die Kampagne durchspielen, andererseits gibt es natürlich auch die angesprochenen Belohnungen abzustauben. So begeben wir uns einfach zu einer Mission und sehen sofort, ob es noch ein Spiel mit freien Plätzen gibt. Sollten keine Slots frei sein, erstellen wir selbst ein Match und warten darauf, dass jemand dazustößt. Ist das der Fall, können sich die Spieler noch absprechen und das Match starten , wenn alle bereit sind. Gerade in den Coop-Missionen empfiehlt sich die Kommunikation über ein Headset.
Denn die Aufträge variieren zum Teil während der Szenarien und es benötigt teilweise gute Absprache, wenn man gemeinsam nicht als Verlierer vom Feld der Ehre herunterhumpeln möchte. Wer besteht, erhält Erfahrungspunkte und steigt in der PvE-Rangliste auf. Ist die Kampagne bewältigt, oder kann man dem PvE-Anteil, also den Missionen gegen die KI, nichts abgewinnen, so bleibt einem der Deathmatch-Modus mit insgesamt 12 Karten. Jeweils die Hälfte davon sind für 1v1- und 2v2-Matches designt. PvP-Kämpfer können drei unterschiedliche Tokens erhalten. Für die Teilnahme erhalten Spieler einen Kampf-Token, für den Sieg natürlich den Sieg-Token. Zusätzlich dazu gibt es noch Ehren-Token. Mit den Tokens, ergattertem Gold und einem bestimmten PvP-Rang werden Upgrade-Karten gekauft. Außerdem erhalten PvP-Spieler so genannten ELO Punkte, die ihren PvP-Rang bestimmen.
Eine interessante Möglichkeit bietet das Spielen mit einem so genannten "Tome"-Deck. Dies ist eine spezielle Form des Decks, welches aus sechs noch nicht ausgepackten Boostern besteht, die zuvor erworben werden müssen. Hier empfiehlt sich der Kauf eines speziellen Tome-Decks, da dann nur fünf der sechs Booster bezahlt werden müssen. Vier Wochen lang können Tome-Spieler damit nur gegen andere Tome-Spieler kämpfen, wodurch garantiert wird, dass die Spieler nur eine begrenzte Zahl an zufälligen Karten besitzen und sich demnach möglichst intensiv mit ihren Karten und den Strategien auseinandersetzen müssen. Bei Tome-Matches erhalten Spieler die doppelten Belohnungen im Vergleich zu einem normalen Spiel. Nach den vier Wochen - oder auf Wunsch auch eher - wandern die Karten vom Tomepool zu den anderen, "normalen" Karten und können für keine "Tome"-Spiele mehr genutzt werden.
EA Phenomic hat wiedereinmal bewiesen, was für ein Potential in der Schmiede steckt. Erneut haben die Entwickler mehrere unterschiedliche Genres gekonnt und plausibel vereint, optisch nur den leichten "Spellforce"-Einschlag beibehalten. Schade nur, dass das Online-Trading Card-Echtzeitstrategiespiel in dieser Hinsicht nicht mehr ganz up-to-date ist.
Vor allem das Bezahlsystem wird vielen Spielern wohl auf den Magen schlagen. Wer selbst einmal Sammelkartenspiele besessen und genutzt hat, kennt das: Es kommen neue Editionen, die Karten sind besser und schon können alte Einheiten getrost ausgewechselt werden. Sie müssen es sogar, wenn man am Ball bleiben will. Damit verdienen diese Firmen ihr Geld. Bei "BattleForge" wird das sicherlich nicht anders sein.
Dennoch ist "BattleForge" ein Paradebeispiel für innovative Strategiespiele: Es gibt schier unendliche Kombinationsmöglichkeiten aufgrund einer anfangs kaum überschaubaren Einheitenmenge. Weiß der Spieler erst einmal was er tut, wird er schnell erste Erfolge erzielen und immer wieder zu seinem Deck zurückkehren, um es weiter zu verfeinern. "BattleForge" ist ein tiefgründiges Strategiespiel, dass viele Möglichkeiten bietet, viele neue Türen öffnet und bisherigen Genrevertreten durch den Sammelkarten-Ansatz die kalte Schulter zeigt. Dabei ist das Spielsystem grundsätzlich nicht neu, wird aber erfrischend präsentiert.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
BattleForge im Test.
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