ÜberSoldier

Review
Plattform
PC
Vertrieb
CDV
Entwickler
Burut CT
Erscheinungsdatum
-
Genre
Shooter
USK
18
ÜberSoldier [PC , looki.de]

Gesamtwertung

68%/10

Grafik

Gut

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

ÜberSoldier

An Egoshootern, deren Hintergrund der Zweite Weltkrieg ist, mangelt es in letzter Zeit nun wahrlich nicht. Während sich die meisten Spiele dieses Genres darauf konzentrieren, das Kriegsgeschehen möglichst realistisch wiederzugeben, greifen die Entwickler von Burut bei ihrem neusten Titel ÜberSoldier gewollt auf eine übertriebene Darstellungsform zurück.

Ein Übersoldat wird geboren.

Die Geschichte von ÜberSoldier ist relativ unspektakulär und somit schnell wiedergegeben. Um den Ausgang des Krieges für sich zu entscheiden, forschen deutsche Wissenschaftler an einer Maschine, die es ermöglichen soll, aus gefallenen Soldaten hörige Kampfmaschinen mit Spezialfähigkeiten zu machen. Einziges Problem dieser Wiederbelebungsmethode ist der Verlust einer bestimmten Hirnpartie, die für Gehorsam und Unterordnung verantwortlich ist. Als alles verloren scheint, macht der Wissenschaftler Ernst Schäfer eine vielversprechende Entdeckung. Er findet ein Medikament, welches dem Probanden seinen verlorengegangenen Unterordnungstrieb wiedergeben kann. Wie bei den meisten Medikamenten üblich, hat auch dieses eine Nebenwirkung: Der Wiederbelebte befolgt nur die Befehle desjenigen, der ihm als erster nach seinem Erwachen einen Befehl erteilt.

Als Karl Stolz während eines Einsatzes in einen Partisanenhinterhalt gerät, unterliegt er dem feindlichen Kugelhagel. Statt den gefallenen Soldaten gebührend in Frieden ruhen zu lassen, lässt man ihn, mit Hilfe der neuen wissenschaftlichen Errungenschaft wiederbeleben. Karl Stolz ist ab nun ein ÜberSoldier. Nach langer Prozedur erwacht er schließlich zum Leben und blickt anstatt in die Augen einer deutschen Befehlsgewalt, in die der französischen Widerstandskämpferin Maria, die ihn unfreiwillig hörig macht. Von nun an schließt sich Karl der Untergrundbewegung an, um gegen seine Peiniger und gegen das unmenschliche Wiederbelebungsverfahren zu kämpfen.

Was wäre ein ÜberSoldier ohne spezielle Fähigkeiten?

Ihr übernehmt die Rolle von Karl Stolz. Zunächst müsst ihr aus den Fängen der Nazis, bzw. aus deren wissenschaftlichem Labor entkommen.

Die Steuerung hält sich dabei grundlegend an Ego-Shooter-Normen und dürfte demzufolge problemlos von der Hand gehen. Wer dennoch nicht weiß wie er seine Spielfigur befehligen soll, kann sich durch das Drücken der Taste „F1“ die nötigen Instruktionen einblenden lassen. Natürlich verfügt unser ÜberSoldat, aufgrund des an ihm durchgeführten Experimentes, über spezielle Fähigkeiten. Auf Tastendruck könnt ihr um eueren Charakter ein Zeitschild aktivieren, in dem feindliche Kugeln stecken bleiben. Die Dauer des Schildes hängt von der vorhandenen Schildenergie ab, die ihr durch das Töten von Feinden jederzeit auffrischen könnt. Wird das Schild deaktiviert bevor die Energie verbraucht ist, fallen je nach Grad der Schildentladung die steckengebliebenen Kugeln entweder auf den Boden, oder sie werden postwendend zurück zum Feind gesandt.

Das Emotionssystem – fragwürdig?

Wer unserem ÜberSoldier noch mehr übernatürliche Kräfte zugemutet hätte, wird an dieser Stelle leider enttäuscht. Das Zeitschild ist das einzige, was den Helden von anderen Ego-Shooter-Protagonisten unterscheidet. Als kleine Besonderheit ist allerdings noch das so genannte Emotionssystem zu nennen, welches in der unzensierten Fassung den Namen „Headshot Driven Gamplay“ trägt. Das Emotionssystem beinhaltet zwei Arten von Emotionen: Zorn und Ärger. Um die Spielfigur ärgerlich werden zu lassen, müsst ihr in einer bestimmten Zeitspanne drei Gegner durch gezielte Kopfschüsse zur Strecke bringen. Als Belohnung dafür steigt eure maximale Zeitschildenergie um ein paar Punkte. Nahezu identisch verhält es sich mit dem Zorn, nur dass hier die Gegner mit dem Messer niedergestochen werden müssen. Der erfolgreiche Schnitzer bekommt zusätzliche maximale Lebensenergie gutgeschrieben. Ohne großartig zur Moraldebatte anregen zu wollen, bleibt mir hier nur die Bemerkung, dass andere Spiele für derartige Spielsysteme längst auf dem Index gelandet wären. Die Beschneidungen, denen man ÜberSoldier unterzogen hat, um es USK-tauglich zu machen, beschränken sich lediglich auf das Ragdollsystem, das Blut und den Flammenwerfer.

Besonders unter starken Beschuss erweist sich das Zeitschild als nützlich. Um es jedoch als innovative Spielidee zu krönen, ist dieses Feature aber deutlich zu wenig. Die Innovationsarmut setzt sich bei der Waffenauswahl fort. Obwohl das Spiel bisweilen ins Fantastische abdriftet, gibt es nur herkömmliches Kriegsgerät, wie diverse Gewehre, Pistolen und Granatwerfer. Dabei unterscheiden sich die Bedienbarkeit und Durchschlagskraft der verschiedenen Modelle nur unwesentlich. Die Waffen gefallener Soldaten können zu jeder Zeit gegen die gegenwärtig ausgerüsteten Exemplare getauscht werden. Der Spielverlauf gliedert sich in Missionen, in denen ihr meistens den Anweisungen des Anführers der Widerstandsorganisation, Claus Drecksler, Folge leistet. In wenigen Spielabschnitten darf man sich als Flagschütze oder als Torpedier beweisen. Ansonsten verlaufen die Level sehr linear und geben keinen Raum für variable Lösungswege.

Auf dem virtuellen Schlachtfeld geht es zur Sache.

Auch wenn ÜberSoldier nicht ganz an die Grafikpracht von Call Of Duty 2 heranreicht, braucht es sich in Sachen Optik auf keinen Fall zu verstecken. Die einzelnen Szenarien sind allesamt mit viel Liebe zum Detail gestaltet und vermitteln stets Lebendigkeit. Besonders positiv fällt die Physik-Engine ins Auge, mag sie auch hier und da ein wenig übertrieben sein. – Wer will es diesem Titel verübeln? – Es gibt kaum einen Spielabschnitt, in dem es nicht kracht und bumst. Ständig fliegen aufgrund von Explosionen diverse Einrichtungsgegenstände oder gar Mauerteile durch die Luft.

Das Leveldesign ist dabei meistens so angelegt, dass zu jeder Minute Action angesagt ist. So lagern zum Beispiel neben feindlichen Einheiten häufig Gasflaschen oder Treibstoffbehälter, die geradezu zum Abschuss einladen. In Außenarealen tummeln sich oftmals feindliche Flieger am Himmel, die durch kurze Angriffe Gebäude zertrümmern oder Krater in den Boden bomben. Besonders authentisch wirken die mit den Explosionen verbundenen Rauchentwicklungen sowie das Feuer inklusive flimmernder Hitze. Keine Frage, ÜberSoldier lebt geradezu von seiner Physik und dem damit verbundenen, extrem actionlastigen Gameplay.

Leider lassen sich die Lobeshymnen, die der optischen Präsentation zuteil geworden sind, nicht auf die Akustik des Spiels übertragen. Während der von Martin Kesici dargebotene Titelsong und die Umgebungsgeräusche im Spiel überzeugen, schwächelt es ansonsten auf ganzer Linie. Die Hintergrundmusik während des Spiels wirkt nicht nur unpassend, sondern nervt aufgrund ihrer Abwechslungsarmut schon nach wenigen Minuten. Die Dialoge der Charaktere haben das Niveau einer drittklassigen Seifenoper und sind dadurch schon fast ein wenig komisch. – Wenn auch unfreiwillig.

An Überlänge leidet die ÜberSoldaten-Simulation nicht. Geübte Spieler werden nach circa sechs bis acht Stunden Spielzeit den Abspann sehen. Wer nun denkt: »Macht nichts, zock ich eben ein wenig im Multiplayermodus.« wird spätestens beim Blick ins Spielmenü eines Besseren belehrt. ÜberSoldier ist nämlich ein reines Singleplayer-Game.

Fazit

Ich muss wirklich sagen, dass ich mit ÜberSoldierein paar kurzweilige Stunden Spielspaß hatte. Der immerwährende hohe Grad an Action, hat mich förmlich an den Monitor gefesselt. Oft habe ich mich, wenn sich die Gelegenheit bot, in eine geschützte Ecke gestellt, um von dort aus den Schauplatz des Geschehens zu beobachten, unglaublich was da manchmal los war. Besonders in den Außenarealen krachte, qualmte, brannte und donnerte es dermaßen, dass ich am liebsten vor dem Bildschirm in Deckung gegangen wäre. Als nach gerade mal sechs Spielstunden der Abspann an mir vorüberzog, machte sich dann doch etwas Ernüchterung breit. Abgesehen davon, dass ÜberSoldier extrem kurz geraten ist und zudem keinen Mehrspielermodus bietet, gibt es nichts, was man nicht aus irgendeinem anderem Shooter bereits kennt. Die Idee mit dem Zeitschild ist zwar nett, aber viel zu halbherzig umgesetzt. Ein paar mehr Spezialfähigkeiten und ein etwas sinnvolleres Emotionssystem hätten hier Wunder bewirkt. Erfreulich ist, dass sich der Shooter neben seinen ganzen, auf Realität getrimmten Genrekollegen einer eher fantastischen Story annimmt. Allerdings kann ich auch hier nicht auf den Gebrauch des Wortes „halbherzig“ verzichten. Die immergleichen Gegner sowie die beschränkte Waffenauswahl sorgen dafür, dass ÜberSoldier nichts weiter ist, als ein weiterer Zweiter Weltkrieg-Shooter.

ÜberSoldier [PC , looki.de]

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