Gesamtwertung59%/10 |
GrafikBefriedigend SoundBefriedigend |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegAusreichend |
BedienungBefriedigend |
Im Kampagnenmodus erledigt Ihr hierbei eine Reihe von Missionen, die allesamt auf Schauplätzen rund um den Globus verteilt sind. Diese Aufträge spielt Ihr im Team mit mal mehr, mal weniger Teamkameraden, deren Holzkopf-KI Euch jedoch nicht allzu oft weiterhelfen wird. Dabei wirkt das ganze Geschehen wie eine leicht futuristische Abbildung der ersten beiden Weltkriege: schon in der ersten Missionen beginnt Ihr als blutiger Anfänger in einer Basis Eurer Armee und müsst Euch durch Schützengräben kämpfen. Dabei geht es sehr actionreich zu: Kisten explodieren bei hohen Details durchaus ansprechend in ihre Einzelteile, Gegner gehen recht abwechslungsreich zu Boden und drum herum passiert auch jede Menge. Bis Ihr endlich dem Level-Champion gegenübersteht den man sich übrigens am Anfang der Mission aussuchen kann ballert Ihr Euch durch regelrechte Soldatenhorden. Die zahlreichen Einsätze erledigt Ihr meist im Alleingang, da die bereits erwähnte künstliche Intelligenz Eurer Pappkameraden ein Fall für das Strafgericht ist. Seid Ihr dann endlich soweit, um gegen den amtierenden King der Map anzutreten, informiert Euch eine kleine, recht nett eingestreute Pseudo-TV-Cutscene darüber, dass nun ein 1on1-Duell stattfinden wird, bei dem Ihr eine magere Minute Zeit habt, um den Typen um die nächste Ecke zu bringen. Andernfalls verliert Ihr.
Ist dies bei den ersten Zwischengegnern noch relativ leicht zu bewältigen, motivieren spätere Duelle bei dem die Gegner sogar mit Schutzschilden hantieren - eher zum beherzten Biss in die Tastatur, als zum Weiterspielen. Das knappe Zeitlimit stört mit jedem Duell mehr. Des Weiteren wirken diese eingestreuten Spezialkämpfe so dermaßen deplatziert, dass man sich des Öfteren nach dem Sinn dieser sinnlosen Sinnigkeit fragen wird. Sind diese Herausforderungen überstanden, muss man lediglich noch die restlichen Ziele zur Erfüllung der Mission erledigen. Das war's dann auch schon mit der chronologischen Vielfalt, wobei es respektabel ist, was die Entwickler an unterschiedlichen Missionszielen gezaubert haben: entweder seid ihr auf der Suche nach wichtigen Dokumenten, bergt Leichen von besiegten Kameraden, hebt Flakstellungen mithilfe eines Pioniers aus, den Ihr natürlich beschützen müsst, oder nehmt Platz in zweibeinigen und bis an die Zähne bewaffneten Mechs und tretet in den Kampf gegen einfache Soldaten oder schwere Panzer. Schade ist auch die streng lineare Richtung, in der man die Missionsziele bewältigen muss: obwohl die Weitläufigkeit der Areale den ausgedehnten Forscherdrang anregt, hat man entweder keine Zeit oder dank unsichtbarer Wände schlichtweg nicht die Möglichkeit, die Levels nach anderen Zielen oder Goodies abzuklappern.
Grafisch weiß Bet on Soldier schon mehr zu gefallen: die Kämpfe wurden recht effektreich in Szene gesetzt, es gibt eine gut funktionierende Ragdoll-Physik bei erledigten Gegnern und auch die Level wurden abwechslungsreich designt. Steril wirken allerdings die Innenräume der Marke Iss vom Boden was du willst. Zu glatt und geputzt nicht nur durch die Shader-Effekte - sehen diese aus. Gerade bei den Innenräumen hätte mehr Variabilität und Liebe zum Detail doch Sinn gemacht. Ebenfalls allen Grund zum Meckern geben die schlechten Animationen der Charaktere, die in einem Spiel mit solchen Hardwareanforderungen gerade perfekt sein müssten, womit wir schon beim nächsten großen Kritikpunkt wären: die Systemvoraussetzungen sind der reinste Wucher! Dabei scheint dies weniger an der Grafik an sich, sondern an nicht vollends optimierten Code zu liegen. Da wird selbst das Geballere an einem High-End-Rechner bei manchen größeren Gefechten zur deprimierenden Diashow. Wer nicht gerade ein kleines Tschernobyl sein Eigen nennen kann, muss zwangsweise Details einbüßen. Hoffentlich wird ein Update veröffentlicht, was diese unnötigen Anforderungen und die horrormäßigen Ladezeiten verkürzt. Im jetzigen Zustand ist die Kaffemaschine von Oma Hertha jedenfalls fixer als der Ladebalken bei Bet on Soldier.
Nicht mal beim Sound haben die Entwickler das Potential ausgeschöpft, was das Konzept des Spiels hergibt: bei einem Kriegsspiel erwarten Gamer von heute krachende Effekte, Kampfgeschrei und einen wenigstens brauchbaren Soundtrack. Bet on Soldier bietet hingegen nichts von alledem: die Soundeffekte hauen anno 2005 keinen mehr vom Hocker, atmosphärische Kommunikation der Teammitglieder innerhalb der Gefechte könnt Ihr auch vergessen und die Musikuntermalung erfüllt gerade mal so ihren Zweck, hält sich aber ungewöhnlich dezent im Hintergrund. Einzig und allein die gelungene Synchronisation während den ebenfalls guten Zwischensequenzen täuscht etwas über die akustischen Mankos des restlichen Spiels weg. Viel nutzt das dem Medal of Honor oder Call of Duty-verwöhnten Gamer aber auch nicht.
Bet on Soldier (10 Bilder)
Von einer Bewertung des Multiplayermodus sehen wir in diesem Artikel ab, da der auf der Verpackung hochgepriesene Mehrspielermodus im jetzigen Zustand noch mehr Probleme macht als der Singleplayer-Part von Bet on Soldier. Internetpartien sind durch plötzlich auftretende Disconnectings und hohe Pings quasi nicht möglich. Dedizierte Server gibt es keine. Auch im Netzwerk macht B.o.S. aufgrund der extremen Ruckelattacken sogar auf fast leeren Servern keinen Spaß. Dabei würden die bisher sieben nett kreierten Maps doch bestimmt für kurze Zeit ein Gefühl hervorrufen, das dem des Glücks ein klein wenig nahe kommt.