Gesamtwertung93%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Was ist Kunst? Ist es vielleicht Kunst, wenn man ein Spiel entwickelt, dass bereits bekannte Elemente enthält und dem Käufer ein erneut aufgewärmtes Szenario vorsetzt? Wohl kaum. Ist es aber Kunst - wie im Fall von Bioshock - eine erfrischend neue Spielwelt nebst coolen Ideen zu präsentieren und das ganze mit einer interessanten Story zu garnieren? Auf jeden Fall! Womit wir auch schon beim vorzeitigen Fazit wären: Bioshock ist Kunst! Unserem Protagonisten dürfte das aber egal sein, denn der strandet nach einem bösen Flugzeugabsturz über dem offenen Meer und wird per Personenkapsel in die scheinbar harmlose Unterwasserwelt Rapture transportiert.
Auf den ersten Blick scheint noch alles in Ordnung zu sein: Fische drehen im Rudel quasi vor unserer Nase ihre Runden und bunte Neonreklamen tauchen Rapture in ein belebt wirkendes Licht. Doch im Leben kommt es schließlich erstens immer anders und zweitens als man denkt. Kaum sind wir angedockt, beginnt unsere Rettungskapsel zu wanken. Irgendwas ist auf das Metallgehäuse gesprungen, als Nächstes beobachten durch die dicke Glastür wie ein verstörter Mann irgendetwas vor sich hin faselt und ihm jene Sprachgewandheit jäh vertrieben wird, als ein menschlich aussehendes Wesen dem armen Kerl Sicheln in den Corpus rammt.
Unser Urlaub beginnt aber erst richtig als sich die Tür der Kapsel öffnet und wir nur mit einem Schraubenschlüssel bewaffnet den Schädel des Monstrums zertrümmern. Das ist der Stoff aus dem Albträume gemacht sind, liebe Leser und Leserinnen! Überhaupt gilt es in Bioshock Schockmomente am laufenden Band zu durchleben: Während sich manche bereits vorher ankündigen gelungenen Schattenwürfen sei dank wird vor Euren Augen auch schon mal einfach eine Wand durchbrochen oder ein Glaskorridor mittels geskriptetem Unfall mit grandios aussehendem Wasser geflutet. Klasse!
Heute schon Schiss gehabt?
Aber wozu braucht es überhaupt Schockeffekte, wenn die Levels aussehen wie aus dem Entwicklerbaukasten? Keine Angst, in dieser Hinsicht gibt es bei Bioshock nix zu mosern. Obwohl Ihr das ganze Spiel über in Rapture unterwegs seid, herrscht reger Abwechslungsreichtum. Da wäre die medizinische Abteilung, lebendig wirkende Gärten und gar alltägliche Orte wie eine Kneipe.
Hinsichtlich der Vielfalt kann man dem Daumen ordentlich nach oben bewegen. Damit dieser auch die rechtwinkligen 90 Grad erreicht, verpassten die Entwickler dem ganzen dann noch einen herrlich bizarren Anstrich. Schönheitschirugie ist zwar auch schon im echten Leben längst nicht immer so schön wie es der Name vielleicht vermuten lässt, aber hier wird der Sinn der ganzen Sache schon mal ziemlich überbewertet. Da wäre der durchgeknallte Arzt, der wie eine Furie an leblosen Körpern herumschnibbelt nur um dem Ganzen eine eigenartige Neuinterpretation von wahrer Prettiness abzugewinnen. Selbiger gerät gar völlig aus dem Konzept, als er bemerkt, dass wir ihn durch eine Glasscheibe beobachten. Sein Kommentar? Ugly, ugly! Na vielen Dank auch, als kleines Präsent gibts eine Portion Blei, damit auch er schön ist schön tot nämlich.
Aber wie spielt sich Bioshock eigentlich? Wäre man fies, könnte man meinen, Bioshock sei nur ein weiterer Shooter mit einem Hauch von RPG-Elementen. Und sicherlich mag dies auf den ersten Blick auch so sein, aber je weiter man in die düstere Welt von Rapture eintaucht, desto mehr fühlt man sich gefesselt. Eines der wichtigsten Dinge in Bioshock sind neben dem üblichen Waffengebrauch auch der Einsatz sogenannter Plasmide. Das sind sämtliche Attacken, die ihr mit einem simplen Fingerzeig auslösen könnt. Die erste Fähigkeit, den Elektroshock, lernt man bereits nach wenigen Minuten kennen.
Upgrade yourself!
Weitere Spezialwaffen wie Verbrennung, Telekinese oder Frostung folgen im weiteren Spielverlauf. Cool ist auch die Möglichkeit die Umgebung zum eigenen Vorteil zu nutzen. Mit Incineration könnt Ihr beispielsweise vereinzelt gefrorene Passagen auftauen. Wagt sich dann ein Gegner auf die nassen Pfützen, dürft Ihr ihn mit dem Elektroschock brutzeln. Denn besagte Unterwasserstadt bietet wie eine echte Metropole allerlei Anlaufstationen.
Oder man wirft dem meist überdurchschnittlich schlauem Feind per Telekinese einfach ein explosives Fass vor die Umme. Was Ihr auch macht, liegt letztendlich an Euch. Sicherlich gibt Bioshock einen linearen Leitfaden vor, doch so schnurstracks gerade wie anfänglich vermutet, ist die Spielwelt beileibe nicht.
Es gibt immer wieder irgendwie und irgendwo kleine und große Nischen, durch die Ihr Euch quetschen dürft, nur um Munition, Healthkits oder Spezialfähigkeiten aufzusammeln. Man muss sich nur die Mühe machen um danach zu suchen. Und selbst man wenn man sich auch den größten Stress macht, nur um wirklich alles zu finden, wird man nie jede Seite von Rapture zu Gesicht bekommen. Dafür gibt es einfach viel zu viele Gänge und Räume. Im eigentlich großartigen Gefühl, das Spiel wirklich zu Ende gespielt zu haben, verbirgt sich dennoch eine kleine Ungewissheit, wie doch die restlichen, dem eigenen Antlitz verschollenen, Lokalitäten wohl ausgesehen haben mögen.
Damit Ihr den immer stärker werdenden Gegnern trotzen könnt, findet Ihr regelmäßig Upgrades und Stationen, an denen Ihr Euch aufwerten könnt. Statt RPG-typischem Leveln werden bestimmte Fähigkeiten verbessert. Voraussetzung: Ihr besitzt genügend ADAM. Nein, das ist keine Zeitschrift für andersweitig orientierte Männer, sondern eine Substanz, die Ihr aus den Körpern der sogenannten Little Sisters aufnehmt. Diese Gestalten, die in Form von kleinen Mädchen mit glühenden Augen auftreten, könnt Ihr sofern Ihr den Bodyguard, also den bereits bekannten Big Daddy, ausgeschaltet habt entweder meucheln oder retten.
Was Ihr auch tut, entscheidet leider nicht gravierend über den weiteren Spielverlauf. Gerade diese Qual mit der eigenen Moral hätte neue Wege ebnen können. Es wurde aber darauf verzichtet, je nach Wahl unterschiedliche Spielweisen zu kreieren. So oder so erntet Ihr ADAM und dürft an vorgesehenen Stationen zum Beispiel Eure Hackerfähigkeiten verbessern, um Safes und feindliche Selbstschussanlagen leichter zu knacken. Diese Skills presst Ihr dann in eine begrenzte Anzahl von Slots hinein und schon ist der Bioshock-Alltag einfacher. Solltet Ihr irgendwann einmal eine Fähigkeit nicht brauchen, könnt Ihr diese auch mit zwischengelagerten Fertigkeiten tauschen. Die angesprochenen RPG-Elemente drängen sich übrigens erfreulicherweise nicht in den Vordergrund. Die meiste Zeit über jagt Ihr durch die irre Welt Raptures und setzt Euch mit den Schergen den sogenannten Splicern - des verrückt gewordenen Andrew Ryan auseinander, der Euch immer wieder Fallen zu stellen versucht, nur um Euch irgendwann tot auf dem Boden liegen zu sehen.
Besagter Gott in Person ist übrigens auch für den Bau und die Kehrseite von Rapture verantwortlich und denkt gar nicht daran, dass ein Fremder sein morbides Werk zerstört.
Gemäß dem Fall, dass Ihr sterben solltet, spielt Ihr nicht da weiter, wo Ihr als Letztes gespeichert habt, sondern wacht in sogenannten Vital Chambers wieder auf. Womit wir auch bei einem kleinen Faux-pas wären, den sich Bioshock erlaubt: Besagte Stationen dürft Ihr nämlich nach dem Ableben so oft wie gewünscht benutzen. Ein virtueller Tod ist also somit keine wirkliche Tragödie. Ergo: Bioshock ist nie richtig schwer. Herausfordernd ja, aber etwas happiger hätte das Spiel durchaus ausfallen können.
Einfach atemberaubend!
Das fällt aber nicht wirklich schwer ins Gewicht, da die Atmosphäre des Titels einfach State of the Art ist und es selbst einem gestandenen Redakteur schwer fällt, das zu beschreiben, was on screen abgeht. Gerade dadurch ist es auch kein wirklicher Weltuntergang, dass Bioshock ohne Mehrspielermodus daherkommt. Natürlich wäre eine Menge Potenzial vorhanden gewesen gerade wegen der gelungenen Rollenspiel-Kniffe doch der umfangreiche Einzelspielermodus kann zumindest zu einem überraschend hohen Anteil das Fehlen jeglicher Multiplayerfreuden entschädigen.
Grafisch merkt man dem Spiel an jeder Ecke an, dass hier mit enormer Liebe zum Detail zu Werke gegangen wurde. Hervorragend abwechslungsreiche Level, die sich hinsichtlich ihrer Architektur immer wieder übertreffen zu scheinen, ein abstruses und doch so detailliertes Charakterdesign sowie absolut grandiose Effekte entschädigen für die happigen Systemanforderungen. Vor allem das spieltragende Element, nämlich das Wasser, sieht hervorragend aus. Ein weiteres Lob verdient sich die optionale deutsche Sprachausgabe: Sie ist ihrem ebenfalls anwählbarem englischen Pendant fast ebenbürtig. Weitere Glanzpunkte: Die gruselige Musikuntermalung und die exzellenten Soundeffekte. Vor allem bei letzterem empfiehlt sich ein Surround-System. Heruntergelassene Chalousien und jegliche Abstinenz anderer Geräuschquellen gehören natürlich zu den minimalen Systemanforderungen'. Die Xbox 360-Version lässt auch überhaupt keine Wünsche offen. Mit einer sehr intuitiven Steuerung und einer unfassbaren Präsentation, die nur knapp hinter der der PC-Version anzusiedeln ist, bekommt auchdie Konsolenfraktion ein unglaubliches Spielerlebnis geboten. Kleiner Tipp: Erhöht eure Bilder pro Sekunde, indem ihr im Optionsmenü das FPS-Limit aufhebt. Zwar gibt es dann einige kleine Verzerrungen zu sehen, dafür läuft das Spiel ansonsten butterweich.
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
Bioshock im Test.
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