Gesamtwertung79 %/10 |
Grafik8 Sound10 |
LanzeitspaßUngenügend Spieleinstieg7 |
Bedienung9 |
Anno 2004 schickte sich Black Mirror nach einer langen Adventure-Durststrecke an, das Genre wiederzubeleben. Und es klappte: Die Story rund um einen Fluch, der die männlichen Vertreter der adligen Gordon-Familie in den Wahnsinn und somit sie sowie andere Personen um sie in den Tod trieb, war erfrischend düster erzählt und konnte nicht umsonst im Looki-Review das Testcenter mit beachtlichen 85% verlassen. Hervorstechend war vor allem das überraschende Ende, dass den Protagonisten selbst als wahnsinnigen Mörder entlarvte. Eigentlich eine in sich abgeschlossene Geschichte, doch der Fangemeinde dürstete es nach mehr. Und genau dieses "mehr" kommt nun, rund fünf Jahre später, in Form von Black Mirror 2.
Statt da anzusetzen, wo man aufgehört hat, versetzt man das Geschehen einfach zwölf Jahre in die Zukunft in die US-Kleinstadt Biddeford und in die Haut des noch jungen Darren Michaels, einem Physikstudenten, der sich in einem Fotoladen als Helfer ein paar Kröten dazu verdient.
Eigentlich wäre alles okay, wenn sein dickbäuchiger Chef Fuller nicht so ein arroganter Kotzbrocken wäre, der ihm, anstatt praktische Erfahrungen zu vermitteln, lieber für Knechtdienste missbraucht und ständig anmotzt. Egal um was es geht. Etwas Hoffnung in dieser Situation schöpft Darren, als sich die mysteriöse und attraktive Angelina im Laden blicken lässt, ein paar Bilder von sich machen lassen möchte und sich sofort eine gewisse Spannung zwischen den Beiden aufbaut.
Doch bekanntlich schwimmt im Leben Scheiße immer nach oben und so ergreift Fuller die Initiative, schickt Darren auf einen der üblichen Botengänge und besteht darauf, selbst Fotos von der Schönheit zu machen... und nur mehr als das. Fahrt nimmt das Ganze auf, als Grapscher Fuller einige Zeit später erstochen aufgefunden und Angelina als Hauptverdächtige festgenommen wird. Darren muss Ihr helfen... Der Beginn eines gefährlichen Abenteuers und nur einer der zahlreichen Nebenplots.
Dass das Geschehen so weit in die Ferne verschoben und somit (scheinbar) alle Verbindungen zum Vorgänger abgekapselt wurden, erweist sich als gute Entscheidung, zumal Biddeford genug Geschichten zu erzählen hat.
Neben dem cholerischen Fuller, der mehr als nur eine Schattenseite offenbart, gibt es da noch die eingeschüchtert wirkende Imbiss-Kellnerin Mrs. Biba, die aus irgendeinem Grund unseren Chef aufs Tiefste hasst, der neue, ausschweifend nette Stadtarzt, die geschwätzige Tante beim Paketabholdienst oder auch unsere eigene Mutter, die seit einem ungeklärten Unfall zum Dasein als Pflegefall verdammt ist. Die Jungs von Cranberry zaubern schon zu Beginn einige nette Nebenrollen ins Geschehen. Einige davon sind wichtig, andere eher zu vernachlässigen, aber sie alle wirken auf Anhieb interessant und gar nicht mal so typisch für das Adventure-Genre.
Einen großen Anteil daran tragen die hervorragend geschriebenen Dialoge, die oftmals über den üblicherweise starren Stil hinausgehen und mitunter wirken wie ein normales Gespräch im Alltag. Darunter fallen dann aber natürlich auch einschlägige F- und S-Wörter, die neben diversen gewalthaltigen Einstellungen einen gewissen Anteil an der von 12 auf 16 gestiegenen USK-Freigabe getragen haben dürften. Im Gegensatz dazu wirkte der Vorgänger nämlich arg brav. Genau wie Protagonist Samuel - und auch hier trennt sich in Black Mirror 2 die Spreu vom Weizen. Hauptcharakter Darren ist so, wie man sich einen Anfang-20er so vorstellt: Modisch gekleidet, leicht ungepflegt und selten kleinlaut. Ob man den guten Darren nun in Herz schließt oder nicht, hängt von jedem selbst ab.
Denn die mitunter arrogante, dann wieder aufbrausend laute und vor allem vorlaute Sprache ist eindeutig Geschmackssache. Wir für unseren Teil konnten uns damit gut anfreunden, zumal Darren dadurch an Glaubwürdigkeit gewinnt, die vielen anderen Helden aus Konkurrenzprodukten fehlt.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Black Mirror 2 ist im Grunde genommen nicht unbedingt ein Spiel für Einsteiger. Viele Denk- und Rätselweisen wollen erst einmal gefunden und herausgefunden werden, nicht immer gibt das Spiel sowie sein Tagebuch genau vor, was wir als nächstes tun müssen. Vor allem bei den zahlreichen Minispielen hätten wir uns mehr Hinweise auf die Rätsellösung gewünscht, gerade in Bezug darauf, wie man beispielsweise auf bestimmte Zahlencodes oder (später) die richtigen Noten kommt, um über ein Klavier eine Truhe zu öffnen. Dem Frust kann jedoch aus dem Weg gegangen werden, wenn man das denn möchte.
Vor Spielstart könnt Ihr zwischen dem einfachen und dem "normalen" Schwierigkeitsgrad wählen - beide unterscheiden sich eigentlich nur darin, ob Ihr auf gewisse Lösungsmechanismen und -hinweise zurückgreifen dürft, oder nicht. Anfänger dürfen sich dabei auf mehrstufige Rätselhilfen (wie bei Goin Downtown) in Darrens Tagebuch, die übliche Hotspot-Anzeige oder das optionale Überspringen der Minispiele verlassen.
Und gerade Einsteiger werden dies im späteren Verlauf des Öfteren benötigen, denn außerhalb von Biddeford steigt der Schwierigkeitsgrad der an sich nachvollziehbaren und meist recht realistischen Rätseleien spürbar an: Und dabei ist es noch nicht einmal das beschauliche, englische Dörfchen Willow Creek, dass uns hier teilweise in böse Sackgassen versetzte, sondern verschiedene Locations außerhalb der Ortschaft.
Hier steigt übrigens nicht nur die Härte der Knobeleien, sondern auch die haarsträubende Art, mit der einige Rätseleien begründet werden. Und nicht nur die, auch die anfangs noch wirklich interessante Story scheint sich mehr und mehr im Sande zu verlaufen.
Zu allem Übel bedient man sich genau dann auch noch der nunmehr fast schon ausgelutschten Elemente, die man mittlerweile zu Genüge kennt. Eine wahnsinnige Sekte - aha. Die scheinbar doch nicht so freundlich gesinnte, attraktive Fremde? Kennen wir irgendwie auch alles schon. Schlimmer wird es noch bei den Locations: Gerade Black Mirror 2 wollten wir nicht in austauschbar wirkenden Ruinen, Tempelstätten oder sonstigen uninspiriert wirkenden Settings wiederfinden. Es fehlt die charmant-sympathische Bodenständigkeit der anfänglichen Kleinstadt-Urbanität, unseretwegen auch noch die von Willow Creek. Punkte wie diese versauen dem Titel auch zunehmend die Spannung, auf die man eigentlich abzielen wollte und die gerade den Vorgänger so überzeugend wirken ließ. Wir könnten an dieser Stelle noch weitere Beispiele aufzählen, verzichten aber darauf, weil wir Spoiler vermeiden möchten.
Von besagtem "Schock" kann sich Black Mirror 2 bis zum Ende hin kaum erholen und gerade selbiges kommt nach den ganzen Stunden, die wir mit dem Spiel verbracht haben, enorm abrupt und vor allem enttäuschend daher und kann längst nicht mit dem superben Finale des ersten Teils mithalten. Da kann nicht einmal der ordentliche Umfang des Abenteuers helfen, dass in insgesamt sechs Kapitel unterteilt wird, wovon jedoch knapp die Hälfte den benannten Problemen verfallen ist. Auch die viel später auftauchenden Anleihen an den Vorgänger, sowie diverse Visionen von Samuel sind nett, aber früher war nicht nur sprichwörtlich "irgendwie alles besser".
Dabei geben sich vor allem die exzellenten und vor allem erfrischend unbekannten Synchronsprecher bis zuletzt große Mühe, jede Zeile des Skripts nicht nur lasch vorzulesen, sondern wirklich alles zu geben. Bezeichnend hierfür sind die verschiedenen Emotionen, die Darren bei Schicksalsschlägen, Streitereien oder gefährlichen Situationen an den Tag legt.
Soviel Elan bei der Vertonung ist wahrlich selten. Nett auch, dass gerade bei sich überlappenden Satzfetzen nicht erst eine kurze Pause eingelegt wird, sondern der Konter direkt auf das vorige Sample gelegt wird. Die Gespräche wirken somit ungemein dynamisch.
Überhaupt ist Black Mirror 2 technisch auf ganz hohem Niveau: Der ursprünglich angepeilte Voll-3D-Stil wurde zwar gegen den bekannten 2,5D-Look ausgetauscht, aber das ist alles andere als schlimm. Zwar lassen die Figuren in näheren Einstellungen echte Details vermissen, aber solche Aufnahmen sind ohnehin selten. Viel wichtiger sind da schon die ungemein flüssigen und realistisch wirkenden Animationen, mit denen sich die Charaktere über den Screen bewegen.
Zwar wird adventure-typisch hier und da auch mal "Luft angefasst", aber das vergisst man bei den schicken Bewegungsabläufen schon fast von alleine. Die liebevoll gestalteten Locations tun da Ihr übriges. Hier und da hätten wir uns aber schon mehr Umgebungseffekte gewünscht: Zu selten gleiten nett anzusehende Nebelschwaden über den Boden, zu selten fliegen Vögel durchs Bild und so weiter so fort.
Eine Anmerkung noch zum Schluss: Unsere Testversion stürzte vor allem bei manchen Minispielen gleich mehrere Male ab, gerade bei Adventures ein echter Todbringer. Ersttag-Käufer sollten also fleißig abspeichern, um sich unnötigen Frust zu ersparen. Wir sind uns aber sicher, dass man schnell einen Patch aus dem Hut zaubern wird, der sich des ärgerlichen Problems annimmt.
Wenn ich ganz ehrlich sein soll, bin ich von Black Mirror 2 ein wenig enttäuscht: Gerade nach dem starken Erstling, der neben Geheimakte Tunguska, Still Life und The Book of Unwritten Tales zu einem meiner Lieblings-Adventures der letzten Jahre gehört, wirkt der Nachfolger in der zweiten Hälfte einfach zu lasch. Mir will nicht in den Kopf, warum man ausgerechnet die Sekten-Klamotte wieder aus der verstaubten Truhe zerren musste - von den an den Haaren herbeigezogenen Twists möchte ich da gar nicht erst sprechen.
Und dabei hat Black Mirror 2 so gut angefangen und kann zumindest technisch ein konstant sehr hohes Niveau halten. Das Gleiche darf man - mit Abstrichen - auch von den Rätseln behaupten. Rundherum also ein gelungenes Abenteuer, auf das man sich einlassen kann, nur eben mit wertungsdrückenden Schwächen im Kern. Schade um das Potenzial und vor allem um die hervorragenden Dialoge.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Black Mirror 2 im Test.
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