Gesamtwertung76 %/10 |
GrafikUngenügend SoundUngenügend |
Lanzeitspaß8 SpieleinstiegBefriedigend |
Bedienung10 |
Vergesst harte Jungs mit breiten Schultern, denn bei Blood Bowl sind Klauen, Kriegstänze und baumliebende Elfenbubis angesagt. In der Welt von Warhammer stehen schließlich die größten Turniere der Alten Welt an. Acht Völker, darunter Menschen, Orks, Zwerge und die rattenähnlichen Skaven kämpfen um den Sieg im härtesten Spiel der Welt.
Um eins gleich klarzustellen: Blood Bowl ist die Umsetzung des gleichnamigen Tabletop-Spiels aus dem Jahr 1984. Und genau so spielt es sich auch. In einer Fantasy-Version von American Football übernehmen wir die Kontrolle über ein Blood Bowl Team. Dabei können wir aus acht unterschiedlichen Völkern wählen, darunter Zwerge, Orks und Elfen. Ziel des Spiels ist es, im Rahmen anspruchsvoller Rundenstrategie einen mit Dornen überzogenen Football ans andere Ende des Feldes zu tragen. Wer an den gegnerischen Spielern vorbeikommt, erzielt einen Touchdown. Wer die meisten davon macht, gewinnt. Dabei geht es wesentlich härter zu, als bei der realen Vorlage, dem Football. KOs und machmal sogar Todesfälle sind fester Bestandteil des Spiels.
Zunächst aber entscheiden wir uns für ein Volk und stellen ein Team zusammen. Sollen es lieber die grazilen Elfen oder die robusten Zwerge sein? Die Völker spielen sich angenehm unterschiedlich. Während Orks harte Kämpfer sind, halten Goblins weniger aus, schlüpfen dank ihrer Größe aber durch die gegnerischen Reihen. Das Zusammenstellen des Teams gestaltet sich abgesehen von der Völkerwahl zunächst aber wegen der unübersichtlichen Attribute der Spieler als recht schwierig.
Haben wir es aber erst einmal geschafft unsere Mannschaft aufzustellen, entscheiden wir uns für einen Spielmodus. Entweder für die klassische Umsetzung des Tabletop-Klassikers oder für den erweiterten Blitzmodus, indem wir zusätzlich die Mannschaft trainieren und mit Ausrüstung versorgen dürfen. Im Prinzip also eine Art Managerfunktion, die dem Spiel zu ein wenig mehr Tiefgang verhilft.
Haben wir unser Team genügend vorbereitet, geht es auch schon los. Auf dem Feld erwartet uns schon die generische Mannschaft.
Noch schnell die Aufstellung gemacht, die sich übrigens bequem abspeichern und flink wieder laden lässt, und schon können wir anstoßen! Landet der Ball nun in unserem Feld werden wir versucht sein, die Pille aufzunehmen und einen Angriff zu starten. Also schicken wir in bewährter Point und Click-Manier schnell unseren Werfer-Ork los. Blöd nur, dass der einfach mal daneben greift und der Ball ein Stück weiter rollt.
Zudem prangert oben am Bildschirm plötzlich ein Wort, dass man schnell hassen lernt: "Turnover"! Das bedeutet, dass wir durch unseren kleinen Patzer nicht mehr weiterziehen dürfen und der Gegner nun dran ist. Solche Szenen erwarten uns noch öfter, zum Beispiel wenn ein Tackle schief geht oder einer unserer Spieler beim Durchbrechen der Reihen umgehauen wird. Warum das so ist, ist leicht erklärt: Bei Blood Bowl hängen die meisten Aktionen nicht nur von der Fähigkeit des Spielers ab, sondern auch vom Zufallsprinzip - Ähnlich dem Würfeln bei der Brettspielvorlage. In einigen Fällen präsentiert uns das Spiel aber auch den Wurf, wie zum Beispiel beim Tackle.
Für Kenner ist das ein alter Hut, für Neulige aber wirkt das nicht nur merkwürdig, sondern auch frustrierend, zumal wir nicht abschätzen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Wurf nun daneben geht. Viele Spielstunden vergehen, bis man versteht, was alles schief gehen kann. Bis dahin sind Turnovers an der Tagesordnung und es ist keine Schande, erst im fünften oder sechsten Spiel einen Touchdown zu landen. Ist das Spiel dann nach 16 Runden vorbei, geht's an die Nachlese. Spieler die spezielle Leistungen, darunter besonders erfolgreiche Tackles oder Touchdowns, erbracht haben erhalten Erfahrungspunkte.
Wer genug davon gesammelt hat, steigt eine Stufe auf und wird rollenspielartig mit Spezialfähigkeiten wie verbesserten Wurftechniken ausgestattet. Im Karrieremodus können wir so zuschauen, wie sich unsere Jungs weiterentwickeln und zunehmend stärker werden. Leider sind die Spieler auf dem Spielfeld optisch kaum zu unterscheiden, was manchmal dazu führt, dass wir erstmal nach unserem Level 3-Feldspieler suchen müssen.
Neben dem traditionellen strategischen Teil, hat der Entwickler einen Action-Modus mitgeliefert. Hier wird nicht Runde für Runde gezogen, sondern in Echtzeit um den Sieg gekämpft. Hier bewegen wir alle Spieler gleichzeitig und brauchen entweder schnelle Reflexe oder eine gute Leertaste zum pausieren.
Prinzipiell läuft das Spiel aber genauso ab wie die Rundenstrategievariante. Allerdings fiebern wir hier richtig mit und man wird versucht sein, zu jubeln, wenn man eine Lücke ausgenutzt hat, um endlich einen Touchdown zu erzielen. Das liegt insbesondere daran, dass wir unsere Aktionen nicht ellenlang im Voraus planen (können), sondern auf die jeweilige Situation reagieren müssen. Hinzu kommt, dass das Match schnell unübersichtlich wird. Beides führt dazu, dass der strategische Aspekt im Wesentlichen wegfällt und sich der Action-Modus als Geschicklichkeitsspiel outet.
Zu einem ordentlichen Blood Bowl Match gehören neben Spielern (und Trainern) natürlich auch Kommentatoren. Hier punktet Blood Bowl mit parodistischem Witz, der den Vergleich zu Hits wie Overlord nicht zu scheuen braucht. Leider wiederholen sie sich schon nach einiger Zeit. Ansonsten haben die Entwickler mit Sounds eher gespart. Die Spieler sind mundfaul und Musik gibt es eigentlich nur im Hauptmenü. Alles in allem bleibt der Sound wenig atmosphärisch. Ganz anders als die Cheerleader. Während bei den Menschen nette (aber alle gleich aussehende) Damen am Rand tanzen, werden die Orks von wilden Trommlern unterstützt. Die Grafik ist dabei solide im Comic-Stil gehalten. Das Spielfeld ist dank drehbarer Optik voll einsehbar. Leider gibt es nur wenige Stadien und man hat schnell den Eindruck, dass sich die Choreographien wiederholen. Zudem wird das Spiel durch lange Ladezeiten unterbrochen.
Highlight von Blood Bowl soll der Multiplayermodus sein. Hier hat der Entwickler ein eigenes komplexes Ligasystem organisiert. Online oder Lokal tritt man gegen andere menschliche Spieler an. Für die Geübten eröffnen sich hier zahlreiche taktische Möglichkeiten, schließlich reagiert ein menschlicher Gegner doch anders als die übrigens recht gute KI. Das sorgt für Abwechslung und Langzeitbegeisterung. Allerdings spielt sich der Multiplayer ein bisschen anders, als das Solo-Spiel. Das liegt vor allem an den langen Wartezeiten auf den Gegner oder im Action-Modus an der fehlenden Pausefunktion. Durch die Ligen hat man aber klare Ziele, wie den Sieg in der aktuellen Blood Bowl Meisterschaft.
Wenn ich etwas bei Blood Bowl wirklich bereue, dann eigentlich nur die hässlichen und schlechten Tutorials. Und natürlich die etlichen Frustrationseffekte, die gerade zu Anfang des Spiels auftreten. Ansonsten hat mich das Spiel positiv überrascht. Hat man erstmal verstanden wie das Spiel funktioniert macht Blood Bowl echt Spaß. Ich habe mich besonders mit dem Action Modus angefreundet. Zum einen weil mir die Rundenstrategie zu dröge ist, zum anderen, weil ich für ein nettes Spielchen zwischendurch nicht gleich eine ganze Stunde opfern möchte. Blood Bowl werde ich in den nächsten Monaten immer wieder zocken um eine ordentliche Ork Armada gegen eine Skaven- oder Elfenbrigade ins Feld zu schicken. Für ein intensives Rundenstrategieerlebnis spiel ich aber lieber was anderes. Dennoch werden diejenigen die den Tabtletop-Klassiker kennen und lieben von Blood Bowl keineswegs enttäuscht werden.
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