Gesamtwertung86%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Die dunkelrote Narbenlinie zieht sich durch Matt Bakers Gesicht wie eine Brandmarkung. Tiefe Augenringe zeugen von Schlafentzug, die Falten auf der Stirn von einer Anspannung, die im Angesicht des Todes ihren Höhepunkt gefunden hat. Es ist ein Gesicht unter vielen Gesichtern derer, die im Zweiten Weltkrieg über den Verlauf der Geschichte entschieden haben. Was, Emotionen in einem Weltkriegs-Shooter? Ist doch ein Ding der Unmöglichkeit: Die strahlenden Amis gegen die farblosen Nazi-Deutschen, so einfach ist das. Nein! In Zeiten, wo die Ankündigung eines neuen Shooters, der inmitten der Wirren des Zweiten Weltkrieges angesiedelt ist, nur noch müdes Gähnen hervorruft, schafft Brothers in Arms: Hells Highway etwas Erfrischendes und genau das, was man nicht vermutet hätte: Glaubwürdige emotionale Tiefe und greifbare Charaktere.
Widerstand zwecklos...
In die Geschichtsbücher ging Operation Market Garden als der letzte große Sieg der deutschen Wehrmächte ein: Geplant war das Ganze als weiterer Sieg für die Alliierten, die Nazideutschland noch vor Weihnachten 1944 endgültig zerschlagen wollten doch für die Luftlandedivisionen, die in den Niederlanden abgesetzt wurden, wurde es die Hölle auf Erden.
Bekanntheit erlangte in diesem Zusammenhang vor allem der titelgebende Hell's Highway, die Straße zwischen Eindhoven, Veghel und Grave, in der ein unerwarteter deutscher Widerstand die Alliierten zum Rückzug zwang. In Brothers in Arms: Hells Highway erlebt Ihr Operation Market Garden von Anfang bis zum Ende.
Der Taktik-Shooter aus dem Hause Ubisoft setzt kurze Zeit nach den Ereignissen von Earned in Blood an statt aber wie im Vorgänger erneut in die virtuelle Haut von Sergeant Joe 'Red' Hartsock zu schlüpfen, übernimmt man den Part von Sergeant Matthew Baker aus dem ersten Teil Road to Hill 30.
Und an längere Sequenzen, wie ganz zu Beginn des Spiels, sollte man sich schon einmal gewöhnen, denn wo die Vorgänger Cutscenes eher in einem nebensächlichen Rahmen einstreuten, lebt Hell's Highway von den packenden, hervorragend inszenierten und in Spielgrafik gehaltenen Zwischensequenzen, erzählt es doch eine echte Geschichte mit einigen Überraschungen auch für Fans der ersten beiden Teile.
Oder habt Ihr Euch nicht gefragt wieso am Ende von Road to Hill 30 der verstörte Leggett als einziger Überlebender seines Squads aufgefunden wird? Damit auch Zocker, die mit Hell's Highway ihren Einstand in die Brothers in Arms-Reihe finden, zurechtkommen, gibt es überraschend viele Rückblicke und Randinformationen wäre ja schade, wenn man der Geschichte hinter der grafisch astreinen Inszenierung nicht folgen könnte. Aus diesem Grund gibt es beim ersten Durchlauf auch keine Möglichkeit, die zahlreichen Filmchen abzubrechen.
Die ersten Schritte im Spiel fallen selbst BiA-Veteranen nicht wirklich leicht, führt Hell's Highway doch erstmals ein Deckungssystem á la Gears of War ein. Selbst wenn man wie noch in den Vorgängern üblich geduckt an niedrigen Mauern entlang schreitet, kassiert man Schaden. Erst per Tastendruck seid Ihr vor den zischenden Kugeln sicher. Die Kamera wechselt dabei in die Third-Person-Perspektive. Auch Holzkisten und Zäune bieten keinen ausreichenden Schutz mehr, sind sie doch nun zerstörbar und höchstens als vorübergehende Notdeckung geeignet.
Hell's Highway spielt sich somit wesentlich intensiver und dramatischer. Nichts geändert hat sich hingegen an den farbigen Scheibenanzeigen über den Köpfen der erblickten Feinde und den Teambefehlen.
Nach wie vor weist Ihr den zumeist brav agierenden KI-Squads Deckungsmöglichkeiten zu, befehlt ihnen Euch zu folgen oder gegnerische Soldaten aufs Korn zu nehmen. Meist habt Ihr gleich zwei bis drei Squads zur Verfügung, die auch Bazooka-Soldaten oder MG-Schützen beinhalten. Per Tastendruck wechselt Ihr dabei zwischen den einzelnen Teams hin und her. Anstatt wie in den Vorgängern auf eine taktische Karte zu setzen, in denen Ihr die Vorgehensweise Eurer Kumpanen festlegt, geschieht dies bei Hells Highway direkt im Spiel. Dadurch spielt sich der dritte Teil nun auch wesentlich flüssiger und actionreicher, auch wenn dies immer noch nicht an die Geschwindigkeit eines Call of Duty heranreicht was aber gut und vor allem auch passender ist.
Bedrückend und packend erzählt!
Fast schon echte Kunst ist es, wie sehr Gearbox die Farbgebung und den Grundton an den jeweiligen Spielfortschritt anpassen. Huscht Ihr zu Beginn noch über saftige Wiesen und Bauernhöfe von Deckung zu Deckung, verliert der Titel zunehmend an Farbe, je weiter Ihr im Spiel voranschreitet. Die Stimmung wirkt zunehmend verzweifelter, das Setting dreckiger und auch in den Zwischensequenzen geht es immer fieser zur Sache bezeichnend für diesen schleichenden Wandel ist auch Bakers psychische Verfassung, die durch albtraumhafte Visionen immer weiter an den Rand des Kollaps getrieben wird. Enttäuschend einfach sind wegen der unendlich vorhandenen Munition auch die späteren Panzermissionen.
Im Prinzip hat sich hinsichtlich des Gameplays im Kern nichts geändert. Nach wie vor heißt die Devise: Unter Beschuss nehmen, flankieren, töten!. Wer klug ist, handelt stets nach diesem Muster, denn Rambo-Allüren werden schnell mit alles andere als schmackhaften, blauen Bohnen bestraft. Glücklicherweise verhalten sich Eure Feinde recht intelligent, nehmen Deckungsmöglichkeiten in Anspruch und wechseln diese, sobald es zu heiß wird. Vermisst haben wir allerdings gegnerische Granaten: Wie es scheint, ist Hitlerdeutschland zu dieser Zeit bereits das Geld ausgegangen, denn in den gesamten elf gespielten Stunden, die wir bis zur Endsequenz benötigt haben, mussten wir uns kein einziges Mal vor explosiven Äpfeln in Acht nehmen. Ab und zu reagieren Krauts auch zu spät oder gar nicht auf unser Kommen. Alles in allem halten sich diese Aussetzer aber im Rahmen das positive Gesamtbild überwiegt.
Den Protagonisten könnt Ihr auf der getesteten PC-Fassung sowohl normal mit Tastatur und Maus, als auch dem Xbox 360-Controller über die Schlachtfelder schicken. Vor allem beim Zielen ergeben sich mit der Peripheriekombination aber deutliche Vorteile gegenüber dem Microsoft-Gamepad. Allerdings wird Hell's Highway unter anderem dadurch aber auch einen Zacken zu einfach, da Baker nach kurzem Innehalten mit dem Gewehr selbst auf größere Distanzen einen sauberen Kopftreffer landen kann. Für erfahrene Spieler empfiehlt sich daher der nächsthöhere Schwierigkeitsgrad und wer es ganz hart mag, sollte sich den erst später zugänglichen Authentic-Modus anschauen.
In diesem sind sämtliche HUD-Anzeigen, das Fadenkreuz und die Indikator-Scheiben entfernt wurden. Wurdet Ihr verletzt, tritt ähnlich Call of Duty 4: Modern Warfare ein Regenerationssystem in Kraft, dass Euch heilt, sobald Ihr ein paar Sekunden keinen Schaden einstecken musstet.
Als ein wenig enttäuschend empfanden wir den Mehrspielermodus, der im Vergleich zu dem eines Call of Duty 4 weder mit höheren Rängen noch mit verschiedenen Spielarten daherkommt. Stattdessen nehmt Ihr auf den verschiedenen Karten Flaggenpunkte ein. Wer die Mehrzahl an Flaggen für sich beanspruchen kann, hat gewonnen. Gewünscht hätten wir uns an dieser Stelle einen kooperativen Modus, der sicherlich mehr Würze geboten hätte, als ein lieblos wirkender Conquest-Verschnitt. Die deutsche Fassung des Titels musste übrigens heftige Zensuren über sich ergehen lassen, um den roten USK-Sticker zu ergattern: Es fehlen sowohl die makabere Action-Cam, als auch sämtliche Blut- und Goreeffekte. Selbst bei blutigen Texturen wurde nachgeholfen. Wer das intensivste Erlebnis haben möchte, sollte daher zur Import-Fassung greifen.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Brothers in Arms: Hell's Highway im Test.
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