Call of Cthulhu: Dark Corners of the Earth

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
2K Games
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
16
Call of Cthulhu: Dark Corners of the Earth [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

73%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Call of Cthulhu: Dark Corners of the Earth

Nein, hierbei handelt es sich um keinen nachträglichen Aprilscherz, Call of Cthulhu, das bereits im Jahre 2000 angekündigte Horrorspiel auf Basis der Romane von H.P. Lovecraft, hat es nach mehr als sechs Jahren Entwicklungszeit letzte Woche tatsächlich in die weltweiten Händlerregale geschafft und wir sagen euch in unserem Review, inwieweit der Titel heute noch konkurrenzfähig ist.

Story à la Lovecraft

Bevor sich jemand bei der Aussprache des Spieltitels Call of Cthulhu einen Knoten in die Zunge macht; Laut Romanautor Lovecraft soll Cthulhu folgendermaßen ausgesprochen werden: K´tulu. Das nur als kleine Info am Rande, immerhin wollen wir nicht, dass jemand während des Lesens dieses Artikels irgendwelche oralen Schäden davonträgt. Aber nun zur Story: Call of Cthulhu ist in den USA der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts angesiedelt und wird aus der Perspektive des bodenständigen amerikanischen Privatdetektivs Jack Walters gespielt. Walters, Anfangs noch bei der Polizei als Ermittler tätig, wird zu einem Einsatz beordert, wo sich anscheinend gestörte Sektenmitglieder in ihrem Clubhaus verbarrikadiert haben und wahllos das Feuer auf anrückende Gesetzeshüter eröffnen. Doch als sich Walters ins Haus wagt um dem Treiben ein Ende zu setzen, erwartet ihn mehr als nur ein paar verrückte Zeitgenossen – im Keller des Sektenhauses, das allem Anschein nach auch noch für nicht sonderlich geschmackvolle Menschenexperimente genutzt wird, wiederfährt ihm eine Begegnung der übernatürlichen Art, um genau zu sein, sein erster Kontakt mit dem Cthulhu-Mythos. Von dieser Erfahrung gezeichnet, muss er erst einmal eine Zeit lang „Urlaub“ in der Psychiatrie machen, um schließlich nach der Entlassung seine Laufbahn als Privatdetektiv fortzusetzen, ständig geplagt von den Erinnerungen an den mysteriösen Vorfall. Und gleich sein erster Auftrag führt in auf direktem Wege in die Höhle des Löwen. Walters soll in der kleinen Hafenstadt Innsmouth einen verschollenen Mann ausfindig machen, einen nicht Einheimischen, der einen Laden im Ort führt. Doch Innsmouth ist nicht wie jede andere Provinzstadt, Gerüchte machen die Runde, dass die Stadt ebenfalls unter dem Einfluss einer Sekte steht und dass die Einwohner geheimnisvolle Wesen aus dem Meer anbeten. Zu allem Übel sind Fremde auch noch so ziemlich das Letzte, was die Bürger von Innsmouth sehen wollen – und das erfährt Jack schon nach kurzer Zeit an seiner eigenen Haut.

Willkommene Abwechslung

Gespielt wird Call of Cthulhu aus der allseits bekannten Ego-Perspektive, mit dem kleinen Unterschied, dass man als Spieler kein HUD zur Verfügung hat, das heißt im Klartext: auf dem Hauptspielbildschirm ist keine Lebens-, oder Munitionsanzeige vorhanden, um die Horroratmosphäre und das Mittendrin-Gefühl zu steigern. Ebenfalls gestrichen wurde das Fadenkreuz, beim zielen mit Pistole, Schrotflinte und Co. muss man sich somit des manuellen Anvisierens bedienen. Dass es keine Anzeigen gibt, heißt aber keinesfalls, dass der Spieler unsterblich ist. Im übersichtlichen Inventarbildschirm kann man neben der Menge der noch zur Verfügung stehenden Munition auch den aktuellen Gesundheitszustand von Jack an einem 3D-Model seines Körpers beobachten. Anders als in anderen Shootern gibt es Call of Cthulhu jedoch keine klassische 100%-Lebensanzeige, die einfach mit jedem Treffer sinkt.

Der Körper von Jack ist in verschiedene Regionen unterteilt (Kopf, Augen, Arme, Beine usw.) und jede dieser Regionen kann, für den Spieler spürbar, verletzt werden. Wieso spürbar? Ganz einfach, bricht man sich bei einem Sprung aus großer Höhe z.B. das rechte Schienbein, so muss Jack fortan humpeln und bewegt sich langsamer als mit zwei gesunden Extremitäten. Sollte man hingegen schwer am Brustkorb verletzt werden, ist nichts mehr mit einfachem Humpeln. Nach hohem Blutverlust fällt Detective Walters nämlich einfach tot um. Und genau damit so etwas nicht, bzw. so selten wie möglich passiert, sollte man immer die passende Arznei dabei haben. Die passende deshalb, weil natürlich für verschiedene Körperteile auch verschienene Mittel benötigt werden. Es macht ja wenig Sinn, sich bei einer Vergiftung eine Bandage anzulegen, oder umgekehrt, bei einer offenen Wunde zu einem Fläschchen Gegengift zu greifen. Die bekannten Medikits, die jede Art von Verletzung heilen gibt es im Spiel nicht. Um seine Verletzungen zu kurieren, sollte Jack übrigens ein ruhiges Plätzchen aufsuchen, während eines Gefechts wird die Heilung nämlich sowieso unterbrochen und man verliert darüber hinaus wertvolle Zeit, die man besser in Flucht hätte investieren sollen.

Als ruhige Plätzchen eignen sich am besten die in den Levels verteilten Speicherpunkte, von denen es zwei Arten gibt. Speicherpunkt Nr. 1 ist ein stinknormaler Ort an dem man einfach seinen Spielstand archivieren kann, Speicherpunkt Nr. 2 ist zusätzlich markiert, damit ihn auch jeder erkennt und gilt als gegnersicher, da Jack an diesem Ort Angriffe befürchten muss – ein beruhigender Gedanke. Überhaupt ist Walters kein Freund großer Aufregung. Befindet er sich in einer angespannten, gefährlichen oder unheimlichen Situation, so verschwimmt seine Sicht, die Reaktionen werden langsamer. Das kann z.B. passieren, wenn er an manchen Stellen mysteriöse Geräusche hört, von Gegnern verfolgt oder angegriffen wird, oder einfach, seiner Höhenangst sei dank, wenn er von höhergelegenen Positionen auf den Erdboden blickt. Ist Jack schwer verletzt und verliert viel Blut, wird er farbenblind und kann nur noch schwarzweiß sehen.

Allein gegen alle

Apropos Blutverlust: Den kann nicht nur der Spielcharakter selbst erleiden, er kann ihn auch den zahlreichen Gegnern zufügen und das ziemlich sichtbar – denn Call of Cthulhu geizt nicht mit Blutdarstellungen. Muss man während des ersten Drittels des Spiels noch auf jegliche Art von Waffen verzichten, da man von den Innsmouth Bürgern gerade so toleriert wird, verschärft sich die Situation mit der Zeit, da Detective Walters seine Nase in allerlei Angelegenheiten steckt, die ihn, nach Ansicht der Bevölkerung, nichts angehen. Auch nach der auf ihn ausgerufenen Jagd muss sich Jack eine Weile lang auf seine Schleichkünste verlassen, bevor sein Finger den Abzug einer Waffe berühren kann. Von da an heißt es nur noch: Augen zu und durch. Ab einen gewissen Zeitpunkt im Spiel wird der Schwierigkeitsgrad angehoben und der Fokus liegt mehr oder weniger nur noch auf dem Abknallen von Feinden. Das verfügbare Waffenarsenal orientiert sich an realen Schießprügeln aus den 20er Jahren, später im Spiel darf man dank des Szenarios auch zu exotischeren Wummen wie z.B. Artefakten greifen.

Dass die meisten Kämpfe aber recht einfach von der Hand gehen, liegt größtenteils an der KI der Gegner. Es passiert oft, dass Feinde einfach an einer bestimmten Stelle, an einer Ecke oder vor einem Hindernis stehen bleiben und wild drauflos schießen, natürlich ohne Jack zu treffen, was sie zu relativ leichter Beute macht.

Die zahlreichen Action- und Schleicheinlagen wechseln sich ab und zu mit kleinen Rätseleien ab. So muss man beispielsweise im Auftrag eines Freundes einen Safe öffnen und das geht nur mit der richtigen Kombination. Die hat er uns aber nicht direkt verraten, um sie herauszubekommen müssen wir erst einen Blick in sein Tagebuch werfen. Schließlich erfahren wir, dass sich der Mann so sehr über die Geburt seiner Tochter gefreut hat, dass er ihr Geburtsdatum auch als vierstellige Zahlenkombination für seinen Safe verwendet. Einige Zeilen höher lesen wir, dass seine Tochter am gestrigen Tage ihren zehnten Geburtstag feierte. Danach reicht nur noch ein kurzer Blick auf das Datum des Tagebucheintrags, zehn Jahre werden abgezählt und – bingo, die Stahltür öffnet sich, vorausgesetzt man ist sich als Spieler im klaren darüber, dass die Monatszahl in den USA an erster Stelle, vor der Zahl des Tages in der Woche aufgeführt wird. Vor große Rätsel, über die man tatsächlich grübeln muss, stellt Call of Cthulhu den Spieler allerdings nicht.

Grafisch sieht man dem Spiel seine lange Entwicklungszeit an. Zwar bemühten sich die Entwickler das Alter durch nett anzusehende Schatten- und sonstige Grafikeffekte zu maskieren, dennoch gehören die teils ziemlich matschigen Texturen sowie undetaillierten Objekte und unschönen Animationen nicht mehr ins Jahr 2006. Die Sprachausgabe ist in Englisch gehalten, zum Mitlesen für die nicht englischsprechenden unter uns gibt es deutsche Untertitel. Ebenfalls übersetzt wurden die Bücher, auf die man im Laufe des Spiels immer wieder trifft, um wichtige Informationen zu ergattern.

Fazit

Seit 2000 verfolge ich die Entwicklung von Call of Cthulhu, das damals außer vieler interessanter Features auch noch eine äußerst schöne Grafik bot. Heute ist die für damalige Verhältnisse schöne Grafik sicherlich kein Kaufargument mehr, dafür bekommt man beim Kauf des knapp 30 Euro teuren Titels eine spannende Story geboten, die keinesfalls ausschließlich Lovecraft-Lesern zu empfehlen ist. Dank der zahlreichen Abweichungen vom Shooter-Mainstream sowie der tollen Atmosphäre, kriegt man für einen fairen Preis ein gutes Horroractionspiel geboten. Wer über die KI-Patzer hinwegsehen kann und nicht nur auf die Grafik schaut, sich dafür aber nach einem spannenden Spielerlebnis sehnt, darf getrost zugreifen.

Call of Cthulhu: Dark Corners of the Earth [PC , Justgamers]

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