Gesamtwertung80 %/10 |
Grafik7 Sound8 |
Lanzeitspaß8 Spieleinstieg8 |
Bedienung8 |
Das Königreich Faerynais ist in Gefahr: Der einst treu ergebene Basilius plant hinter dem Deckmantel die komplette Vernichtung der blühenden und friedlichen Landschaft. Zeit also für einen Helden, einen typischen Weltenretter, eine 08/15-Schmalzlocke mit lauter Bienchen im Muttiheft… sowas von langweilig! Entgegen der Tradition des ewigen Gutmenschen, der sich nur um das Wohl seiner Mitmenschen sorgt und gerne auch abseits der üblichen Aufgaben da hilft, wo es brennt, geht das Adventure Ceville andere Wege.
Der gleichnamige Titelheld ist dick, klein und hat ein chronisch fies grinsendes Lächeln auf den Lippen, bricht also den ansonsten üblichen Heldenstil - und überhaupt verhält sich der Giftzwerg alles andere als nett. Muss er aber auch nicht, herrscht er doch über Faerynais. Und ganz so, wie man sich einen Tyrann so vorstellt, werden Gerichtsurteile so gefällt, wie es ihm gerade beliebt. Da sich beispielsweise die drei kleinen Schweinchen mit dem Wolf um Schadensersatz und Körperverletzung streiten, werden kurzerhand beide Parteien in den dunkelsten Keller verbannt, den man in der vorwiegend bonbonfarbenen Welt von Faerynais nur finden kann.
Die Willkür Cevilles' will es so - und die des Spielers natürlich auch. Und das nicht umsonst: Ganz im Gegensatz zu seinen geleckt wirkenden Genrekonkurrenten - Konsorten wie Edna oder "Manny" aus Grim Fandango natürlich ausgenommen - pfeift Ceville auf Mitleid, Nächstenliebe oder Hilfe. Der Winzling hilft auch nur dann, wenn es seinen eigenen Zwecken dienlich ist - geschmückt mit Zoten, die die nahende Beseitigung des Hilfesuchenden als innigen Wunsch des Tyrannen darstellen.
Ladies and Gentlemen, so müssen "Spielehelden" anno 2009 aussehen. Sperrt die nervenden Hofköche in die todbringende Kühlkammer ein und überlasst sie dort ihrem Schicksal, oder dreht auf einen auf einem Brett fixierten Gefangenen einfach kopfüber, nur um ihm die für ein Rätsel benötigten Läuse mittels Lotion vom Kopf zu waschen und Sprüche wie "Mir fließt das Blut in den Kopf" zu ignorieren. Herrlich, so ein Tyrannenleben. Mindestens genauso herrlich sind die zahlreichen und teils fantastisch gestalteten Locations, die Ihr im Laufe der Rückerlangung Eurer bösen Gewalt abklappern müsst.
Beginnend mit der Stellung Ceville's im Thronsaal, verschlägt es Euch auch in andere Gebiete Faerynais, wie zum Beispiel die Berge, den Wald, einen Friedhof oder eine Urlaubsoase. Die Abwechslung wirkt dabei aber nicht zu überladen, so dass man den nicht den Eindruck, man wollte hier mit aller Gewalt noch zig obskure Settings auftischen. Ganz und gar nicht im kleinen Rahmen werden dabei unzählige Anspielungen auf die Medienwelt losgelassen - das geht schon damit los, dass zwei der Akte "Die Gefährten" oder "Die Rückkehr des Königs heißen", aber auch Star Wars-Fans dürfte mit Passagen wie "Der Imperator schlägt zurück" ein Schmunzler aufs Gesicht gezaubert werden.
Dabei bleibt es aber leider an vielen Stellen auch - bei Schmunzlern. Man erkennt die Mühe, hier das letzte Fünkchen an Situationskomik herauszuholen, doch nicht immer lohnt sich das und Zitate wie "Warum liegt hier Stroh rum?" - das dürfte nun wirklich jeder kennen - bleiben die Highlights.
Mehr als nur gelächelt werden, darf bei Szenen wie ganz am Anfang des Spiels: Eine der intelligenzarmen Wachen, die uns stellen, fragt den anderen, wieso sie Ceville nicht gleich mit dem Seil festbinden. Sein ebenso minderbemittelter Kamerad entgegnet daraufhin, dass dieses Kapitel "Die Flucht" heißt und nicht "gekriegt nach fünf Minuten". Nicht selten belässt es Ceville aber nur bei leidlich humorvollen Flachwitzen - besser wären hier hingegen noch drastischere Zoten gewesen, denn bei aller Boshaftigkeit hält sich der Protagonist manchmal vornehm mit allzu zynischen Kommentaren zurück.
In Sachen Rätseldesign kann Ceville durchaus überzeugen und übertreibt es auch nicht, wenn gegen Ende hin durchaus die ein oder andere Kopfnuss auf den Adventure-Fan wartet - löblicherweise werden Hinweise oftmals ausreichend gegeben, manchmal genügt auch nur ein aufmerksamer Blick auf den Screen.
So müssen wir als ebenfalls spielbarer Paladin Ambrosius diverse Steinköpfe zu Tönen bewegen, um einen Geheimgang zu öffnen. Normalerweise würde man nun wild die Statuen ausprobieren, um irgendwann mit Glück zum Ziel kommen - oder man könnte auch ein Schild entdecken, welches mit der komischen Bezeichnung "CEFE" an eine Steinwand angebracht wurde. Natürlich: Die mit Buchstaben versehenen Töne, die aus den Köpfen emporsteigen müssen lediglich in dieser Reihenfolge klingen und schon kann man sich der nächsten Hürde widmen.
Nett ist auch das immer wieder Anwendung findende Partnersystem, bei dem uns vor allem eine Szene in Erinnerung bleibt: Ceville wurde inhaftiert und die kleine Lilly hilft wohl aus reiner Naivität beim Ausbruch. Selbige taucht dann als Icon am unteren linken Bildschirmrand auf und es darf nach Belieben hin- und hergewechselt werden. So beschafft Ihr als Lilly beispielsweise eine Waschlotion, um dann nach der Übergabe am Fenster als Ceville den eingangs erwähnten Gefangenen die Läuse abzuluchsen, die sich auf dessen Haupt breit gemacht haben.
Die Tierchen werden dann seitens Ceville auf der Bürste des Wache stehenden und selbstverliebten Ambrosius verteilt, den man als Lilly gerade in ein Gespräch verwickelt, um ihn so abzulenken. Perfektes Teamwork eben. Wisst Ihr einmal doch nicht weiter, dürft Ihr stets auf eine per Leertastendruck aufrufbare Hotspot-Anzeige zurückgreifen, die sogar relevante von unwichtigen Interaktionsmöglichkeiten farblich abgrenzt. Wählt Ihr einen Gegenstand aus und aktiviert gleichzeitig die Bildschirmanzeige, gibt es sogar eine dritte Farbe, die zeigt, ob das Ganze hier Verwendung finden könnte (oder eben nicht). Die Synchronisation passt derweil perfekt zu den Charakteren: Genial ist wirklich die deutsche Stimme von Joe Pesci für Ceville, die dem Giftzwerg genau die nötige Vertonung gibt, die er braucht, um als zynischer Knirps zu funktionieren. Abseits dessen glänzen die deutschen Stimmen von Kevin James, Leah Remini (Doug und Carrie aus King of Queens), Ian Holm oder Angelina Jolie mit vielleicht nicht immer perfekten, aber durchweg mehr als soliden Leistungen.
Zugegeben, mich kann man relativ leicht zum Lachen, Schmunzeln oder whatever bringen. Bei Flachwitzen heißt es intern dann schon, es wäre ein echter "Chris". Und dennoch konnte ich mich mit den Sprüchen des garstigen Giftzwergs nicht immer anfreunden, beziehungsweise darüber lachen. Viele Pointen und Seitenhiebe treffen ins Schwarze, doch bei den Zoten bleibt man leider oftmals im für mich etwas zu braven Bereich. Fahrtwind gewinnt der Titel dann doch schon eher mit seinem intelligenten Rätseleinlagen, den sympathischen und teils skurrilen Charakteren - Beispiel: Ein besserungswilliger Dungeon Keeper-Horny-Verschnitt mit "Love Dad"-Tattoo - und seiner augenschmeichelnden Optik. Sicherlich nicht der erwartete Kracher, aber insgesamt doch gute Genrekost.
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Ceville im Test.
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