Gesamtwertung55%/10 |
GrafikBefriedigend SoundGut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
4000 v. Chr. Der Orient befindet sich im Krieg um Wasser, Rohstoffe und fruchtbares Ackerland. Ihr müsst euch nun entscheiden, für wen Ihr in Koch Media's neuestem Strategietitel Chariots of War den Krummsäbel schwingt. Befehlt nubische Krieger oder edle Beduinen und führt Euer Volk zur Herrschaft über alle anderen Stämme und geht somit in die Geschichte ein. Wie das Spiel sich spielt, erfahrt Ihr in unserer Review...
Von Arabern, Ägyptern und Assyern
Nach Hearts of Iron, einem Stategiespiel, welches den 2. Weltkrieg als Thema beinhaltete, müsst Ihr Euch im nächsten Spiel von Paradox Entertainment, Chariots of War, nicht etwa mit Panzer und Gewehr, sondern mit Kamel und Schwert gegen zahlreiche Konkurrenten behaupten. Klingt alles recht einfältig, ist es allerdings auch. Eine stimmungsvolle Story ist nicht vorhanden, der Spieler kann lediglich lieblos designte Kampagnen und Einzelmissionen absolvieren.
Es existiert jedoch keine verstrickte Handlung oder Helden mit denen sich man personifizieren könnte. Dabei muss sich der Spieler zunächst ein gewünschtes Volk aussuchen, etwa die defensiven Assyrer oder eher angriffslustige Babylonier, die sich im Grunde aber alle gleich spielen besondere, einzigartige Fähigkeiten der Nationen fehlen komplett.
Lediglich das Menü und die Einheitensymbole unterscheiden sich von Volk zu Volk. Hat man sich also sein gewünschtes Spieleszenario, wählbar sind unter anderem Anzahl der Völker, Spieldauer und so weiter, eingestellt, landet man auf einer simpel gestalteten Übersichtskarte, auf der neben vorhandenen Armeen - werden als Figur mit einer Ziffer dargestellt, je höher die Ziffer desto stärker die Armee - auch Städte angezeigt werden.
Das ganze erinnert stark an andere rundebasierte Strategietitel wie Age of Wonders oder Heroes of Might & Magic, wobei Chariots of War nicht annähernd deren Vielfältigkeit und Spielwitz erreicht.
So fehlen etwa Helden, auf der Karte verstreute Schätze und andere Belohnungen. Nun kann man also seine Truppen bewegen, innerhalb der Städte Gebäude errichten oder Handel und Diplomatie treiben. Speziell die Dörfer und Städte gestalten sich später als extrem wichtig, da man nur dort Truppen ausheben, Gebäude errichten und die Steuern erhöhen kann. Die Reichsgrenzen werden durch kleine farbige Pfähle gekennzeichnet. Wer mit seiner Armee diese überschreitet, gibt seinem Nachbar einen Grund, die Schwerter zu schärfen und euer Heer anzugreifen. Kommt es dann einmal zum Kampf, wechselt das Spiel automatisch in eine Art Taktikmodus, in dem man Formationen, Position und Verhalten der eigenen Truppen festlegen kann, gleichzeitig sieht man auch das gegnerische Heer. Ist man soweit mit den taktischen Finessen zufrieden, kann man die Schlacht beginnen lassen und bekommt sogleich die ersten Panikattacken: Nicht nur, dass das Schlachtfeld und die Soldaten wirklich langweilig und unecht wirken und die Animationen warscheinlich bereits vor Jahren als schlecht und hölzern angesehen wurden, nein der Hobbyfeldherr kann seine eigenen Soldaten nicht mehr kommandieren!
Sie befolgen stur die vorher eingegebenen Befehle und lassen sich nicht mehr steuern. Das kann ziemlich ärgerlich sein, vor allem, wenn etwa die linke Flanke unbedingt Hilfe braucht, die dafür vorgesehenen Truppen aber schnurstracks vorbeilatschen und die Schlacht somit verloren geht.
Einzig die eingebaute Moral der virtuellen Krieger ist gut gelungen.. So laufen die Soldaten bei zu vielen Feinden oder Verlusten panisch vom Schlachtfeld, was das Ganze strategisch tiefsinniger und anspruchsvoller werden lässt.
Hat man es aber dann trotzdem geschafft, eine Schlacht für sich zu entscheiden (zum Glück sind die gegnerischen Soldaten auch nicht schlauer als die eigenen) kann es sein, dass die Armee Erfahrung bekommt, abhängig davon, mit wie viel Ruhm sie sich in den Schlachten beckleckert hat.
Dadurch steigert sich die Moral und die Wüstensöhne kämpfen besser. Insgesamt muss man die Entwickler von Paradox Entertaiment aber klar schelten ein solch stupider Kampfmodus ist in der heutigen Zeit den Spielern wohl kaum mehr zuzumuten.
Aber nicht nur das Kämpfen vergeht einem, nein auch der Rest von Chariots of War enttäuscht. Die Auswahl an Gebäuden ist, trotz einiger Upgrades, niedrig, ebenso die Anzahl an Truppentypen. Der Handel ist zwar ganz nett gestaltet, denn es lassen sich mit allerlei Güter, von Holz über Stein bis hin zu Gewürzen, Gewinne erzielen, jedoch ist das Handeln ist nicht lukrativ genug um es auf Dauer fortzufahren da greift man lieber den Nachbar an und holt sich Objekte der Begierde eben mit Gewalt. Extra Handelswagensymbole auf der Karte wäre ebenfalls hilfreich gewesen, um einen Überblick über das bunte Treiben zu haben.
Das Diplomatiesystem ist zwar ebenfalls ganz nett, jedoch weiß man nie so recht, ob denn nun der ausgewählte Diplomat Erfolg mit seiner Mission hatte oder ob er sich auf dem Weg eine Grippe geholt hat und seitdem verschollen ist.
Wichtige Nachrichten bekommt man aber immerhin gut sichtbar auf den Hauptbildschirm, erkennbar an einer blinkenden Schriftrolle. Das Gameplay von Chariots of War legt also dementsprechend viel mehr Wert auf das Kämpfen, als auf friedliches Handeln. Die Diplomatie ist ebenfalls in der weiten Wüste auf der Strecke geblieben die Diplomaten entpuppen sich als zuverlässige Nichtskönner und die benachbarten Völker reißen sich nicht gerade darum, mit einem in Frieden zu leben.
Die Sounduntermalung ist hingegen ein kleiner Lichtblick. Die Musik ist ziemlich stimmungsvoll, leider gibt es nur drei Tracks, die sich immer wiederholen und einem bald schon auf die Nerven gehen, so gut sie auch komponiert wurden.
Somit schaltet man die Musik nach schon fast automatisch aus, die Kampfmusik ist gar immer dieselbe.
Schade. Die Grafik jedoch ist eine totale Katastrophe. Die Übersichtskarte ist viel zu unübersichtlich, die Landschaft bieder und langweilig und die Einheiten sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Haben die Entwickler etwa die letzen Jahre geschlafen? Titel wie Age of Wonders beweisen doch eindeutig, dass es auch bei rundenbasierten Titeln besser geht.
Die Steuerung hingegen ist relativ einfach und intuitiv. Bereits nach wenigen Minuten ist man mit ihr vertraut. Lediglich die Menüs sind teilweise zu unübersichtlich und verwirren gerade Strategieneulinge mit ihrer Detailwucht. Wen nun das Beduinenfieber gepackt hat und es unbedingt mit seinen Freunden ausprobieren will, wird abermals enttäuscht, ein Multiplayermodus fehlt ganz.
Lediglich die eingebaute Moral, was ja längst nicht Gang und Gebe bei Strategietiteln ist, rettet die Atmosphäre ein wenig. Richtig gut gefällt mir hingegen der Soundtrack - die Musikstücke sind schön orientalisch und verzaubern einen richtig, die Soldaten sprechen ein wenig arabisch. Leider wurde aber auch hier gepatzt, denn es sind schlichtweg zu wenig Tracks, mit der Zeit kann man sie trotz aller Pracht einfach nicht mehr hören. Wer also ein Neuling im Genre der Rundenstrategie ist sollte Chariots of War unbedingt probespielen. Veteranen sollten besser (sofern sie es nicht schon haben) lieber zur Konkurren aus dem Bereich Fantasy wie Age of Wonders greifen. Wirklich bedenkenlos zugreifen können nur echte Wüstensöhne und Fans orientalischer Geschichte.
Chariots of War im Test.
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