Civilization III: Conquests

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Atari
Entwickler
Firaxis
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
6
Civilization III: Conquests [PC , looki.de]

Gesamtwertung

85%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

Civilization III: Conquests

Civilization – schon alleine der Titel läßt die Herzen von Fans rundenbasierter Strategiespiele höher schlagen. Setzte doch gerade dieses Spiel im Laufe der vergangenen Jahre immer wieder Maßstäbe in puncto Spieltiefe, Langzeitmotivation und Ideenreichtum in diesem Genre. Mehrfach geklont, zeigt allein diese Tatsache, dass es sich bei der ganzen Civilization-Reihe um einen Klassiker handelt.

Jetzt hat sich das Entwicklerteam um Sid Meier aufgemacht, den neuesten Teil – Civilization 3 – durch ein weiteres Addon noch einmal kräftig aufzumotzen. „Conquests“ soll dem klassischen Spielprinzip weitere Spieltiefe verleihen und noch mehr Menschen in die sowieso schon grosse Fangemeinde ziehen.

Solche Addons stellen für die Entwickler sicherlich immer einen äußerst schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn dar, auf dem man sehr schnell auch mal straucheln kann. Dass Addons in der Lage sind, Spiele zu verschlimmbessern haben wir alle schon mehrfach erfahren dürfen.

Um es vorwegzunehmen: Dieses Addon gehört sicherlich zu den Spiele-Erweiterungen, bei denen Fans des Genres ohne Nachzudenken zugreifen können. Die Verbesserungen und Neuerungen werden nicht alle auf dem ersten Blick sichtbar, aber während des Spielens wird man sehr schnell Neues entdecken und sinnvolle Verbesserungen erleben dürfen.

Viele Fans haben lange Zeit bemängelt, dass man auf die Gestaltung der Spiele, insbesondere der Spiele auf Zufallskarten nur recht begrenzten Einfluß hatte. Man konnte sich in fünf Schritten eine Welt zusammenbasteln, konnte Siegbedingungen zulassen oder auch nicht und das war es dann auch schon fast. Sieht man einmal davon ab, dass man die Rundenzahl und die Siegpunktezahl festlegen konnte, war bisher kein weiteres Fine-tuning des Spieles möglich. Das hat sich jetzt gründlich geändert!

6000 Jahre Geschichte und ihr seid der Anführer! Wer hat sich das nicht schon mal gewünscht: die Geschicke eines Volkes bis ins kleinste Detail gestalten zu können. Civilization bot uns schon immer die Möglichkeit, Geschichte völlig neu zu schreiben und das jetzt vorliegende Addon „Conquests“ soll dem bekannten Spielprinzip noch mehr Würze verleihen. Jetzt kann man so ziemlich alles einstellen und seine Siegbedingungen so zusammenstellen, wie man es gerne möchte. Angefangen bei der Rundenanzahl (bis zu 1000 Runden sind möglich), über die Siegpunkte, Kulturwertungen, beherrschtes Terrain bis hin zur Aggressivität der KI. Gerade letzteres lässt einiges an Kombinationsmöglichkeiten zu.

Neues in altem Gewand...

Schaut man sich das Spiel an, stellt man zunächst einmal fest: es sind diverse neue Kulturen hinzugekommen, wie z.B. die Niederländer, die Portugiesen oder auch die Sumerer. Jedes Volk verfügt über eigene Spezialeinheiten, teilweise auch über eigene Gebäude. Ausserdem wurden dem Spiel neue Rohstoffe, wie z.B. Tabak, Jade, Zucker oder exotische Vögel spendiert. Grafisch fallen sicherlich die neuen Geländearten auf: Flußauen (besonders interessant für die Nahrungsproduktion), Vulkane (sehr hohe Schildproduktion) und die Sümpfe (eigentlich für nichts so richtig gut). Dazu kommen noch neue Katastrophen, wie Vulkanausbrüche, die insbesondere nahegelegene Städte nun überhaupt nicht mögen und die hier empfindliche Zerstörungen anrichten können. Ausserdem finden sich verschiedene neue Einheiten, wie die TOW-Infanterie, einer Einheit, die mit tragbaren panzerbrechenden Raketen ausgerüstet ist, Trebuchet, Kreuzer oder auch Wissenschaftliche Anführer. Diese Wissenschaftlichen Anführer könnt ihr erhalten, wenn ihr als erstes Volk eine Technologie erforscht habt und zum Ankurbeln der Wissenschaft in einer Stadt oder für städtische Eilaufträge verwenden.

Zu vergleichen sind diese Wissenschaftlichen Anführer mit den bereits bekannten Kommandanten, die ihr im Krieg erhalten könnt. Und damit war es das eigentlich auch schon – zumindestens äußerlich. Inhaltlich hat sich wesentlich mehr getan. Neue Regierungsformen (Faschismus und Feudalismus) machen das Spiel noch interessanter. Dazu kommen neue Weltwunder, wie zum Beispiel die Zeusstatue, die alle 5 Runden eine kostenlose berittene Einheit produziert.

Es lohnt sich schon aus diesem Grund, dieses Weltwunder in den eigenen Händen zu halten. Nur – oh Gott – es lässt sich nur dann bauen, wenn man über einen entsprechenden Rohstoff, in diesem Fall Elfenbein, verfügt. Hat man diesen Rohstoff nicht, kann man nur neidisch in das Reich seines Gegners schauen, wie sich dort die kostenlosen Einheiten tummeln. Ganz nebenbei können einige Weltwunder nach tausend Jahren Bestand noch zu „Touristenattraktionen“ werden und kräftig Geld in die Kasse spülen.

Hinzugekommen sind ausserdem neue Technologien, die den sowieso schon recht umfangreichen Technologiebaum noch einmal vergrössern. So muß die Regierungsform Faschismus erst erforscht werden, bevor sie zur Verfügung steht. Auch in der Stadtverwaltung hat sich ein wenig getan. Neue Stadtexperten sollen dem Spieler die Stadtverwaltung weiter erleichtern. Der Polizist, nach der Erforschung des Nationalismus verfügbar, sorgt für eine Reduzierung der leidigen Korruption und der Fachingenieur, nach der Erforschung der Ersatzteile verfügbar, sorgt für einen zusätzlichen Produktionsbonus bei der Errichtung von Gebäuden. Zum Schluß wurden alle bisherigen Nationen und Regierungsformen einer intensiven Frischzellenkur unterzogen und neu ausbalanciert, was dem Spiel auf jedem Fall gut tut.

Neben den schon erwähnten Neuerungen wurden dem Addon gleich neun neue Eroberungsfeldzüge spendiert. Angefangen in Mesopotamien, dem Römischen Reich bis hin zu den Befreiungskriegen gegen Napoleon und den Pazifikschlachten im zweiten Weltkrieg wurde so ein riesiger Teil der menschlichen Geschichte in das Spiel eingebunden. Dazu kommt ein Editor, von dem sich manch andere Spieleproduzenten eine dicke Scheibe abschneiden sollten. Hier lassen sich Szenarien erstellen, die von der Komplexität her kaum irgendwelche Wünsche offen lassen sollten.

Besonders interessant ist das Addon für Spieler, die bisher nur das Original des Spieles besitzen. Das zweite Addon „Play the World“ ist nämlich auch mit dabei und trägt zur Spielfreude nicht unerheblich bei.

Kein Spiel ist wirklich perfekt. Und so gibt es logischerweise auch hier einige Dinge zu beanstanden. Zu bemängeln ist zum einen die absolut schlampige Übersetzung im Spiel. Waren im Addon „Play the World“, zum Beispiel die Namen der Barbarenvölker noch eingedeutscht, so sucht man hier nach einer Übersetzung vergeblich. Dazu kommt, dass ebenfalls ein Teil der Städtenamen nicht übersetzt wurden. Man sollte meinen, dass für solche Kleinigkeiten eigentlich genügend Zeit gewesen sein sollte. Dem Spieler bleibt so nichts weiter übrig, als sich den Patch V 1.02 zu ziehen, der unter anderem dieses Problem lösen soll.

Ganz anders stellt sich das jedoch in Bezug auf die Diplomatie dar. Man hätte sich gewünscht, dass hier endlich mal etwas passieren würde. Aber leider ist dem nicht so (wenn man mal von grundsätzlichen Einstell-Möglichkeiten im Editor absieht). Uns stehen nur die allseits bekannten diplomatischen Möglichkeiten zur Verfügung: Landkarten tauschen, Militärbündnisse, Handelsvereinbarungen, Städtetausch, Technologietausch und diverse Geschenke in denselben Bereichen. Das hat man schon vor Jahren wesentlich besser gesehen! Nur ein Stichwort: „Alpha Centauri“. Hier hatten wir ein Diplomatiemenü, das seinen Namen auch wirklich verdiente. Und hier hatten wir diplomatische Möglichkeiten, von denen der Civilization-Spieler bisher nur träumen konnte und auch weiterhin träumen muß. Es wäre den Entwicklern nur zu raten, mal in den Archiven nachzusehen, dieses Spiel hervorzukramen und zu schauen, was „Alpha Centauri“ in diesem Bereich schon alles möglich machte. Beide Spiele mit ihren jeweiligen Stärken kombiniert, würde sicher eine Bewertung weit jenseits der 90%-Marke bringen. So allerdings hat man sich gerade in diesem Bereich eine ganze Menge vergeben und kann gerade das auch nicht mit all den Neuerungen aufwiegen, die dieses Addon bietet.

Fazit

Wir haben hier ein solides, aber kein überragendes Addon für ein ohnehin schon gutes Spiel, daß insbesondere durch die neuen Szenarien, Technologien, Weltwunder und Nationen glänzt. Die Verkaufsstrategie („Conquests“ und „Play The World“ in Einem), gaukelt dem Käufer mehr vor, als er als Besitzer des ersten Addons letztendlich erhält. Fans des Genres können sich getrost auf die Erweiterung stürzen. Allen anderen sei gesagt, der Kauf lohnt sich unter dem Gesichtspunkt, dass man zwei Addons zum Preis von einem erwerben kann. Der Spielspaß ist über viele Stunden gewährleistet, aber die weiterhin zu geringen diplomatischen Möglichkeiten stossen doch negativ auf.

Civilization III: Conquests [PC , looki.de]

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