Civilization IV

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Take 2
Entwickler
Firaxis
Erscheinungsdatum
-
Genre
Strategie
USK
6
Civilization IV [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

93%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Civilization IV

Es lebt!

Schon länger sah es danach aus, dass sich Rundenstrategiespiele langsam aber sicher zu einem Nischengenre entwickeln. Mangels guter und vor allem erfolgreicher Titel war ein großes Comeback unwahrscheinlich. Doch jetzt wird zurückgefeuert, Firaxis erteilte den Befehl: „Volle Breitseite!“ und brachte das lang erwartete Sequel zu einem der berühmtesten Vertreter dieses Genres auf den Markt - Civilization IV. Zusammen mit einem Haufen interessanter Neuerungen samt einem runderneuerten Gewand geht die Globalstrategie in eine weitere Runde und die sieht schöner aus, als je zuvor. Als erstes fällt einem beim Anblick von Civilization IV selbstverständlich die neue Grafikengine auf. Die Spielwelt ist nun eine farbenfrohe 3D-Landschaft voller netter Animationen, alles wirkt lebendig, wobei der Begriff „Spielwelt“ nirgendwo mehr hineinpassen würde als hier. Denn gespielt wird nicht etwa auf einer kleinen Karte mit fünf Wäldern, zwei Flüssen und einem Teich, nein, Civilization IV würde kein Globalstrategiespiel sein, wenn man nicht den ganzen Planeten für seine Zwecke zur Verfügung haben würde. Aber genug von der Grafik, potenzielle Civilization IV-Käufer wollen sicher nur folgendes wissen: Wie spielt es sich, was gibt’s Neues und lohnt sich der Kauf sowohl für Civ-Veteranen als auch für Genreneulinge? Keine Angst wir kommen auf alles zu sprechen.

Wer noch mit keinem Vorgänger der Civ-Reihe die Ehre hatte, dem sei für den Spielanfang das ausführliche Tutorial ans Herz gelegt. Hier werden detailliert alle wichtigen Spielmechanismen erklärt, damit die angestrebte Weltherrschaft kein allzu abruptes Ende findet. Erfahrene Spieler werden sich zwar sicher sofort ins Spiel stürzen wollen, doch auch ihnen kann die kurze Einführung nicht schaden, immerhin wurde das Sequel mit vielen Neuerungen versehen und um sich im späteren Spielverlauf die Mühe zu sparen, sich alles selbst beizubringen, ist das Tutorial die beste Lösung.

Regierung selbst gemacht

Angefangen wird Civilization-typisch mit der Auswahl einer Spielwelt und der Nation, deren Geschicke man über mehrere Jahrtausende lang leiten will. Zur Auswahl stehen insgesamt 18 Völker, darunter Inder, Amerikaner, Deutsche, Chinesen und Ägypter. Jedes Volk verfügt über ein bis zwei Staatsoberhäupter. Bei den Amerikanern zum Beispiel stehen George Washington und Franklin Delano Roosevelt zur Auswahl. Jeder Anführer hat bestimmte Charaktereigenschaften, die nicht nur zu Geltung kommen, wenn man für ihn spielt, sondern auch wenn seine Züge von der KI diktiert werden. So hat Roosevelt beispielsweise einen ausgeprägten Demokratie-Sinn, deshalb wird er sich höchstwahrscheinlich auch später im Spiel für diese Staatsform entscheiden. Ganz im Gegensatz zum chinesischen Staatsoberhaupt Mao-Tse Tung, der sicherlich den Weg des Kommunismus beschreiten wird. Außer den Charaktereigenschaften bringt jede Person bestimmte Boni mit sich, die sich beispielsweise positiv auf die Baugeschwindigkeit von Gebäuden oder Einheiten einer bestimmte Art auswirken.

Überhaupt spielen Regierungsarten in Civilization IV eine große Rolle. Anhand von 25 vorgefertigten Staatsformen, die von „Freie Marktwirtschaft“, über „Allgemeines Wahlrecht“ bis zur „Sklaverei“ oder „Monarchie“ reichen, kann man alles nach Belieben kombinieren. Darüber hinaus darf man sich auch noch für eine von sieben verschiedenen Religionen entscheiden. Die verbreiten sich, nachdem sie von dem Spieler, einem Mit- oder Gegenspieler bzw. KI-Mitstreiter erforscht worden sind, zwar auch ganz von selbst, wenn man allerdings eine von ihnen zur Staatsreligion ausruft, wird diese in jeder Stadt des eigenen Reiches die dominante Position besetzen. Ihr seht schon, durch die vielen Möglichkeiten sind kuriose Kombinationen keine Einzelfälle.

In einer unserer Partien beispielsweise, haben die KI-gesteuerten Amerikaner den Islam begründet - Sachen gibt’s... Wer nach detaillierteren Informationen zu den Staatsoberhäuptern, Völkern, Einheiten, Gebäuden und vielen anderen Dingen, die in Civilization IV enthalten sind, strebt, sollte auf jeden Fall einen Blick in die umfangreiche, ins Spiel implementierte Zivilopädie werfen.

In der Spielwelt angekommen muss man erst einmal ein geeignetes Plätzchen für die eigene Hauptstadt finden. Am besten geeignet sind Stellen mit einer Menge Grünflächen, die zum Anbau von Nahrung genutzt werden können. Dort kann man Felder, Weideland und später Mühlen errichten, welche die dazugehörige Stadt mit Nahrungsmitteln versorgen. Das ein oder andere Rohstoffvorkommen sollte jedoch ebenfalls im Umkreis einer jeden Siedlung zu finden sein, da durch errichtete Minen der Produktionswert der jeweiligen Niederlassung gesteigert wird – das heißt im Klartext, je höher das Produktionskonto, desto schneller werden Gebäude aus der Erde gestampft.

Aber Moment, da haben wir doch etwas vergessen, wie sollen die einzelnen Güter denn überhaupt ihren Zielort erreichen? Werden die Schubkarren voller Eisen und Kohle etwa durch dichte Wälder bis in die Stadt befördert? Nein, dazu gibt es Straßen und die werden von Bautrupps errichtet. Das können Freunde von Mikromanagement entweder alleine übernehmen, oder man lässt die Bautrupps einfach selber über's Land flitzten. Das ist nicht nur erheblich komfortabler, sondern auch effizienter, da die KI nie vergisst, einen Betrieb ans Straßennetz anzubinden.

Very important people

Im Baumenü der Städte wählt man die zu errichtenden Gebäude und zu erschaffenden Einheiten aus. Jedes Gebäude erfordert eine andere Anzahl an Runden, die zu seiner Fertigstellung benötigt werden. Wenn es dann irgendwann soweit ist, kann man bedeutende Bauten wie das Kolosseum oder ein Aquädukt sogar in der Stadt sehen. Je mehr Gebäude sich in ihr befinden, desto größer wird sie auch auf der Spielkarte, wobei sie gleichzeitig im Level aufsteigt. In jeder Runde bekommt die Stadt darüber hinaus so genannte Persönlichkeitspunkte gutgeschrieben. Wenn eine bestimmte Anzahl erreicht ist, so erscheint eine große Persönlichkeit in der Stadt. Dabei kann es sich z.B. um einen Künstler, einen Wissenschaftler oder einen Ingenieur handeln.

Je nach seinem Fachgebiet muss man sich entscheiden, wofür man ihn opfern will. Entweder man befiehlt ihm, sich in der Stadt niederzulassen, die dadurch diverse Vorteile erhält, man benutzt ihn um ein spezielles Gebäude zu errichten oder eine bestimmte Technologie zu erforschen. Sollte man sich für eine der beiden letzten Möglichkeiten entscheiden, so wird die gegebene Technologie bzw. das Gebäude sofort erforscht oder gebaut und steht ab der nächsten Runde zur Verfügung.

Civilization IV (11 Bilder)

Wenn man allerdings wartet, bis auch eine andere Stadt eine große Persönlichkeit hervorbringt, kann man mit Hilfe dieser zweier Personen ein goldenes Zeitalter für die eigene Nation einläuten. In einem Zeitraum von acht Runden wird dadurch die Produktionsstärke aller Städte erhöht.

In jeder neuen Epoche stehen einem neue Bauten und Einheiten zur Verfügung. Muss man sich im Jahre 2000 v. Chr. noch mit Axtkämpfern begnügen, sieht es etwas mehr als drei Jahrtausende später mit durchschlagskräftigen Panzern, Bombern und Schlachtschiffen schon etwas anders aus. Anders als noch im Vorgänger sind die 85 im Spiel enthaltenen Technologien nicht epochal beschränkt. Jedoch erfordern auch sie wieder eine bestimmte Anzahl an Runden, bis sie zur Verfügung stehen, Zukunftstechnologien wie die Computertechnik erfordern, sofern man sie z.B. schon in der späten Renaissance erforschen will, viel mehr Runden als bereits veraltete Technologien wie der Buchdruck.

Tauschgeschäfte

Auch im neuesten Teil der Civ-Serie spielt Diplomatie wieder eine große Rolle. Jede Nation auf der Spielkarte hat wie oben bereits erwähnt einen Anführer. Genau mit dem setzt man sich auch in Kontakt, wenn man etwas fordern oder anbieten will. Es kann aber natürlich auch passieren, dass sich der Mitspieler selbst mit einer Forderung meldet. Das alles läuft in einem übersichtlichen Diplomatie-Fenster ab, in dem man auswählt, was man der Gegenseite anbieten will, bzw. von ihr verlangt oder sieht was sie für ein Anliegen hat. In letzteren Fall können wir den Vorschlag oder das Handelsangebot entweder annehmen oder ablehnen. Wenn wir uns fürs Annehmen entscheiden sollten wir ein entsprechend gleich wertvolles Gut zum Tausch anbieten.

Lehnen wir jedoch ab, verschlechtert das unsere Beziehungen mit der jeweiligen Nation wodurch wir uns einen dicken Minuspunkt bei ihnen eingebrockt haben. Pluspunkte erhält man z.B. bei lang anhaltenden, erfolgreichen Handelsbeziehungen gutgeschrieben. Hat man als Spieler mehr Plus- als Minuspunkte auf dem Konto des Mitspielers ist dieser einem freundlich gesonnen und immer wieder erfreut, wenn man ihn kontaktiert. Außerdem kann man unter diesen Umständen auch eine Ware, Technologie oder Gold umsonst bekommen, wenn man danach fragt – als Freundschaftsdienst.

Wenn die Diplomatie in einer angespannten Lage jedoch versagt, gibt’s Krieg, den man dann wiederum durch einen Friedensvertrag oder mindestens eine Waffenruhe beenden kann. Die KI vergisst jedoch niemals, dass Krieg zwischen uns und ihnen geherrscht hat – der Minuspunkt geht nie wieder weg.

Aber glücklicherweise kann man in Civilization IV auch ganz friedlich expandieren, ohne unnötige Schlachten. Und zwar in dem man sich anständig um seine Städte kümmert, sie ausbaut und sie durch Gebäude wie Theater und Weltwunder wie den Broadway zu kulturellen Knotenpunkten der Region macht. Je größer die Stadt, desto größer ist auch ihr Einflussbereich. Und ist der nach einiger Zeit groß genug geworden, verschlingt er nahe an der Landesgrenze liegende Spielfelder – oder sogar ganze Städte der Kontrahenten.

Irgendwann ist jeder dran

Aber mal Hand aufs Herz: der ein oder andere virtuelle Krieg innerhalb von mehreren Jahrtausenden hat auch seine Reize, ob er nun aus Prestigegründen geführt wird, man sich einfach von einem Gegner eingeengt fühlt oder neues Land fürs eigene Volk erobern will. Andererseits kann es auch ganz schnell passieren, dass ein Mitstreiter stinkig wird und euch den Krieg erklärt. Ohne eine einzige Kampfeinheit könnt ihr schon mal einpacken. Soldaten und sonstiges Kriegsgerät wie Kanonen oder später Panzer können in jeder Stadt ausgebildet werden. Je nach Größe der Siedlung dauert es verschieden lange bis die jeweilige Einheit fertiggestellt ist. Wird beispielsweise in der Hauptstadt ein Musketier innerhalb von sieben Runden erschaffen, kann es in einer Low-Level Provinzstadt ohne großen Einfluss schon mal 20 Runden dauern – Zeit, die man bei Angriffs- und insbesondere Verteidigungskriegen nicht hat. Ist man im Besitz mehrerer Kampfeinheiten können diese komfortabel zu einer Gruppe zusammengefasst werden, um sich fortan als eine Einheit über das Spielfeld zu bewegen. Die wenig spektakulären Kämpfe werden auf der Spielkarte ausgetragen. Jede Einheit hat eine bestimmte Anzahl an Stärkepunkten, die entscheiden sollte, wer gewinnt. Wieso „entscheiden sollte“? Weil die Kämpfe des öfteren ziemlich unrealistisch ablaufen, sodass z.B. eine eigentlich haushoch überlegene Einheit gegen eine von vor 1000 Jahren verliert, was einen in entscheidenden Kriegssituationen ganz schnell auf die Palme bringen kann.

Was tut man denn so alles, wenn man mal einen Tag frei hat? Sich einfach auf die Couch legen und ausspannen? Eine Spritztour mit dem frischgewaschenen Wagen unternehmen? Alles falsch, als Besitzer von Civilization IV startet man das Spiel und klickt auf Multiplayer. Den können bis zu 18 Spieler gleichzeitig bestreiten, und zwar im Internet oder LAN. Ein Multiplayermatch spielt sich im Grunde genauso wie sein Singleplayer-Pendant ab, nur das man hier eben mit echten Menschen um die Weltherrschaft spielt. Wenn ein Spieler mit seinen Tätigkeiten während einer Runde fertig geworden ist, klickt er einfach auf einen Button und wartet bis auch alle anderen bereit sind, die nächste Runde einzuläuten. Da sich dieser ganze Prozess bei maximal 18 Spielern und mehreren tausend Jahren virtueller Spielzeit verständlicherweise eine Weile hinziehen kann, sollte man für ein Multiplayer-Match sehr, sehr viel Zeit und Geduld mitbringen.

Fazit

von Andreas Balazik

Ich gebe zu, Civilization IV ist mein erstes Civ-Spiel, dass ich intensiv gespielt habe. Die Vorgänger habe ich nur ganz kurz angespielt, mein allgemeines Desinteresse am Rundenstrategiegenre hat mich sehr schnell wieder ins Echtzeitlager zurückgeführt. Doch dann, dann kam, Civilization IV und hat mich eines Besseren belehrt. Nach dem schnellen Einarbeiten in die Kernfunktionen des Spiels hat mich das Spiel voll und ganz in seinen Bann gezogen. Ich habe schon lange nicht mehr so viel Zeit am Stück mit dem Spielen eines Titels verbracht. Stunden um Stunden erweiterte ich die Grenzen meines Reiches, erforschte immer und immer wieder neue Technologien, handelte bis zum Gehtnichtmehr und führte gewaltige Feldzüge rund um den Globus. Und das beste war – als ich fertig war und gleich noch mal angefangen habe, in einer anderen Spielwelt, mit einer anderen Nation, ging der Spaß wieder von vorne los. Gut, ich habe die durchspielten Nächte zwar mit hässlichen Augenringen bezahlen müssen, aber im Vergleich zu dem Spaß, den ich hatte, ist das ein verschmerzbares Opfer. Genreneulinge finden sich dank des Tutorials und einem übersichtlichen Design schnell zurecht, Veteranen werden Civilization IV dank vieler Neuerungen sicher noch mehr abgewinnen können als den Vorgängern. Fest steht, egal ob Anfänger oder Profi, alle werden von der Sucht gepackt und gnadenlos in die Spielwelt hineingesaugt. Civilization IV ist ein grandioses Spiel, welcher Strategiespieler es nicht kauft, ist selber Schuld. Und das gilt auch für überzeugte Echtzeitstrategen, riskiert ruhig einen Blick über den Tellerrand, ich spreche aus Erfahrung!

FAZIT

von Ulli Kunz

Ich hab sie alle gehabt ... alle bislang erschienenen Civ-Spiele. Daher war ich auch sehr skeptisch, als ich hörte, das Civilization IV nun dreidimensional wird. Zig Neuerungen sollten kommen, bessere Diplomatie, eine übersichtlichere Forschung und weiß der Teufel was sonst noch. Nun, zugegeben, Sid Meier hat fast alles umgesetzt, was versprochen wurde. Aber unterscheidet sich nun Civilization IV signifikant von seinen drei Vorgägnern - abgesehen von der Engine. Ehrlich gesagt kaum. Ist das gut? Na aber! Denn man spürt die Veränderungen nicht offensiv. Sie springen einem nicht ins Gesicht und schreien nach Aufmerksamkeit. Man könnte sagen, Civilization IV unterliegt einem evolutionären Zwang. Es reift, es wird besser, es wird einfach genialer. Civ-Fans der ersten Stunde können also beruhigt zugreifen.

Civilization IV [PC , Justgamers]

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