Gesamtwertung93%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Wer noch mit keinem Vorgänger der Civ-Reihe die Ehre hatte, dem sei für den Spielanfang das ausführliche Tutorial ans Herz gelegt. Hier werden detailliert alle wichtigen Spielmechanismen erklärt, damit die angestrebte Weltherrschaft kein allzu abruptes Ende findet. Erfahrene Spieler werden sich zwar sicher sofort ins Spiel stürzen wollen, doch auch ihnen kann die kurze Einführung nicht schaden, immerhin wurde das Sequel mit vielen Neuerungen versehen und um sich im späteren Spielverlauf die Mühe zu sparen, sich alles selbst beizubringen, ist das Tutorial die beste Lösung.
Überhaupt spielen Regierungsarten in Civilization IV eine große Rolle. Anhand von 25 vorgefertigten Staatsformen, die von Freie Marktwirtschaft, über Allgemeines Wahlrecht bis zur Sklaverei oder Monarchie reichen, kann man alles nach Belieben kombinieren. Darüber hinaus darf man sich auch noch für eine von sieben verschiedenen Religionen entscheiden. Die verbreiten sich, nachdem sie von dem Spieler, einem Mit- oder Gegenspieler bzw. KI-Mitstreiter erforscht worden sind, zwar auch ganz von selbst, wenn man allerdings eine von ihnen zur Staatsreligion ausruft, wird diese in jeder Stadt des eigenen Reiches die dominante Position besetzen. Ihr seht schon, durch die vielen Möglichkeiten sind kuriose Kombinationen keine Einzelfälle.
In einer unserer Partien beispielsweise, haben die KI-gesteuerten Amerikaner den Islam begründet - Sachen gibts... Wer nach detaillierteren Informationen zu den Staatsoberhäuptern, Völkern, Einheiten, Gebäuden und vielen anderen Dingen, die in Civilization IV enthalten sind, strebt, sollte auf jeden Fall einen Blick in die umfangreiche, ins Spiel implementierte Zivilopädie werfen.
In der Spielwelt angekommen muss man erst einmal ein geeignetes Plätzchen für die eigene Hauptstadt finden. Am besten geeignet sind Stellen mit einer Menge Grünflächen, die zum Anbau von Nahrung genutzt werden können. Dort kann man Felder, Weideland und später Mühlen errichten, welche die dazugehörige Stadt mit Nahrungsmitteln versorgen. Das ein oder andere Rohstoffvorkommen sollte jedoch ebenfalls im Umkreis einer jeden Siedlung zu finden sein, da durch errichtete Minen der Produktionswert der jeweiligen Niederlassung gesteigert wird das heißt im Klartext, je höher das Produktionskonto, desto schneller werden Gebäude aus der Erde gestampft.
Aber Moment, da haben wir doch etwas vergessen, wie sollen die einzelnen Güter denn überhaupt ihren Zielort erreichen? Werden die Schubkarren voller Eisen und Kohle etwa durch dichte Wälder bis in die Stadt befördert? Nein, dazu gibt es Straßen und die werden von Bautrupps errichtet. Das können Freunde von Mikromanagement entweder alleine übernehmen, oder man lässt die Bautrupps einfach selber über's Land flitzten. Das ist nicht nur erheblich komfortabler, sondern auch effizienter, da die KI nie vergisst, einen Betrieb ans Straßennetz anzubinden.
Je nach seinem Fachgebiet muss man sich entscheiden, wofür man ihn opfern will. Entweder man befiehlt ihm, sich in der Stadt niederzulassen, die dadurch diverse Vorteile erhält, man benutzt ihn um ein spezielles Gebäude zu errichten oder eine bestimmte Technologie zu erforschen. Sollte man sich für eine der beiden letzten Möglichkeiten entscheiden, so wird die gegebene Technologie bzw. das Gebäude sofort erforscht oder gebaut und steht ab der nächsten Runde zur Verfügung.
Civilization IV (11 Bilder)
Wenn man allerdings wartet, bis auch eine andere Stadt eine große Persönlichkeit hervorbringt, kann man mit Hilfe dieser zweier Personen ein goldenes Zeitalter für die eigene Nation einläuten. In einem Zeitraum von acht Runden wird dadurch die Produktionsstärke aller Städte erhöht.
In jeder neuen Epoche stehen einem neue Bauten und Einheiten zur Verfügung. Muss man sich im Jahre 2000 v. Chr. noch mit Axtkämpfern begnügen, sieht es etwas mehr als drei Jahrtausende später mit durchschlagskräftigen Panzern, Bombern und Schlachtschiffen schon etwas anders aus. Anders als noch im Vorgänger sind die 85 im Spiel enthaltenen Technologien nicht epochal beschränkt. Jedoch erfordern auch sie wieder eine bestimmte Anzahl an Runden, bis sie zur Verfügung stehen, Zukunftstechnologien wie die Computertechnik erfordern, sofern man sie z.B. schon in der späten Renaissance erforschen will, viel mehr Runden als bereits veraltete Technologien wie der Buchdruck.
Lehnen wir jedoch ab, verschlechtert das unsere Beziehungen mit der jeweiligen Nation wodurch wir uns einen dicken Minuspunkt bei ihnen eingebrockt haben. Pluspunkte erhält man z.B. bei lang anhaltenden, erfolgreichen Handelsbeziehungen gutgeschrieben. Hat man als Spieler mehr Plus- als Minuspunkte auf dem Konto des Mitspielers ist dieser einem freundlich gesonnen und immer wieder erfreut, wenn man ihn kontaktiert. Außerdem kann man unter diesen Umständen auch eine Ware, Technologie oder Gold umsonst bekommen, wenn man danach fragt als Freundschaftsdienst.
Wenn die Diplomatie in einer angespannten Lage jedoch versagt, gibts Krieg, den man dann wiederum durch einen Friedensvertrag oder mindestens eine Waffenruhe beenden kann. Die KI vergisst jedoch niemals, dass Krieg zwischen uns und ihnen geherrscht hat der Minuspunkt geht nie wieder weg.
Aber glücklicherweise kann man in Civilization IV auch ganz friedlich expandieren, ohne unnötige Schlachten. Und zwar in dem man sich anständig um seine Städte kümmert, sie ausbaut und sie durch Gebäude wie Theater und Weltwunder wie den Broadway zu kulturellen Knotenpunkten der Region macht. Je größer die Stadt, desto größer ist auch ihr Einflussbereich. Und ist der nach einiger Zeit groß genug geworden, verschlingt er nahe an der Landesgrenze liegende Spielfelder oder sogar ganze Städte der Kontrahenten.
Was tut man denn so alles, wenn man mal einen Tag frei hat? Sich einfach auf die Couch legen und ausspannen? Eine Spritztour mit dem frischgewaschenen Wagen unternehmen? Alles falsch, als Besitzer von Civilization IV startet man das Spiel und klickt auf Multiplayer. Den können bis zu 18 Spieler gleichzeitig bestreiten, und zwar im Internet oder LAN. Ein Multiplayermatch spielt sich im Grunde genauso wie sein Singleplayer-Pendant ab, nur das man hier eben mit echten Menschen um die Weltherrschaft spielt. Wenn ein Spieler mit seinen Tätigkeiten während einer Runde fertig geworden ist, klickt er einfach auf einen Button und wartet bis auch alle anderen bereit sind, die nächste Runde einzuläuten. Da sich dieser ganze Prozess bei maximal 18 Spielern und mehreren tausend Jahren virtueller Spielzeit verständlicherweise eine Weile hinziehen kann, sollte man für ein Multiplayer-Match sehr, sehr viel Zeit und Geduld mitbringen.
Ich gebe zu, Civilization IV ist mein erstes Civ-Spiel, dass ich intensiv gespielt habe. Die Vorgänger habe ich nur ganz kurz angespielt, mein allgemeines Desinteresse am Rundenstrategiegenre hat mich sehr schnell wieder ins Echtzeitlager zurückgeführt. Doch dann, dann kam, Civilization IV und hat mich eines Besseren belehrt. Nach dem schnellen Einarbeiten in die Kernfunktionen des Spiels hat mich das Spiel voll und ganz in seinen Bann gezogen. Ich habe schon lange nicht mehr so viel Zeit am Stück mit dem Spielen eines Titels verbracht. Stunden um Stunden erweiterte ich die Grenzen meines Reiches, erforschte immer und immer wieder neue Technologien, handelte bis zum Gehtnichtmehr und führte gewaltige Feldzüge rund um den Globus. Und das beste war als ich fertig war und gleich noch mal angefangen habe, in einer anderen Spielwelt, mit einer anderen Nation, ging der Spaß wieder von vorne los. Gut, ich habe die durchspielten Nächte zwar mit hässlichen Augenringen bezahlen müssen, aber im Vergleich zu dem Spaß, den ich hatte, ist das ein verschmerzbares Opfer. Genreneulinge finden sich dank des Tutorials und einem übersichtlichen Design schnell zurecht, Veteranen werden Civilization IV dank vieler Neuerungen sicher noch mehr abgewinnen können als den Vorgängern. Fest steht, egal ob Anfänger oder Profi, alle werden von der Sucht gepackt und gnadenlos in die Spielwelt hineingesaugt. Civilization IV ist ein grandioses Spiel, welcher Strategiespieler es nicht kauft, ist selber Schuld. Und das gilt auch für überzeugte Echtzeitstrategen, riskiert ruhig einen Blick über den Tellerrand, ich spreche aus Erfahrung!
FAZIT
von Ulli Kunz
Ich hab sie alle gehabt ... alle bislang erschienenen Civ-Spiele. Daher war ich auch sehr skeptisch, als ich hörte, das Civilization IV nun dreidimensional wird. Zig Neuerungen sollten kommen, bessere Diplomatie, eine übersichtlichere Forschung und weiß der Teufel was sonst noch. Nun, zugegeben, Sid Meier hat fast alles umgesetzt, was versprochen wurde. Aber unterscheidet sich nun Civilization IV signifikant von seinen drei Vorgägnern - abgesehen von der Engine. Ehrlich gesagt kaum. Ist das gut? Na aber! Denn man spürt die Veränderungen nicht offensiv. Sie springen einem nicht ins Gesicht und schreien nach Aufmerksamkeit. Man könnte sagen, Civilization IV unterliegt einem evolutionären Zwang. Es reift, es wird besser, es wird einfach genialer. Civ-Fans der ersten Stunde können also beruhigt zugreifen.