Gesamtwertung92%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Die Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Doch für alle Taktiker unter euch die sehnsüchtig auf CDVs interessantestes Pferd warten, ist die Durststrecke bald vorbei. Bereits im Vorfeld beeindruckte das Spiel mit seiner exzellenten Grafik-Engine und warb mit einer außergewöhnlichen Story, zudem sollte die Taktik natürlich nicht zu kurz kommen und das Endprodukt so zu einem RTS erster Güte machen. Doch scheint CDV mit Codename: Panzers nur den ersten Streich zu planen, denn der Untertitel Phase I von Codename: Panzers lässt schon auf weitere Panzers-Teile vermuten.
Lasst die Ketten rasseln!
Nachdem CDV schon mit dem 2D-Echtzeitstrategie-Spiel Sudden Strike vor einigen Jahren einen riesigen Erfolg verzeichnen konnte, startet man nun auch endlich mit vollem Tempo in die nächste Generation vor. Codename: Panzers ist dabei nicht einfach nur ein Taktikspiel in 3D, sondern beeindruckt mit ungeahnten Details, atemberaubenden Explosionen und realistischen Animationen. Zwar könnte man die verwendete Grafik-Engine von Panzers als relativ alt bezeichnen, da sie schon im 2001 erschienen S.W.I.N.E. zum Einsatz kam. Doch holten die Entwickler Stormregion, ansässig in Budapest, einiges aus der Engine heraus. Diesmal allerdings lieber im ernsteren Szenario des 2. Weltkriegs, als in einem Gemetzel zwischen Schweinen und Hasen.
Dabei gaben sich die Entwickler besondere Mühe bei der Animation der Einheiten sowie deren Modellierung. Jede Einheit wirkt selbst in der niedrigsten Zoomstufe sehr detailliert. Beim Anfahren und Anhalten von Panzern als auch beim Abfeuern der Hauptkanone wippen die Stahlboliden realistisch auf und ab, Ketten bewegen sich samt Laufrädern und auch die Infanterie kommt nicht zu kurz. So erhöhte man in der Entwicklungszeit die Polygonanzahl der einzelnen Infanteristen von schlappen 550 auf satte 3300. So erkennt man besonders in den Cutscenes, die in Spielgrafik das Geschehen in der Kampagne vorantreiben, viele kleine Details wie Orden und einzelne Gesichtszüge. Doch natürlich zeigen die einzelnen Soldaten nicht nur in Cutscenes ihr technisches Talent, so rollen sich beispielsweise Fallschirmjäger realistisch ab, wenn sie mit dem Fallschirm auf die Erde gleiten. Sogar die Inneneinrichtung der Gebäude lässt jedes Taktikerherz höher schlagen. Kleiner Nachteil in Gebäuden: Lediglich einen Infanterietrupp kann man in ein Haus schicken, also entweder oder. Eine Mischung der Einheitentypen, also Panzerabwehr gegen gegnerische Fahrzeuge und schwere MGs gegen anrückende Infanterie ist also nicht möglich. Das ist aber noch längst nicht alles. Eine besondere Grafikpracht bieten großkalibrige Geschosse wie die, von einer schweren Artilleriestellung. Einmal abgefeuert hinterlassen die dicken Brummer an ihrem Zielpunkt eine riesige Explosion und, sofern vorhanden, gehen nahe stehende Bäume im Feuerball unter. Auch sound-technisch weiß Codename: Panzers zu beeindrucken.
Viele Sounds, wie der der Stuka beispielsweise, geben ein realistisches Gefühl und verpassen dem 2. Weltkriegs-Szenario eine passende Stimme. Sowohl die meist klassisch angehauchte Musik als auch die Stimmen für die Hauptcharaktere sind gut gewählt. Besonderes Futter dürfte es in Panzers auch für Solisten geben. In drei ausführlichen Kampagnen auf deutscher, russischer und amerikanischer bzw. britischer Seite kämpfen sie für ihre jeweilige Nation für den Sieg und erledigen dabei eine ganze Reihe von verschiedenen Aufträgen. Aus vielen Strategiespielen kennt man bereits Missionsziele wie Beschützen sie den Konvoi, oder Erobern sie die Fabrik. Doch unterscheidet sich Panzers wenn schon nicht im Missionsziel in der Mission selber von anderen ähnlichen Titeln. So ist Auftrag nicht gleich Auftrag, in den Missionen gibt es zahlreiche Wendungen die oft auch mit Cutscenes erzählt werden. So stürzt beispielsweise einer unserer Aufklärer beim Angriff auf eine polnische Stadt in einem Sumpf ab, der Pilot überlebt allerdings. Wir können es uns also zur Aufgabe machen ihn dort zu befreien, riskieren dafür jedoch Verluste und müssen uns durch die feindlichen Linien kämpfen. In manchen Missionen gibt es sogar weitere geheime Missionen, die man auf den stark gescripteten Schlachtfeldern findet, indem man ein wenig rumkurvt und teilweise unwichtige Stellungen erobert.
Zur Erfüllung der Hauptmission sind diese optionalen Missionsziele allerdings nicht nötig, bringen uns aber weitere Prestigepunkte um mehr bzw. bessere Einheiten kaufen zu können. Zwar nicht so viele wie die Hauptziele, doch genug um seine Einheiten besser auszurüsten oder einen neuen Panzertyp an den Mann oder eher den Soldat zu bringen. Da wären wir auch schon bei dem nächsten Punkt: Anders als in den meisten anderen Titeln, bekommt ihr keine vorgefertigten Truppen zur Erfüllung eurer Mission, sondern dürft selber die für euch am sinnvollsten Einheiten aussuchen. Dabei steigt die Zahl der verfügbaren Einheiten-, Kanonen- und Infanterietypen je nach Jahreszahl. Zu Beginn der Kampagne sind nur leichte Panzer und schwache Panzerjäger-Infanteristen verfügbar, später dann starke Bazookas, die den gegnerischen Panzern ordentlich einheizen. Neben Infanterie wird natürlich auch der Panzer größer, Stahlkolosse wie der Königstiger feiern also ebenso gegen Ende der Kampagne ihr Debüt wie auch der amerikanische M26 Pershing. Nur zu Beginn einer Kampagne bekommt ihr eure Truppen vorgeschrieben, alles was danach kommt liegt in eurer Hand. Darüber hinaus sind nicht nur starke Panzer das A und O. Vor allem da nicht nur Bazookas gefährliche Gegner für Panzer sind, auch normale Infanterie kann man individuell ausrüsten.
Beispielsweise erleichtern Haftminen oder Sprengladungen das zerstören feindlicher Fahrzeuge oder Kanonen, Schlauchboote ermöglichen eine Flussüberquerung ohne Brücken. Auch die Erfahrung sowohl der Panzerbesatzungen als auch der Infanterie nimmt je nach gemachten Abschüssen zu, so dass man bei den Missionen zu einem taktischeren Vorgehen gezwungen wird, sofern man nicht ständig alle Einheiten neu kaufen möchte und somit weniger Einheiten in den Missionen zur Verfügung hat.
Möchte man sich noch Bonuspunkte verdienen um mehr Einheiten kaufen zu können, kann man Flammenwerfer und Molotov-Cocktails einsetzen um eine gegnerische Panzercrew aus dem erhitzten Panzer zu jagen. Ist er abgekühlt, kann man ihn für eigene Zwecke in der Mission einsetzen, sofern eine eigene Panzercrew gerade frei ist. Allerdings kann man die eroberten Einheiten nicht in die nächste Mission übernehmen, statt damit in der nächsten Mission zu kämpfen, werden die Beute-Panzer in Prestigepunkte umgewandelt, die euch dafür wiederum den Kauf weiterer Panzer ermöglichen. Dabei ist stets auf das Missionsziel zu achten. Zur Einnahme einer Stadt sind nur Panzer relativ unklug, da sie leichte Opfer für in Häusern verschanzte Bazooka-Schützen sind. Daher investiert man lieber in starke Infanterieeinheiten und Sanitäter, um die Stadt möglichst schnell einzunehmen.
Hat man ein Hauptziel in einer Mission erledigt, kommt allerdings auch schon meist das nächste. In der ersten Mission der alliierten Kampagne soll man die berüchtigte Landung in der Normandie vorbereiten und den landenden Truppen ihre Aufgabe, den Strand zu erobern, erleichtern. Um das zu erreichen muss man die gegnerischen schweren Artilleriestellungen in einer vorgegebenen Zeit zerstören. Hat man es geschafft, folgt die nächste Aufgabe: Die Deutschen schicken Konvois und Panzer durch ein Dorf zum Strand, um die dortigen Truppen zu verstärken. Jedoch haben sich gegnerische Truppen samt schwerer Panzerabwehr im Dorf verschanzt, so dass wir erst das betreffende Dorf einnehmen müssen bevor der erste feindliche Konvoi unsere Stellung erreicht. Ist auch das geschafft kommt die nächste Überraschung: Ihr übernehmt das Kommando der zahlreichen landenden Truppen am Strand. Hat man die wichtigsten Bunkeranlagen am Strand zerstört, ist auch diese Mission endlich geschafft. In der Kampagne gibt es zahlreiche weitere, spannende Missionen. Um den Singleplayer noch mitreißender zu gestalten, gibt es für jede Kampagne einige Helden, die natürlich nicht sterben dürfen.
Für die Deutschen stellt sich Hans von Gröbel zur Verfügung, für die russische Seite Aleksander Vladimirov und auf alliierter Seite für Amerika Johnson und für England James T. Barnes. Um diese Helden strickt sich stets eine Story. Für den deutschen sowie russischen Helden bekommt man vor jeder Mission Persönliches in Tagebucheinträgen mit, die alliierten Helden schreiben sich gegenseitig Briefe. Zudem wird in der Kampagne jede Mission mit Cutscenes anschaulich präsentiert. Diese Cutscenes sind immer in Spielgrafik und geben dem Spieler einige Informationen zum Missionsziel und auch zu den Charakteren. Teilweise ergeben sich sogar recht lustige Dialoge. Wie zwischen zwei deutschen Soldaten, die sich vor der Landung in der Normandie unterhalten: Gegen Ende des gewaltsam beendeten Gesprächs fragt der eine den anderen Hast du mal Feuer? und das nächste, was man sieht ist ein riesiger Feuerball der genau vor den beiden bedrohlich faucht. Des Weiteren gibt es dort auch persönliche Gespräche zwischen den Hauptfiguren, beispielsweise zwischen dem russischen Helden und seiner im Kampf kennen gelernten neuen Flamme. Sogar kleine Starauftritte durften wir mitverfolgen.
So gibt uns beispielsweise General Rommel in seinem Kommandozelt detaillierte Anweisungen für unser nächstes Missionsziel in der Mission selber. Durch diese Cutscenes wird die Kampagne immer dramatisch gehalten und gibt dem Spieler so ein in Strategiespielen unvergleichliches Gefühl, das jedem Solisten einfach dazu zwingt die Kampagnen zu spielen.
Lass uns zusammen gehen
Was wäre heutzutage ein Spiel ohne Multiplayer? Eigentlich fast undenkbar. Deshalb darf man sich ein weiteres Mal bei den Entwicklern bedanken: ganze vier Modi präsentieren die Ungarn der Community. Dabei dürft ihr wie in der Kampagne eure Einheiten selber zusammenstellen. Der Host definiert lediglich welche Weltkriegs Epoche ihr spielt, früh oder spät, und die Anzahl der Prestigepunkte. Je nach Epoche stehen euch verschiedene Einheitentypen zur Verfügung. In der frühen Varianten lediglich leichte Panzer während in der späten Epoche starke Panzer ihresgleichen suchen.
##u|TeamMatch## Der Modus TeamMatch ist in Panzers eigentlich genau das gleiche wie Deathmatch in Ego-Shootern. Im Team gegen menschliche Gegner oder gegen den Computer wird gekämpft bis der letzte Feind fällt. Dabei dürft ihr keine Verstärkung erwarten ihr müsst aushalten, bis die Schlacht gewonnen ist.
##u|Assault## Im Assault Modus habt ihr die Aufgabe, euch entweder als Verteidiger oder Angreifer gegen euren Gegenspieler zu bewähren. Dabei beschützt ihr strategisch wichtige Punkte auf der Karte wie eine Radarstation oder eine Fabrik. Im Gegensatz zu den anderen Modi, in denen gleich zahlreiche Maps den Weg in Panzers fanden, gibt es hier nur drei Maps. Die Entwickler versprachen aber baldigen Nachschub.
##u|Co-Operative## Ja, es gibt ihn wirklich! In vielen Spielen angekündigt, wird er doch meist aus Zeitgründen gestrichen, glücklicherweise nicht diesmal. Aus einer Vielzahl von Missionen dürft ihr hier auswählen, um zusammen mit einem Freund oder dem Computer den Computer-Gegner in die Knie zu zwingen.
##u|Domination## Der Domination Modus ist wohl einer der interessantesten Modi in Codename: Panzers. Auf der Karte sind strategisch wichtige Einrichtungen platziert, wie Fabriken, die euch stetigen Panzernachschub nach Ablauf einer gewissen Produktionszeit garantieren; Radarstationen, die weitere Flieger an der Front ermöglichen; sowie Trainings Camps, in denen man weitere Infanterietypen ausbilden kann. Einmal eingenommen reichen wenige Klicks, um die gewünschten Truppen zu trainieren und zu bauen. Dank der Möglichkeit, weitere Truppen in die Schlacht zu schicken, kann man so eigentlich verlorene Kämpfe doch noch für sich entscheiden.
Arcade vs. Realismus
Die nicht enden wollende Diskussion von zahlreichen Strategen, die sich über den Realismusgrad in unzähligen Strategiespielen mit dem 2. Weltkriegsszenario streiten wird wohl auch ewig anhalten. Im Gegensatz zu Realismusboliden wie Combat Mission, ebenfalls von CDV, spielt sich Panzers eher arcadelastig. Panzerabwehrkanonen brauchen meist mehr als nur eine Salve aus drei Rohren um einen LKW platt zu machen, noch länger um Infanterie den gar aus zu machen, vor allem wenn Sanitäter daneben stetig Lebensenergie rüberschaufeln. Zwar ist von Realität nicht gerade viel zu spüren, doch dafür achtete man eher auf das Gameplay anstatt sich an Fakten bzgl. des Schadensmodells lange aufzuhalten. So hat jedes Fahrzeug eine bestimmte Anzahl von Panzerungspunkten, die erst durchbrochen werden müssen um richtig starken Schaden am Lebensbalken zu verursachen. Jede Seite des Panzers hat verschiedene Panzerungspunkte, so ist die Front am stärksten, während das Heck am leichtesten zu durchdringen ist. Je nach Stärke des Gegners und Panzerung des eigenen Panzers kann das eine Weile dauern, doch hat man oft noch einige Tricks in der Hinterhand. So kann man bei stark beschädigter Front den Panzer mit einem Mausklick drehen, um den Gegner die weniger geschwächte Seite zuzuwenden. Gegen übermächtige Panzer kann man gleich zum Knüppel greifen: Denn, um die zu besiegen, kann man am besten Stukas anfordern, die mit ihren schweren Bomben beinahe sofort nach der Anforderung selbst den stärksten Panzern einen Großteil der Lebensenergie abziehen. Dagegen sind Bomber relativ wirkungslos gegen Panzer, die nutzt man besser für bekannte Infanteriestellungen oder für den Stadtkampf, um Häuser in einen Schuttberg zu verwandeln.
Das größte Manko von Panzers ist derzeit wohl noch die schwache Wegfindung der Einheiten. Oft verkeilen sich zwei Einheiten, die Überquerung eines Flusses mittels einer Brücke artet meist in schieres Durcheinander aus. Hier müssen die Entwickler unbedingt noch nachbessern. Doch da die Einheitenmasse nicht so groß ist wie beispielsweise in Sudden Strike wird der Spieler praktisch eh dazu gezwungen ständig über seinen Einheiten zu wachen. Daher hat man ohnehin die meisten Aktionen seiner Einheiten im Blick und kann reagieren bevor es zu spät ist. Zudem sind Straßen nur Landschafts-Verschönerungen und dienen keinem wirklichen Zweck. Straßen wurden ja früher nicht umsonst gebaut und hätten sinnvoll mit eingebunden werden können.
Die Einheiten-KI selber hat mich hingegen sehr positiv überrascht, habe ich es in anderen Echtzeitstrategiespiele doch noch nicht erlebt, dass in gleichen Spielsituationen die KI mitunter unterschiedliche Taktiken und Angriffe nutzt und immer geschickt auf die Aktionen des Spielers reagiert. Wer wenig Wert auf Realismus legen, sich somit nicht großartig um Panzerung der einzelnen Einheiten, Schusswinkel oder ähnliches kümmern will und damit zufrieden ist, eine kleine aber schlagkräftige Einheitentruppe mit viel Spaß durch die Wirren des 2. Weltkriegs zu führen, der wird mit Codename: Panzers viel Spaß haben! Darüber hinaus verleiht JustGamers einen Award für die besonders gelungene Kampagne.
Codename: Panzers Phase I im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von Stormregion?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.