Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
EA Los Angeles
Erscheinungsdatum
-
USK
16
Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3

Gesamtwertung

81 %/10

Grafik

9

Sound

10

Lanzeitspaß

7

Spieleinstieg

10

Bedienung

9

Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3

Teslaspulen, menschenfressende Schäferhunde und erotische Assassinen. Lange hatten Fans auf den dritten Teil der Alarmstufe Rot-Serie gewartet, dessen Entwicklung bereits seit dem Jahre 2004 kein Geheimnis mehr war. Umso geheimnisvoller indes die Hintergrundgeschichte, hatte man doch in den Teilen eins und zwei die Themen rund um Sowjets, Alliierte und den Zweiten Weltkrieg bereits in vielerlei Hinsicht ausgeschöpft. Neuerungen und Innovation mussten also her, ohne den alten Charme, der die Serie in den Jahren zuvor so ausgezeichnet hatte, zu verlieren. Inwiefern den Entwicklern dies gelang, klären wir in unserem Review.

Zurück in die Zukunft

Die Alliierten stehen kurz davor den entscheidenden Sieg einzufahren und damit den Dritten Weltkrieg endgültig für sich zu entscheiden. Die Sowjetunion zählt indes ihre letzten Minuten, ob der westlichen Mächte, die dabei sind die das rote Zentrum zu stürmen. Im Augenblick der vernichtenden Niederlage greift Premierminister Tscherdenko - gespielt von Hollywoodstar Tim Curry - auf eine nie zuvor getestete Geheimwaffe zurück. Mit einer Zeitmaschine reist dieser zusammen mit dem verantwortlichen Professor und seinem obersten General Krukow in der Vergangenheit zurück und löscht kurzerhand den Physiker Einstein aus.

Damit gelingt es dem Führer der Roten Armee nicht nur die Geschichtsbücher umzuschreiben, sondern auch die Grundlage der Atombombe, welche den Alliierten den entscheidenden Vorteil im Krieg verschafft hatte, zunichte zu machen. Wieder in der Gegenwart zurück scheint sich vorerst das Blatt gewendet zu haben. Stolz verfolgen die Zeitreisenden wie die Alliierten nach Westen zurückgetrieben werden, wie die russische Streitmacht weiter vorrückt, die Weltherrschaft dicht vor Augen. Doch der Moment des Triumphs währt nicht lange; eine neue Macht in Form des Reiches der aufgehenden Sonne erhebt sich im Osten und zielt ebenfalls auf die Eroberung der Kontinente ab. Die Büchse der Pandora scheint endgültig geöffnet worden zu sein…

Kriegsspiele

Doch neben der Hintergrundgeschichte finden sich auch spielerisch allerhand Verbesserungen im Vergleich zu den vorherigen Teilen. So ist es nun möglich jede der knapp zehn Missionen pro Fraktion in einem kooperativen Modus anzugehen, wobei der Platz des Co-Commanders stets wahlweise von einem Freund oder dem Computer eingenommen werden muss.

Reine Solopartien gehören so nun der Vergangenheit an. Ob sich die Entwickler dadurch mehr Abwechslung und taktischen Tiefgang versprochen hatten, lässt sich nur vermuten; letzterer bleibt jedoch in sämtlichen Missionen aus, wofür es zwei Gründe gibt.

Zum einen ist die KI erneut entsetzlich schwach, agiert dumm und verschwendet Einheiten und Ressourcen - diese werden zwischen euch und dem Co-Commander geteilt - oftmals auf stupide Weise. So baut der Verbündete zum Beispiel am laufenden Band Flugeinheiten, die er in kleinen Gruppen wieder und wieder in genau das feindliche Gebiet, welches von FLAK-Türmen nur so übersät ist, schickt. Dadurch, dass ihr dem Co-Commander lediglich rudimentäre Befehle geben könnt, sind so mühevoll gesammelte Ressourcen schlichtweg dahin.

Der zweite Grund, warum Taktiker nicht ganz auf ihre Kosten kommen, liegt im Aufbau der Missionen. Ohne Zweifel, ist das Design der einzelnen Schlachtfelder durchaus hübsch anzusehen und abwechslungsreich gehalten, doch gibt es nur wenig strategisch wichtige Stellen auf der Karte, die einem Spieler einen entscheidenden Vorteil verschaffen.

Lücken in des Gegners Verteidigungsanlagen, bedeutende Erzvorkommen, verschiedene Lösungswege - all dies such man in Alarmstufe Rot 3 vergeblich. So bauen die meisten Missionen auf dem "Rush 'n' Play"-Prinzip, weshalb es oftmals ausreicht eine Basis zu errichten, Einheiten auszubilden und dann mit einer gewaltigen Übermacht den Abwehrriegel des Gegners zu durchbrechen. Wer ausgeklügelte Taktik erwartet, sollte daher auf kommende Titel aus dem Hause Blizzard warten, da diese auch über das nötige Balancing verfügen. Doch dazu später mehr.

Unterstrichen wird die obige Tatsache auch im Design der Einheiten, welche nun im Vergleich zum Vorgänger abgespeckter daherkommen. Im Klartext bedeutet dies, dass sämtliche Einheiten nun über genau eine Spezialfähigkeit verfügen; zur Erinnerung: In den vorherigen Teilen gab es Einheiten ohne Spezialfähigkeit und andere mit bis zu vier zusätzlichen Begabungen. Dadurch lassen sich Panzer, Infanterie und Marine de facto leichter steuern und gezielter einsetzen. Hinzu kommt die Einheitenerfahrung, die durch getötete Feinde und zerstörte Gebäude steigt, und den einzelnen Streitkräften Veteranen und Heldenstatus bescheinigen; die hierbei ergatterten Boni betreffen Schussgeschwindigkeit, angerichteter Schaden und Verteidigung.

Megazords und Planschereien

Abseits der story- sowie gameplaytechnischen Neuerungen hält mit dem Reich der aufgehenden Sonne erstmals eine weitere Partei neben den Sowjets und den Alliierten im Alarmstufe Rot-Universum Einzug. Spielerisch unterscheiden sich die drei Fraktionen dabei gewaltig. Während die Russen beispielsweise ihre Gebäude erst einmal mühsam in der Nähe des Bauhofes von den Grundmauern an aufbauen müssen, kaufen sich die Alliierten ihre Bauwerke einfach vorab und setzen sie kurzerhand an einen Standort ab. Die Asiaten hingegen nutzen bestimmte Formen von Sonden um Gebäude breiter gefächert aufzubauen und so die Nachteile einer zentral gelegenen Basis auszumerzen. Ohnehin wirkt das Reich der aufgehenden Sonne weitaus fortschrittlicher als die Pendants; mit riesigen Transformer ähnlichen Robotern, laserbewaffneten Rekruten und säbelschwingenden Ninjaverschnitten metzeln sie dabei die unentwickelten Gegenüber gerne einmal ebenso leise wie tödlich präzise nieder.

Dabei scheint seitens der Entwickler das Balancing etwas aus dem Fokus geraten zu sein, wodurch vor allen Dingen die Asiaten in manchen Missionen übermächtig wirken. Beispielsweise ist ein Riesenroboter erst durch mehrere Angriffswellen bestehend aus Infanterie und schweren Panzern auszuschalten; besonders im Multiplayer jedoch wiegt dieses Balancing-Problem schwer.

Als eine weitere Neuerung im spielerischen Bereich ist der starke Fokus auf die Marine zu nennen. Zwar wurden schon in vergangenen Teilen einige Schlachten auf hoher See gewonnen, in Alarmstufe Rot 3 jedoch verlagert sich das Spiel zu gleichen Verhältnissen auf Land und Wasser. Dementsprechend dürfen nun auch einige Gebäude wie zum Beispiel Raffinerien im Wasser errichtet werden, amphibische Einheiten halten Einzug und auch einige Infanteristen können kurze Zeit im Wasser voranschreiten. Spannende Seeschlachten mit tarnfähigen U-Booten, schwer bewaffneten Zerstörern, den oben angesprochenen amphibischen Fahrzeugen und Killerdelfinen hieven die Atmosphäre und den Spannungsgrad des Titels auf die nächsthöhere Stufe und bringen frischen Wind ins eingetrocknete Setting.

Zu viel vielleicht angesichts der Vermischung von altbekannten WWII-Aspekten und Zukunftsmusik in Form von Riesenrobotern, Laserkanonen und Magnetstrahlen aus dem Orbit.

Hochgenuss mit fahlem Beigeschmack

Wenn auch nicht in spielerischer Hinsicht, so wird doch zumindest in technischer Hinsicht schnell klar, wie viele Jahre Entwicklungszeit Alarmstufe Rot 3 wirklich auf dem Buckel hat. Die Engine wirkt daher etwas überholt, was anhand des Detailgrades der Einheiten, als auch an der Gestaltung des Geländes festgemacht werden kann. Besonders letzteres hätte dabei durchaus lebendiger und abwechslungsreicher daherkommen können. So verzichtete man beispielsweise komplett auf Zivilisten und räumte auch den Gebäuden nur wenig Details ein, wodurch die Welt etwas starr und öde wirkt, ob der zahlreichen verschiedenen Terrainarten.

Dem hingegen präsentieren sich die Grafikeffekte bei Explosionen und Angriffen hervorragend; die Blitze der Teslaspulen, die surrenden Schwerter der Shinobi, oder die Spezialfähigkeiten wirken einfach bombastisch und impulsiv. Vor allen Dingen jedoch die Darstellung des Wassers gefällt durch authentische Wellenbewegungen und ausgezeichneten Spiegelungen. Darüber hinaus wissen auch die Zwischensequenzen wieder einmal zu überzeugen; selbige sind dabei mit Hollywoodgrößen wie Tim Curry, George Takei, oder Jonathan Kimble Simmons besetzt und haben den traditionellen Hang zur Übertreibung.

Ebenfalls erstklassig präsentieren sich der Sound, die Synchronisation und die im Spiel enthaltenden Effekte; die Hintergrundmusik mit den rockigen Klängen trägt ebenso ihren Teil dazu bei. Wer überdies die Chance hat, den Titel in englischer Sprachausgabe anzuspielen, sollte dies nutzen, da die deutsche Synchronisation nicht ganz an das englischsprachige Pendant heranreicht.

Fazit

Mit Alarmstufe Rot 3 bleiben die Entwickler aus dem Hause EA ihrer Linie treu und spendieren Fans der Serie ein herrlich impulsives Spielerlebnis. Zwar wirkt die Story nicht besonders innovativ - die Zeitreise war ebenfalls im ersten Teil Thema - jedoch trösten die hervorragenden Zwischensequenzen, die mit zahlreichen Hollywoodgrößen und einer großen Portion Ironie aufwarten, über diesen Umstand zweifelsohne hinweg. Die Neuerungen, wie der stärkere Fokus auf Wassergefechte, die Möglichkeit Missionen im Coop-Modus zu bestreiten sowie die dritte Partei neben den Sowjets und den Alliierten bringen frischen Wind in das CnC-Universum ohne dabei etwas vom alten Charme zu nehmen.

Wehrmutstropfen finden sich indes auf der Seite der KI, die wiederum schwach agiert und dumm reagiert; schade auch, dass Abwechslung und taktischer Tiefgang nicht Hauptbestandteile der Missionsgestaltung darstellen, wodurch Profis durchaus schnell die verschiedenen Endsequenzen zu sehen bekommen. Ebenso hätte die Technik, insbesondere die Grafik, ob der herrlichen Wasserdarstellung, durchaus etwas besser ausfallen können. Nichtsdestotrotz ist der Titel in Sachen Atmosphäre und Spielspaß eindeutig eine Referenz und kann jedem, der sich nicht dem DRM-Kopierschutz verweigert, empfohlen werden.

Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3

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