Gesamtwertung92%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungGut |
Echtzeitstrategiespiele gibt es wie Sand am Meer. Echtzeitstrategiespiele mit dem zweiten Weltkrieg als Hintergrundstory sind auch nichts Neues. Wer reitet da noch auf der Welle mit und versucht Titeln wie Codename: Panzers den Genrethron streitig zu machen? Na Relic Entertainment! Die Macher von Warhammer 40.000: Dawn of War scheuen es nicht das schon mehrfach ausgelutschte Setting aufzugreifen und nach eigenen Vorstellungen zu perfektionieren. Ob der Versuch gelungen ist, zeigt unser Review.
Kennt man eigentlich schon
Ein Spiel im zweiten Weltkrieg ohne D-Day? Undenkbar! An diese Faustregel halten sich auch die Entwickler von Company of Heroes und schicken angehende Hobby-Kompanieführer gleich in der ersten Mission der, ausschließlich auf alliierter Seite bestreitbaren Kampagne in den frühen Morgenstunden des sechsten Juni 1944 an den tödlichen Normandie-Strandabschnitt Omaha Beach. Über 150.000 alliierte Soldaten landeten an diesem Tag an den Küsten von Nordfrankreich. Der Landungsoperation selbst zuvor gegangen war am Abend davor die Aussendung von hunderten Fallschirmtruppen, deren Aufgabe es war, wichtige Außenposten, Brücken und Verbindungsstraßen in der Normandie einzunehmen, um den Strand-Invasoren den Weg für weitere Operationen Richtung des landesinneren von Frankreich sowie ganz Mitteleuropa zu ebnen. Abgerundet durch einige Zwischensequenzen, deren Inhalt an dieser Stelle nicht preisgegeben wird, war das die Zusammenfassung der ersten Spielstunden von Company of Heroes.
Im Spielverlauf der Kampagne verschlägt es euch dann auch weiter ins Herz Europas wo man hin- und wieder auch Nachteinsätze absolvieren muss. Die Struktur sowie die Missionsziele der einzelnen Einsätze snd meist abwechslungsreich und werden vor dem Start der Mission in einem Briefing und anhand einer Übersichtskarte erklärt. Die kann man später im Missionsverlauf übrigens jederzeit aufrufen um einen detaillierten Überblick über das komplette Schlachtfeld samt der aktuellen Einsatzziele zu erhalten. Oft haben die Missionen auch sekundäre Bonus-Missionsziele, für deren Abarbeitung man nach Missionsabschluss beispielsweise eine Medaille verliehen bekommt.
Sektor für Sektor
Jede Karte in Company of Heroes, und dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Kampagnenmission, eine Skirmish- oder eine Multiplayerpartie handelt, ist in mehrere Sektoren unterteilt. Im Zentrum eines jeden Sektors befindet sich entweder ein einfacher Flaggenpunkt, sprich einen Standard-Sektor, oder ein Nachschubpunkt in Form eines Munitions- oder Treibstoffsektors. Diese zwei Rohstoffe werden neben der dritten im Spiel vorkommenden Ressource, der Truppenstärke, benötigt, um einerseits Soldaten, Geschütze oder Kampf-Vehikel wie Panzer herzustellen, oder um Spezialfähigkeiten und Verstärkungstruppen nutzen zu können.
Hat man einen Munitions- oder Treibstoffsektor erobert, so liefert dieser konstant den wertvollen Rohstoff ins Hauptquartier – allerdings nur, wenn der eroberte Sektor auch unmittelbar neben dem Hauptquartiers-Sektor, bzw. an einem anderen Sektor der an diesen grenzt anliegt. Deshalb muss man immer aufpassen, dass ein Sektor nicht von den anderen abgegrenzt ist. Um in der Kampagne Verstärkung zu rufen oder im Skirmish-, bzw. Multiplayermodus Zugriff auf Spezialfähigkeiten zu erhalten braucht man so genannte Kommandopunkte. Das System funktioniert wie das des Genrekollegen Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde 1 & 2. Kommandopunkte erhält man durch das vernichten feindlicher Einheiten und Gebäude. Mit jeder Auslöschung einer feindlichen Truppe füllt sich ein kreisrunder Anzeigebalken unten links im Bildschirm um ein kleines Stückchen auf. Ist der Kreis voll, erhält man einen Kommandopunkt. Sobald man genug Kommandopunkte gesammelt hat, - jede halbwegs brauchbare Spezialfähigkeit und Verstärkungsanforderung benötigt nämlich meistens mehr als einen Punkt -, so kann man seine erspielten Punkte investieren und damit etwa ein Flächenbombardement oder einen rasch anrollenden Tiger-Panzer anfordern.
Infanterie-Fokus
Ein besonderes Augenmerk wurde bei der Entwicklung von Company of Heroes auf die Infanterieeinheiten gesetzt. So nehmen die Fußtruppen automatisch eine optimale Deckungsposition ein und stellen sich nicht etwa direkt ins Schussfeld eines feindlichen MGs, wenn wir sie als Kommandant beispielsweise hinter eine Mauer beordern. Außerdem verfügt jede der fünf zur Verfügung stehenden Soldatenarten, von der Standard-Airbornekompanie über den Scharfschützen bis hin zum Mörserteam über eine eigene Spezialfähigkeit. So können die Kollegen von der Airborne feindliche Gegneransammlungen, MG-Nester oder Bunker bequem per Granatenwurf außer Gefecht setzen, der Scharfschütze kann sich tarnen und ist so von Feinden nicht auszumachen (bis er einen Schuss abgibt) und die Mörsereinheiten können dank Rauchgeschossen einen bestimmten Bereich auf der Karte temporär vernebeln. Die praktischste Einheit im Spiel ist aber der Ingenieur. Dieser kann nicht nur Fahrzeuge und Gebäude reparieren, sondern ist auch für das Errichten von Verteidigungsanlagen zuständig. Darüber hinaus ist er es, der in Skirmish- oder Multiplayerpartien die einzelnen Gebäude des Hauptquartiers aus dem Boden stampft. Aber zurück zu den Verteidigungsanlagen: hierzu zählen das Auslegen von Minen, das Errichten von Stacheldrahtzäunen und Sandsackbarrieren sowie Beton-Panzerblockaden und das platzieren von MG-Bunkern und Beobachtungsposten.
Call of Duty von oben
Einen Großteil seiner Atmosphäre bezieht Company of Heroes von seiner prächtigen Grafik- und Soundkulisse sowie der Präsentation. Zu verdanken hat das Spiel seine optische Potenz der eigens von Relic entwickelten Essence Engine, die außer mit messerscharfen Texturen und detaillierten Umgebungen auch dank der eingebauten Havoc Physik-Engine immer wieder kinoreif inszenierte Momente auf den heimischen Bildschirm zaubert – da fallen Gebäude effektvoll zusammen, Panzer und andere Vehikel werden bei Beschuss Stück für Stück in ihre Einzelteile zerlegt und gegnerische Soldaten fliegen bei nahe gelegenen Explosionen meterweit durch die Luft und interagieren sowohl im Flug als auch wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen mit allen anderen im Level platzierten Objekten. Beim Einschlagen von Granaten oder Bomben auf der Erdoberfläche werden sogar echte Krater-Vertiefungen in die Landschaft gebombt. Dass diese visuell und rechentechnisch aufwändigen Finessen ihr Tribut in Form von einer Menge Megaherz und Grafikpower fordern wird dabei wohl jedem klar sein. Unter einem 2 GHz-Rechner mit einer GeForce-Karte der 6600er GT-Serie kann man die effektvolle Schlachtatmosphäre nur mit stark heruntergeschraubten Shader- und Texturdetails erleben. Besitzer von High-End-Maschinen hingegen dürfen sogar Edel-Effekte wie die frameratefressenden Schatten einschalten.
Was den Spielern in der Einzelspielerkampagne verwehrt bleibt, können sie im Multiplayermodus von Company of Heroes nachholen – das Spielen auf der Seite der Achsenmächte. Mangels deutscher Kampagne gibt es keine andere Möglichkeit als den Skirmish- oder Multiplayermodus, um für kurze Zeit die Seiten zu wechseln und in dir Rolle der deutschen Wehrmacht zu schlüpfen. Im LAN oder Internet können bis zu acht Spieler auf insgesamt 15 mitgelieferten Karten mit oder gegeneinander antreten. Dabei kann man zwei simple Siegesmöglichkeiten wählen: entweder die Vernichtung aller relevanten gegnerischen Gebäude und Truppen oder den Sieg nach Victory Points. Bei letzterem erhält jedes Team am Anfang der Partie eine bestimmte, von Host ausgesuchte Menge an so genannten Victory Points. Auf der Karte sind dabei mehrere Flaggenpunkte verteilt und ähnlich wie beim Ticket-System der Battlefield-Spiele sinkt die Anzahl der eigenen Victory Points je nach dem schneller oder langsamer, wie viele Flaggenpunkte vom Gegner oder den eigenen Truppen besetzt sind. Hat der Feind mehr als die Hälfte unter seiner Kontrolle, so bewegt sich die eigene Points-Anzahl schneller in Richtung null als die des Gegners. Sind die Points eines Teams letztendlich komplett aufgebraucht, ist das Match für dieses verloren.