Company of Heroes: Opposing Fronts

Review
Plattform
PC
Vertrieb
THQ
Entwickler
Relic
Erscheinungsdatum
-
Genre
Strategie
USK
16
Company of Heroes: Opposing Fronts [PC , looki.de]

Gesamtwertung

79%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Company of Heroes: Opposing Fronts

Für die einen wurde der zweite Weltkrieg schon 1945 beendet, PC-Spieler allerdings kehren Jahr für Jahr, wenn nicht sogar Monat für Monat mit Hilfe von Weltkriegs-Spielen verschiedener Genres wieder auf die Schlachtfelder des vergangenen Jahrhunderts zurück. Der neueste Kriegsspielnachschub kommt von Relic Entertainment in Form des ersten Addons für ihr bekanntes und erfolgreiches Echtzeitstaktik-Spiel Company of Heroes. Unser Review verrät, ob sich der Kauf der Erweiterung lohnt.

Geschichtsstunde

Storytechnisch ist Opposing Fronts in der zweiten Hälfte des zweiten Weltkriegs angesiedelt und verfügt über zwei brandneue Kampagnen, eine auf britischer Seite und die andere auf Seite der deutschen Wehrmacht. Damit erweitert das Addon die Originalbesetzung von Company of Heroes, die ausschließlich aus der US-Armee und der deutschen Wehrmacht bestand. Die Wehrmacht gab es zwar auch schon im Hauptprogramm, doch anstatt der regulären Wehrmacht übernehmt ihr im Addon die Rolle der sogenannten Panzer Elite, einer Spezialdivision der Wehrmachts-Armee. Beide neuen Fraktionen haben eigenständige und voneinander unabhängige Kampagnen die insgesamt acht (Panzer Elite) und neun Missionen andauern (Britische Armee). Die britische Kampagne beginnt, wie sollte es anders sein, mit der allierten Invasion am D-Day und arbeitet sich Schritt für Schritt bis zur Befreiung der französischen Stadt Caen vor.

Die Kampagne der Panzer Elite behandelt die Operation Market Garden, eine große Luft-Boden-Operation der allierten Streitkräfte im Herbst 1944. Diese gilt es aus der Sicht der Panzer Elite selbstverständlich zu verhindern, bzw. so gut wie möglich zu bekämpfen. In beide Kampagnen sind von den Entwicklern Handlungsstränge eingebaut worden, die die Handlung durch Ingame-Zwischensequenzen vorantreiben.

Spielerisch unterscheiden sich beide Fraktionen diametral. Gemeinsam haben sie lediglich den im Vergleich zum Hauptprogramm gestiegenen Schwierigkeitsgrad, der Opposing Fronts eindeutig nur für Spieler empfehlenswert macht, die bereits Erfahrungen mit der Originalversion des Spiels gemacht haben. Die britischen Streitkräfte sind klar defensiv ausgelegt und machen deshalb vor allem von ihren starken Verteidigungsgeschützen, Bunkern und mobilen Hauptgebäuden gebrauch.

Anders als gewohnt sind bei den Briten nämlich sowohl das Hauptquartier als auch weitere wichtige Gebäude wie etwa die Fahrzeugfabrik zu mobilen Vehikeln umgestaltet worden, die es dem Spieler ermöglichen quasi seine komplette Basis stetig in Bewegung zu halten um so nach und nach Sektoren oder andere strategisch wichtige Punkte zu erobern. Das Grundspielprinzip wurde übrigens erhalten – nach wie vor ist die Spielkarte in mehrere Sektoren unterteilt, die es zu erobern gilt.

Hart wie Kruppstahl

Das nahezu perfekte Gegenteil der Briten ist die deutsche Panzer Elite. Sie ist zwar ebenfalls aus agilen Einheiten zusammengesetzt, verfügt aber bei weitem nicht über ein dermaßen breites Defensiv-Spektrum und spielt sich deshalb viel aggressiver. Die Panzer Elite-Einheiten eignen sich am besten für Überraschungsangriffe und sogenannte Rushes.

Wer bei dem Namen Panzer-Elite jedoch an große und übermächtige Metallmonster denkt, mit denen man feindliche Stellungen kinderleicht überrennen kann, der irrt. Die Panzer Elite setzt sich hauptsächlich aus kleineren Kettenfahrzeugen zusammen, die oft auch mit Infanterie-Soldaten bemannt werden können um so die Feuerkraft der Vehikel zu erhöhen. Wegen des relativ großen Einheitenverschleises bei Frontalangriffen verfügt die Panzer Elite auch über Reparatureinheiten, die beschädigte Fahrzeuge in Windeseile wieder in Stand setzen können. Beide Fraktionen haben im Spielverlauf, und das sowohl im Einzelspieler-Modus, Skirmish-Matches als auch in Multiplayer-Partien die Möglichkeit, sich auf eine von drei sogenannten Doktrinen zu spezialisieren. Diese bringen nach der Auswahl starke oder strategisch wichtige Spezialattacken wie etwa Artellerieschläge, Truppennachschub oder die Vermienung einer bestimmten Fläche mit sich.

Stellenweise etwas zu wünschen übrig lässt die Spielbalance mancher Einheiten. So sind britischen Scharfschützen alles andere als punktgenau und präzise, die deutschen Grenadiere dafür aber umso mehr – ein unangenehmes Realitätsmanko.

Immens verbessert hat sich im Vergleich zu Company of Heroes jedoch die Wegfindung der KI-gesteuerten Einheiten, wofür sich Relic trotz hin- und wieder auftretender Wegfindungs-Blackouts ein großes Lob verdient. Da Opposing Fronts ein Standalone-Addon ist, kann es nach dem Kauf auch ohne das Hauptprogramm installiert und gespielt werden.

Besitzer des Originals sind allerdings klar im Vorteil, da sie nicht nur auf die zwei neuen Fraktionen beschränkt sind, sondern auch weiterhin auf Seiten der US-Armee oder regulären Wehrmacht spielen können – sowohl Seite an Seite mit, als auch gegen die Panzer Elite oder Britische Armee. Ärgerlich ist die vom Addon vorausgestzte Online-Aktivierung – diese steht selbst dann an, wenn man nur den Einzelspielermodus spielen will. Wer den Multiplayer-Modus in Angriff nehmen will, der muss sich auf zahlreiche eingeschlichene Patzer vorbereiten – oft wir man mit unbequemen Lags oder Abstürzen während eines laufenden MP-Spiels konfrontiert.

Es ist daher empfehlenswert den bereits Patch auf Version 2.101 zu installieren, da dieser einige der schlimmsten Probleme entweder behebt oder wenigstens teilweise mildert. Ebenfalls traurig: der von den Entwicklern im Vorfeld zugesicherte Beobachter-Modus hat es ebenso wie die arrangierten Team-Matches nicht ins fertige Spiel geschafft. Insgesamt wurde der Multiplayermodus nur um einige neue Karten bereichert.

Fazit

Offen gesagt habe ich mir mehr vom Company of Heroes Addon versprochen. Klar, das Missionsdesign ist nach wie vor bombastisch inszeniert und die Aufträge machen mit ihren zahlreichen Haupt- und Nebenzielen sowie spannend erzählten Geschichten wie auch schon im Hauptprogramm Laune. Wieso man aber den Multiplayermodus dermaßen vernachlässigt, ich will nicht sagen verpfuscht hat, ist mir wirklich schleierhaft. Und versprochene Features nicht ins fertige Spiel zu integrieren gehört sich ebenso wenig wie eine zwanghafte Online-Aktivierung zu verlangen. Trotz all dieser Kontrapunkte verdienen die Entwickler andererseits aber auch Lob – die verbesserte Wegfindungs-KI schont die Nerven der Spieler und die zwei neuen Fraktionen spielen sich trotz klarem Innovationsdefizit und kleinen Balanceproblemen sehr unterschiedlich und fordernd. Wer denkt, mit Company of Heroes schon genug Erfahrung gesammelt zu haben, um dieses knackig schwere Addon zu meistern, der sollte zugreifen – und sofort nach der Installation und Online-Aktivierung den neuesten Patch herunterladen.

Company of Heroes: Opposing Fronts [PC , looki.de]

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