Conflict: Denied Ops

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Eidos
Entwickler
Pivotal Games
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
18
Conflict: Denied Ops [PC , looki.de]

Gesamtwertung

70%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Conflict: Denied Ops

Was wäre die große Kinoleinwand ohne die ganzen Buddy-Movies? Wir wissen es nicht, aber Actionfilme ohne Will Smith und Martin Lawrence oder Chris Tucker und Jackie Chan wären wohl im wahrsten Sinne des Wortes einsame Kost. Auch die Spieleindustrie bekommt zunehmend Lust auf zynische Wortwechsel und Missionen jenseits des Ein-Mann-Armee-Prinzips. Nach dem etwas enttäuschenden Kane & Lynch: Dead Men versucht Eidos mit dem neuesten Streich, Conflict: Denied Ops, wieder Land zu gewinnen. Ob's was gebracht hat, erfahrt Ihr natürlich in unserem Review.

Rambo Reloaded...

Graves und Lang sind zwei echte Bastarde: Mit Muckis wie aus geöltem Stahl sind sie die Spitzenreiter in ihrem Job und haben nebenbei immer einen passenden Spruch auf den Lippen. Und weil die Beiden nicht gerade das Paradebeispiel für einen disziplinierten Soldaten darstellen, sind sie so geheim, dass wohl nicht einmal der Allmächtige jemals etwas von ihnen gehört hat. Kein Wunder, gehören sie doch zur Geheimsten der geheimen Unterabteilungen der Central Intelligence Agency, oder kurz: CIA.

Mit der ausdrücklichen Lizenz zum Töten und den dicksten Ballermännern geht es für sie an die Orte, die wohl kein anderer Agent gerne auf seinem Urlaubsplan stehen hat. Und so dauert es auch nicht lange, bis wir uns mit zwielichtigen Gestalten, gefährlichen Atombombenkoffern und machthungrigen Militärkaspermännern konfrontiert sehen.

Okay okay, Ihr merkt schon, die Story würde sich in gut 90% aller B-Movies des Action-Genres von Dudikoff über Lundgren bis Stallone zu Van Damme mindestens genauso wohl fühlen. Viel wichtiger ist uns da schon das Gameplay: Wie unschwer zu erraten ist, steuern wir beide inoffiziell agierenden Agenten in hinlänglich bekannter Third-Person-Perspektive durch die unterschiedlichsten Szenarien. Wessen Kontrolle wir dabei per Knopfdruck übernehmen, ist eigentlich schnuppe.

Lang ist der Mann fürs Grobe: Ein schwarzhäutiger Adonis-Verschnitt, der mit einem großkalibrigen Maschinengewehr, einer Pistole und einem Raktenwerfer seine Feinde bevorzugt gut gegrillt auf die virtuellen Bretter schickt. Anders sieht die Sache da schon bei Graves aus: Der geht mit einer Kombination aus Scharfschützengewehr und Schrotflinte auf Terroristenjagd und agiert eher im Hintergrund.

Nur selten verlangt das Programm speziell nach Agent Graves, der beispielsweise Bomben entschärft oder verschlossene Türen wie MacGyver in seinen besten Tagen mittels Sprengsatz aus dem Weg räumt. Eure Reise führt Euch rund um den wunderschönen, aber fiktiven Globus. Fiktiv deshalb, da Ihr keinerlei offizielle Anhaltspunkte bekommt, wohin es denn geht.

Stattdessen werden ausstehende Missionen auf dem Erdball angezeigt, deren Absolvierung zumindest anfangs noch in keiner festgelegten Reihenfolge abläuft – später verläuft das Ganze hingegen nach bekannt linearem Strickmuster. Egal ob mysteriöse U-Bootwerften in der arktischen Arschkälte, hitzige Schussgefechte in und am Rande einer Sägefabrik oder erbitterte Kämpfe in scheinbar nur von Terroristen bevölkerten Innenstädten: Eins haben die wenig Freiraum lassenden Missionen gemeinsam – sie bieten erstaunlich viel Platz für eine überbordende Anzahl an roten Fässern, Gasflaschen und Benzintanks.

Schon etwas unrealistisch, da stellen sich die fiesen Schergen die explosiven Behälter gleich dutzendfach vor die eigene Nase? Egal, den Action-Fan wird es sicherlich freuen und auch Grafikpuristen sind angesichts mangelnder optischer Highlights dankbar für jede kleine oder große Detonation – doch dazu später mehr.

Cool ist die Idee der Entwickler, dass nach jedem erfolgreich absolviertem Auftrag Upgrades für die beiden Brutalos winken. Wer jedoch jetzt an langweiliges Punkte sammeln wie in ÜberSoldier 2 denkt, ist auf dem sprichwörtlichen Holzweg. Ein erweitertes MG-Magazin hier, ein Shotgun-Aufsatz da – oder wie wäre es mit einem unterhalb des Maschinengewehrs montiertem Granatwerfer oder Haftminen? Die fiesen Brandgranaten und eine Vollautomatisierung der Schrotflinte müssen wir natürlich auch noch erwähnen. Unter uns gesagt, sind die Upgrades zuweilen zwar echter Quatsch, aber immerhin motivieren diese stets zum munteren Weiterspielen, da man gespannt ist, welches Goodies als Nächstes auf unsere Recken wartet.

Anders sieht es da schon bei den Missionen an sich aus: Keiner erwartet ernsthaft eine Revolution, doch wieso wird auch in Conflict: Denied Ops genau das heruntergespult, was Shooter-Fans erstens bereits seit Jahren und zweitens zum Teil auch schon besser hinter sich gebracht haben?

Wichtig zu erwähnen, dass die vor allem anfangs bis zum Mittelteil einen Tick zu einfachen Aufträge hier und da gar kleine Highlights zu bieten haben – neben dem fordernden Kampf gegen einen fixen Jet fällt uns noch der Trip mit einem Hovercraft ein. Letzterer leidet aber genauso wie der ebenfalls steuerbare Panzer am Anfang der Kampagne unter einem grauenvollen Maus-Handling, dass man so seit der PC-Konvertierung von Halo eigentlich nie wieder vorgesetzt haben wollte. Das hat man scheinbar gemerkt und jegliche Form von steuerbaren Vehikeln ab der Halbzeit einfach weggelassen – vielleicht auch besser so!

Dumm wie geschnitten Brot...

Ein anderes Problem und ganz und gar kein so unbekanntes ist die künstliche Intelligenz der Widersacher. Abgesehen davon, dass sie durchaus in Deckung gehen, den Rückzug antreten und neugierig um Ecken schauen, verhalten sie sich in etwa so dämlich wie die Bösewichte bei Kane & Lynch.

Das leidige Problem der Intelligenz jaja – manchmal rennen uns die Gegner direkt vor die Nase, bevorzugt postieren sie sich aber eigentlich hinter oder neben explosiven Fässern. Dass die tödlich sind, weiß sogar der dämlichste Terrorist. In Denied Ops wird dieser schwerwiegende, gar saublöde Fehler in jeder Mission ein ums andere Mal begangen, so als ob die bösen Buben uns förmlich anflehen, sie ins Nirvana zu schicken, weil der Lohn des Bosses wohl zu gering ist. Solche KI-Schweinereien führen vor allem in den ersten Missionen dazu, dass man mehr oder minder durch die Aufträge rennt und sich nach einer gewissen Zeit wundert, wieviel man doch schon geschafft hat.

Gegen Ende erwarten den Zocker jedoch gefährlichere, weil besser ausgestattete Soldaten, weitaus komplexere Areale...und die Tücken des Spieldesigns. Irgendwie konnten wir in den letzten vier Missionen keinen Gebrauch von der einstmals belächelten Option des freien Speicherns machen. Ein Bug (?) entließ das Spiel in die Endlosschleife und wir mussten Gebrauch von den drei Tasten machen, die ein Windows-User am Meisten hasst.

Also nochmal zurück ins Spiel und die Mission neugestartet! Wir setzten nach einem weiteren Speicherversuch das Prädikat „Bringt nun nix mehr!“ mit einem fetten Stempel auf die Save-Button an und schworen fortan auf das glücklicherweise nicht allzu unfaire Checkpoint-System. Verloren ist eine Mission übrigens dann, wenn einer oder gar beide Agenten im gegnerischen Schussgewitter zu Boden gehen.

Werdet Ihr niedergestreckt, schlüpft in die Rolle des jeweils anderen Charakters und habt ganze vier Minuten Zeit, den Todgeweihten mittels Injektion zu heilen. Spritzen stehen Euch übrigens unbegrenzt zur Verfügung. Nicht unbegrenzt, sondern verhältnismäßig knapp bemessen ist der Umfang des Spiels. Nach ungefähr sieben Stunden dürften geübte Shooter-Fans die Kampagne von Conflict: Denied Ops abgeschlossen haben – das liegt gerade einmal knapp über den Umfang, den ein Addon eigentlich haben sollte. Und genau hier kommt der eigentlich wesentlich wichtigere Mehrspielermodus ins Spiel. Der Clou: Wie in Kane & Lynch: Dead Men, so dürft Ihr auch hier mit einem Kumpel die gesamte Kampagne bestreiten!

Ein einigermaßen intelligent agierender Mitspieler merzt somit die etwas schwächelnde Buddy-KI des Singleplayermodus aus. Großartige Taktiken benötigt Ihr aber dennoch nicht. Eine well-skilled Zwei-Mann-Armee rennt auch durch die dicksten Gegnerbreschen ohne große Probleme – ein Fest ist der gelungene Koop-Modus, den Ihr sowohl online als auch per LAN-Verbindung bestreiten dürft, aber allemal. Abseits der kooperativen Option fanden zudem noch ein Deathmatch-, Team-Deathmatch- sowie Eroberungsmodus ihren Weg ins Spiel. Schade jedoch, dass es keinen gescheiten Ingame-Browser gibt, auf dem Ihr auswählen dürft, in welchen Server Ihr eintreten wollt. So verkommt die „Schnelle Suche“ auch durch die bisher recht geringe Anzahl an Matches zum hoffnungslosen Unterfangen.

Unerwartet durchschnittlich ist die Optik des Titels: Enttäuschende Texturen wo man nur hinsieht, erschreckend detailarme Charaktere – die kommen vor allem in den meistens öden Ingame-Cutscenes so richtig „zur Geltung“ - und eine bisher in keinem Verhältnis zum Gebotenen sich befindende Performance zerren mächtig am Eindruck.

Der Testrechner bestand aus einem Intel Core 2 Duo E6700, satten 4 Gigabyte DDR2 667-RAM und die DX9-Highend-Karte ATi Radeon X1950XTX mit 512 Megabyte Videospeicher. Dennoch bricht die Framerate in Conflict: Denied Ops bei größeren Arealen immer mal wieder zusammen – hier muss ein Patch her! Immerhin können die tollen Explosionen das kritische Gesicht des Grafikpuristen immer wieder zu einem Schmunzler bewegen. Vielleicht stehen deshalb soviele explosive Behälter in den Szenerien, wer weiß. Auch akustisch bewegt sich das Spiel im Mittelmaß. Während die Waffen-Effekte und die deutsche Synchronisation gezwungenermaßen zur Stummschaltung verleiten, offenbart sich ein Großteil der Soundeffekte sowie die gelungenen Hintergrundmelodien als Retter in der Not.

Fazit

Fast könnte ich mein Fazit von Kane & Lynch: Dead Men auch bei Conflict: Denied Ops anwenden und hätte somit weniger Schreibstress: Eine eher maue künstliche Intelligenz, ein etwas knapp bemessener Umfang und eine schwache technische Seite sind auch hier zu kritisieren. Dennoch geht das Buddy-Konzept im Gegensatz zu den psychisch labilen Killern hier voll auf - schon alleine deshalb, weil zumindest die Schussgefechte an sich stimmen und mit wuchtigen Explosionen am laufenden Band die richtige Note bekamen. Der Koop-Modus rettet den Titel letztendlich vor dem gut belegten Shooter-Durchschnitt, auch wenn längst nicht alle Missionen wirklich spannend sind - nun hoffe ich nach dieser kleinen Enttäuschung, mit weiteren Vertretern wie Left 4 Dead und Army of Two endlich sowohl optisch als auch spielerisch stimmige Koop-Kost serviert zu bekommen.

Conflict: Denied Ops [PC , looki.de]

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