Gesamtwertung76%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Vor gut einem Jahr erschien das PC-Spiel Conflict Desert Storm, das an die gleichnamige Operation der Amerikaner im ersten Golfkrieg angelehnt war. Nachdem nun in diesem Jahr der Irakkrieg eine Fortsetzung erfahren hat, lag es nahe auch den durchaus erfolgreichen Shooter neu aufzugießen. Dies dachte sich auch das Entwicklerstudio Pivotal Games und heraus kam Conflict Desert Storm 2, das den Spieler erneut in den ersten Golfkrieg versetzt. Wie das Endergebnis aussieht, verraten wir euch in dieser Review.
Heißer Wüstenstaub...
Viele von uns dürften sich noch an die Bilder des ersten Golfkriegs erinnern, die gerade in den letzten Monaten parallel zur Berichterstattung zum zweiten Golfkrieg wieder aufgewärmt wurden. Die Schlachten in der Wüste, die ausgebrannten Panzer, die Bomben auf Bagdad und die schwarzen Rauchsäulen, die aus den brennenden Ölraffinerien gen Himmel aufstiegen. In diesen Krieg steigt Ihr nun ein weiteres Mal ein und steuert dabei eine vierköpfige Spezialeinheit.
Die Aufgabe dieser Einheit ist es, den Weg für die nachrückenden Infanteristen und die Luftwaffe zu ebnen. Dabei agieren die Spezialisten weit hinter feindlichen Linien, streng geheim und sind, falls ihre Mission scheitern sollte, bereit für ihr Vaterland zu sterben.
Zu Beginn des Spiels entscheidet man sich wahlweise für Soldaten der britischen SAS oder der amerikanischen Delta Forces, wobei sich weder Waffen noch Fähigkeiten unterscheiden. Selbst die Namen der Soldaten bleiben dieselben und lediglich anhand der Uniform kann man individuelle Merkmale ausmachen. Nachdem man sich für eine Seite entschieden hat, kann das Spiel beginnen. Zehn Missionen und zusätzlich vier Einsätze, die als Tutorial dienen, gilt es zu erfüllen. Diese sind insgesamt enorm abwechslungsreich und realitätsnah umgesetzt worden. In einer Mission muss man beispielsweise ein Chemiewaffenprogramm der Iraker aufspüren und die mit dem Nervengas Sorin gefüllten Sprengsätze entschärfen. Anschließend wartet ein Apache-Kampfhubschrauber darauf, die Soldaten aus der gefährlichen Lage zu evakuieren. Ein anderer Auftrag lautet, die mächtigen Luftabwehrkanonen der Iraker zu sabotieren und die mobilen Abschussrampen zu sprengen.
Darüber hinaus gibt es aber auch noch Einsätze, die vom Pentagon garantiert so nicht geplant waren. Da kann es beispielsweise schnell passieren, dass das vierköpfige Team in einen Hinterhalt gerät und sich in einen Bunker zurückziehen muss, auf den aus allen vier Himmelsrichtungen feindliche Soldaten und Schützenpanzer marschieren. Ein weit gefasstes Spektrum also, das ein abwechselungsreiches Gerüst aus Story und Kriegsverlauf bildet. Nach erfolgreicher Ausführung einer Mission wird man zudem mit einer wirklich sehenswerten Zwischensequenz belohnt.
Im Spiel selbst ist vor allem bemerkenswert, dass man via Tastendruck schnell zwischen den vier Protagonisten wählen kann. Das bedeutet, man hat in jeder Mission Kontrolle über alle vier Soldaten und kann deren Aktionen aufeinander abstimmen. Der Eine ist zum Beispiel besonders ruhig im Umgang mit dem Scharfschützengewehr, ein Anderer erweist sich als guter Sanitäter. Die Fähigkeiten werden ähnlich wie in einem Rollenspiel nach einer Mission verbessert, was aber leider keine wirklich bemerkbaren Auswirkungen auf das Verhalten der Schützlinge hat. Als Perspektive lässt sich zwischen Ego- und Third-Person-Sicht umschalten, wobei die Ego-Perspektive vor allem beim Schießen unabdingbar ist, da der Spieler hier seine Feinde direkt anvisieren kann. Damit das Hauptaugenmerk auf der Action liegt, wurde auf komplexe Taktikbefehle weitgehend verzichtet. Folglich gibt es nur einige wenige Hotkeys, mit deren Hilfe der Spieler seine Kameraden direkt Befehle erteilen kann. Das beinhaltet Manöver wie auf den Boden legen, in die Hocke gehen oder auf alle Ziele schießen, die ins Sichtfeld kommen.
Die drei Soldaten, die nicht an der Reihe sind, positionieren sich hinter dem aktiven Spieler, sofern man sie nicht beauftragt hat, Halt zu machen. Demnach sieht man, wenn man sich während des Marschierens umschaut, die Kameraden, wie sie ungleichmäßig hinterherlaufen. Besser wäre es gewesen, wenn sie ab und an auch einmal zur Seite schauen würden, anstatt blind dem Vordermann zu vertrauen. Getreu dem Motto 'Im Kino und Krieg sind die besten Plätze hinten', verhalten sich diese dann auch bei einem Feindkontakt und lassen einige Sekunden verstreichen bevor sie reagieren und realisieren, von wo aus die Gefahr droht. Erst nachdem sie getroffen wurden, erwidern sie das Feuer, was insgesamt nicht nur sehr nervig ist, sondern auch so manchen Schlachtplan vollkommen zunichte macht.
Ein weiteres Beispiel für die nicht sonderlich ausgeprägte Künstliche Intelligenz der Teamkameraden sieht wie folgt aus: Läuft man in eine Ecke, dann wird oftmals der Rückweg durch die eigenen Kameraden, die sich stupide hinter dem ersten Mann aufgebaut haben, versperrt. Anstatt einfach zur Seite zu gehen, muss man erst in die Haut der anderen springen, um wieder aus dieser 'Falle' zu gelangen. Solche Kleinigkeiten, die der geneigte Spieler als störend empfinden wird, sind fast durchweg anzutreffen. So gestaltet sich beispielsweise auch die Betätigung der Schalter in den Missionen als sehr nervig. Der jeweilige Soldat muss sich nämlich ganz genau vor dem Hebel aufbauen ehe dieser gedrückt werden kann. Auch die Anzeige, welche Aktion ausgeführt werden kann bei Türen ist es öffnen, bei Fahrzeugen reparieren ist unübersichtlich, da lieblos am unteren rechten Rand angebracht. Dafür sind trotzdem die Missionen an sich nicht nur realitätsnah inszeniert, sondern auch dynamisch gestaltet, da sich oftmals im Laufe des Szenarios neue Ziele ergeben.
Das sorgt für eine spannende Atmosphäre. Eine Aufgabe gibt es allerdings durchweg zu erfüllen: keiner unserer Soldaten darf sterben. Die Grafik macht einen soliden, ausgereiften Eindruck. Zwar sollen nicht die gelegentlich auftauchenden Clipping-Fehler verschwiegen werden, doch sind solche Fahrlässigkeiten eher die Ausnahme. Viele Details, speziell in den Gebäuden, sehr real wirkende Personen, seien es die eigenen Männer oder die Iraker, und ein reichhaltiges Arsenal an originalgetreuen Waffen aus dem ersten Golfkrieg vermitteln eine dichte Atmosphäre.
Im Gegensatz zum Vorgänger wurde das alles verbessert, die Grundlage, die mit Conflict Desert Storm gelegt worden ist, wurde daher übernommen und durch sinnvolle Neuerungen ergänzt. Der Sound stimmt ebenfalls, die Geräusche der Waffen klingen gut und die Synchronisation ist gelungen. Die Steuerung war entgegen der Befürchtungen auch stimmig, wohl auch aufgrund der doch angenehm überschaubaren Anzahl an verschiedenen Befehlen und Kommandos. Hier hilft ebenfalls das Tutorial, das zwar zäh ist, aber seinen Sinn, die Bedienung zu erklären, nicht verfehlt.
In der deutschen Version färbt sich zwar die Kleidung der verwundeten Soldaten rot, doch ansonsten gibt es keinerlei Blut- oder Splattereffekte. Nach einer Weile verschwinden die gefallenen Soldaten übrigens vom Spielfeld, so dass der Spieler nur wenige Augenblicke ihre Leichen sehen muss. Unschön an der Grafik ist, dass Kugeln, die in die Wände einschlagen, keinen Schaden verursachen und daher auch keine Abdrücke und Schneisen in den Texturen zu sehen sind. Ganz oben auf der schwarzen Liste steht die Speicherfunktion.
Wer hat sich bloß ausgemalt, dass das Spiel spannender wird, wenn man dem Spieler nur zwei Speichermöglichkeiten pro Mission zugesteht? Fataler Irrglaube, denn das nervt und artet nicht selten in Frust aus, da man schlecht abschätzen kann, wie umfangreich das Level ist. Daher speichert man unter Umständen zu früh, verbrät seine Speicherplätze und kommt schnell auf den Verdacht, dass man so durch diese Maßnahme die Spielzeit, die auf Schwierigkeitsstufe Mittel bei rund acht Stunden liegt, künstlich in die Höhe treiben wollte. Abschließend sei noch die Physik erwähnt, welche die Aktionen der zu Boden gehenden Soldaten sehr theatralisch aussehen lässt. Denn abgesehen davon, dass es kein Schadensmodell bei den Figuren gibt und diese unabhängig vom Einschlag des Projektils sterben, kippen sie alle übertrieben nach hinten. Das die Soldaten zudem auf dieselbe Art und Weise niedergestreckt umfallen, musste genauso wenig sein.
Conflict Desert Storm 2 im Test.
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