Gesamtwertung80%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Wenn heutzutage zwei echte Männer ein Problem miteinander haben, gibt es eine große Schlägerei und für diejenigen, die nicht so hart sind, bietet sich eine Runde 'Shing-Shang-Shong' an.
Früher jedoch ging es anders zu. Bestes Beispiel: Napoleon, ein Mensch, der geprägt war von Minderwertigkeitskomplexen: Bei Streitigkeiten zog er gleich mit einer 10.000 Mann starken Truppe ins Feld, ohne Rücksicht auf Verluste.
Bei Cossacks II: Napoleonic Wars könnt ihr eben diese Gefechte nachspielen. Ob das Spiel zur Stärkung eures eigenen Egos dienen kann? Wir klären´s in unserem Test.
Was, ihr wisst nicht, wer Napoleon war? Ab in die Ecke, schämt euch! Aber okay, so schlimm ist das gar nicht, erfahrt ihr doch schon so einiges über ihn und die Zeit in der er gelebt hat im Intro des Games. Wer hier schicke Rendersequenzen wie in Anno 1503 erwartet, hat weit gefehlt. Gezeigt wird das ganze im Stile eines Films: Echte Menschen, nichts Gezeichnetes.
Meine Wenigkeit benötigte danach gut einen ganzen Tag, um den Rest des Spieles funktionsfähig zu machen. Ein immer wiederkehrender Absturz mit darauffolgendem Wechsel zum Desktop zurück beschäftigte mich ein paar Stunden. Es lag dann letztendlich wohl an irgendeinem Treiber, den ich am Schluss aktualisierte, auf alle Fälle brachte der eingespielte Patch vom Game auf 1.1 herzlich wenig, lediglich die eh schon nervige Kopierschutzfunktion wurde durch diesen nur noch verschärft.
Wären nicht die Ladezeiten gewesen, hätte ich nun an Napoleons Tür klopfen und in sein Reich eintreten können. Meinem armen 2GHz-Computer kostete es jedoch über eine halbe Stunde, um überhaupt seiner Türe nahe zu kommen.
Ein Blick auf die Rückseite der Verpackung brachte dann auch die Ernüchterung: 1,5GHz seien zwingend zum Spielen erforderlich, meine 500MHz mehr scheinen da auch nicht gerade viel zu nutzen.
Im Multiplayermodus mit bis zu sechs Spielern, in einer Schlacht gegen den Computer, in Szenarien oder beim schön aufbereiteten Themenszenario 'Kampf um Europa' eure Fähigkeiten beweisen geboten wird vieles.
Kenner des ersten Teils wird sofort auffallen: Einen einstellbaren Schwierigkeitsmodus á la 'Leicht' gibt es nicht, 'Normal' ist die niedrigste Stufe. Und dieser Name wurde bestimmt nicht ohne Grund gewählt, wie sich zeigte.
Einsteiger werden schnell überfordert sein: Strategisch gesehen bietet das Programm ungeahnte Möglichkeiten. Auf einer Strategiekarte können Kriegsplanungen bis auf den Millimeter genau festgelegt werden. Eine richtige Koordinierung ist dabei das A und O. Schließlich ist die KI intelligenter als Kant und Einstein zusammen und nutzt den kleinsten Fehler seitens des Kontrahenten schamlos aus. Lässt man kleine Grüppchen alleine laufen, werden diese sofort von Computer-Protagonisten V-förmig eingekesselt und das innerhalb von Sekunden. Ein Klick zu viel oder zu wenig kann das gesamte Kampfgeschehen entscheiden oder das gesamte Blatt wenden.
Profis werden sich hingegen wohl fühlen. Endlich ein Spiel, welches die Könner herausfordert.
Nein, Gefühlsäußerungen passten damals nicht ins Repertoire eines Soldaten. Er musste sich tapfer dem Gegner stellen und sich den Anordnungen des Befehlshabenden fügen.
Klug muss agiert werden, um die Truppe stark zu machen und zu motivieren. Die Kampagnen führen in die verschiedenen Arten der Moralhebung ein. Natürlich überwiegt das Grundgebot 'Masse statt Klasse', doch ohne ausreichende Vorbereitung der Einheiten ist ein Kampf trotzdem nicht zu gewinnen. Je höher die Moral der Truppe, desto stärker ist deren Verlangen nach einem Sieg und desto größer auch die Erfolgschancen. Gruppen können Anführer beigeordnet werden, die massiv zur Moralförderung beitragen.
Frankreich, Großbritannien, Österreich, Russland, Preußen und Ägypten. Ganze sechs Nationen buhlen um eure Gunst - in die Haut aller Sechs dürft ihr schlüpfen.
Wie so oft hat dabei jedes Land seine Vor- und Nachteile bezüglich Bewaffnung und Einheiten, aber auch in Punkto Gebäudebau.
Apropos Gebäudebau: 180 Gebäudetypen können laut Verpackung gewählt werden wobei schnell auffällt, dass in der Schmiede nicht gerade viel geschmiedet und in der Forschungsanstalt erdenklich wenig geforscht wird. So dienen die Gebäude eher als nettes Beiwerk, sind sie doch vor allem sehr ansehnlich und detailliert aufbereitet.
Wer eher auf große Massenkämpfe steht anstatt taktierendem Bauen, dem wird Cossacks II wohl eher gerecht: Es gibt gut 140 Einheiten die allesamt unterschiedliche Fähigkeiten und Eigenschaften besitzen.
Bei allen gleich sind jedoch die Formationen: Es gibt eine Marsch- und etliche Gefechtsformationen, die wie so vieles im Spiel klug gewählt sein sollten. Wer in Marschformation in eine Schlacht hineinrennt, wird sich wundern, wie schnell Leute sterben können.
Bezüglich der Grafik spalten sich die Meinungen: Zwar wurden Gebäude mit der 3D-Engine bezaubernd schön umgesetzt, ebenso wie die Landschaft, doch es gibt auch Kehrseiten. Der Kern des Spiels, die Soldaten, ähneln stark der PacMan-Grafik: kleine 2D-Pixelhäufchen. Entwickler GSC hat dies wahrscheinlich aufgrund der starken Belastung gewählt die durch die möglichen zehntausenden Soldaten auf einem Bildschirm entsteht. Fraglich nur, warum es die Mannen von Pyro mit Praetorians besser hinbekommen haben. Schließlich stören die hässlichen Soldatenklumpen den Spielspaß außerordentlich.
Besser gelungen ist da die Musik, die sich wahrlich wohl keiner zu Hause in seinen CD-Player packen würde, welche jedoch wunderbar in das Flair des 19. Jahrhunderts und damit ins Spiel passt. Genauso stelle ich mir die Musik manchmal vor, die damals bei Kaisern und Königen 'in' war.
Profis und Kenner vom Vorgänger sollten sofort zugreifen, birgt das Game vor allem für diese unglaubliche neue Herausforderungen. RTS-Neulinge sollten ihr Geld lieber für genreverwandte Games wie Rome oder Prateorians ausgeben oder sich gleich an Empire Earth wagen, da Cossacks II diesen schnell die Lust rauben wird.
Minderwertigkeitskomplexe lassen sich mit dem Game von GSC garantiert nicht bekämpfen, diese werden eher noch verstärkt, da die äußerst fies und gerissen agierende künstliche Intelligenz einen schnell an den Rande des Wahnsinns treibt.
Vielmehr ist das Game eher für Leute mit starkem Selbstbewusstsein die auch Niederlagen einstecken können.
Wer meint, genug Ego zu haben, es mit Cossacks II aufnehmen zu können, der sollte schnell zum Händler seines Vertrauens huschen und das Game kaufen, der Rest hat entweder genug Geld und versucht sich trotzdem als Napoleon oder gibt sein Geld für andere Games oder seine Freundin aus.
Cossacks II: Napoleonic Wars im Test.
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