Gesamtwertung84%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Was war im Jahr 1993? Richtig, der Release von The Incredible Machine und damit einem der wohl besten Titel der 90er Jahre. Auch wenn in der heutigen Generation die Erinnerungen so langsam verblassen, ist TIM eines der Paradebeispiele für alters- und geschlechtsunabhängig erfolgreiche Software. Die Idee, den Spieler mit den abstrusesten Gegenstände riesige Kettenreaktionen bauen zu lassen, um eine vergleichsweise einfache Aufgabe zu erledigen (Zum Beispiel das Anzünden einer Kerze) ist so genial wie simpel. Nach einigen Nachfolgern für Windows-PCs wurde es still um die verrückte Erfinderwerkstatt. Bis in das Jahr 2004 ziemlich genau, als FAKT Software mit Crazy Machines den inoffiziellen Nachfolger im nächsten Jahrtausend-Gewand den wartenden TIM-Anhängern präsentierte und viel Lob und Preise einheimste. Am 15. Oktober erscheint nun der zweite Teil, kurz cm2, im neuen Look, neuer Physikengine und viel neuen Ideen. Ob der Titel einen Nobelpreis verdient oder lieber im Regal liegen bleiben sollte, klärt unsere Review.
Wer noch nie TIM oder Crazy Machines gespielt hat, sollte dies schnell nachholen. Der Reiz kommt erst beim Knobeln, mit Worten lässt er sich nur unzureichend beschreiben. Spielwiese für Nachwuchseinsteine ist das Labor, eine Wand, an der sich diverse Gegenstände anbringen lassen bzw. bei Aufgabenstellung schon angebracht sind. Durch geschicktes Hinzufügen der Gegenstände, die am unteren Bildschirmrand im Bauteilvorrat zu sehen sind, muss die Aufgabe gelöst werden. So sollt ihr zu Beginn mit Hilfe einer Bowlingkugel, eine Vase zerstören, beide örtlich natürlich großzügig getrennt. Geschickt platzierte Rampen führen schnell zum Ziel, später wird es aber weit aus komplexer.
Mit über 150 (!) Elementen ist die Werkstatt nämlich umfangreicher als je zuvor und schwieriger zu meistern! Wer sich an dem Vorgänger die Zähne ausgebissen hat, wird für den Nachfolger ein weiteres neues Gebiss brauchen, denn dank neuer Physikengine, vielen Einzelteilen, verschiedenen Gravitationen (Erde, Mond, Weltall) und Beschränkungen beim Bau sind die Aufgaben wahre Kopfnüsse.
Nehmen wir zum Beispiel die Laufbänder. War es im Vorgänger noch ein einzelnes Bauelement, müssen nun zwei Räder und ein Band per Hand zusammengesetzt werden für ein einfaches zumindest. So ein Band kann nämlich auch aus mehr Rädern bestehen und Winkel haben, was die Sache eine Spur komplexer macht. Ähnliches gilt für Schalter. Neben den mechanischen An/Aus-Schaltern baut ihr über einen Grundsockel plus Laserschalteraufsatz einen Schalter, der nur mit einem Laserstrahl betätigt werden kann.
Ein Akustikaufsatz lässt Strom nur fließen, wenn in der Nähe ein Radio, Plattenspieler oder Klingel tönt. Neu sind auch die Roboter, die aus Untersatz, Körper und speziellen Kopf bestehen. Ist dieser beispielsweise mit einem Bewegungsmelder ausgerüstet, fährt das kleine Technikspielzeug erst los, wenn es in der Umgebung eine Bewegung, zum Beispiel durch einen fallenden Ball oder eine abgeschossene Armbrust, wahrnimmt.
Die Möglichkeiten, eines der über 150 Rätsel zu lösen, würden ins unendliche, doch ist die Lösung durch vorgegebene Bauteile eingeschränkt. D.h. nicht, dass sie auf der Hand liegt. Wer betätigt mit einer Rakete schon Schalter? Zudem dürfen auf roten Baubeschränkungsfeldern keine Gegenstände platziert werden, wodurch die naheliegendsten Lösungen oft ausscheiden. Neu sind Nebenaufgaben, die zusätzliche Denkschmalz erfordern, dafür aber mit Extrapunkten belohnt werden. Die Kerze brennt, aber wie geht nun die Flasche daneben zu Bruch? Je nach Leistung werden eure Erfolge mit Bronze, Silber oder Gold belohnt. Wer dennoch einmal Hilfe benötigt, darf sich bestimmte Bereiche im Experiment durch die Lupe anschauen (Damit sieht man, wie die Lösung an dieser Stelle gedacht ist), gleich das Experiment aufdecken oder sich mit einem Tipp auf die Sprünge helfen lassen. Für lang anhaltenden Spielspaß sorgt erneut die Möglichkeit, eigene Labore zu entwerfen und per Onlineanbindung mit der cm2-Community zu teilen. Neuerdings geschieht dies direkt aus dem Spiel heraus, ein wühlen in den Ordnern ist nicht mehr notwendig.
Optisch hat sich einiges getan. Die neue Grafikengine ist wunderschön und endlich interaktiv! Es darf gezoomt, freudig gekippt und alles im Detail betrachtet werden. Wichtig für schöne und vor allem glaubwürdige Experimente ist die Physikengine und da die AGEIA PhysX (Zum Beispiel in Gears of War) zum Einsatz kommt, ist Realismus garantiert. Wände werden durch Abrissbirnen korrekt zerstört, die Bruchstücke interagieren mit den weiteren Teilen im Experiment. Flaschen zerspringen auf dem Boden, Kugeln werden durch Explosionen in die Luft geschleudert in so einem Labor kann einiges schief gehen! Wer eine entsprechende Beschleunigerkarte mit AGEIA-Chip besitzt, darf einige Extralabore spielen.