Gesamtwertung44%/10 |
GrafikBefriedigend SoundMangelhaft |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegGut |
BedienungMangelhaft |
Die meisten Budgettitel aus dem Strategiegenre sind heutzutage zu großen Teilen im Zweiten Weltkrieg, Fantasiewelten, oder in fernen Galaxien angesiedelt. Immer seltener dienen frühere historische Ereignisse, wie beispielsweise Bürgerkriege, Kreuzzüge oder Revolutionen als Grundlage für RTS-Titel. Umso erfreulicher also, dass die Entwickler aus dem Hause Neocore ein solch unverbrauchtes Szenario aufgegriffen haben und den Spieler in die Zeiten der Kreuzzüge zurückversetzen.
Wettrennen um Jerusalem
Wir schreiben das Jahr 1096: Fünf unterschiedliche Feldherren aus verschiedenen Ländereien Europas befinden sich im Wettstreit um die orientalische Stadt Konstantinopel, welche von den ansässigen Seldschuken tapfer gehalten wird. Doch der Weg von der Anlegestelle im Mittelmeer bis zum heutigen Jerusalem ist beschwerlich; überall lauern Seldschuken, feindliche Vorposten sperren Pfade sowie Pässe und Nachschub an Einheiten ist teuer. Zu teuer, um Bogenschützen, oder einfache Fußsoldaten als Kanonenfutter in die Schlacht zu schicken, weshalb gewisses taktisches Geschick Grundvoraussetzung für diesen Titel ist.
Vor der eigentlichen Schlacht gilt es jedoch erst einmal eine Partei zu wählen, deren Weg nach Jerusalem man einschlagen möchte. Egal ob England, Frankreich, Italien oder Deutschland, jedes Land verfügt über einen individuellen Feldherren mit einzigartigen Fähigkeiten und individuellen Einheiten. Hat man sich für eine Seite entschieden folgt eine kurze, aber prägnante Einleitung in die Kreuzzüge, bevor man im Truppenlager erste Vorbereitungen für die Kampagne trifft.
Management großgeschrieben
Hier hat der Spieler zahlreiche Möglichkeiten sein Heer auszurüsten, Einheiten für erworbenes Gold zu rekrutieren und diese auf dem Übungsplatz auf Kosten von Erfahrungspunkten in ihren Attributen zu verbessern. Dabei kommt dem Management eine besondere Rolle zu, haben die Untergebenen gewisse Boni und Mali, die im Schlachtfeld zum Tragen kommen.
So sind Bogenschützen schwach im Gefecht gegen Nahkämpfer, während berittene Einheiten durch Fußsoldaten kaum aufzuhalten sind. Aufgrund von Geländeboni lohnt es sich vor der Auswahl der Truppen auch die Landschaft genauer zu betrachten. Wer will schon mit schwer gerüsteten Fußtrupps einen Berg hinaufstapfen, wo Bogenschützen bereit stehen und sogar eine größere Reichweite haben. Zusätzlich zu den Einheitenverbesserungen lassen sich Missionsdetails einsehen und Ziele individuell bestimmen.
So habt ihr oftmals die Auswahl eine bestimmte Gruppe zu töten, oder zu bekehren, was sich auf euren Glaubenswert auswirkt. Der Glaube wie könnte es bei einem christlichen Szenario auch anders sein nimmt ebenfalls eine herausragende Stellung ein. Mit gefällten Entscheidungen, Reliquien, einzigartige Gegenstände, die im Kampf ergattert werden können, und Gold steigt dieser Wert und verringert Einheitenkosten. Reliquien indes müssen jedoch nicht zwangsläufig für Glaubenspunkte geopfert werden, sondern dienen dem Held in der Schlacht als Bonusgegenstände.
Logik und Umsetzung klein geschrieben
Aktive und passive Fähigkeiten, die die Truppen beeinflussen und Angriffe, die mehrere Gegner gleichzeitig treffen, können so günstig verbessert werden. Nachdem nun also Einheiten rekrutiert, der Held verbessert und unser Glaube stark genug ist, zieht es unsere Truppen in die Schlacht. Dabei muss jedoch erwähnt werden, dass Licht und Schatten nie so dicht beieinander standen, wie in diesem Fall. Wo das Management im obigen Absatz noch vor den Einsätzen durch verschiedene Einheitenattribute taktisch ausgereifte Schlachten impliziert, durch die verschiedenen Ziele strategisches Vorgehen voraussetzen, und die Kartendarstellung spannende Kämpfe verspricht, kann die eigentliche Umsetzung in keinster Weise überzeugen. So watscheln unsre Truppen oft minutenlang durch abwechslungsarmes Gebiet bis ein Feind in Reichweite kommt, der sogleich von unseren zwei Bogenschützeneinheiten, die meilenweit entfernt sind, niedergestreckt wird.
Wo bleibt hier der Realismus? Kurze Zeit später werden selbige aus einem Hinterhalt von einer Einheit Fußsoldaten attackiert; eigentlich rechnen wir mit einer klaren Niederlage, immerhin sind Bogenschützen schwach gepanzert und außerdem liegt das Überraschungsmoment auf des Gegners Seite. Doch überraschenderweise gewinnen wir ohne herbe Verluste. Erneut also die Frage, wo sich hier der Realismus versteckt hält und in welcher Form eigentlich die verschiedenen Attributsboni zum Tragen kommen?
Doch diese Frage stellen wir uns nicht nur in den ersten Missionen, auch im weiteren Spielverlauf fragen wir uns, warum in der Regel die größere Armee egal welcher Zusammensetzung die Schlacht für sich entscheiden kann, warum die Boni kaum erkennbare Vorteile bringen und wieso sich unsere Soldaten nur unerträglich schleichend über die Karte bewegen. Darüber hinaus sind die Ziele wenig anspruchsvoll und sind meist einfach durch Zerstörung, Tötung oder Bekehrung zu lösen; die Reliquien und Fähigkeiten des Helden kommen indes nur sporadisch zum Tragen. Ein Schwierigkeitsgrad ist kaum erkennbar, obwohl einige Missionen durchaus anspruchsvoll erscheinen mögen.
Ich glaub' ich steh im Wald
Anspruchsvoll jedoch nur dadurch, dass die Kameraführung dermaßen holprig ausfällt, dass die Schlacht selten überblickt werden kann und so angeschlagene Einheiten nur schwer aus dem Verbund gelöst werden können. So schwach wie die spielerische Umsetzung ausfällt, so trist und einfallslos kommen ebenfalls Grafik und Soundkulisse in Crusaders daher. Schauplätze präsentieren sich überwiegend abwechslungsarm und hölzern, Einheiten bewegen sich starr über die Landkarte, der Detaillgrad ist in Hinblick auf die hohen Hardwareanforderungen geradezu erschreckend.
Zwischensequenzen sind ebenfalls rar gesät, was die schwache Atmosphäre des Titels unterstreicht. Katastrophal überdies die bereits angesprochene Kameraführung, die selbst bei feinfühligem Bewegen der Maus kaum Übersicht gewährt. Dazu gesellt sich eine durchschnittliche Soundkulisse, die zwar mit heroischen Klängen aufwarten kann, aber wenig Sprachausgabe und schwache Effekte bietet.
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Crusaders: Thy Kingdom Come im Test.
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