Gesamtwertung94%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Knalliger Sonnenschein, saftiges Gras, quakende Frösche...und bewaffnete Typen in Superanzügen!? Okay, spätestens hier findet die malerische Postkarten-Idylle ihr jähes Ende. Denn in Crysis gibt es nicht nur die geballte Ladung Traumstrände, sondern auch jede Menge packende Action. Wie man diese Zutaten zu einer halbwegs vernünftigen Geschichte zusammenkleistern konnte, bewies schon das Erstlingsprojekt der Entwickler von Crytek mit dem Namen Far Cry. Nun steht ein erneuter Ausflug an die schönsten Stellen der Erde an. Doch anstatt den Sonnenschirm aufzuschlagen und die Strandliege mit dem Allerwertesten zu beehren, sollen wir Geiseln retten. Eigentlich ein Auftrag wie jeder Andere auch, aber diesen Satz haben wir in anderen x-beliebigen Spielen ja schon zur Genüge gehört, um zu wissen, dass es erstens am Ende anders kommt und zweitens als man denkt.
Spielbarer Meilenstein
In Crysis schlüpfen wir in die Rolle des Soldaten Nomad, der mit seinem Squad auf einem Eiland gefangengenommene Wissenschaftler aus den Händen nordkoreanischer Streitkräfte befreien soll. So weit, so unspektakulär. Dumm nur, dass die menschlichen Widersacher nicht die Einzigen sind, die die Insel bevölkern.
Aber fangen wir beim Urschleim an: Wie schon aus der üppigen Demoversion bekannt, steht erst einmal ein Absprung aus einem Flugzeug an haben wir in unserer verspielten Vergangenheit ja schon zur Genüge gemacht, kein Problem also. Denkste! Kurz bevor wir zur Landung ansetzen, reißt der Fallschirm und wir klatschen erst einmal mit dem Gesicht auf den Boden. Kurz benommen, halten wir Funkkontakt zum restlichen Team und müssen feststellen, dass fast keiner der Absprünge so geklappt wie eigentlich geplant. Ergo: Wir sind erst einmal auf uns allein gestellt. Und das soll eine spitzenmäßig ausgebildete Sondereinheit sein?
Nur gut, dass wir da den Nanosuit haben, ein Anzug der so manche spielentscheidende Funktion inne hat. Bequem: Die Spezialfähigkeiten des Nanosuits wählen wir bei gedrückter mittlerer Taste und entscheiden uns für eine Funktion, in dem wir die Maus kurz in die jeweilige Richtung ziehen.
So macht ihr Gebrauch von einem Tarnfeld, dass Euch für eine bestimmte Zeit wie einen Predator nahezu unsichtbar werden lässt und sich so prima zum Infiltrieren von gut bewachten Stützposten eignet. Gebt Ihr jedoch auch nur einen Schuss ab, wird das Tarnfeld wieder deaktiviert. Eine andere besondere Fähigkeit ist der Stärke-Modus: Mit dem könnt Ihr nicht nur tierisch hoch springen, sondern sich im Würgegriff befindliche Feinde auch noch meterweit schleudern. Nett: Schlägt man dünnstämmige Bäume, knicken diese um, und können so sogar unliebsame Schergen unter sich begraben. So bekannt einem der Absprung aus dem Flugzeug vorkommt, so relativ unspektakulär ist auch der Anfang von Crysis.
Eine Weile lang sieht man nichts, was das Game aus dem Hause Crytek von anderen Shootern unterscheidet. Wir hetzen derweil zum Funksignal eines Kameraden, der kurz vor seiner letzten Antwort ein Gebet abgegeben hat. Was soll das bedeuten?
Schnell noch eins, zwei und drei Nordkoreaner mit den Fähigkeiten des Nanosuits und des zielsicheren SCAR-Gewehrs erledigt und schon nähern wir uns rasch Schnelligkeits-Modus des Anzugs sei Dank dem Ortungszeichen des vermissten Squadkollegen. Was wir auffinden, entbehrt jeglicher Logik: Vier blutig niedergestreckte Widersacher und unser zerfetzter Kamerad verkehrt herum am Baum aufgehangen. Unmöglich, dass er alle vier KVA-Soldaten aus dieser Lage heraus getötet hat. Irgendetwas anderes muss ihn getötet haben. Zeit um lange zu überlegen, haben wir jedoch nicht, schließlich hat die Mission oberste Priorität. Dann geht die Sonne auf...und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dieser prächtige Sonnenschein, die lebendige Tier- und Pflanzenwelt, zwitschernde Vögel, sich sanft im Wind wiegendes Gras, das äußerst schick reflektierende Wasser und die realistisch unebene Struktur des Terrains Hammer!
Euphorie ohne Grenzen
Wir könnten Euch an dieser Stelle noch zig umwerfende Beispiele aufzählen, die alles in den Schatten stellen, was man bisher auf dem Monitor zu Gesicht bekam, aber schwärmen werden wir in diesen Artikel noch genug, keine Bange. Jetzt kommen echte Gefechte langsam aber sicher zum Tragen: Ein bewaffnetes Boot schifft seelenruhig auf dem kühlen Nass umher und zahlreiche Soldaten bewachen einen Störsender, den wir deaktivieren sollen. Wie gehen wir nun vor, um nicht gleich den Game Over-Bildschirm zu sehen? Diese Frage werdet Ihr Euch in Crysis des Öfteren stellen, denn das Spiel ist auch auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad garantiert kein Zuckerschlecken. Die Gegner halten einiges aus und es kann mitunter auch zu Munitionsknappheit kommen. Zudem verfügt auch Euer Nanosuit trotz Regeneration nur über begrenzte Energiekapazitäten. Fairerweise speichert das Programm regelmäßig alle Nase lang automatisch und legt seperate Spielstände an, außerdem könnt Ihr zusätzlich noch frei speichern. Aber: Frustresistenz sollte man schon mitbringen, denn die Gegner sind alles andere als dumm.
Zwar kann es wie schon in Far Cry hier und da zu kleineren Aussetzern kommt, im Großen und Ganzen stimmt das Intelligenz-Paket aber .
Eure Schergen suchen regelmäßig Deckung, flankieren Euch und schrecken auch nicht davor zurück, auf nahe liegende Benzinfässer oder Fahrzeuge zu schießen, um Euch mit einem Knall unter die Erde zu bringen. Deshalb die Devise: Die Fähigkeiten Eures Anzugs sinnvoll nutzen und immer wieder einen Blick auf Euer Radar zu werfen, denn dort sind die meisten bereits gesehenen Gegner und relevanten Hotspots unterschieden wird in Primärzielen (grüner Punkt) und optionalen Sekundärzielen (gelber Punkt) markiert. Aber halt, zwei Spezialfunktionen des Nanosuits haben wir Euch ja bisher noch vorenthalten: Da wäre zum Einen der Panzerungs-Modus, der logischerweise Eure Treffersensibilität verringert, und last but not least das Waffenupgrade-System. Im besagtem Modus hält sich Nomad die derzeitige Knarre direkt vor die Glubscher nebenbei erwähnt: Hübsche Tiefenschärfe! - und wählt extrem komfortabel mit einem Cursor die gewünschten Bauteile aus.
Neben Laservisieren und Taschenlampenaufsätzen gibt es wahlweise noch taktische Aufsätze zur Verbesserung der Präzision, optionale Granatwerfer, Reflex-, Sturm- und Scharfschützenvisiere, die Ihr je nach Bedarf jederzeit an- und abbauen könnt. Den nötigen Freiraum, den die wirklich riesige Insel eigentlich bietet, gaukelt das Spiel oft jedoch nur vor. Richtig: Ihr dürft Euch an vielen verschiedenen Wegen bis zum Ziel versuchen, von denen viele jedoch äußerst umständlich sind.
Falsch: Ihr dürft während einer Mission also quasi immer, da Ihr ständig neue Ziele erhaltet nicht an Stellen des Eilands herumtanzen, an denen rein gar nichts ist. Eine Einblendung später habt Ihr ein paar Sekunden Zeit, Euch wieder dem relevanten Inselteil zuzuwenden, ansonsten wird Euch der Saft abgedreht. Schwimmausflüge aufs offene Meer könnt Ihr also von Eurer To-Do-Liste streichen. Insgesamt ist dies aber nicht allzu schlimm, denn ein bisschen Führung brauch doch jeder von uns, oder nicht? Wird es einmal knapp mit Eurer Munition was durchaus nicht von der Hand zu weisen ist ergattert Ihr die begehrten Bleigeschosse von erledigten Feinden. Im Gegensatz zu anderen Shootern lauft Ihr zum Aufsammeln jedoch nicht einfach nur über die Waffe, sondern richtet Eure Sicht darauf aus und drückt Aufnehmen.
Das gibt's doch gar nicht!
Zuweilen kann es sogar verkommen, dass vereinzelte Magazine auf dem Boden zu finden sind. In der Eile des Gefechts kann dieses System des Munitionsnachschubs zwar umständlich sein, realistisch ist es aber allemal.
An Ballermännern steht Euch im Spiel eine ganze Reihe unterschiedlicher, modifizierbarer Waffen zur Verfügung. Angefangen von den auch dual nutzbaren Pistolen, über das SCAR, bis hin zu nordkoreanischen Maschinengewehren, der wuchtigen Schrotflinte, Raketenwerfern, Splitter-, Blend- und Rauchgranaten und später auch Alienwaffen steht Euch so ziemlich alles an Schießprügeln zur Verfügung, was das Shooter-Herz begehrt. Der Alltag in Crysis pendelt zwar nicht auf innovativen Pfaden, präsentiert jedoch eben diese Strickmuster in einem Gewand, das keiner Vergleiche bedarf. Natürlich gibt es auch hier wieder die üblichen Ziele: Geiseln befreien, Luftabwehrgeschütze sabotieren, mit einem Panzer über beeindruckende Außenwelten brettern und dabei feindliche Artillerie aufs Korn nehmen, den Scharfschützen spielen, Schiffe und Helikopter in die Luft jagen, Personen beschützen und so weiter und so fort.
Wie es aber das Spiel schafft, Altbekanntes wieder so interessant werden zu lassen, ist beachtlich. Die groß angelegte Panzerschlacht beispielsweise ist spannend, vorbildhaft inszeniert und wahlweise auch zu Fuß zu erledigen. Gerade per pedes ist das Gefühl der ständigen Bedrohung einmalig.
Wir hechten uns von einem Baum zum anderen, verlieren durch einen ohrenbetäubenden Einschlag neben uns kurz das Gehör und gleichzeitig auch unseren Schutz, begeben uns auf der Suche nach einer neuen Deckungsmöglichkeit in den Tarnmodus und sprinten dann in ein Nest von Panzerabwehrsoldaten, nur um uns nach deren Entledigung den Raketenwerfer zu schnappen und den gefährlichen Krawallmacher in einem fulminanten Feuerball ins endgültige Nirvana zu schicken. Wenn das nicht packend ist, sind wir ein schlechtes Online-Magazin. Das bedeutet also Gefahr für jeden Herzschrittmacher! Habt Ihr in den ersten Spielstunden noch mit den unliebsamen Nordkoreanern zu kämpfen, erwarten Euch später Gefechte gegen fiese, hochtechnisierte Alien-Maschinen. Dumm, wie Bösewichte nun einmal sind, wird der Eingang zum Raumschiff in einer unterirdischen Mine freigesprengt und ruft somit den Ärger der Invasoren auf den Plan.
Dadurch habt Ihr es nicht nur mit widerstandsfähigen Bösewichten, sondern auch mit einer Arschkälte zu tun, sobald Ihr nach dem Ausflug ins Innere des Raumschiffs wieder Tageslicht erblickt.
Die gesamte Insel wurde quasi in die Eiszeit transferiert, wehrlose Soldaten sind binnen Sekunden zu Eisklumpen erstarrt, die bei Beschuss in ihre Einzelteile zerspringen. Das Design der Aliens erinnert dabei sehr an die Maschinen aus dem Film Krieg der Welten, auch verschiedene nicht ganz freundlich klingende Geräusche wurden den Vorbildern nachempfunden. Doch nicht anders als bei den Koreanern gilt auch hier: Der Nanosuit ist mit seinen Funktionen Euer bester Freund. Nettes Detail: Haltet Ihr eine Zeit inne, beginnt das Visier Eures Helms zuzufrieren und taut erst dann wieder auf, wenn Ihr Euch eine Weile bewegt. Das Ende erwartet Euch übrigens nach vernünftigen zehn bis zwölf Stunden Spielzeit, ob man nach danach aber befriedigt ist oder sich etwas aufregen könnte, könnte unterschiedlich ausfallen.
Mehrspielerfreuden auf zu wenig Karten
Danach ist aber immerhin noch nicht Schluss, denn dann gibt es ja noch den Mehrspielermodus. Es ist jedoch im Moment noch nicht alles Gold was glänzt:
Viele Crysis-Käufer haben zur Zeit Schwierigkeiten, ihren Key zu verifizieren oder die Verbindung zu den Servern herzustellen. Momentan setzt man sich aber bereits mit Gamespy und EA auseinander, um die Fehler so schnell wie möglich mit einem Patch der Vergangenheit angehören zu lassen. Doch nun zu den Fakten: Im Hauptmodus Power Struggle könnt ihr Euch gleich nach Spieleinstieg für eine Klasse entscheiden, die Ihr jeweiliges passendes Equipment mitbringt. Alternativ könnt Ihr aber natürlich auch Eure Ausrüstung selbst zusammenschustern. Jede Partei besitzt bei einer maximalen Anzahl von 32 Spielern ein HQ und fertigt eine Alienwaffe. Um die Energieversorgung der entsprechenden Basis stets aufrecht zu erhalten, gilt es Knotenpunkte auf dem Schlachtfeld einzunehmen und zu halten. Zwischendurch stellen kleinere Stationen Nachschub in Form von Fahrzeugen bereit. Das ist schließlich ganz normal. Für anspruchsvolle Naturen hat sich zudem noch ein als Instant-Action getaufter Deathmatch-Modus reingeschlichen.
Sobald die außerirdische Kanone fertig ist, könnt Ihr die feindliche Fabrik dem Erdboden gleichmachen. Das Besondere: Für die Mehrspielergefechte wurden die Spezialfähigkeiten des Nanosuits aus dem Einzelspielermodus 1:1 übernommen. Wundert Euch also nicht, wenn an Euch plötzlich ein Roadrunner auf zwei Beinen im Sprintmodus vorbeirennt oder Eure Gegner meterhoch springen können. Neun recht große Karten fünf für Power Struggle, vier für Instant Action - sind aber dennoch ein wenig dürftig.
Zudem besteht noch großer Bedarf an kleineren Maps für eine niedrige Anzahl von Spielern auf dem Server. Zur Optik müssen wir wohl keine großen Worte verlieren: Crysis ist das angepriesene, visuelle Feuerwerk und bietet die schönste Grafik, die ein Spiel bisher je auf den Bildschirm zaubern konnte. Nur zu schade, dass die Wirkung der Screenshots absolut kein Vergleich zu den bewegten Bildern auf dem eigenen Monitor ist.
Malerische Traumstrände, eine mehr als üppige Vegetation, eine fantastische Weitsicht, Tiefenschärfe, Bewegungsunschärfe, Glasklare Texturen, zum Schwimmen geeignetes Wasser und noch soviel mehr erwartet Euch vorausgesetzt, Ihr nennt einen dicken Rechenknecht Euer Eigen. Das Testsystem bestehend aus einem Intel Core 2 Duo E6700, vier Gigabyte DDR2-RAM und einer 512 MB Radeon X1950XTX lag bei hohen Details und einer Auflösung von 1280 mal 1024 Bildpunkten immerhin im spielbaren Bereich von ca. 30 Frames in der Sekunde. Für maximale DirectX 10-Details und einer konstant flüssigen Leistung darf es dann schon ein Quad Core-Prozessor, 2 Gigabyte RAM und mindestens eine GeForce 8800GT, wenn nicht sogar zwei im SLI-Verbund sein. Gleiche Qualität beim Sound: Die Waffeneffekte klingen gerade bei der Shotgun so heftig, dass man sich am liebsten unter dem Bett verstecken möchte. Artillierieschläge lassen bei aktiviertem Bass spürbar den Boden erzittern, dann noch dieser geniale Soundtrack und die gut agierenden deutschen Synchronsprecher. Auch akustisch zieht Crysis locker auf die Pole Position.