Gesamtwertung86%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Bjarni, ein junger Wikinger, hat eines Tages eine Vision. Die Midgardschlange, eine grausame Kreatur mit gigantischen Ausmaßen, bedroht die Götter Walhallas und somit auch jede irdische Existenz. Bjarni schafft es jedoch zusammen mit 3 tapferen Recken diese Midgardschlange zu besiegen. Das Problem dabei ist. Er selber fühlt sich nicht als Held und hat schon gar keine Ahnung, wo er die anderen 3 Mitstreiter oder erst recht die Midgardschlange finden kann. Behilflich dabei sind ihm die Nornen (die den Faden der Zeit spinnen), die Bjarni mit einigen Getreuen des Dorfes auf eine gefährliche Reise schicken, um Teile einer alten Karte zu finden, die den Weg zur Midgardschlange verzeichnet hat. Mit dem Beginn dieser Geschichte startet auch der rundum positive Eindruck von Cultures 2. Die Kampagne, bestehend aus 11 Missionen, die wiederum in Untermissionen eingeteilt sind, beginnt nämlich mit einem wunderschönen Intro, welche besser nicht gemacht sein kann. Perfekte Schnitte, Sound und Grafik. Fast vor einem Hollywood Trailer muss sich dieses Intro nicht verstecken! Bjarni's Reise verläuft dabei quer durch das Mittelalter, so führt sie in z.B. nach Großbritannien, als auch Byzanz.
Vom Grundsatz her ist Cultures 2 ein Aufbaustrategiespiel. Um ein funktionierendes Dorf zu errichten, bedarf es der verschiedensten Berufe: von Steinmetz über Druide bis hin zum Waffenmacher. Jeder braucht natürlich spezielle Gebäude für seine Arbeit, die auch noch bis zu 4x verbessert werden müssen, um wirklich alle Gegenstände produzieren zu können. Dabei bedingen die Gebäude sich gegenseitig. Ohne eine Töpferei der zweiten Stufe, durch die man Dachziegeln herstellen kann, können andere hochwertige Gebäude nicht gebaut werden. Gleiches gilt für Marmor aus dem Steinbruch. Auch die Berufe kann nicht jeder sofort ausüben (außer man bildet in der Schule aus). Um z.B. Kuchenbäcker zu werden muss ein Wikinger zuerst Erfahrung als Farmer, dann als Müller und schließlich auch noch als Brotbäcker sammeln. Gleiches gilt für die anderen Berufszweige. Genaues Planen ist also gefordert. Bildet man einen Steinhauer zu einem Steinmetz aus, fehlt natürlich jemand, der Rohstoffe für den Steinmetz sammelt. Entweder man setzt einen weiteren Wikinger in der jeweiligen Produktionskette ein oder man degradiert einen Wikinger wieder, um Rohstoffe zu sammeln. Zwar bleibt die Erfahrung erhalten und dieser kann jederzeit wieder den höherwertigen Beruf ausüben, man hat jedoch einen Produktionsabriss an höherwertigen Gütern, wenn man nicht vorher genug davon gehortet hat. Natürlich kann man einen Wikinger auch viele unterschiedliche Berufe lernen lassen. Spezialisierung ist jedoch das Zauberwort, um schnell auf die höchsten Produktionsstufen zu kommen. Stellenweise ist dabei einiges an Mikromanagement gefragt. Viel Taktik ist also gefragt. Zusätzlich kann man seine Wikinger mit Extras, wie Schuhen oder Werkzeugen ausrüsten. Ist der Wikinger mit einer Frau verheiratet oder wohnt er in einem Haus, in welchen eine Frau wohnt, dann kann dieser auch auf Lebensmittel, Möbel, Öl etc zurückgreifen, die die Frauen in die Wohnhäuser schaffen. Satte 55 Produkte stehen zur Verfügung!
Die Verbrauchsgüter sind wichtig, um den Zyklus zu verlängern, bis der Wikinger Nahrung, Schlaf oder soziale Kontakte braucht. Ist eines von den Bedürfnissen am unteren Limit, arbeitet ein Wikinger auch nicht. Besonders wichtig kann dies bei Soldaten sein, da diese auch im Kampf ihren Hunger stillen müssen und u.U. nur von Beeren am Wegesrand leben. Gleiches müssen wohnungslose Wikinger tun, was diese natürlich weniger produktiv werden lässt. Die Bauphase der Gebäude ist für meinen Geschmack jedoch etwas zu lang geworden. Gerade wenn die Wege zu den Ressourcen lang werden, kann es eine ganze Weile dauern, bis ein Gebäude fertig gebaut ist. Für hektische Zeitgenossen, kann dies langweilig werden. Wie schon 'Die Siedler' besitzt aber auch Cultures 2 einen enormen Wuselfaktor, was es sehr interessant macht, den Wikingern zuzusehen. Zum Vorgänger vollkommen neu sind die Palisaden, um das Dorf vor fremden Völkern zu schützen. Diese werden dann durch Türme, auf denen Bogenschützen platziert werden, geschützt. Um fremde Palisaden zu erobern, wurde das Katapult hinzugefügt, welches, besetzt mit einem Wikinger, eine große Feuerkraft besitzt.
Das Schöne an der Kampagne von Cultures 2 ist jedoch, das man nicht immer nur eine Stadt aufbaut und dann einen Gegner vernichtet. Vielmehr ist jede Mission in eine eigene Geschichte gebettet, die auch auf dem Helden basiert, so muss man z.B. mit anderen Völkern handeln, Aufgaben erfüllen, Zwischenziele erreichen oder sogar Dungeons mit dem Helden durchkämmen. In diese Dungeons kann man dummerweise weder andere Krieger mit reinnehmen, wie auch keine dort gefundenen Soldaten mit heraus nehmen. Jede Mission ist anders gestaltet und keine wird langweilig, da immer wieder Neues passiert und witzige Einlagen eingebaut sind. So trifft man auf Robin Hood und muss sogar gegen den gleichen bösartigen Gegner, wie 'Die Ritter der Kokosnuss' kämpfen. Aufgaben können auch auf die unterschiedlichste Art gelöst werden, z.B. per Gewalt oder durch Tributzahlungen. Gut hat mir auch gefallen, dass die Designer einen Trick gefunden haben, zu erklären, warum man in jeder Mission immer ein komplettes Dorf aufbauen muß. Da im Prinzip die wahre Geschichte der Wikinger (die auch nachlesbar ist) erzählt wird, bleiben immer einige Freunde zurück (die die jeweiligen Länder lieben gelernt haben) und Bjarnie zieht nur mit einigen Getreuen weiter. Die Zurückgebliebenen symbolisieren dann die historisch korrekten Siedlungen der Wikinger.
Auch wenn die Grafik in 2D ist, so zeigt Funatics doch eindrucksvoll, dass trotzdem ein liebevoll designtes Spiel dabei herauskommen kann. Die Karten sind riesig, dabei jedoch sehr lebendig. Überall findet man Hasen, Wildschweine, Wölfe, Bären etc. Flüsse, Berge mit Schnee, viel Wald. Sogar große Städte, wie London und Byzanz gibt es. Aber auch die Animationen sind schön gemacht, führen jedoch durch die Vielfalt (so ist z.B. auch das Gras animiert!) stellenweise dazu, dass sogar ein 1000 MHz Athlon mit 256 MB RAM in 1024x768 ins Ruckeln kommt. Dafür erwartet einem dann aber auch viel Liebe im Detail. So kann man durch einen hohen 'Wuselfaktor' kaum aufhören, den Wikingern bei ihrer täglichen Arbeit zuzusehen. Der Jäger erlegt Wild, Kinder kommen per Luftpost und werden durch einen Storch in den heimischen Schornstein geworfen. Die Landschaften sind sehr abwechslungsreich und nett designed. Rundum: Ein gelungener Eindruck bzgl. der Grafik.
Hinzu kommt der schöne Sound. Die Effekte sind gut gelungen und verstärken die Atmosphäre. Die Musik ist als CD-Wiedergabe oder als Direct Sound verfügbar, wobei letztere Möglichkeit interessant ist, da sich dann die Musik der jeweiligen Spielsituation anpasst und somit viel abwechslungsreicher und stimmungsvoller ist. Sprachausgabe ist leider nur am Anfang und Ende einer Mission vorhanden, die Texte während der Mission müssen trocken alleine gelesen werden, was unverständlich ist, den so viel mehr Arbeit hätte diese Synchronisation nun auch nicht mehr gemacht. Leider existieren zwischen den Missionen auch keine Zwischensequenzen und man muss seltsamer Weise nach jeder Mission zum Hauptmenü zurück und die Kampagne neu starten, wo dann der nächste Reisepunkte von Bjarni auf einer Karte verzeichnet ist.
Woran 'Die Siedler' auch im vierten Teil noch etwas krankte, wurde für ein Aufbaustrategiespiel in Cultures 2 gut umgesetzt: Das Militärsystem. Jeder Wikinger, ob Zivilist nach der Geburt oder Druide mit weit fortgeschrittenen Kenntnissen, kann in der Kaserne zum Soldaten ausgebildet werden und nach dem Kampf auch wieder in seinen alten Beruf zurückkehren. Neben 6 Waffengattungen, kann man seine Recken nun auch mit 4 verschiedenen Rüstungsarten ausrüsten, was zu einer großen Vielfalt führt, denn alle Rüstungen und Waffen haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Zusätzlich kann man seine Krieger noch mit Schuhen oder mit diversen Tränken von seinem Druiden versorgen. Auf der Landschaft verteilt findet man auch Kisten, die zum einen kostenlose Gebäude (keine Bauzeit), Tränke oder Einheiten aber auch Gegner enthalten, in der magischen Variante aber auch Ketten der verschiedensten Variation, um z.B. keinen Schlaf mehr zu benötigen. So ausgerüstet ziehen eure Wikinger in den Kampf, wobei man ihnen auch verschiedene Verhaltensweisen vorgeben kann, z.B. ihnen verbieten darf zu Essen und zu Schlafen. Natürlich lernen eure Soldaten auch im Kampf, wie jeder Arbeiter bei seiner Arbeit!
Dummerweise haben die Helden kein Inventory, weswegen diese leider auch keine Heiltränke aufnehmen können, was in Dungeons, die man nur mit seinen Helden betritt, zu unnötigen Wartezeiten führt, bis die Helden geheilt sind. Und das, obwohl Tränke und andere Gegenstände in den Dungeons herumliegen. Ingesamt ist das Kampfsystem jedoch das ausgereifteste bei allen mir bisher bekannten Aufbaustrategiespielen.
Stellenweise setzt Cultures 2 auf gehoben Realismus. So muss auf die Länge der Produktionswege geachtet werden (man kann jedoch Lagern und sogar einzelnen Produktionsstätten Wikinger als Träger zuweisen), die Frauen bekommen keine Kinder, wenn nicht genug Lebensmittel vorhanden sind, Katapulte können keine Brücken überqueren, Sträucher tragen nur eine gewissen Menge Beeren (wachsen jedoch nach) etc. Dann gibt es wieder Aspekte, die Cultures 2 von der Realität fernrücken. So müssen z.B. Helden weder essen noch trinken. Warum dies so implementiert wurde, entzieht sich meiner Logik. Auch kann man durch einen Klick auf die Frauen, sich aussuchen, ob diese ein Mädchen oder ein Junge gebären soll, (Gentherapie im Mittelalter :D) und in Dungeons z.B. kann man über Wände mit Pfeilen schießen, obwohl dort doch eigentlich eine Decke sein sollte...
Insgesamt ist die Steuerung jedoch gut gelungen, wenn auch anders, als im ersten Teil, wodurch etwas Umgewöhnen nötig ist. Generell lässt sich jedoch sagen. Mit einem Linksklick selektiert oder deselektiert man einen Wikinger (per Auswahlrahmen eine Gruppe) und mit Rechtsklick weist man eine Aufgabe zu, wobei die einzig sinnvolle Aufgabe für den selektierten Wikinger und den Gegenstand, der angeklickt wird, ausgewählt wird. Ist ein Wikinger ausgewählt und wählt man ein Fahrzeug aus, wie z.B. einen Ochsenkarren, ein Katapult oder ein Schiff, wird dieser dem Fahrzeug zugewiesen. Wählt man ein anderes Gebäude aus, kann der Wikinger gleich auch den Beruf wechseln, soweit dieser die Kenntnisse dafür hat. Gleiches gilt für viele weitere Aktionen. Wählt man die Aktion per Rechtklick auf den Wikinger in einem aufklappenden Menü aus, stehen danach auch nur die Gebäude oder Fahrzeuge zur Auswahl, mit denen eine sinnvolle Aktion möglich ist. So kann z.B. einem Wikinger nur ein Wohnhaus zugewiesen werden, in dem nicht schon mehr Familien wohnen, als dort Platz haben. Was in der Welt passiert, wird per Brief mitgeteilt, wobei diese Nachrichten auch gefiltert werden können. Mit einem Klick kann in einer solchen Nachricht, einem Gebäude etc sofort und an allen Stellen zu dem betreffenden Wikinger oder Ereignisse gesprungen werden oder auch das Aktionsfenster geöffnet werden.
Was ich etwas enttäuchend fand, war die KI. So benutzt ausgerechnet der Händler mit seinem Ochsenkarren nicht die Wege zwischen Dörfern (oder gar solche, die man selber gebaut hat), sondern marchiert 'querfeldein'. Gibt man selber einen Befehl zum Bewegen, wird aber oft der Weg zur schnelleren Bewegung benutzt. Bei großen Entfernungen jedoch auch nicht! Aber auch die Gegner-KI ist nicht sonderlich schlau. Gegner lassen sich leicht aus Stellungen herauslocken. Auch laufen die Einheiten quer durch eine Gegnerschar, wenn man einmal etwas zu weit geklickt hat. Ärgerlich fand ich auch, dass in Dungeons Gegner sich nicht bewegen, wenn man diese über Wände hinweg beschiesst (was eigentlich sowieso nicht möglich sein sollte). Zumindestens greift die Gegner-KI aber z.B. Katapulte an, die das eigene Dorf bombardieren. Um die Kämpfe noch etwas spannender zu machen, wären in einem Patch eine verbesserte KI und z.B. Formationen wirklich angebracht.
Wer keine Lust auf die schöne Kampagne hat, die durch ihren Umfang auch mehrere Wochen fesseln kann, findet auch Szenarien mit in sich geschlossenen Episoden aus dem Abenteuerleben von Bjarni. Einige davon sind so gestaltet, dass man endlos spielen kann und sind dabei sehr groß. Diese eignen sich dann auch sehr gut, um den richtigen und effizientesten Aufbau für ein Dorf zu üben. Natürlich existiert auch ein Multiplayerspiel für bis zu 6 Spieler, wobei in der Internetlobby noch nicht allzu viele Spieler zu finden sind.
Interessantes Fanseiten zum Spiel sind folgende:
Funatics hat für ein Aufbaustrategiespiel, bis auf wenige Kleinigkeiten, eigentlich alles richtig gemacht. Das Wirtschaftssystem funktioniert gut, das Militärsystem ist dem System von Siedler IV um Längen voraus und die Kampagne ist spannend, spaßig und herausfordernd.
Jedoch ist der Aufbau der Siedlungen, wie in allen Aufbaustrategiespielen, etwas zäh und dauert durchaus mehrere Stunden. Wer also lieber Spiele mag, die sofort zur Sache kommen und viel Action bieten, könnte von Cultures 2 etwas gelangweilt sein. Wer jedoch Aufbaustrategiespiele, wie Cultures, Die Völker II oder Siedler IV mag, wird Cultures 2 lieben und sollte in dem neuesten Spiel von Publisher JoWood einen absoluten Pflichtkauf sehen!
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Cultures 2 im Test.
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