Gesamtwertung86%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Vor einigen Jahren wurde ein neuer Teil der Might & Magic-Reihe mit dem klangvollen Namen Dark Messiah angekündigt. Nach einer Wartezeit, die länger nicht hätte erscheinen können, steht das Spiel nun endlich in seiner ganzen Pracht in den Regalen der Händler. Wir durften uns vorab schon überzeugen, dass die Wartezeit sich mehr als gelohnt hat. Warum das Spiel seinen Vorschusslorbeeren in so gut wie allen Belangen gerecht wird, verraten wir euch in unserem Looki Review!
Von Dämonen, Zauberern und Schädeln...
Ashan - vor knapp einem Jahrtausend tobte in der heute friedlebenden Stadt ein blutiger Krieg. Die Saat der Dämonen suchte das Land heim und verursachte Angst und Schrecken unter den Bewohnern. Erst im Zusammenhalt konnten Menschen, Zwerge und Elfen die Scharr des Bösen besiegen. Zu verdanken hatten sie es dem mächtigen Zauberer Sar-Elam, der von vielen als Siebenter Drache bezeichnet wurde. Durch sein Opfer wurden die Dämonen in ein scheinbar unüberwindbares Verließ gezwungen, verweilen seitdem dort und schmieden neue Pläne. Lediglich der Schädel des Siebten Drachen blieb der Nachwelt erhalten. Er verfügt über geheimnisvolle Kräfte. Aus Angst, das Böse wieder mit Hilfe dieses Schädels der Schatten wiederkehren zu lassen, entschied man sich, ihn vor der Welt zu verstecken. Sar-Shazzar, seines Zeichens Schüler des Siebten Drachen, prophezeite jedoch, dass die Dämonen Ashan erneut heimsuchen würden. Als Grenzgänger zwischen den Welten schwor er, dass er, der 'Dunkle Messias', den Kerker der Dämon mithilfe des Schädels der Schatten aufsprengen werde. Folgende Zeilen seiner Prophezeiung blieben bis heute erhalten:
Ein Jahrtausend wird die Festung stehen.Geistermauern gehüllt in Wände aus Feuerund gehörnte Lords neigen den Kopfvor einem, gezeugt vom schlimmsten Ungeheuer
Eine Jahrhundert voll Blut und Hader. Der Mondsich verfinstert am Himmel droben.Der Ruheplatz schließlich gefunden wirdvom Siebten, der sich so hoch erhoben.
Die letzte Tochter von verlor'nem Geblüt.In Krypten wird sie ihn begleitenwo Prophezeiungen ringen in einem Kriegzwischen Feinden aus uralten Zeiten
Als Frischling ins Abenteuer
Ihr seid Sareth, Schüler des mächtigen Zauberers Phenrig. Eingewiesen in die Kunst des Schwertkampfes und der Magie, werdet ihr damit beauftrag, Menelag, einem Verbündeten eures Meisters, dabei zu helfen, den verlorenen Schädel der Schatten ausfindig zu machen und die aus der Prophezeiung hervorgehende Bedrohung aufzuhalten. Das Spiel beginnt in einem kleinen Verließ, in dem ihr auf der Suche nach einem magischen Kristall seid, welches Menelag für seine Suche benötigt. Hier werdet ihr mit der Steuerung des Titels bekannt gemacht. Bei Dark Messiah handelt es sich um ein Action-Rollenspiel aus der Egoperspektive. So lauft ihr anfangs noch unbewaffnet durch die dunklen Hallen, findet aber schon bald ein Schwert und werdet mit den ersten Gegnern konfrontiert. Das Spiel setzt den Fokus auf dynamische Schwertkämpfe, die es in dieser Form bislang noch nicht zu sehen gab. Mit der linken Maustaste verfügt ihr über eine Vielzahl effektiver Schlagvarianten. Je nachdem wie lange ihr die Taste gedrückt haltet und welche Richtungstaste ihr während dessen haltet, lässt sich ein anderer Schlag einsetzen. Mit der rechten Taste lassen sich feindliche Attacken parieren und, das richtige Timing vorausgesetzt, mit einem Gegenschlag kontern.
Im frühen Verlauf des Spiels findet ihr auch einen Bogen und andere Waffen wie Kampfstäbe, Dolche und vieles mehr. Während der Kämpfe lädt sich eure Adrenalin-Leiste auf. Ist diese gefüllt, könnt ihr entweder zum Finishingmove ansetzen oder eure Magie effektiver nutzen und so beispielsweise eure Gegner via Telekinese durch die Luft schleudern. Die Finishingmoves sind mit ihren Zeitlupeneffekten sehr spektakulär in Szene gesetzt worden. Wenn ihr den ersten Ork mit einem beherzten Schlag enthauptet habt, macht sich direkt dieses wohltuende Gefühl in der Magengegend bemerkbar und ein zufriedenes Grinsen wird euer Gesicht zieren.
Nachdem ihr euch durch das Tutorial gekämpft habt, macht ihr Bekanntschaft mit Xana, einer Wächterin, dich euch im Auftrag Phenrigs beschützen soll. Ihr Geist wird mit eurem verschmolzen und so folgt sie euch über das gesamte Abenteuer hinweg. Während der Mission gibt sie euch dann über eure Gedanken nützliche Tipps und Informationen. Mit ihr zusammen begebt ihr euch dann nach Stonehelm, um Menelag zu finden. Der friedliche Besuch entpuppt sich aber schnell als Kampf um Leben und Tod. Vor den Pforten der Burg werdet ihr von einer Horde Halbtoter und Ghouls angegriffen. Der dunkle Lord Arantir verfolgt nämlich das gleiche Ziel wie Menelag und setzt alles daran, dass dieser den Schädel vor ihm findet. Weiter wollen wir an dieser Stelle nichts verraten, nur soviel sei gesagt: Nach einem eher mauen Beginn erwartet euch ein Abenteuer voll Intrigen, Lügen und Verrat. Ihr verschmilzt förmlich mit dem Spiel.
Conan, Fisher oder doch lieber Copperfield?
Das was Dark Messiah ausmacht, ist die Tatsache, dass das Spiel euch nicht vorgibt wie ihr vorzugehen habt. Während eures Abenteuers bekommt ihr Erfahrungspunkte gutgeschrieben, welche ihr grob zusammengefasst in drei Sparten aufteilen könnt.
So könnt ihr euch auf die Schwertkünste eines Kriegers, die Fertigkeiten eines Diebes oder die mächtige Magie eines Magiers spezialisieren. Es schadet zwar nicht, sich für mehrere Varianten zu entscheiden, so richtig effektiv werden die eigenen Fähigkeiten aber erst, wenn man sich voll auf eine Gebiet konzentriert.
Jeder wird also den für sich ansprechenderen Weg finden, das Spiel zu spielen. Löblicherweise lassen sich alle Areale auf die unterschiedlichsten Weisen angehen. Es gibt immer eine alternative Möglichkeit durch die Missionen zu kommen. Wollt ihr beispielsweise lautlos an den Wachen vorbei schleichen, findet ihr stets einen passenden Weg, den Konflikten aus dem Weg zu gehen. Die Physikengine, welche auch schon in Half-Life 2 zum Einsatz kommt, tut ihr Übriges dafür. So lassen sich Podeste beispielsweise zum Einsturz bringen, wenn ihr eines der Beine mit eurer Waffe zerstört. Habt ihr das richtige Timing erwischt, werden eure Feinde regelrecht unter den Trümmern begraben. Ein anderes Beispiel wäre ein Kronleuchter, welcher mit einem Seil befestigt von der Decke hängt. Wartet ab, bis einer der Wächter in der richtigen Position steht, durchschlagt das Seil und erfreut euch an einem lauten Knall und einem Feind weniger. Die Möglichkeiten scheinen schier unbegrenzt.
Ebenfalls sehr amüsant und cool sind die Zaubersprüche, welche ihr mit genügend magischen Fähigkeiten fabrizieren könnt. Von lenkbaren Feuerpfeilen, bis hin zu Eiszaubern ist alles dabei. Das geht sogar so weit, dass ihr euren Widersacher komplett einfrieren und in Tausende von Einzelteilen treten könnt.
Oder ihr nutzt euren Shrinkspell, um den Gegner auf die Größe einer Maus zu schrumpfen und ihn anschließend zu zerquetschen. Auch der Einsatz von telekinetischen Fähigkeiten ist sehr effektiv, wenn ihr große Brocken oder den einen oder anderen Gegner selbst auf eure Feinde werft. Später im Spiel seid ihr so mächtig, dass ihr über einzelne Orks nur noch lachen könnt und diese wie einen Pappbecher zerquetscht. Das soll aber keinesfalls heißen, dass das Spiel mit der Zeit leichter wird. Schließlich stellen sich euch im weiteren Verlauf mächtige Gegner wie Riesenspinnen, Flugdrachen und Horden von Untoten in den Weg und der Einsatz eurer Fähigkeiten entscheidet maßgeblich über Sieg oder Niederlage. Habt ihr die gute Hälfte des Spiels hinter euch gebracht, seid ihr zudem in der Lage, euch in einen Halbdämonen zu verwandeln. Der Bildschirm verzerrt sich dabei mit coolen Effekten und mit euren Klauen und einem Schlagschwanz teilt ihr ordentlich aus. Kleiner Nachteil des Ganzen: Eure Lebensenergie sinkt rapide und ihr müsst aufpassen, nicht zu lange in dem Modus zu verweilen.
Aus grafischer Sicht hinterlässt Dark Messiah einen zwiespältigen Eindruck. Zum einen sind die Levels zum Großteil wunderbar designt worden, andere Stellen wirken dagegen ein wenig trist und die Texturen sind auch nicht immer das Gelbe vom Ei. Feine High-Dynamic-Range-Effekte verwöhnen die Augen und die Charaktere überzeugen mit lebensechten Gesichtszügen. Allerdings geht die Framerate gerade in den Außenarealen selbst auf guten Rechnern teilweise in die Knie. Hier wäre ein wenig Feinschliff angebracht gewesen. Ebenfalls negativ fallen kleinere Macken wie Clippingfehler und die manchmal recht seltsam anmutenden Ragdollanimationen ins Gewicht. Man sieht dem Titel seine Verwandschaft zu Half-Life 2 dazu auch noch recht häufig an und so kann es vorkommen, dass ihr manche Effekte ebenfalls schon in Freemans Abenteuer zu Gesicht bekommen habt. Manche der ansonsten recht wuchtigen Sounds waren auch nicht immer synchron zum Kampfgeschehen.
Die Sprachausgabe dagegen war die gesamte Spielzeit über auf der Höhe der Zeit und trug ihren Teil zur großartigen Atmosphäre bei. Leider können wir nichts zu der deutschen Lokalisierung sagen, da unser Testmuster auf der englischen Fassung basierte. Ebenfalls keine Aussage können wir über den hoch angepriesenen Multiplayermodus machen, da dieser in der uns zur Verfügung gestellten Version nicht enthalten war.
Aber genug gemeckert. Mit Dark Messiah bekommt ihr mit Sicherheit eines DER Action-Highlights dieses Jahres geboten. Gerade die Ausrichtung auf mehrere Klasseneigenschaften lockt zum erneuten Durchspielen und der Mehrspielermodus sollte euch auch in Zukunft weiterhin bei Laune halten. Bleibt abschließend nur noch zu sagen, dass Dark Messiah durchaus ein klasse Spiel ist, welches leider seinen hohen Erwartungen, aufgrund der kleineren Mängel, nicht ganz gerecht werden kann.