Gesamtwertung84%/10 |
GrafikGut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
In den letzten Jahren wurde uns so manch technisch hervorragendes Rollenspiel geboten. Meistens aber verloren sich die Entwickler während der Arbeiten daran in eben diesem Bereich und anderen, eigentlich ebenso wichtigen Teilen des Spiels wurde zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Gerade die Geschichte eines Rollenspiels, die viel essentieller ist, als weitläufig angenommen wird, kam oft zu viel zu kurz, so dass wir uns schon durch die ein oder andere Wendung beglückt fühlten. Nur wenige scheinen zu begreifen, dass die Story noch mehr als die Grafik und der Sound für die atmosphärische Langzeitmotivation entscheidend ist.
Ganz anders bei den Radon Labs und ihrem neuesten Projekt - Drakensang. Denn wer sich eine solch angesehene und altehrwürdige Lizenz wie die des Schwarzen Auges an Land zieht, der muss sich der Verantwortung, die daraus entsteht durchaus bewusst sein. Da ist es mit einer recht flachen Story, wie in World of Warcraft nicht getan. Die Geschichte des Spiels muss wie ein interaktiver Film durchweg unterhaltend, genau und akribisch sein, mit Spannung, Ernsthaftigkeit und Humor bis zur Oberkante durchsetzt. Von einer obligatorisch sehr guten technischen Seite ganz abgesehen.
Und wir können nicht nur Fans von Das Schwarze Auge beruhigen, sondern auch allen Rollenspielsympathisanten eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen, zumindest was die Geschichte in Drakensang betrifft. Die ist nämlich so wendungsreich, ausgeklügelt und spannend wie ein gutes Buch und sorgt nicht zuletzt dafür, dass man viele Stunden motiviert durch die Welt von Aventurien streifen kann, ohne das einem langweilig wird. Ganz im Gegenteil. Oft spielt man den Titel länger als gewollt, weil man wissen muss, nicht will, muss, wie es weitergeht.
Intelligent aufgebaut, münden Erzählstränge in einander und geizen nicht damit, durch imposant in Szene gesetzte Scharmützel ein ums andere Mal überraschender und bedrohlicher zu werden.
Ohne etwas von der Geschichte verraten zu wollen, können wir sagen, dass der Titel immer fesselnd bleibt, die Erzählebenen aufeinander aufbauen und Details, wie altbekannte Schlachtgefährten oder Questgeber, die hier und da mal wieder auftauchen, das ganze Rollenspiel-Spektakel herrlich verfeinern. Dabei halten sich die Radon Labs immer an die klassische Vorlage des Schwarzen Auges - sowohl die Namen der Charaktere, als auch die der Städte und der Monster, die vorkommen, sind strikt an die Pen&Paper-Vorlage angelehnt. Gleiches gilt auch für das Spielprinzip und das Gameplay im Allgemeinen. Natürlich muss man keine komplizierten Rechenvorgänge mehr durchführen, um auf einen Angriffs- oder Rüstungswert zu kommen und diesen dann durch das obligatorische Würfeln zu unterstützen, das macht Drakensang automatisch.
Im Hintergrund werden aber alle bekannten Spielregeln der Lizenz berücksichtigt, so dass es nie zu irgendwelchen Logikfehlern während des Spielverlaufs kommt. Das ausgefeilte System erschließt sich sogar Neulingen, gleich wenn die Benutzeroberfläche wenig darüber verrät. Grundsätzlich macht ein höherer Schadenswert einer Waffe auch einen höheren Schaden beim Gegner aus.
Doch die Entwickler wollten auch Neulinge offensichtlich nicht dumm sterben lassen. In ausführlichen Tutorials, die man wahlweise lesen oder wegklicken kann, werden genauere Informationen zum komplexen und beliebten Regelwerk gegeben. Wer sich damit intensiver beschäftigt, wird bald verstehen, weshalb Das Schwarze Auge solange dermaßen beliebt war.
Leider wurden lediglich die in Spielgrafik gehaltenen Zwischensequenzen synchronisiert. Ansonsten muss man sich mit einem sprachlichen Gruß zufrieden geben, den Rest der Texte aber lesen. Das ist nicht besonders zeitgemäß und auf Grund der Versprechungen, die uns die Radon Labs bei ihrem Besuch im Looki-Büro machten, auch ganz klar ein Kritikpunkt. Denn angeblich war eine allumfassende Sprachausgabe in Planung. Die Begründung, dass es einfach zu viel Text wäre, zieht nach vertonten Epen wie Everquest 2 schon lange nicht mehr. Trotzdem lohnt es sich, wie bereits ausführlich beschrieben, der Geschichte Aufmerksamkeit zu schenken. Und vielleicht lernt der ein oder andere dadurch auch mal wieder, was Lesen überhaupt bedeutet.
Rollenspiel pur
Drakensang präsentiert durch und durch klassisch und sticht nur durch seine Lizenz und das Regelwerk aus der Masse hervor. Da diese aber ebenso klassisch sind, darf man sich also auf ein Rollenspiel der alten Schule freuen. Seine Heldentruppe, die bis aus zu vier Persönlichkeiten besteht, steuert man aus der 3rd-Person Perspektive, welche stufenlos zoombar ist. Dabei lenkt man primär die Geschicke eines Hauptcharakters, während die restlichen KI-Kollegen in Kämpfen zur Seite steht und austauschbar ist. Der eigentliche Held wird zu Beginn des Spiels aus über 20 Klassen geformt. Dabei darf man das Aussehen des oder der Protagonisten/in nicht selbst bestimmen. Auch der Name wird durch Zufall und unter Berücksichtigung der Regeln ausgewählt. Die Klassen bieten alles, was einem Rollenspiel in dieser Hinsicht nicht fehlen darf. Vom Krieger und dessen Unterklassen, über den Magier bis hin zum Piraten gibt es alles, was das Rollenspielerherz begehrt.
In Sachen Fähigkeiten und Fertigkeiten unterscheiden sich die Klassen stark, wenngleich Radon Labs einiges vom ursprünglichen Regelwerk wegschnitt, um die Übersichtlichkeit zu wahren. Dadurch wird aber auch gewährleistet, dass sowohl Neulinge mit dem Titel klar kommen, als auch, dass jede magische oder psychische Fähigkeit einen individuellen und nützlichen Zweck erfüllt.
Neben der Hauptquest bietet Drakensang unglaublich viele, kleinere und größere Nebenmissionen. Diese bauen teilweise sogar aufeinander auf und erzählen die ein oder andere, spannende, aber auch schon mal lustige Geschichte. Die Nebenquests sind ein essentieller Teil des Spiels - nicht nur weil sie beim Aufleveln helfen, dass übrigens im traditionellsten aller Sinne zu verstehen ist.
Durch erfolgreich durchgeführte Operationen und das Erlegen von Gegnern erhält der Spieler nämlich Abenteuer-, sprich Erfahrungspunkte, die dann zum Levelaufstieg führen. Darüber hinaus gestalten die Nebenaufgaben die Geschichte zugänglicher und eindrucksvoller. Man findet sie einfach überall. In Schenken, Wohnhäusern, auf Straßen, in Wäldern und nicht zuletzt auch durch Erzählungen der eigenen Teammitglieder, die meist ebenfalls eine eigene Geschichte mitbringen. Leider sind sie zu oft mit zu langwierigen Laufwegen verbunden, die nicht abgekürzt werden können.
Neben den zahllosen Aufgaben gibt es in der Welt von Drakensang noch unendlich viele weitere Dinge zu entdecken. Die Welt kommt beinahe an die Größe eines Oblivion heran und präsentiert sich abwechslungsreich und kurzweilig. Eine große Anzahl von Items, zusätzlichen Fertigkeiten wie Schmieden sowie unzählige Monstertypen motivieren jedes Mal aufs Neue.
Letztere sind teilweise ziemlich herausfordernd, so dass man seine drei Gefährten zu keinem Zeitpunkt vernachlässigen darf. Auch im Kampf selbst ist taktisch geschicktes Vorgehen nötig, um nicht unter die Räder zu kommen. Dabei ist die Bedienung durch Shortcuts, aber auch durch die Maus einfach und übersichtlich gehalten. Letzteres trifft auch auf die Menüs zu, die jedem Anfänger das Leben erleichtern .Neue Fähigkeiten erwirbt man, wie gewohnt in dem Genre, bei einem Lehrer gegen bare Münze oder Abenteuerpunkte. Die Raritäten unter ihnen sind natürlich, genau wie die starken Aufrüstungsgegenstände, nur nach längerer Erkundungstour zu finden. Doch die lohnen sich sowieso. Wirklich großartige Neuerungen, die das Genre betreffen, gibt es allerdings nicht.
Drakensang bietet einfach eine optimierte, klassische Rollenspielerfahrung alter Schule. So sehen auch die meisten Quests aus. Im Dorf oder Zwischenlager angekommen, schaut man sich nach potenziellen Auftraggebern um. Diese können von der einfachen Gauklerin, bis zum Prinzen reichen. In einer kurzen Unterredung handelt man die Bedingungen aus, woraufhin auf der Minikarte ein entsprechendes Symbol erstellt wird, was den Weg zum Ziel weißt. Natürlich gibt es die unterschiedlichsten Aufgaben, oft wird man aber zu Schwert und Magie greifen müssen. Mit der Heldentruppe, die noch frisch ausgerüstet sein sollte, gehts dann ab in dunkle Wälder, schlammige Moore und so weiter, in denen man sich der exzessiven Gewalt gegen seine Feinde hingibt und immer darauf achten sollte, keinen Kameraden zu verlieren. Ist das Missionsziel erfüllt, das kann ein getöteter Boss oder ein erbeuteter Schatz, aber auch einfach mal nur ein zugestellter Brief sein, erhält man seine Belohnung und darf fortfahren. In die Geschichte eingebettet wird dies trotz weniger Überraschungen, was das Missionsdesign betrifft, so gut wie nicht langweilig.
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
Das Schwarze Auge: Drakensang im Test.
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