Gesamtwertung79 %/10 |
Grafik8 Sound7 |
Lanzeitspaß7 SpieleinstiegMangelhaft |
Bedienung8 |
Wenn aus der Idee hinter einem Spielszenario für "Warcraft 3" ein unabhängiger Vollpreistitel wird, will das schon was heißen. Die Entwickler aus dem Hause Gas Powered Games haben sich alle Mühe gegeben und die Modifikation "Defense of the Ancients (DotA)" in ein neues Universum verfrachtet. Es wurde ein bisschen kopiert, ein bisschen unstrukturiert, ein paar Aspekte wurden entfernt, andere hinzugefügt: et voilà! "Demigod" schickt sich an, in den Götterolymp der Strategiespiele aufzusteigen.
Am Anfang war die Karte "Aeon of Strife" des zeitlosen Strategiehits "Starcraft". Daraus entsprang das "Warcraft III"-Szenario DotA, das prinzipiell wenig mit der Spielweise eines typischen Echtzeitstrategiespiels zu tun hat. Worum es geht? Die Spieler schlüpfen in die Rolle eines Helden, verbünden sich zu einem Team, sammeln nach bester Rollenspielmanier Erfahrungspunkte durch niedergemähte Gegner, werten sich dadurch auf und versuchen, durch geschicktes Teamplay die Kontrahenten von der Karte zu fegen.
Genau diesen Weg beschreitet auch "Demigod". Hier stehen Euch Halbgötter zur Verfügung, denen es nicht passt, immer nur in der Business Class mitzufahren. Sie wollen stattdessen ganz nach oben und ein volles Mitglied im Clan der Götter sein. Wie günstig, dass die Obergötter gerade einen der ihren geopfert haben und nun ein Stuhl im Kreis frei steht. Das ist Eure Chance, Karriere zu machen.
Das Einzige was Euch daran hindert, die Leiter aufzusteigen, sind sieben andere Halbgötter, die denselben Plan verfolgen, wie Ihr. Um zu entscheiden, wer am ehesten den gefallenen Gott ersetzen kann, haben die restlichen ein Turnier einberufen. In "Demigod" könnt Ihr auf insgesamt acht Karten beweisen, dass Ihr genau der richtige für diesen Job seid. Obwohl der Titel selbstverständlich auf das Mehrspielererlebnis ausgelegt ist, haben es Neulinge - zumindest anfangs - auch im Einzelspielermodus nicht leicht. Vielleicht gehen die Entwickler davon aus, dass jeder das DotA-Prinzip bereits kennt, denn eine Einführung gibt es für Neulinge nicht.
Die Matches beginnen ohne jegliches Tutorial oder andere Einstiegshilfen. Allerdings ist das Spielprinzip schnell begriffen und in Fleisch und Blut übergegangen. Die Feinheiten sollte sowieso jeder für sich erkunden. Alte DotA-Veteranen werden sich dagegen über die vergleichsweise geringe Anzahl an Helden wundern. Während das Mod-Vorbild rund 100 Protagonisten bietet, könnt Ihr bei "Demigod" gerade mal zwischen acht unterschiedlichen Fabrikaten mit jeweils unterschiedlichen Fertigkeitsbäumen wählen.
Die grenzen sich dafür sehr gut voneinander ab. Zum einen ist der Helden-Pool grundsätzlich in vier Assassinen und vier Generäle aufgeteilt. Während die Assassinen primär für brachialen Nah- oder Fernkampfschaden sorgen, überzeugen die Generäle durch beschwörbare Einheiten und Dinestleistungen wie Heilung oder Auren. Wer einen der Halbgötter wählt, sollte schon im Voraus wissen, worauf er hinaus will.
Wer sich beispielsweise für den wolkenkratzenden Rook (Der Turm) entscheidet, wird feststellen, dass dieser zwar ein hervorragendes Talent bei dem Hobby, Gebäude einzureißen, besitzt, dafür im Fernkampf anderen Halbgötter haushoch unterlegen ist. Hinzu kommt, dass er nicht der schnellste bei seinen Bewegungen ist und daher nur schwer fliehen kann.
Im Gegensatz dazu weiß Regulus, ein Schütze allererster Güte, wie man Feinde am besten aus der Ferne meuchelt. Eines seiner Talente befähigt ihn dazu, einen Pfeil quer über die Karte abzuschießen. Je länger das Projektil unterwegs ist, desto mehr Schaden richtet es dort an, wo es einschlägt. Dafür sollte er jedoch einige Minuten gespielt haben, bis seine Fähigkeiten etwas reifer sind. Im späteren Zustand ist er dank seiner Befähigung, nicht am Ort der Schlacht sein zu müssen, ein wichtiger und schwer einschätzbarer Geselle. Wiederum anders verhält es sich beispielsweise bei dem General Oak (Eichbaum). Bereits zu Beginn eines Matches kann er Geister, wenn auch nur schwache, aus den toten Leibern seiner Gegner ziehen.
Diese kämpfen für ihn und können im späteren Spielverlauf verbessert werden. Außerdem besitzt er die Fähigkeit, seine Verbündeten zu heilen, indem er Gegner umhaut.
Um einen anständigen Halbgott auf die Beine zu stellen, ist es natürlich Eure Aufgabe, die Fähigkeiten der Einheiten möglichst geschickt zu kombinieren. Die Chance dazu bekommt Ihr, wenn Ihr ausreichend Erfahrung im Kampf gesammelt habt und eine Stufe aufsteigt. Allerdings ist das nicht die einzige Möglichkeit, Euren Helden aufzuwerten. An unterschiedlichen Orten auf der Map habt Ihr Gelegenheit, Eurem angehenden Weltenlenker was schönes zu kaufen.
Direkt in Eurer "Endzone", befindet sich jeweils der Objekt-Laden, der neben diversen Rüstungsteilen für die fünf freien Ausrüstungsslots auch günstige Tränke anbietet. Von denen sollte jeder Halbgott immer ein paar im Gürtel haben. Schließlich regenerieren Lebensenergie und Mana nur schleppend und es kann wichtige Zeit kosten, bis zum eigenen Kristall der Gesundheit zurückzulaufen, der dann beides schnell wieder auffüllt. Die Tränke können auch in so genannten Artefakt-Läden erworben werden. Diese kleinen Schuppen befinden sich oft passend in der Mitte der Karte, wollen allerdings erst eingenommen werden. Hier sind die Drinks teurer, benötigen aber auch weniger Zeit, bis sie wirken. Außerdem gibt es hier mächtige Artefakte zu kaufen, die gleich mehrere Werte Eures Helden verbessern können.
Abgesehen von Tränken, Rüstung und Artefakten, bieten sich weitere Verbesserungsmöglichkeiten. Auf den jeweiligen Karten besitzt jede Partei eine Zitadelle. In diesem Haupthaus können dank angesammelter Kriegspunkte und dem Einsatz Gold wichtige Optimierungen für das gesamte Team erkauft werden. Beispielsweise können hier die Goldeinnahmen des Teams, der Erfahrungszuwachs der Helden, der Schaden von Türmen und Festungen oder auch die Lebensenergie von allen Gebäuden erhöht werden. Vor allem die Türme zählen anfangs zu den wichtigsten strategischen Punkten, da sie auf alles feuern, was nicht zum eigenen Team gehört und so die ersten herannahenden Wellen von Feinden abwehren.
Ebenso bedeutsam sind jedoch auch die Fahnen und Portale. Während die Flaggen - wenn sie erst einmal eingenommen worden sind - entweder das eigene Team unterstützen oder dem gegnerischen Team einen Malus verleihen, strömen aus den Portalen Horden von "normalen" Gegnern.
Auf den Karten existieren jeweils mehrere dieser Portale. Einige gehören Euch bzw. dem Feind, andere sind, genau wie die Fahnen, anfangs neutral. Wer die meisten dieser strategischen Punkte kontrolliert, hat das Match halb gewonnen. Schließlich kommen aus den Portalen unentwegt Einheiten. Gesteuert werden diese immer von dem Computer, doch sind sie als Kanonenfutter nicht zu unterschätzen. Im späteren Spielverlauf können sie beispielsweise auch beim Überrennen der gegnerischen Zitadelle von Nutzen sein.
Was genau Ziel Eures Angriffs ist, hängt von dem Spielmodus ab, mit dem die Siegbedingungen definiert werden. Insgesamt vier davon stehen zur Verfügung: Entweder müssen die Zitadelle oder alle Festungen des Feindes geschliffen, möglichst viele Kriegspunkte durch das Erobern und Halten von Fahnen erwirtschaftet oder aber ausreichend gegnerische Halbgötter niedergeschlagen werden. Jeder Spielmodus kann auf einer der einladend designten Karten gespielt werden. Leider stehen allerdings nur acht davon zur Verfügung, was für einen Multiplayer-Titel etwas mickrig ist. Bedient werden in Mehrspieler-Partien vier bis zehn Mitspieler.
Jeder, der ungern mit anderen zusammenspielt, wird mit "Demigod" sicherlich nicht wirklich glücklich. Der Einzelspieler-Modus ist nach 8 Schlachten oder etwa zwei bis drei Stunden - je nach Schwierigkeitsgrad - beendet. Eine Story existiert nicht. Wer nach den simpel aufeinanderfolgenden Karten nicht an der Spitze der Turnierrangliste steht, wird eben kein Gott und beginnt von vorn. Prinzipiell bereitet das nicht als Kampagne zu bezeichnende Einzespielererlebnis also nur auf den eigentlichen Hauptaspekt von "Demigod"vor: Kämpfe gegen reale Personen.
Wer sich darauf einlässt, bekommt handfeste Strategie-Action geboten. Die Einheiten sind bis auf wenige Ausnahmen gut ausbalanciert und ergänzen sich in einem Team wunderbar. Vorausgesetzt natürlich, alle Mitspieler legen ein gutes Teamplay an den Tag - am besten via Voice Chat, der im Spiel leider nicht integriert wurde.
Die europäischen Spieler können beinahe dankbar dafür sein, dass die Serverprobleme beim US-Release weitestgehend behoben sind. Für den Fall, dass alles klappt und die Ping-Zeiten der P2P-Verbindungen konstant niedrig bleiben, ergeben sich spannende und abwechslungsreiche Matches, die immer wieder für eine Überraschung gut sind. Unberechenbarkeit ist einer der Punkte, die "Demigod" auch langfristig interessant machen. Arbeitet das Team nicht zusammen, braucht es meist erst gar nicht auf dem Feld der Ehre anzutreten. Im Internet warten dann vielfältige Statistiken zu den Matches, Spielern und eine Rangliste auf die Götter-Aspiranten.
Der Umfang von "Demigod" lässt leicht zu wünschen übrig, und doch bekommen Spieler einiges geboten. Der simple und leicht verständliche Gameplay-Ansatz, die weitreichenden Upgrade-Möglichkeiten der Halbgötter und die äußerst spannenden Matches werden Spieler, die gerne gegen reale Menschen antreten, schnell überzeugen. Der Einzelspieler-Part ist dabei zu vernachlässigen und kann eher als Sandkasten zum Ausprobieren angesehen werden. Schade, dass der Umfang von "Demigod" mit nur jeweils acht Helden und Karten nicht wirklich groß ist. Hier wäre noch einiges mehr drin gewesen - vor allem bei einem Vollpreistitel. Dafür sind sowohl die Helden als auch die Karten klasse inszeniert und ähneln sich kaum. Auch die vier unterschiedlichen Spielmodi bringen Spaß und Abwechslung.
Einzelgängern, die lieber unter sich bleiben, kann "Demigod" nicht empfohlen werden. Zwar ist die KI gelungen, so dass auch mal ein Turnier oder ein kleines Skirmish die Zeit vertreiben, doch liegt der Fokus natürlich auf dem Teamkampf mit realen Gegnern. Wer damit kein Problem hat, wird interessante Kämpfe erleben, die packend und anspruchsvoll zugleich sind.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Demigod im Test.
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