Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde 2

Review
Plattform
PC
Vertrieb
-
Entwickler
-
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
12
Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde 2 [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

87%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde 2

Schlacht um Mittelerde 2 Video-Review (High Quality | 159 MB)

Schlacht um Mittelerde 2 Video-Review (Low Quality | 36 MB)

In den Kinos ist der Ringkrieg schon lange vorbei, auf dem PC fängt er jetzt wieder richtig an, zumindest für Echtzeitstrategiespieler. Mit Die Schlacht um Mittelerde 2 versucht EA, an den Erfolg des ersten Teils anzuknüpfen und dank neuer Features und einer größeren Anlehnung an J.R.R. Tolkiens Romanvorlage auch die restlichen HdR-Fans für sich zu gewinnen. In unserem Review erfahrt ihr, was Die Schlacht um Mittelerde 2 auf dem Kasten hat.

All-in-one

Anders als im direkten Vorgänger werden in Schlacht um Mittelerde 2 nicht nur die Geschehnisse aus Peter Jacksons Filmtrilogie behandelt, sondern, dank EAs Erwerb der Tolkien Buchlizenzen auch die Konflikte und Charaktere, die es nicht auf die Leinwand geschafft haben. Somit verlagert sich der Dreh- und Angelpunkt von SuM 2 aus dem Süden Mittelerdes, wo sich Aragorn, Gandalf und Co. auf die Belagerung von Minas Tirith vorbereiten in den Norden von Tolkiens Fantasiewelt, wo Elben und Zwerge gemeinsam erbittert gegen die Ork-Horden aus Mordor um jedes Stückchen Land kämpfen. Je nach Gesinnung darf man sich, sollte man die Story-Missionen in Angriff nehmen wollen, entweder für die böse oder für die gute Kampagne entscheiden, jede beinhaltet jeweils acht Missionen. Wer sich zuerst einweisen lassen will, sollte die ausführlichen Tutorials in Angriff nehmen, die jedem Neueinsteiger Schritt für Schritt die wichtigsten Funktionen des Spiels näher bringen.

Alteingesessene Schlacht um Mittelerde-Veteranen werden sich im Sequel sofort zurecht finden. Alles ist an seiner Stelle geblieben und gewohnt übersichtlich. Wer sich seinerzeit über den recht gewöhnungsbedürftigen Festungsbau mit seinen festgelegten Bauplätzen geärgert hat, wird positiv überrascht, da man nun, wie auch aus anderen Echtzeitstrategiespielen gewohnt, alle Gebäude frei in der Landschaft platzieren darf.

Die für den Bau von Gebäuden und für das Ausbilden von Einheiten benötigten Ressourcen werden aus Minen gewonnen, die bei jeder der insgesamt sechs spielbaren Rassen anders aussehen. So erhalten die Menschen des Westens ihre Ressourcen aus den bereits im Vorgänger enthaltenen Gehöften, die Zwerge schürfen tief in ihren Minenschächten und um den Rohstoffnachschub der Uruk-Hai aus Isengard zu gewährleisten, müssen feurige Schmelzöfen errichtet werden.

Kein fauler Zauber

Was wäre Mittelerde nur ohne seine Heroen und Bösewichte? Mutig stellen sich die Anführer von Menschen, Elben und Zwergen gegen die übermächtig wirkenden Ork- und Uruk-Hai-Truppen von Sauron und Saruman. Dank der Buchlizenz stehen einem diesmal auch bekannte Roman-Charaktere wie der Elbenkrieger Glorfindel, Gimlis Vater Gloin oder der Orkkönig persönlich zur Verfügung, die spielende HdR-Strategen vielleicht noch aus Vivendis RTS-Titel Der Ringkrieg von vor drei Jahren in Erinnerung behalten haben. Jeder der Helden hat bestimmte aktive und passive Spezialfähigkeiten, im Besitz von letzteren sind z.B. große Anführer wie König Theoden von Rohan, der allen Truppen in seinem nahen Umkreis durch seinen Führerschaftsbonus mehr Durchschlagskraft verleiht. Zu den aktiven Fähigkeiten zählen hingegen beispielsweise Speziattacken wie ein extrastarker Hammerschlag von Gloin oder der magische Sturm des ehemals weißen Zauberers Saruman, mit Hilfe dessen er ganze Truppenverbände niedermähen kann. Aber nicht nur die Helden, auch der Spieler selbst hat bestimmte Spezialfähigkeiten zu Verfügung.

Wie auch im Vorgänger kann man sich in einem Extra-Bildschirm, sofern man genügend Punkte beisammen hat, für eine dieser Fähigkeiten entscheiden. Hierzu gehören zum Beispiel ein Heilzauber, der die Lebensenergie aller Einheiten in einem bestimmten Umkreis wiederherstellt, ein Wiederaufbauzauber, der ein bestimmtes, fast zerstörtes Gebäude im Handumdrehen wieder zusammenflickt oder die großkalibrigen Zauber, mit denen unter anderem ein Erdbeben, ein feuerspeiender Drache oder gar ein Balrog herbeigerufen werden kann.

Eine spezielle Position nehmen die zwei sogenannten Ring-Helden ein. Für die Guten geht Galadriel ins Rennen, Bösewichte dürfen sogar Sauron persönlich steuern. Auf Nicht-Kampagnenkarten muss man, um diese Helden herbeirufen zu können, erst Gollum ausfindig machen und besiegen. Dieser trägt nämlich den einen Ring bei sich. Sobald das Schmuckstück seinen Besitzer gewechselt hat, steht dem Spieler sein persönlicher Ring-Held mit besonders starken Spezialfähigkeiten zur Verfügung. Wird er besiegt, fällt der Ring einfach auf den Boden und wartet darauf, von seinem nächsten Besitzer aufgehoben zu werden. Wird der Ring übrigens von einer Einheit eingesammelt, wird diese auf der Übersichts- und Spielkarte für den Gegenspieler sichtbar.

Wem die Film- und Romanhelden nicht reichen, der darf sich neuerdings sogar selbst einen eigenen Helden erstellen. Dabei stehen einem verschiedene Rassen und Klassen zur Verfügung, vom menschlichen Ritter über einen Zauberer bis hin zu einem Troll. Außer Aussehen und Bewaffnung darf man dem Self-Made-Helden Charakterattribute wie Stärke und Heilungsrate zuweisen, sowie die Spezialfähigkeiten, auf die er später im Spiel bei jedem Levelaufstieg Zugriff erhalten soll. Nach der Fertigstellung darf man ihn dann entweder in Skirmish-Duellen mit der Computer-KI oder in Multiplayer-Matches über LAN und Internet im Kampf einsetzen.

Festungsmanagement

Mittelpunkt einer jeden Basis ist die Festung. Hier werden unter anderem die mächtigen Helden ausgebildet und auch Mauerknoten, die nach ihrem Erbauen als Ausgangspunkt für mächtige Wälle dienen, können an mehreren Stellen rund um die Festung errichtet werden. Genau wie fast alle anderen Gebäude kann auch die Festung ausgebaut werden. Durch das Ausbauen auf eine neue Stufe werden neue Upgrades oder Einheiten freigeschaltet, die fortan im jeweiligen Gebäude erstellt werden können, so bekommt man beispielsweise erst ab einer Kaserne der Stufe zwei Zugriff auf stärkere Fußtruppen.

Upgrades, wie verstärkte Rüstungen oder Bannerträger werden in der Schmiede erforscht. Diese werden dann aber nicht automatisch allen Einheiten zugewiesen, man muss, wie auch schon im Vorgänger, jedes Bataillon manuell mit dem Upgrade ausstatten. Anders als im Vorgänger ist man in SuM 2 nicht mehr nur auf das Festland beschränkt, dank eines umfangreichen Repertoires an Schiffen darf man nun auch die Seestraßen und Meere unsicher machen, bzw. vom Korsaren-Abschaum säubern.

Gut geklaut, schlecht umgesetzt

Was auch in Rome: Total War und Star Wars: Empire at War funktioniert hat, muss auch in Schlacht um Mittelerde 2 funktionieren haben sich die Entwickler wohl gedacht, und dem Spiel kurzerhand einen interaktiven Rundenstrategiemodus beigefügt, den Ringkrieg. Den gab es zwar auch schon im Vorgänger, damals jedoch in einer stark abgespeckten Variante. Nun darf man, außer seine Truppen durch die Territorien Mittelerdes zu hetzen in seinen Ländereien auch ganze Gebäude platzieren – das Gehöft für die Rohstoffzufuhr, eine Kaserne zum Ausbilden neuer Kampfbataillone, eine Festung zur Erhöhung des Verteidigungswertes sowie eine Waffenschmiede um Einheiten-Upgrades zu erforschen, das war’s dann leider auch schon Es gibt insgesamt drei Ringkrieg-Modi, in einem ist es z.B. die Aufgabe des Spielers, alle vorgegebenen feindlichen Territorien einzunehmen und drei Runden lang zu halten. Kommt es in einem Territorium zum Kampf, darf man sich entweder dazu entscheiden, den Gegner in Echtzeit zu bezwingen oder den Computer entscheiden lassen, wer den Sieg davon trägt.

Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde 2 (10 Bilder)

Grafisch hat Schlacht um Mittelerde einiges auf dem Kasten. Dafür ist hauptsächlich die knapp drei Jahre alte C&C Generäle Grafikengine verantwortlich, die auch 2006 noch zeigt, was sie drauf hat. Dank aktueller Shadereffekte sowie detaillierter Texturen und überragender Animationen braucht sich SuM 2 vor keinem seiner Genrekonkurrenten zu verstecken. Unterhalb eines 1,4 GHz starken Prozessors samt mindestens einer GeForce-Karte der fünften Generation sollte man sich den Kauf zweimal überlegen, da das Spiel so ganz schnell zu einem Zeitlupenabenteuer mutieren kann. Für reichlich Atmosphäre zwischen den Missionen sorgen gut inszenierte Zwischensequenzen mit der deutschen Synchronstimme von Halbelb Elrond als Erzähler. Leider hat es EA jedoch versäumt, allen Charakteren die deutschen Filmstimmen zu verleihen. Soundtechnisch gibt es nichts zu meckern, dank des stimmigen Herr der Ringe-Soundtracks wird das Spiel zu einem richtigen Ohrenschmaus.

Fazit

Schlacht um Mittelerde 2 war für mich ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits ist da die ausgezeichnete Präsentation, die im Vergleich zum Vorgänger aufgebohrte Grafik und die unschlagbare Herr der Ringe-Atmosphäre. Andererseits frage ich mich, wieso bei der Story so viel Potenzial verschenkt wurde? Zweimal acht Missionen, wobei jede Mission ohne Probleme in einer knappen halben Stunde zu schaffen ist? Das ist für das umfangreiche HdR-Universum mit seiner Vielfalt an Ereignissen und zu erzählenden Geschichten einfach zu wenig. Auch der Ringkriegmodus ist alles in allem nur heiße Luft und taktisch so anspruchsvoll wie eine Partie Mensch ärgere dich nicht.

Dann ist da aber noch der Multiplayermodus – und der macht wirklich Laune. Das „reformierte“ Aufbausystem, die drei neuen spielbaren Parteien samt einiger frischer Spezialfähigkeiten und das „Ich muss meine Festung um jeden Preis verteidigen“-Gefühl haben mich den Frust, den ich im Einzelspielermodus erlebt habe, so gut wie vergessen lassen. Im Großen und Ganzen hat Schlacht um Mittelerde 2 seinen Vorgänger letztendlich trotz des zu kurzen Einzelspielerumfangs übertrumpft. Egal ob Filmfans, Romanleser, Neueinsteiger oder fette, garstige Hobbits, alle Strategiespieler dürfen, nicht zuletzt wegen der 1A-Präsentation und Atmosphäre ohne große Bedenken zugreifen.

Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde 2 [PC , Justgamers]

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