Gesamtwertung81%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Vor knapp fünf Jahren eroberte das taktiklastige Echtzeitstrategie-Genre mit Desperados Wanted Dead Or Alive auch den Wilden Westen. Mit dem Sequel Coopers Revenge spinnt Spieleschmiede Spellbound nun die Geschichte des Kopfgeldjägers John Cooper und seinen Begleitern weiter. Mit gleich bleibendem Spielprinzip und neuer Vision Engine, die 3rd Person-Ansichten möglich macht, versucht der Entwickler den Spieler wieder in den Charme des Wilden Westens zu ziehen und die Jagd auf Gesetzlose, Indianer und anderen Banditen erneut zu eröffnen. Ob es mit Desperados 2 für einen weiteren großen Wurf gereicht hat, oder nur ein müder Abklatsch des Vorgängers gelungen ist, klärt unser Review.
Die Story Stoff für einen Westernroman?
Selbst ein John Wayne Film könnte nicht spannender erzählt werden, als die Geschichte um Desperados 2. 1883, um den Mord an seinem Bruder zu rächen, trommelt John Cooper seine alte Truppe, bestehend aus der hübschen Kate OHara, dem sarkastischen Doc McCoy, dem Sprengstoffexperten Sam Williams sowie dem Mexikaner Pablo Sanchez zusammen. Auf der Jagd, stolpern die Gefährten immer weiter in ein Komplott bestehend aus Verschwörung und überraschenden Wendungen, die mit Coopers eigener Vergangenheit dicht verknüpft sind. Als Schauplätze dienen wieder einmal klassische Wild- West Kulissen, wie Indianersiedlungen und Forts, sowie Wälder, Steppen und Schluchten zu verschiedenen Tageszeiten. Verbunden werden diese Schauplätze, durch zahlreiche Zwischensequenzen, die im Gegensatz zum ersten Teil, in Form von einzelnen aneinander gereihten Zeichnungen die Storyline vorantreiben. Der Indianer Hawkeye, welcher als spielbarer Charakter die Rolle der Mia Yung einnimmt, sorgt nach einem Drittel des Spiels ebenfalls für neuen Schwung. Insgesamt besteht Desperados 2 dabei aus sechs Kapiteln, wobei ein Kapitel aus mehreren Sub-Missionen besteht, die allesamt bewältigt werden müssen.
Taktik weicht Action
Als eine der wichtigsten Neuerungen ist zweifelsohne die 3rd Person Ansicht zu nennen. Dadurch erhält der klassische Taktikmodus zusätzlich einen gewissen Actionanteil, der jedoch in einigen Missionen die Taktik komplett verdrängt und dem Spieler die Möglichkeit bietet Gegner in guter alter Lara Croft - Manier dem Erdboden gleich zu machen. Mit dieser Methode lassen sich, zum Leid aller Strategen, so mancher Auftrag lösen. Unterstützend ist hierbei der Reichtum an Munition, Gasphiolen, sowie Dynamit, welches getötete Banditen einfach fallen lassen. So erwischt man sich nicht selten dabei wie man mit Scharfschützengewehr und Tonnen Munition bewaffnet von einem Felsen aus Dutzende Widersacher einfach und sicher niedermäht, ohne auch nur einen Kratzer abzubekommen. Im Gegensatz dazu erweisen sich Missionen in denen das Verletzen, oder gar Töten von Gegnern strikt verboten ist, als wahrer taktischer Genuss. Geschickt muss man die einem zur Verfügung stehenden Helden einsetzen um Ablenkungsmanöver, sowie Hinterhalte vorzubereiten. Dabei helfen die jeweils vier individuellen Eigenschaften der Charaktere. So lässt Kate OHara ihre Reize spielen, dem Gegner den Kopf zu verdrehen, um diese dann mit einem gezielten Tritt in den Unterleib ins Land der Träume zu schicken.
Doc McCoy hingegen bedient sich den Mitteln der Allgemeinmedizin in Form von Gasphiolen, gefüllt mit Betäubungsgas. Mit Fesseln werden die Bewusstlosen ganz außer Gefecht gesetzt, bevor sie wieder aufwachen können. Das geschickte Zusammenspiel ist hierbei der Schlüssel zum Erfolg, auch wenn ab und an auch an einer Wache dicht vorbeigelaufen werden kann, solange der Sichtkegel nicht berührt wird.
Doch dieses Maß an hochprozentigem Realismus kann man wohl bei einem Taktikstrategiespiel, welches auf das Prinzip der Sichtkegel, bzw. in Desperados 2 integrierten Geräuschfeldes setzt, nicht erwarten. Dieses Grundproblem auf die KI der Gegner zu schieben wäre daher schlichtweg falsch. Positiv ist weiterhin zu erwähnen, dass man dennoch ständig die freie Wahl zwischen den Perspektiven behält und dadurch im laufenden Spiel ständig hin und her wechseln kann. Somit bleibt es letzten Endes dem Spieler selbst überlassen, ob man die Mission strategisch-taktisch oder actionreich-brutal löst; Die letztere Methode erweist sich jedoch bei höchstem Schwierigkeitsgrad (Desperado) zunehmend kniffliger. Hier rettet jedoch, wie auch im Pistolero Schwierigkeitsgrad, häufig der Quicksave, welcher zusätzlich mit einer Backup Funktion erweitert wurde, welche es möglich macht auch den vorletzten Schnellspeichereintrag noch einmal zu laden.Yippiyayee Schweinebacke!'
Nicht nur grafisch, sondern vor allen Dingen soundtechnisch überzeugt Desperados 2 auf ganzer Linie. Ähnlich wie beim Vorgänger, wird auch hier der Charme des Wilden Westens sehr gut getroffen; Die Hintergrundmusik ist damit nicht von derer großer Westernklassiker wie beispielsweise 12 Uhr Mittags zu unterscheiden.
Dynamisch übernimmt man mit dem Wechsel von langsamer in schnellerer Soundkulisse, bei Entlarvung durch einen Gegner, das Prinzip des Vorgängers um zusätzlich Spannung zu erzeugen.
Auch die Synchronisation der Charaktere, allen voran die von Kopfgeldjäger John Cooper, welcher, wie im ersten Teil, von Manfred Lehmann, der deutschen Stimme von Bruce Willis gesprochen wird, ist durchweg gelungen; So lassen die sarkastische Sprüche von Doc McCoy, oder Sams Yippiyayee Schweinebacke!', vielen bekannt aus Stirb Langsam, immer wieder von Neuem das ein oder andere Schmunzeln zu. Grafisch sind die Charaktere, sowie die Umgebung mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Die 3rd Person Ansicht, sowie die isometrische Darstellungen mit Zoom und Drehung, gewähren dem Spieler eine Ansicht ihres Umfeldes von allen Seiten gleichermaßen scharf. Steine am Boden, Risse in Mauern, sowie Büsche wirken äußert real und glaubwürdig, da die Texturen nicht monoton und trist eingesetzt werden, sondern auch für das gewisse Maß an Abwechslung sorgen. Spezialeffekte, wie Rauch, Explosionen und Wasserspiegelungen wirken ebenfalls gelungen und mit der Havoc Engine sorgt der Entwickler für eine funktionierende Physik.