Gesamtwertung90%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Die wohl bekannteste deutsche Spielserie, nicht nur hierzulande, sondern auch im Rest der Welt bekommt nun einen weiteren Nachfolger spendiert. Für den mittlerweile fünften Teil der Serie hat sich Entwickler Blue Byte Großes vorgenommen. Egal ob Grafik, Wirtschaftssystem oder Story, nahezu alles wurde generalüberholt. Ob dabei das Siedler-Flair verloren gegangen ist, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test.
Die Story im neuen Siedler-Teil dreht sich um den Helden Dario. Als Sohn des verstorbenen Königs ist es nun seine Aufgabe, nach der Machtübernahme des bösen Kerberos, sein Reich gegen die dunklen Horden des schwarzen Ritters zu verteidigen und wieder Frieden in die Ländereien zu bringen. In den 16 Missionen der Hauptkampagne stößt er aber nicht nur auf skrupellose Feinde. Auch Verbündete schließen sich dem jungen Helden an. Allen voran Darios bester Freund Erec, den er bereits früh im Spiel trifft, und der fortan an seiner Seite kämpft. Später im Spielverlauf kommen unter anderen auch Pilgrim der Sprengmeister und Ari die Bogenschützin dazu. Wer neu ist, und sich noch nicht auskennt, der sollte sich vor den eigentlichen Missionen auf das Tutorial stürzen, denn hier werden alle wichtigen Spielmechanismen ausführlich erklärt.
Jeder der Helden hat mehrere Spezialfähigkeiten, die besonders im Kampf von Nutzen sein können. Der Hauptcharakter Dario hat immer seinen treuen Falken dabei, durch welchen er eine größere Sichtweite hat als andere Einheiten. Pilgrim versteht es sehr gut mit Sprengstoff umzugehen. Wenn den Helden mal eine Felswand den Weg versperrt, ist diese Fähigkeit von großem Nutzen. Ari die Bogenschützin schließlich kann sich tarnen, und so unbeobachtet an feindlichen Wachposten vorbeischleichen.
Bevor man sich aber mit einer bis an die Zähne bewaffneten Truppe in die Schlacht stürzen kann, sollte diese ausgerüstet werden. Soldaten jedoch gibt es nicht ohne eine Kaserne, in der sie ausgebildet werden. In dieser kann man wiederum nichts machen, wenn nicht genug Eisen vorhanden ist, welches wiederum zunächst abgebaut werden muss. Dieser Ablauf ist so ziemlich das einzige, was vom komplexen Warenkreislauf geblieben ist, denn im Vergleich zu den Vorgängern wurde der neueste Teil in dieser Hinsicht am meinsten beschnitten. Die jetzt nur noch wenigen Rohstoffe werden nun wie in den meisten Strategiespielen abgebaut, müssen aber nicht umständlich zum nächsten Lager gebracht werden, sie wandern direkt vom Platz des Abbaus aufs Konto des Spielers. Echte Warenkreisläufe gibt es nicht mehr. Waren früher noch mehrere Arbeitsschritte nötig um einen Gegestand anzufertigen, müssen sich die Spieler von Das Erbe der Könige lediglich mit den fünf vorhandenen Rohstoffen abgeben. Holz, Eisen, Lehm, Stein und Schwefel müssen die fleißigen Siedler eigenhändig schürfen, falls keine Mine vorhanden ist.
Minen und Steinbrüche kann man in Gruben oder auf Felswänden aufbauen. Von da an kümmern sich fest angestellte Arbeiter um den Abbau. Wem das dann nicht schnell genug geht, der kann nebenbei auch weiterhin seine Leibeigenen nach den lebenswichtigen Materialien graben lassen.
Das Spiel würde nicht Die Siedler heißen, wenn es nicht um Siedeln ginge. Und Siedler brauchen neben einem Arbeitsplatz auch ein Plätzchen zum Wohnen und Essen. Sollte das nicht der Fall sein, sinkt die Motivation der Arbeiter so tief, dass sie letztendlich einfach das Dorf verlassen. Das selbe kann passieren, wenn die Steuern zu hoch gesetzt sind. Um dem vorzubeugen sollten immer genug Wohnhäuser und Farmen bereit stehen. Sind diese einmal voll besetzt, kann man sie immer noch in zwei Stufen ausbauen und damit Platz für weitere Arbeiter schaffen. Durch Zierbauten wie Statuen, Brunnen oder Blumenbete steigt die Motivation ebenfalls.
Sind genug Rohstoffe angehäuft, kann man mit der Weiterverarbeitung beginnen, auch wenn dieser Begriff nicht hundertprozentig zutrifft. Dies spielt sich in den sogenannten Veredelungsgebäuden ab. Hier werden die Rohstoffe aber nicht zu Rüstungen oder Schwertern weiterverarbeitet. Baut man zum Beispiel eine Ziegelbrennerei, die Lehm verarbeitet, werden nicht etwa Ziegeln hergestellt. Einzig die Masse des Lehms wird vergrößert. Das gleiche gilt auch bei der Schmiede, dem Steinmetz, dem Sägewerk und der Alchemistenhütte, die für den Schwefel zuständig ist. Jedes Gebäude im Spiel hat mehrere Ausbaustufen, die Kaserne wird zur Garnison, der Bauernhof zur Mühle und später sogar zum Gasthof. Immer wenn man ein Gebäude eine Stufe höher entwickelt, werden neue Technologien zum Erforschen freigeschaltet bzw. bei Wohnhäusern und Bauernhöfen mehr Platz für Siedler geschaffen. Der ist auch nötig, denn bei einer Stufenerhöhung finden meistens weitere Siedler Arbeit im ausgebauten Betrieb.
Stichwort Technologie: ohne diese würden die Siedler auch nach längerer Zeit noch immer mit primitiven Werkzeugen Rohstoffe abbauen oder Soldaten würden in Lederwesten gegen stark gepanzerte feindliche Ritter antreten. Neue Technologien erforscht man in der Hochschule, später in der Universität. Durch die Forschungen der Gelehrten kann der Spieler entweder neue Gebäudestufen freischalten oder die Fähigkeiten von Leibeigenen bzw. Soldaten verändern. Die einen bekommen besseres Schuhwerk spendiert, damit sie schneller laufen, die anderen nutzen fortan effektivere Pfeile, die dann auch die stärkste Rüstung durchbohren. Sogar das Wetter kann man nach langwieriger Forschung voraussagen und sogar beeinflussen. Und das erweist sich auch als ziemlich hilfreich, denn wer möchte schon warten bis im Winter die Flüsse und Seen zufrieren um den Feind auf seiner abgelegenen Insel zu erreichen oder wer will schon durch Regen und Nebel eine eingeschränkte Sichtweite haben. Andere Auswirkungen haben die Jahreszeiten auf den Spielverlauf allerdings nicht.
Rohstoffe sind genug da, die Stadtkasse ist durch Steuereinnahmen prall gefüllt, die wichtigsten Technologien sind erforscht, nun kann der Angriff gegen den Feind beginnen. Insgesamt sieben Kampfeinheiten kann man rekrutieren und upgraden. Dazu gehören Schwertkämpfer, Lanzenträger Kavallerieeinheiten sowie Kanonengeschütze. In der Kaserne werden Fußtruppen ausgebildet, und zwar immer so, dass nach einer schönen Trainingsanimation auf dem Hof des Gebäudes ein Hauptmann samt einer bestimmten Anzahl Soldaten herauskommt. Diese Anzahl variiert je nach Entwicklungstufe. Sollten im Kampf einige Soldaten getötet werden, ausgenommen des Hauptmanns, kann er zur Kaserne zurückkehren und dort, vorausgesetzt es sind genügend Rohstoffe vorhanden, seine Truppe wieder aufstocken.
Neben der Kampagne stehen einem auch noch mehrere Freispielkarten zur Verfügung. Auf diesen gibt es meistens ein bis zwei Gegner, die man entweder beide besiegt oder mit einem Frieden schließt und dann mit vereinten Kräften den anderen in die Knie zwingt.
Außerdem gibt es auf den Karten noch diverse andere Charaktere, die spezielle Aufträge oder Tipps parat haben. Im Mehrspielermodus dürfen bis zu sechs Spieler über LAN oder Internet mit- oder gegeneinander antreten.
Bei den Spielmodi kann man sich zwischen drei entscheiden: Eroberung, Technologierennen und Punktespiel. Im ersten gilt es die Haupthäuser aller Feinde zu vernichten, im Technologierennen geht es darum, so schnell wie möglich alle Technologien in der Hochschule zu erforschen. Eine Punktespielpartie dauert eine Stunde und wer am Ende die meisten Punkte angehäuft hat, gewinnt. Friedliebende Spieler dürfen außerdem noch wählen wie lange Waffenstillstand herrscht. Wer jedoch auf ein schnelles Spiel aus ist, der ist mit der Blitzpartie gut bedient. Hier startet man mit mehr Rohstoffen, Leibeigenen und Gebäuden. Anders als in der Kampagne und den Freispielmissionen kann man im Mehrspielermodus neben den guten auch die Geschicke der drei bösen Helden Kerberos, Lady Mortifichet und Varg übernehmen.
In grafischer Hinsicht ist den Entwicklern von Blue Byte, im Vergleich zu den vorherigen Titeln, ein großer Sprung gelungen, auch wenn dieser Aspekt die meisten eingefleischten Fans nicht freuen wird.
Die Grafik ist erwachsener geworden, dafür mussten aber leider der von vielen gemochte knuddelige Grafikstil weichen, so dass kein richtiges Siedler-Feeling mehr aufkommt. Die Landschaften, Gebäude und Einheiten sind sehr detailliert und liebevoll animiert. Besonders die Siedler, die gerade ihre Arbeit verrichten sind immer wieder einen Blick wert. Dennoch haben es die Entwickler auch bei all dieser Detailtiefe geschafft, dass das Spiel auch auf älteren Rechnern noch recht gut läuft. Ab einem 800 MHz Prozessor, mindestens 256 MB RAM und einer GeForce 2 kann man lossiedeln, wenn auch mit einigen Einbußen was die Grafikqualität angeht. Bei älteren Karten können Optionen wie Eisreflektionen oder Schatten gar nicht erst aktiviert werden, um so unnötigen Ruckeleien vorzubeugen.
So schön die Grafik aber auch ist, der Sound wurde verpatzt. Nur die schönen Musikstücke die einen während des Siedelns begleiten sind ein Ohrenschmaus. Die deutsche Sprachausgabe ist wiedereinmal ungelungen. Zum einen sind daran die Sprecher schuld, die so garnicht ins Spiel passen, allen voran der bekannte Komiker Oliver Kalkofe, der dem Spieler als Mentor mit Rat und Tat zur Seite steht. Auch die übrigen Sprecher wirken unpassend, genauso wie die Kommentare der Leibeigenen. Hier hätte man sich ruhig etwas mehr Mühe geben können.
Da Die Siedler: Das Erbe der Könige auf DVD ausgeliefert wird und das Spiel selbst nur etwas über 1 GB Festplattenplatz belegt, musste man sich einfallen lassen, was man sonst noch auf den Rohling pressen könnte. Auf der Scheibe befindet sich neben einem kompletten Technologiebaum im PDF-Format auch ein ausführliches Making of... Special, in dem von Producer Benedikt Grindel erklärt wird, wie das Spiel entstand, von Konzeptzeichnungen und Recherchen bis zum Erstellen der Spielfiguren und der Vermarktung. Außerdem gibt es ein Games Convention Special zu sehen, das sich um die finnische Band Apocalyptica dreht, die den Soundtrack zum neuesten Siedler Teil geschrieben und komponiert hat.
Einen richtigen Griff ins Klo hat man mit den Sprechern gemacht. Wieso muss man immer für deutsche Versionen nur derart unpassende Stimmen auswählen? Gerade wegen diesem Problem, dass die Atmosphäre gehörig trübt, schafft es Blue Bytes neuester Titel nicht über die 90% hinaus. Auch im sonst überzeugenden und spaßigen Mehrspielermodus dauert für mich der Basisbau einen Tick zu lang.
Beinharte Fans der Reihe werden natürlich wegen der Änderung des typischen Grafikstils und der Abschaffung der komplexen Warenkreisläufe trauern. Nichtsdestotrotz sollten auch sie wenigstens einen Blick auf das Spiel werfen, für mich jedenfalls gehört das Spiel gleich nach Far Cry zum Besten was Spiele-Deutschland zu bieten hat. Jeder, der etwas von Aufbauspielen hält, kann und sollte zugreifen.
Die Siedler: Das Erbe der Könige im Test.
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