Gesamtwertung91 %/10 |
Grafik7 Sound7 |
Lanzeitspaß10 Spieleinstieg10 |
Bedienung10 |
Mehr als neun Jahre sind vergangen, seit Maxis mit dem ersten Die Sims-Teil Videospielgeschichte schrieb. In dieser Zeit ist nicht nur der Nachfolger, sondern auch eine unüberschaubare Anzahl offizieller und inoffizieller AddOns erschienen, die es dem betuchten, denn Geld hat der ganze Krempel immer unverhältnismäßig viel gekostet, Sims-Zocker erlaubten, seine kleine, virtuelle Welt zu bereichern. Nun steht der dritte Teil in den Startlöchern und man fragt sich, was Maxis eigentlich noch am Spielprinzip verbessern will? Klar, man kann alles spektakulärer und größer machen, aber wenn man die Fixformel nicht vorantreibt, wird wohl auch die meist verkaufte Spiele-Serie der Welt irgendwann, zumindest in der Presse, durchs Raster fallen. Ob das bei Die Sims 3 der Fall ist oder ob uns die Entwickler eine gänzlich neue Lebenssimulation in die Hände geben, klärt unsere Reise durch das Leben von Gerd.
Wie bei den meisten von uns, darf auch die Entstehungsgeschichte von Gerd als durchaus komplexe Mischung aus Zufall, Schicksal und Idiotie bezeichnet werden. Denn bevor wir überhaupt mit dem Kreieren unserer Spielfigur beginnen konnten, musste natürlich erst einmal das Spiel installiert werden.
Immerhin, das funktionierte noch reibungslos. SecureRom nistet sich ja Gott sei Dank selbst ein, ohne uns überhaupt zu fragen, ob und wo es auf unserer Festplatte werkeln darf und auch die eigentliche Installation bereitet keine Probleme. Kritisch wird es erst, wenn man das Spiel auch zocken möchte. Warum? Nun, in unserem Fall startete zwar zunächst der Launcher, als wir aber den Spielbutton anklickten, brummte unser PC kurz und ging dann gemütlich wieder in den Ruhemodus über. Andere User sprechen von unerträglichen Grafikfehlern, von Abstürzen hervorgerufen durch unterschiedliche, nicht geklärte Ursachen, von Launchern, die in fremden Zungen sprechen und auch von mysteriösen Systemneustarts.
Um es kurz zu machen: Auch nach mehrmaliger Neuinstallation war es uns nicht möglich, Die Sims 3 auf dem ersten Versuchsrechner zu starten. Also weiter zum Zweiten. Und siehe da, das Spiel funktionierte. So gut es geht eben. Unnötige Ruckler hier und da, einige Grafikfehler und so weiter sind trotzdem zu beobachten. Langsam fragen wir uns, wieso EA sich nicht in der Rolle des Vorbildes sieht und endlich wieder Spiele herausbringt, die auch wirklich fertig sind?
Warum müssen wir uns ständig mit Halbgarem abfinden? Aber wir sind sicher, ein Patch ist bereits in Arbeit. Vermutlich wurde mit den Arbeiten daran sogar schon länger vor dem Release begonnen. Eine Schande.
Zählt man zu den glücklichen, die es ins Spiel schaffen und dieses auch, mehr oder weniger, fehlerfrei ausgeführt wird, so bietet sich jedoch von Beginn an ein großartiges Bild. Zunächst entscheidet man sich, wie gewohnt, wie viele Sims man steuern möchte. Um nicht durcheinander zu kommen, erstellen wir erst einmal nur unseren Gerd. Nachdem wir die obligatorischen Daten, wie Name, Körpergewicht und so weiter eingegeben haben, gelangen wir in den unglaublich detaillierten Charakter-Editor. Für Ungeduldige stehen allerdings auch unglaublich viele vorgefertigte Sims zur Auswahl. Wir aber wollen einen Sim, der unseren Stil am Besten ausdrückt, einen Gerd eben.
Also verpassen wir Gerd kleine Ohren, große Augen, eine anständige Wampe und ein Durchschnittsgesicht vom aller Feinsten. Der Editor bietet dabei fast unbegrenzte Möglichkeiten seinen Sim zu individualisieren. Für Frauen gibt es sogar noch ein extra MakeUp-Tool, mit dem sie nicht nur Liedschatten und Schminke, sondern auch Rouge und den ganzen anderen Kram auftragen können. Als nächstes wird Gerd eingekleidet. Er bekommt Abendkleidung, einen Schlaf- und einen Badeanzug (Anm. d. Red.: Ja, einen Ganzkörper-Anzug.), Freizeit- und Arbeitskleidung. Auch hier kann man wieder aus vorgefertigten Klamotten auswählen oder sich selbst welche zusammenstellen, diese farblich anpassen und sogar mit Mustern versehen.
Die wohl wichtigste Neuerung zu Beginn des Spiels ist allerdings der Persönlichkeitseditor. Dieser bietet die Möglichkeit, den Charakter seines Sims ganz nach eigenem Geschmack auszuprägen. Insgesamt gibt es 60 Charaktermerkmale zwischen denen man wählen kann, die wiederum in vier Kategorien unterteilt sind.
Leider darf man aber nur fünf der Gleichen wählen und sollte sich deshalb intensiver mit diesem Part der Sim-Erstellung beschäftigen, weil diese Eigenschaften später nicht nur das soziale Leben, sondern auch das Abschneiden in der Arbeitswelt beeinflussen. So wird ein böses Genie es als Babysitter weniger weit bringen, als wenn es sich der Militärtechnologie widmet.
Und sollte es gut genug sein und zum Weltratsvorsitzenden aufsteigen, dann wird aus dem Sandbox-Spiel mal ganz schnell ein Titel ab 18. Okay, die Fantasie geht mit uns durch. Doch schon an eben jenem Beispiel kann man erkennen, dass Die Sims 3 unglaublich viele Möglichkeiten offen lässt, wie sich ein Charakter entwickeln kann. Man wird daher nie zweimal die gleiche Geschichte erleben, darf immer wieder neue erdenken und diese dann auch spielen. Und für die, die ihre Ideen gern aufnehmen, bietet das Spiel sogar ein Recording-Tool, das es dem Spieler ermöglicht, seine aufgenommenen Videos auf der EA-Homepage hochzuladen und diese mit anderen Spielern zu teilen. Motivierend!
Unser Gerd bekommt drei gute und zwei eher schlechte Eigenschaften mit auf den Weg und prompt sind wir auch schon in der Welt von Die Sims 3 angekommen. Und sofort springt einem die auffälligste Neuerung des Sequels ins Auge. Nicht mehr nur ein einfacher Vorort, sondern eine ganze Stadt erstreckt sich da über den Bildschirm. Die bietet nicht nur eine Menge schicker Häuser, die erst erarbeitet werden wollen, sondern vor allem auch Parks, Clubs, Restaurants, Strände, Angelplätze und so weiter. Überall tummeln sich andere Sims, die nur darauf zu warten scheinen von unserem Gerd umgarnt zu werden. Doch falsch gedacht. Denn die virtuellen Figuren leben ihren eigenen Alltag, auch unabhängig von Gerds Anwesenheit. Sie entwickeln sich weiter, steigen in ihren Jobs auf, buhlen mit uns um neue Stellen, gehen Essen, heiraten, zeugen Bälger, ziehen um, brennen ihre Hütten ab und sterben. Sie haben alle ihre eigene kleine Geschichte. Doch natürlich darf sich Gerd nicht im Zugucken verlieren, schließlich ist er kein Voyeur! Also kauft er sich erst einmal ein kleines Apartment und richtet es notdürftig ein.
Ein Bett hier, ein Fernseher da. Er hat dabei unglaublich viele Möglichkeiten, seine eigenen vier Wände einzurichten. Nur fehlt ihm meist noch das nötige Kleingeld. Ein neues Feature kann er aber ganz und gar kostenlos nutzen. In Die Sims 3 kann man nämlich jedem Möbelstück eine ganz persönliche Farbe zuordnen. Dies geschieht auf einer virtuellen Farbpalette und bietet noch mehr Möglichkeiten, sich selbst zu entfalten. Wäre Gerd nicht so unselbstständig hätte er übrigens auch ein eigenes Haus bauen können. Vielleicht findet er ja eine Frau, die das für ihn übernimmt. Um an die nötige Kohle zu kommen, um auch mal ein Wesen des anderen Geschlechts ausführen zu können, bewirbt er sich um einen Job. Da Gerd zu faul zum Lesen ist, stolziert er im Anzug vom Second Hand Händler zum nächstgelegenen Unternehmen. Er hat zwar die Auswahl zwischen satten 11 Karrieren, wie der Wissenschafts-, der Militär- oder der Musikkarriere, entscheidet sich aber auf Grund der Nähe für die Politik-Karriere. Quatschen konnte er immer schon ganz gut, außerdem ist eine seiner Eigenschaften Sozialkompetenz. Nach einer kurzen Bewerbung ist er auch schon als Podiumspolier eingestellt. Nun muss er seine Fähigkeiten verbessern, um aufzusteigen. Wie in den Vorgänger geht das beispielsweise durch Interaktion mit Objekten, aber neuerdings auch durch das Teilnehmen an kostenpflichtigen Informationsveranstaltungen in der Stadt bzw. an den jeweiligen Arbeitsplätzen. Gerd muss nun vor allem an seinem Charisma arbeiten. Darum steht er ständig vor seinem Fünf-Dollar Spiegel und bequatscht sich selbst. Natürlich vergeht ihm dabei schnell die Lust. Wie in den Prequels muss man auch in Die Sims 3 wieder auf die Grundbedürfnisse seiner Sims eingehen. Deshalb schicken wir Gerd auf die Toilette, wenn er mal muss, in die Dusche, wenn er anfängt zu riechen und vor die Glotze, wenn er sich unterhalten will. Essen lassen wir liefern. Schließlich ist Gerd wie bereits angesprochen faul. Außerdem hat er jetzt ja auch Geld und wegen seiner Schussligkeit würde sowieso nur die Küche abfackeln. Ein paar Tage später ist Gerd bereits zum Ja-Sager aufgestiegen. Eine ehrenwerte Position.
Langsam möbliert er sich ein Heim, er kauft schönere Kleider und geht aus, lernt Freunde kennen, auch Frauen und verliebt sich.
Irgendwie schafft er es Madam Gerd auch bald ins Bett zu überreden und seine Laune steigert sich. Sein Leben läuft gut und wir freuen uns. Bald schon wird Gerd Gerdline heiraten und Gerd-Kind zeugen. Dann ziehen die Drei um, möblieren wieder alles, nur schöner. Lernen neue Freunde kennen, das Kind geht zur Schule, wird erwachsen und beginnt eine Verbrecher-Karriere. Dann wird es gefasst, Gerd ist geschockt, er ist schließlich nicht mehr der Jüngste und irgendwann stirbt Gerd, als er auch noch von dem unehelichen Kind von Gerd-Kind erfährt. Gerd-Kind ist daraufhin völlig fertig, will sich bei seinem Vater entschuldigen, wechselt die Karriere und beichtet ihm alles auf dem Friedhof, wo Gerd in Geistergestalt erscheint und Gerd-Kind vergibt. Nachdem auch Gerdline gestorben ist und Gerd-Kinds eheliche und uneheliche Kinder ebenfalls geheiratet und wiederum Kinder bekommen hat, speichern wir das 800. Mal, lehnen uns immer noch nich gelangweilt zurück, atmen tief durch und sind zufrieden. Dann scrollen wir auf Speicherstand Nummer 1 zurück und fragen uns: Was wäre, wenn Gerd schwul wird?
Die Sims 3 bietet eine großartige Welt voller Möglichkeiten und hebt sich dabei in vielerlei Hinsicht von seinem Vorgänger ab. Zwar hat Maxis das Rad nicht neu erfunden, noch immer sorgt man für das leibliche und seelische Wohl seiner Protagonisten, doch tut man dies nun in einer viel größeren und interaktiveren Umgebung. Aus der Nachbarschaft wurde eine ganze Stadt, aus relativ leblosen NPCs wurden eigenständige, virtuelle Lebewesen, die ihr Leben unabhängig vom eigenen Sim gestalten und ebenfalls nach Glück und Harmonie trachten. Sowohl die Möglichkeiten in der Charaktererstellung, wie im alltäglichen Leben, auf Arbeit, als auch im sozialen Kontext wurden stark vermehrt und fesseln so noch länger an das Spielgeschehen. In Die Sims 3 gibt es fast unendlich viele Dinge zu entdecken und noch mehr Geschichten zu erzählen. Neuerungen, die sich nicht auf die Quantität beziehen fügen sich ausnahmslos gut in den Spielfluss ein und bereichern ihn. Auch die Möglichkeit, seine Geschichten aufnehmen und ins Netz stellen zu können, steigert die Motivation und so kann man zu Die Sims 3 nur noch eins sagen: Maxis hat seine Franchise erfolgreich fortsetzen können, wir können so gut wie jedem Zocker eine uneingeschränkte Kauf-Empfehlung aussprechen. Dieses Spiel macht süchtig und glücklich.
Was man von den vielen technischen Problemen allerdings nicht behaupten kann. Auch wenn diese keine Auswirkung auf die Spielspaßwertung haben, sollen sie doch hier erwähnt werden, gemeinsam mit dem Appell an EA sich endlich wieder um ein ordentliches Qualitätsmanagment zu kümmern und nicht ständig Halbgares auf den Markt zu werfen!
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
Die Sims 3 im Test.
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