Gesamtwertung77%/10 |
GrafikBefriedigend SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Treasure Island war Euch zu abenteuerlich und So Blonde zu kindisch? Mit anderen Worten: Ihr wollt ein Adventure mit Biss? Kein Problem, Dracula Origin hat sogar sehr viel Biss, was vor allem dem Bösewicht des Spiels zu verdanken ist: Graf Dracula höchstpersönlich. Ob wir Weihwasser und Knoblauch gebunkert oder uns den Pflock selbst in die Brust gerammt haben, erfahrt Ihr im Review.
Blut spenden auf transsylvanisch...
Die Mythen und Erzählungen um den Fürst aller Blutsauger beschäftigen seit jeher die Unterhaltungsindustrie. Und wenn es nicht gerade Dracula ist, dann zumindest das niedere Vampirvolk. Prägend für das ungebrochene Interesse an der Thematik ist vor allem Bram Stokers weltberühmter Schinken Dracula, der ungeahnte Wellen schlug und nur der Anfang einer unzähligen Reihe von Büchern, Filmen und Spielen darstellt. Und auch Dracula: Origin ist längst nicht das erste Adventure rund um spitze Zähne und Kruzifixe. Ihr übernehmt im Spiel die Rolle des berühmten Vampirjägers Professor Van Helsing, der schon lange auf der Suche nach dem teuflischen Oberhaupt ist, bisher jedoch erfolglos blieb.
Zur gleichen Zeit versetzt eine Mordserie mit ungewöhnlichen Tatumständen England in Angst und blankes Entsetzen: So weisen sämtliche Opfer kleine Einstiche am Hals auf. Kenner der Materie wissen: Dracula hat auf Dr. Best gehört und wieder mal ordentlich zugebissen. Van Helsing muss jedoch schnell handeln: Nach den ersten Hinweisen fällt es ihm wie Schuppen von den Augen, dass Dracula einen Weg sucht, seine verstorbene Frau ins Leben zurückzuholen.
Dumm: Damit wäre das Ende der Menschheit besiegelt, wir müssen den frischen Knoblauch also abhängen und mitnehmen, denn rasches Handeln ist angesagt. Zumindest theoretisch, praktisch könnt Ihr Euch wie in fast jedem Adventure außer wahlweise in Sinking Island Zeit für die Ermittlungen lassen, die eben nicht in Echtzeit ablaufen. So stört es auch nicht, wenn wir uns für die Charakterisierung der versuchten und geglückten Morde Zeit lassen.
Im ganz altmodischen Stil durchstöbern wir Zeitungausschnitte nach wichtigen Hinweisen, vor allem in Bezug auf den Tatort. Nett: Gleich das erste Rätsel macht richtig Lust auf die nachfolgenden Ermittlungen.
Auf einer Karte markieren wir mit einem roten Stift den jeweiligen Tatort und verbinden selbigen mit der angegebenen Fluchtrichtung. Wir können uns nicht an ein Adventure der jüngsten Zeit erinnern, dass mit solch kleinen Mitteln bereits die richtige Atmosphäre erzeugen konnte. Ist das Tat-Diagramm fertig, werden die Umstände der Morde und das Motiv des Blutsaugers noch klarer: Dracula will sich an einer gewissen Mina zu schaffen machen. Nur ihr Körper garantiert ihm den Austausch mit seiner Frau. Das Spiel wäre aber arg schnell vorbei, wenn wir zum vermuteten, nächsten Ort des Geschehens wandern und dem blassen Heini den Knoblauch ins Auge drücken.
Knoblauch for President...
Nein, so einfach ist das nun wirklich nicht. Ladies and gentleman, Rätsel wollen gelöst werden. Dracula: Origin beschränkt sich entgegen der simplen Tradition zuletzt erschienener Genrevertreter aber einmal nicht nur auf Kombinationsaufgaben, sondern würzt den blutigen Brei auch noch mit eigenen Nuancen.
Auf einem Friedhof müsst Ihr in einen Schuppen gelangen. Genretypisch ist der mit einem Zahlenschloss anfangs nicht zugänglich. In einer mit einer allgemein nicht durchweg überzeugenden, deutschen Synchronisation - Unterredung mit dem Wärter der den Code selbst vergessen hat, ah wie typisch! - erfahren wir dass wir die Zahlenkombination aus den Geburtsdaten zweier Verstorbener ableiten müssen.
Keine Angst, Origin ist zumeist nicht allzu fordernd auch nicht in Bezug auf das Inventar, dass nicht am unteren Bildschirmrand, sondern per Rechtsklick in einem seperaten Screen zugänglich ist. Nachdem wir die Geburtsdaten mit der Gartenkralle Gold oder so ähnlich freigekratzt haben, sollen wir den Hinweisen nach gewisse Zahlen umdrehen also wird aus einer 6 eine 9 und den fertigen Code am Schloss eingeben. Et Voilà, wir sind auch schon drin. Ganz so einfach ist der Rätselalltag im Spiel jedoch nicht immer manche Knobeleien wie beispielsweise ein Tafelrätsel in einem transsylvanischen Schlosskeller sind, vor allem gegen Ende hin, sogar recht knackig.
Schade: Das Modell der integrierten Komplettlösung wie in Goin' Downtown bleibt vorerst einzigartig. Dracula: Origin weist Euch auf Knopfdruck lediglich hin, welche Ausgänge und Objekte sich auf dem aktuellen Screen befinden, mit anderen Worten bietet es also eine Hotspot-Anzeige. Komfortabel: Dabei seht Ihr, welche Punkte nur zum Ansehen und welche auch zum Interagieren gedacht sind.
Leider fehlt es gerade einigen Rätseln an ausreichenden Hinweisen: Nicht immer wisst Ihr, wann was zu tun ist, auch wenn sich der Titel bezüglich Screen-Komplexität recht einfach gestrickt hält. Echte Detektive sollte das aber nicht stören.
Die freuen sich derweil über die atmosphärisch gestalteten Locations: Die Reise führt Ihr dabei zu Beginn nach London, geht über Kairo und ab nach Wien, nur um im letzten Kapitel dem Saugerfürst in Transsylvanien Saures zu geben. Auch wenn es der letzte Teil des vorangegangen Satzes vermuten lässt: Action- oder Quicktime-Szenen erwarten Euch nicht in Dracula: Origin. Technisch reißt sich der Titel zwar kein Bein aus, punktet aber wie bereits erwähnt mit durchweg stimmungsvoll gestalteten, zweidimensionalen Bildschirmen. Die dreidimensionalen, etwas schwach animierten Charaktere sind dabei aber leider nicht auf par. Seit unserer Preview hat sich auch leider nichts an der Leblosigkeit der Locations geändert: Animierte Effekte fehlten uns nicht gerade selten.
Dracula: Origin im Test.
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