Gesamtwertung89%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Da wo Männerherzen höher schlagen...
Wovor hat ein Redakteur Angst, wenn er einen DTM-Teil testen muss? Nein, nicht vor dem Spiel an sich. Vielmehr davor, beim Review etwas zu vergessen. Denn der Inhalt des nunmehr dritten Race Driver-Ablegers hat es wirklich in sich und man möge uns kleinere Sachen verzeihen, die wir nicht erwähnen werden. Nach dem perfekt auf den Rennsport einstimmenden Intro geht's auch schon direkt ins Hauptmenü. Hier kann man seine Rennsportkarriere beginnen. Neben einer Reihe von Simulationsmodi - hier sind unter anderem das freie Rennen und der Mehrspielermodus des Spiels enthalten - findet man im Hauptmenü auch die Modi Welttournee und Profikarriere sowie den DTM-Schnellstart.
Letzterer Modus erklärt sich fast von selbst: Da die Deutsche Tourenwagenmeisterschaft trotz des Titels nur einen recht geringen Teil des eigentlichen Games einnimmt, wird hier Ungeduldigen die Möglichkeit geboten, die Meisterschaft der DTM gleich in mehreren Etappen zu durchlaufen. Enthalten sind von Anfang an alle Wagen der berühmten Renndisziplin. Genauso schnell lässt sich auch die Profikarriere erklären: In dieser findet man eine reichhaltige Auswahl an unterschiedlichen Meisterschaften, die mehrere Rennserien in sich vereinigen. Durch Absolvieren der einzelnen Disziplinen werden nach und nach neue Herausforderungen und Fahrzeuge freigeschalten. Mehr Belohnungen gibt es übrigens für bessere Platzierungen.
Die Welttournee bietet uns die Möglichkeit, eine Motorsportkarriere zu durchlaufen, die insgesamt 35 Rennserien in sich vereint und praktisch wie eine Pyramide verläuft. Ihr fangt auf der untersten Stufe quasi als 'No-Name' an und arbeitet Euch bis an die Spitze der Pyramide, an der die DTM steht.
Auf einer Stufe der Karriereleiter stehen zuweilen zwei bis drei Rennserien gleichzeitig, zum Weiterkommen ist jedoch jeweils nur immer eine von Nöten. Die einzelnen Meisterschaften unterscheiden sich im Großen und Ganzen übrigens hinsichtlich Renndisziplin und erforderlicher Streckenanzahl. Und die Renndisziplinen haben es wirklich in sich: Unzählige unterschiedliche Fahrzeugklassen haben es in DTM Race Driver 3 geschafft. So könnt Ihr Euch zum Beispiel hinters Steuer der legendären Silberpfeile, fetter V8-Karren oder auch der beliebten Muscle Cars klemmen. Unglaublich aber wahr: Sogar Monster- und Speedtrucks können gefahren werden. Meisterschaften mit Motocross-Buggys, Formel 1000-Boliden oder Rallyefahrzeugen sowie viele andere Rennserien vervollständigen das Aufgebot an Vielfalt.
Dieser Abwechslungsreichtum wird auch hinsichtlich des Handlings der unterschiedlichen Flitzer deutlich: In nahezu jeder Rennserie ist es wichtig, auf der Strecke umzudenken, wann gebremst und Gas gegeben werden muss. Dieser hohe Grad an Realismus zieht sich übrigens wie ein roter Faden durch das ganze Spiel. Auch beim Schadensmodell haben sich die Entwickler eine gehörige Scheibe an Realitätsnähe beim Konkurrenten GTR abgeschnitten: Frontscheiben klirren, Motorhauben brechen auf und manchmal bleibt auch schon mal der ein oder andere Spoiler auf der Strecke liegen. Bei Boliden wie den Silberpfeilen können nach einem heftigeren Crash zusätzlich Reifen abfliegen. In diesem konkreten Fall ist das Rennen dann gelaufen.
...und Aggressionen abgelassen werden können
Ein überarbeitetes Flaggensystem sorgt übrigens dafür, dass die Rennen auch fair ablaufen. Unvorhergesehene Abkürzungen und riskante Fahrweisen resultieren zuerst in einer Verwarnung, die dann bei nochmaligen Vergehen zu einer Zeitstrafe werden kann. Wer einen Fehler ein drittes Mal begeht, wird disqualifiziert. Zu bemängeln ist an diesem System jedoch, dass es sehr streng mit dem Spieler umgeht, wohingegen es für die KI-Fahrer des Öfteren mal ein Auge zudrückt.
Apropos KI: Die ist größtenteils ziemlich gut geraten, überrascht mit unerwarteten Fahrmanövern und erlaubt sich auch vereinzelt nachvollziehbare Fehler. Dennoch ist zu sagen, dass sich die computergesteuerten Fahrer wie schon in DTM Race Driver 2 ab und zu arg agressiv verhalten und das kann bei besonders fiesen Drängelmanövern gerade in der letzten Runde schon mal zu kleineren Wutanfällen führen. Hier wäre Feintuning nötig gewesen.
Eine Neuigkeit, deren Sinn wir nicht ganz nachvollziehen konnten, ist der in der DTM-Serie erstmals Verwendung findende Benzinverbrauch: dieser lässt so gut wie keinen Spielraum für Fahrtaktiken. Meistens wird sowieso immer der nötige Benzinvorrat vor dem Rennen aufgefüllt, also wieso dieses Feature? Klar, dass der Verbrauch in hohen Drehzahlregionen höher wird und bei Unfällen Sprit verloren gehen kann, aber so gut wie immer reicht der wichtige Kraftstoff für das ganze Rennen. Sollte man wider Erwarten doch einmal in Benzinnot geraten, hilft nur ein beherzter Abstecher in die Boxengasse. Neben dem Tanken werden hier auch innere Beschädigungen des Autos bereinigt.
Grafisch ist DTM Race Driver 3 leider nicht ganz der erhoffte Quantensprung geworden, dennoch stellt dieser Teil im Gegensatz zum Zweiten eine definitive Weiterentwicklung dar.
Natürlich kann man über die öden Boxenstopps ohne animierte Crewmitglieder, das altbekannte 2D-Tapeten-Publikum sowie etwas zu effekthaschende Reflexionseffekte auf dem Lack der Boliden meckern, doch zum Glück werden diese optischen Macken durch viele postiven Aspekte wieder ausgeglichen. Der Texturdetail ist enorm, die Rennen verlaufen ohne sichtbare Pop-Ups oder Clipping-Fehler und die Wagen gefallen durch ihr sehr realitätsgetreues Design. Auch die grafische Vielfalt der Rallyekurse kann man auf jeden Fall zu den optischen Pros von DTM 3 zählen. Einziger Wermutstropfen für Fahrbesessene: Die Cockpit-Perspektive kann in den meisten Fällen nicht überzeugen, da man oft nur oberhalb des Armaturenbretts sieht, was auf der Strecke passiert. Ein Lenkrad fehlt oft, genauso wie eine Tachometer.
Akustisch kann das Spiel überzeugen: Jeder Bolide klingt und zerdeppert bei Unfällen hörbar anders. Besitzer von Soundsystemen dürfen sich übrigens glücklich schätzen, da das Renngefühl mit optimal eingestellter Subwooferleistung noch um einiges besser herüberkommt. Auf Hintergrundmusik während der Rennen wurde übrigens verzichtet, was eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung ist. Auch die deutsche Synchronisation kann sich sehen bzw. hören lassen und die Kommentare sind sogar das ein oder andere Mal richtig nützlich.
Im Mehrspielermodus entfaltet DTM Race Driver eine besondere Stärke, denn die Hetzjagden über die den Originalen nachempfundenen Strecken machen Spaß von Anfang bis zum bitteren Ende. Gespielt werden kann übrigens über Netzwerk und online. Maximal zwölf Freunde können sich dann in allen Einzelspielermodi austoben. Und die Bezeichnung 'austoben' kann man genauso verstehen, wie sie gemeint ist. Zum Beispiel hat es selten so Gaudi gemacht, mit Indycars und Affenzahn über Ovalstrecken zu heizen und dabei ständig aufpassen zu müssen, dass sich die Vorder- und Hinterachsen der leichten Karren nicht ineinander verhaken. Gemeinsame Ausflüge ins Kiesbett waren dennoch vorhanden.
Nur schade, dass Mängel wie die wenig schönen Boxenstopps, einige böse KI-Aussetzer sowie Unzulänglichkeiten im Strafsystem absolut vermeidbar waren und somit das Vordringen in höhere Wertungsregionen verweigern. Ich zumindest hoffe auf einen guten Update-Support seitens Codemasters, der vielleicht die ein oder anderen Bugs beiseite räumen kann. Trotzdem kann ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen: DTM Race Driver 3 gehört einfach in jede gut sortierte Racer-Sammlung und wird Rennspielfans garantiert für eine längere Zeit an den Bildschirm fesseln!