DTM Race Driver

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Codemasters
Entwickler
Codemasters
Erscheinungsdatum
-
Genre
Racing
USK
-
DTM Race Driver [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

84%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Ausreichend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

DTM Race Driver

Die Ampel leuchtet rot. Nervöses Zucken der Hand. Die Fahrer lassen die Motoren aufheulen. Im Geiste gehen wir den Streckenverlauf noch einmal durch. Die Ampel springt auf grün, wir treten voll aufs Gas und lassen unseren Tourenwagen mit High Speed über die Strecke sausen. Klingt aufregend? Ist es auch! In DTM Race Driver schlüpft ihr endlich wieder in einen Rennoverall und dürft auf den Pisten dieser Welt so richtig Gas geben. Anders als in anderen Rennspielen aber seid ihr kein namenloser Nachwuchsfahrer. Ihr schlüpft nämlich in die Rolle von Ryan McKane, dessen Vater vor 15 Jahren bei einem provozierten Unfall in einem Rennen ums Leben kam. Nun sind Ryan und sein großer Bruder Donnie in die Fußstapfen ihres Vaters getreten und fahren ebenfalls fleißig Rennen, wobei Klein-Ryan immer ein wenig im Schatten seines älteren Bruders steht. Das soll sich ändern, als Manager Bobbie Scott auf Ryan aufmerksam wird und ihn unter Vertrag nimmt. Wie dem auch sei, einen Superlativ kann Ryan McKane bereits jetzt für sich verbuchen. Er ist die wohl unsympathischste Hauptfigur, die es jemals in einem PC-Spiel gab. Unverschämt, egoistisch, arrogant und zu Allem bereit. Ein echter – pardon – Kotzbrocken.

Aber das soll nicht unsere Hauptsorge sein. Uns interessieren wohl viel mehr die Rennen, die es bei DTM Race Driver zu bestreiten gibt. Und anders, als der Titel vermuten lässt, drückt ihr nicht nur in den Deutschen Tourenwagen Masters auf Gaspedal sondern nebenbei auch noch in insgesamt 12 anderen internationalen Meisterschaften, darunter die englische ToCA-Meisterschaft oder die australische V8 Supercars-Meisterschaft. Auf insgesamt 38 international bekannten Rennstrecken geht es mit über 40 lizenzierten Rennwagen ordentlich zur Sache. In den Fuhrpark schummeln sich übrigens neben Boliden wie dem Audi TT-R oder dem Opel Astra V8-Coupé auch eine Hand voll „Zivilfahrzeuge“ wie z.B. eine 1978er Chevrolet Corvette oder ein Dodge Charger. Und allein das sollten Features und Daten sein, die echten Rennspiel-Fans das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen.

Los geht es ganz gemächlich. Um seinem Manager in spé zu zeigen, was er auf dem Kasten hat, fährt Ryan unter Zeitdruck eine erste Testrunde auf der Strecke von Brands Hatch. Wer sich jetzt von dem Zeitlimit beeindruckt fühlt, dem sei gesagt, dass für diese eine Testrunde fast 5 Minuten Zeit sind. Eine kleine Kaffeepause auf halbem Weg erscheint also durchaus realistisch. Danach startet ihr auch sogleich in die ersten Rennen mit einem noch etwas schwachbrüstigen Fahrzeug. Dennoch sollten erste kleine Erfolge und Platzierungen in den Punkterängen möglich sein. Zusätzlich gefordert wird der Spieler auch durch Extra-Boni, beispielsweise für das Erreichen einer bestimmten Punktezahl oder einer bestimmten Platzierung innerhalb der WM. Für solche erreichten Bonus-Ziele lassen die Rennstallbesitzer schon einmal ein paar 100.000 $ extra auf euer Konto wandern.

Zwischen den einzelnen Saisons muss sich Ryan nicht langweilen. Er kann jederzeit zwischen zwei WMs ein paar freie Rennen fahren, kann sich auf Engagements für Ein-Tages-Events einlassen oder sich von einem privaten PS-Junkie herausfordern lassen. Das sorgt für erfreulich viel Abwechslung und schafft bei Langeweile Abhilfe.

Je mehr WM-Punkte Ryan erreicht, desto schneller steigt er in höhere Klassen auf, wodurch sich ihm neue Fahrer-Verträge mit lukrativeren Rennställen, neue Fahrzeuge und logischerweise auch neue Strecken eröffnen.

Was spielerisch alles sehr reizvoll klingt, baut auf eine technisch grundsolide und ausgereifte Verpackung. Die Grafik ist sehr schön anzusehen, lediglich manche Streckenobjekte könnten etwas detailreicher sein. Sehr schön gestaltet sind nahezu alle Fahrzeuge. Äußerst polygonreiche Modelle, schöne, hochauflösende Texturen und – ganz wichtig – ein sehr detailliertes Schadensmodell überzeugen auf ganzer Linie. Das ist auch bitter nötig denn wie bereits eingangs erwähnt, ist Ryan nicht gerade zimperlich. Da wird schon mal eine Schikane geschnitten und die Gegner mit einem saftigen Rempler nach draußen befördert. Je nach Strecke kann ein Rennen durchaus mal in eine Art Demolition Derby der gehobenen Art ausarten. Auf die Steuerung hat das Schadensmodell wenig Einfluss. Auch bei einem Beinahe-Totalschaden beschleunigt das Fahrzeug noch sehr gut und lässt sich auch noch relativ einfach steuern.

Bei den Menüs haben sich die Entwickler einige schöne Ideen einfallen lassen. So klickt ihr euch meist nicht durch sterile 2D-Screens sondern durch echte 3D-Menüs. So ist das Hauptmenü z.B. Ryans Büro oder das Renn- und Tuning-Menü die Garage in der Boxengasse. Wo wir gerade bei Tuning sind…

Damit ihr aus euerem Rennboliden die letzten paar PS rausholt, stellen euch die Entwickler ausführliche Tuningmöglichkeiten zur Verfügung. Egal ob Bremskraft, Getriebeübersetzung, Schaltung oder auch die Reifen – für echte Bastler und Hobbyschrauber ist alles da, was man braucht. Wer sich mit dem Tuning nicht ewig aufhalten will, der sei beruhigt – auch ohne große Tuning-Einstellungen haben halbwegs geübte Fahrer gute Chancen auf dem Asphalt.

Das, was DTM Race Driver so von der üblichen Kost abheben sollte, ist der Story-Modus. Ihr fahrt also nicht nur Rennen sondern erlebt nebenbei auch noch eine echte Hintergrundgeschichte, die euch durch das gesamte Spiel begleitet und durch Sequenzen in der Spielengine erzählt wird. Leider ist dieser hoch gepriesene Story-Modus bestenfalls eine brauchbare Ergänzung zum Spiel. Die Story hat wenig Tiefgang und strotzt nur so von albernen Rennfahrer-Klischees.

Die Charaktere werden allesamt von professionellen Sprechern synchronisiert. Mit im Sprecher-Team ist z.B. Kai Taschner, den man aus vielen Filmen und Serien kennt und der den PC-Spielern als schräger Quizmaster in „You don`t know Jack“ Teil 2 und 3 ordentlich einheizte. Leider aber hat man die Stimmen nicht wirklich geschickt auf die Charaktere abgestimmt. So wirken viele Unterhaltungen arg gekünstelt und so manche Stimme passt vom Alter nicht wirklich zu ihrer Figur.

Was ist in einem Rennspiel besonders wichtig? Genau, die Steuerung! Und die ist erfreulich gut gelungen. Alle Fahrzeuge steuern sich sehr unterschiedlich aber gehen dennoch einfach von der Hand. Zu simpel ist die Bedienung aber dennoch nicht, so dass auch geübten Fahrern durchaus ein Fahrfehler unterlaufen kann. Und das gilt nicht nur für euch sondern auch für die KI-Gegner. Die fahren zwar einerseits sehr aggressiv und ohne Rücksicht auf Verluste, sind aber erfreulicherweise auch nicht perfekt und machen deshalb auch ohne euere zusätzliche Einwirkung Fahrfehler oder produzieren sogar Crashs, die dank dem mehr als ausgefeilten Schadensmodell sehr gut aussehen.

Wer dennoch auf die Dauer die Nase von KI-Gegnern voll hat, dem bietet DTM Race Driver mehr als genügend Möglichkeiten, auch gegen menschliche Konkurrenten aufs Gaspedal zu drücken. Neben heißen Rennen im LAN oder Internet mit bis zu 7 weiteren Mitfahrern unterstützt das Programm auch den in letzter zeit schmerzlich vermissten Split-Screen-Modus. Wer es hinkriegt, dass insgesamt 4 Personen ausreichend Platz und Tasten haben, der kann gegen eben 4 Spieler an einem PC antreten. Wir empfehlen die Verwendung eines Gamepads und eines Lenkrades – die anderen zwei Mitspieler an einer Tastatur spielen zu lassen, sollte dann vom Platz her kein Problem sein.

Fazit

Endlich mal wieder ein Rennspiel, das richtig Laune macht. Die Meisterschaften sind fordernd, die Grafik schön und der Sound realistisch. Und wer sich abreagieren möchte, dem empfehle ich ein freies Rennen auf dem Bristol Speedway mit 19 Konkurrenten – besser als jedes „Destruction Derby“! Doch jedes noch so schöne Spiel hat Minuspunkte. Bei DTM Race Driver nervt die seichte Story und kleine Grafikschwächen. Und Ekelpaket Ryan McKane ist leider ein Minuspunkt, den man nicht so einfach im Optionsmenü abstellen kann. Ansonsten aber kann ich DTM Race Driver jedem ans Herz legen, dem Formel 1 zu „offiziell“ und GTA 3 zu weit hergeholt ist. Hier gibt es die richtige Mischung aus Action und einer sehr guten Simulation. Rennspielfans, zugreifen!

DTM Race Driver [PC , Justgamers]

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